Zum Inhalt springen

Wissen

Bau

Hilfe

Wie die Sammlung geordnet ist

Jede Themengruppe steht auf einer eigenen Seite; die Übersicht führt sie alle auf, und das Zeichen links oben führt dorthin zurück. Das Verzeichnis links springt innerhalb einer Gruppe zu einer Seite und in eine andere Gruppe hinüber; das Zeichen hinter einer Überschrift führt auf sie zurück und lässt sich als Lesezeichen ablegen. Auf schmalem Fenster steht es nicht daneben: » Verzeichnis unter der Kopfleiste holt es hervor, « verbirgt es wieder.

Suchen

Das Feld auf der Übersicht durchsucht alle Themengruppen, Seiten und deren Überschriften zugleich; ein Treffer in einer Überschrift wird als Sprungziel unter der Seite sichtbar. Umlaute sind gleichgültig — „warme“ findet „Wärmeleitung“ ebenso wie „waerme“. Innerhalb einer Themenseite findet die Suche des Browsers, was dort steht.

Behelfe

Etliche Merkblätter bringen einen kleinen Behelf mit — Anhalteweg, Widmark, U-Wert, Vorspannkraft. Sein Kasten steht unter einer Überschrift, die mit „Behelf:“ anfängt; die Zeile unter dem Seitentitel zählt die Behelfe der Notiz auf. Zahlen eintragen, das Ergebnis steht darunter; gerechnet wird im Browser, nichts wird übertragen.

Woher der Inhalt kommt

Die Seiten entstehen beim Bau aus einem Wissensverzeichnis; die Anwendung schreibt nichts. Was hier steht, ist eine Sammlung für den eigenen Gebrauch und keine Auskunft, auf die man sich verlassen sollte, ohne sie zu prüfen.

Tastenkürzel

KürzelWirkung
/auf der Übersicht in das Suchfeld springen
F1diese Hilfe
Eingabeim Suchfeld den ersten Treffer öffnen
Escdas Suchfeld räumen, die Hilfe schließen
Strg + Umschalt + Zzwischen heller und dunkler Fassung wechseln

Bau

Bauablauf#

Behelf: Netzplan kritischer Weg und Puffer · Behelf: Bauzeitverlängerung und Pönale · Behelf: Produktivitätsverlust nach der Measured Mile

Streitigkeiten über den Bauablauf laufen fast immer auf drei Fragen hinaus: Wie lange hätte es gedauert? Wodurch hat es länger gedauert? Wem ist die Verzögerung zuzurechnen? Die erste Frage beantwortet der Terminplan, die zweite die Bauablaufstörungsanalyse, die dritte das Vertragsrecht.

Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen Verzögerung und Verlängerung: Nicht jede Störung verlängert die Bauzeit. Sie tut es nur, wenn der gestörte Vorgang auf dem kritischen Weg liegt oder wenn sie dessen Puffer aufzehrt. Ein Sachverständiger, der Störungstage bloß addiert, ohne den Terminplan zu berücksichtigen, verkennt die Fragestellung.

Begriffe der Terminplanung#

Kürzel Bedeutung Definition
FAZ frühester Anfang frühestmöglicher Beginn des Vorgangs
FEZ frühestes Ende FAZ + Dauer
SAZ spätester Anfang SEZ − Dauer
SEZ spätestes Ende spätestmögliches Ende ohne Verlängerung des Gesamtvorhabens
GP Gesamtpuffer SAZ − FAZ; um so viel darf der Vorgang sich verschieben, ohne das Bauende zu verschieben
FP freier Puffer um so viel, ohne den frühesten Anfang des Nachfolgers zu verschieben

GP=SAZFAZ=SEZFEZGP = SAZ - FAZ = SEZ - FEZ (1)

Der kritische Weg ist die Kette der Vorgänge mit Gesamtpuffer null. Jeder Tag Verzögerung auf ihm ist ein Tag Bauzeitverlängerung. Ein Vorhaben kann mehrere kritische Wege haben; nach Störungen ändert sich der kritische Weg regelmäßig — deshalb ist die Analyse fortzuschreiben (Betrachtung Zeitabschnitt für Zeitabschnitt) und nicht einmalig am Ausgangsplan vorzunehmen.

