Historische Maße und Währungen#
→ Behelf: Altes Maß in metrisch · Behelf: Grundstücksfläche und Preis je Quadratklafter · Behelf: Währungskette Gulden bis Euro
Alte Maßangaben begegnen in Urkunden, Kaufverträgen, Servitutsbeschreibungen, alten
Grundbuchsauszügen und in der Katastralmappe. Das Quadratklafter hat den Übergang
sogar überlebt: Grundstückspreise werden im östlichen Österreich bis heute je
Quadratklafter genannt.
Rechtlicher Rahmen#
Das Maß- und Gewichtsgesetz vom 23. Juli 1871, RGBl 16/1872, führte das metrische
System ein; verbindlich wurde es mit 1. Jänner 1876. Bis dahin galten in
Niederösterreich die Wiener Maße, die schon durch die Patente von 1756 und 1761
für die Erblande vereinheitlicht worden waren. Die Umrechnungswerte der folgenden
Tabellen sind die gesetzlich festgelegten, nicht bloß gerundete Näherungen.
Für die Praxis wichtig: Die im Grundsteuerkataster von 1817 bis 1861 erhobenen
Flächen sind in Joch und Quadratklafter geführt; die metrischen Angaben späterer
Auszüge sind daraus umgerechnet. Abweichungen im Bereich weniger Quadratmeter
zwischen alter und neuer Angabe stammen aus dieser Umrechnung und aus der
Mappengenauigkeit, nicht aus einer Grenzverschiebung.
Längenmaße#
Grundmaß ist die Wiener Klafter zu 6 Fuß:
(1)
| Einheit | Zeichen | Teilung | metrisch |
|---|---|---|---|
| Wiener Linie | ''' | 1/12 Zoll | 2,1950 mm |
| Wiener Zoll | '' | 1/12 Fuß | 2,63401 cm |
| Wiener Fuß (Schuh) | ' | 1/6 Klafter | 0,3160810 m |
| Wiener Elle | — | 2,4638 Fuß | 0,77755 m |
| Wiener Klafter | ° | 6 Fuß | 1,8964839 m |
| Rute | — | 2 Klafter | 3,79297 m |
| Postmeile | — | 4000 Klafter | 7585,94 m |
Die Elle ist ein Tuchmaß und steht in keinem glatten Verhältnis zur Klafter — sie
darf nicht als Sechstel oder Halbes gerechnet werden.
Behelf: Altes Maß in metrisch#
Flächenmaße#
(2)
| Einheit | Teilung | metrisch |
|---|---|---|
| Quadratfuß | 1/36 Quadratklafter | 0,099907 m² |
| Quadratklafter (□°) | — | 3,596652 m² |
| Joch | 1600 Quadratklafter | 5754,642 m² |
| 0,5754642 ha |
Faustwerte für die Verhandlung: ein Joch ist etwas mehr als ein halber Hektar,
ein Quadratklafter etwas mehr als dreieinhalb Quadratmeter. Ein Hektar sind
2780,4 Quadratklafter, ein Hektar sind 1,7377 Joch.
Behelf: Grundstücksfläche und Preis je Quadratklafter#
Hohlmaße#
Getreide und Wein wurden nach verschiedenen Reihen gemessen:
| Einheit | Zweck | Teilung | metrisch |
|---|---|---|---|
| Seidel | Wein | 1/4 Maß | 0,35370 l |
| Halbe | Wein | 1/2 Maß | 0,70739 l |
| Maß (Kanne) | Wein | 1/40 Eimer | 1,41478 l |
| Eimer | Wein | 40 Maß | 56,589 l |
| Dreiling | Wein | 30 Eimer | 1697,68 l |
| Achtel | Getreide | 1/8 Metzen | 7,6859 l |
| Viertel | Getreide | 1/4 Metzen | 15,3718 l |
| Wiener Metzen | Getreide | 4 Viertel | 61,4870 l |
| Muth | Getreide | 30 Metzen | 1844,61 l |
Der Metzen tritt regional auch als Flächenmaß auf — die Fläche, die mit einem
Metzen Saatgut bestellt wird. Solche Angaben in alten Urkunden sind nicht
zuverlässig in Quadratmeter umzurechnen; sie schwanken nach Boden und Gegend.
Gewichte#
(3)
| Einheit | Teilung | metrisch |
|---|---|---|
| Quentchen | 1/4 Lot | 4,3755 g |
| Lot | 1/32 Pfund | 17,5019 g |
| Wiener Mark | 1/2 Pfund | 280,030 g |
| Wiener Pfund | 32 Lot | 560,060 g |
| Wiener Zentner | 100 Pfund | 56,006 kg |
Die Mark ist das Edelmetallgewicht; Silber- und Goldmünzen wurden nach ihr
ausgebracht, nicht nach dem Handelspfund. Hier ist sie als halbes Wiener Pfund
angesetzt; ältere Münzordnungen rechnen mit geringfügig abweichenden
Markgewichten.
Währungen#
Die Rechnungswährungen seit der Konventionsmünze, jeweils mit dem gesetzlichen
Umstellungsverhältnis:
| Zeitraum | Währung | Untereinheit | Umstellung zur nächsten |
|---|---|---|---|
| 1750–1857 | Gulden Conventionsmünze (fl CM) | 60 Kreuzer | 1 fl CM = 1,05 fl ö. W. |
| 1858–1892 | Gulden österr. Währung (fl ö. W.) | 100 Kreuzer | 1 fl ö. W. = 2 Kronen |
| 1892–1924 | Krone (K) | 100 Heller | 10 000 K = 1 Schilling |
| 1925–1938 | Schilling (S) | 100 Groschen | 1 RM = 1,50 S |
| 1938–1945 | Reichsmark (RM) | 100 Reichspfennig | 1 RM = 1 S (1945) |
| 1945–2001 | Schilling (S) | 100 Groschen | 1 € = 13,7603 S |
| ab 2002 | Euro (€) | 100 Cent | — |
Die Kette ergibt rechnerisch: 1 Gulden ö. W. entspricht 2 Kronen, das sind nach
1925 zwei Zehntausendstel Schilling und damit rund 1,45 Hundertstel Cent. Diese
Zahl ist eine reine Nennwertkette und sagt über den Wert nichts aus: Sie
enthält die Hyperinflation 1919 bis 1922 und den Währungsschnitt 1947, bei denen
Nominalvermögen weitgehend vernichtet wurde.
Für die Frage, was ein Betrag damals wert war, ist der Verbraucherpreisindex
heranzuziehen. Die Statistik Austria führt die Reihe zurück bis 1914; ihr
Indexrechner liefert die Verkettung über sämtliche Basisjahre. Für ältere Beträge
gibt es keine amtliche Reihe — dort hilft nur der Vergleich mit Löhnen oder
Grundpreisen derselben Zeit, und das ist eine Frage an den Sachverständigen,
keine Rechenaufgabe.
Behelf: Währungskette Gulden bis Euro#
Quelle der Umrechnungswerte: Maß- und Gewichtsgesetz RGBl 16/1872; Umstellungsverhältnisse nach Schillingrechnungsgesetz 1924, Schillinggesetz 1945 und Rat (EG) Nr. 2866/98.