Behelf: Netzplan kritischer Weg und Puffer#

Eingabe je Zeile: Name ; Dauer ; Vorgänger (mehrere Vorgänger mit Komma, keiner bleibt leer).

Behinderung und ihre Anzeige#

Die ÖNORM B 2110 ist im österreichischen Bauwesen oft Vertragsgrundlage. Sie unterscheidet Sphären: Ereignisse aus der Sphäre des Auftraggebers (fehlende Pläne, verspätete Übergabe, Vorunternehmerverzug, Anordnungen) begründen einen Anspruch auf Bauzeitverlängerung und Mehrkostenersatz; Ereignisse aus der Sphäre des Auftragnehmers (Personalmangel, Gerätedefekte, Kalkulationsfehler) gehen zu dessen Lasten. Neutrale Ereignisse — insbesondere außergewöhnliche Witterung — führen typischerweise zur Bauzeitverlängerung, aber nicht zum Ersatz der Mehrkosten.

Die genauen Fassungen und Fristen der ÖNORM sind im Anlassfall am Vertrag zu prüfen; nicht jede Ausgabe ist gleich, und Abweichungen im Bauvertrag sind die Regel, nicht die Ausnahme.

Praktisch entscheidend sind die Behinderungsanzeige und ihre Rechtzeitigkeit. Fehlt sie, hilft dem Auftragnehmer regelmäßig nur, dass die Behinderung dem Auftraggeber ohnehin offenkundig war. Für das Verfahren heißt das: Bautagesberichte, Baubesprechungsprotokolle und der Schriftverkehr sind die eigentlichen Beweismittel, nicht eine nachträglich erstellte Balkenplandarstellung.

Behelf: Bauzeitverlängerung und Pönale#

Methoden der Störungsanalyse#

Methode Vorgehen Schwäche
Soll–Ist-Vergleich geplanter gegen tatsächlichen Ablauf zeigt Abweichung, nicht Ursache und Zurechnung
Soll'-Methode (fortgeschriebenes Soll) Störungen werden in den Ausgangsplan eingerechnet Ausgangsplan muss belastbar sein
Ist-minus-Methode (collapsed as-built) Störungen werden aus dem Ist-Ablauf herausgerechnet erfordert lückenlose Ist-Dokumentation
Zeitabschnittsbetrachtung (windows) Ablauf wird in Abschnitte zerlegt, je Abschnitt bewertet aufwändig, aber methodisch am belastbarsten
Behelf: Produktivitätsverlust nach der Measured Mile#

Die Methode vergleicht einen ungestörten Bauabschnitt mit einem gestörten desselben Vorhabens und derselben Leistung. Der Vergleich stellt auf den tatsächlichen Ablauf auf der Baustelle ab, weshalb Kalkulationsfehler des Auftragnehmers das Ergebnis nicht verfälschen — der große Vorzug gegenüber Erfahrungswerten aus der Literatur.

p=muhu,hsoll=mgp,Δh=hghsollp = \frac{m_{u}}{h_{u}}, \qquad h_{\text{soll}} = \frac{m_{g}}{p}, \qquad \Delta h = h_{g} - h_{\text{soll}} (2)

Verwandte Notizen: Baulexikon, Rissbilder, Methodenkritik im Gutachten

Quelle: Netzplantechnik nach der Methode des kritischen Weges; Sphärenzuordnung nach ÖNORM B 2110 (die Fassung ist im Anlassfall am Vertrag zu prüfen)

Baulexikon#

Verzeichnis der Begriffe, die in Bauprozessen, Gutachten und Bauverhandlungen wiederkehren. Die Einträge stehen in thematischen Teilen; das Register darunter führt alphabetisch zu jedem Stichwort. Vertiefend: Baustoffkennwerte, Feuchte, Taupunkt und Schimmel, Lebensdauer von Bauteilen.

Teile#

Register#

AArmierungsstahl · Attika · Ausheizprotokoll

BBaugrundgutachten · Baustahl · Bautischler · Belegreife · Beton · Blower-Door-Test · Bodenplatte · Braune Wanne · Brettschichtholz

CCM-Messung

DDämmung · Dampfbremse · Dampfdruck · Deckenspiegel · Dichtung

EEinreichplan · Energieausweis · EPS · Estrich

FFertigteil · Firsthöhe · Flachdach · Frostschürze · Frosttiefe · Fugenband · Fundament · Fundamenterder

GGründung

HHaustechnik · Hebeanlage · HKLS · Holzriegelbau · HT-Rohr

IIsolierung/Isolator/Isolation

KKG-Rohr · Kiesnest · KVH

LLarssen

MMDF

OÖBA/örtliche Bauaufsicht · Ortbeton · OSB

PParapet · Perimeterdämmung · Pfahlgründung

SSand · Sauberkeitsschicht · Schalung · Schotter · Schwarzdeckung · Schwarze Wanne · sd-Wert · Setzung · Silikatputz · Silikonharzputz · Sohlbank · Sohldruck · Spundwand · Stahlbeton

TTaupunkt · TGA · Traufenhöhe

UU-Wert · Umkehrdach · Unterfangung

WWärmebrücke · Wasser · WDVS · Weiße Wanne

XXPS

ZZement

Baulexikon Baugrund und Gründung#

Teil des Baulexikon: Baugrund, Gründung und Baugrube, jeweils mit dem Hinweis auf die typischen Streitpunkte. Vertiefend: Rissbilder.

Baugrundgutachten · Frosttiefe · Gründung · Larssen · Pfahlgründung · Sauberkeitsschicht · Setzung · Sohldruck · Spundwand · Unterfangung

Fachbegriffe#

Baugrundgutachten#

Auch geotechnisches Gutachten; Grundlage für die Planung der Gründung nach Eurocode 71 (ÖNORM EN 1997). Es beruht auf Aufschlüssen — Schürfen mit dem Bagger, Rammsondierungen2, Kernbohrungen — und gibt Bodenschichtung, Grundwasserstand, den aufnehmbaren Sohldruck und die zu erwartenden Setzungen an, oft auch Vorgaben für Baugrubensicherung und Wasserhaltung.

Zwischen den Aufschlusspunkten wird interpoliert; was dort tatsächlich liegt, zeigt erst der Aushub. Wie dicht die Aufschlüsse liegen, bestimmt daher, wie viel das Gutachten über die Fläche dazwischen aussagt.

Häufige Probleme: beim Einfamilienhaus eingespart; zu wenige oder zu seichte Aufschlüsse; angetroffener Boden weicht vom beschriebenen ab.

Siehe auch: Gründung, Sohldruck, Setzung.

Frosttiefe#

Tiefe, bis zu der der Boden im Winter gefriert. Die Fundamentsohle muss darunter liegen (frostfreie Gründung): Gefriert frostempfindlicher Boden — Schluff, Ton, Lehm, Löss3 — unter dem Fundament, bilden sich Eislinsen4, die den Bauteil anheben; beim Tauen sackt er wieder ab. Lehmfreie Kiese und Sande gelten als frostsicher.

In Österreich liegt die frostfreie Tiefe meist bei 0,8 bis 1,2 m, in Höhenlagen darüber.

Häufigstes Problem: Fundamentsohle zu seicht, in der Folge Frosthebung und Risse.

Siehe auch: Frostschürze, Fundament, Gründung.

Gründung#

Oberbegriff für die Art, in der ein Bauwerk seine Lasten in den Baugrund abgibt; in Österreich gleichbedeutend auch Fundierung. Während das Fundament der Bauteil ist, umfasst die Gründung das Zusammenwirken von Fundament und Baugrund — und damit die Frage, ob der Boden an der gewählten Stelle und in der gewählten Tiefe überhaupt trägt.

  • Flachgründung: Die Lasten gehen unmittelbar unter dem Bauwerk über Einzel-, Streifen- oder Plattenfundamente in eine oberflächennahe tragfähige Schicht. Der Regelfall im Hochbau.
  • Tiefgründung: Liegt die tragfähige Schicht zu tief, leiten Pfähle oder Schlitzwandelemente5 die Lasten nach unten (siehe Pfahlgründung).

Die Gründungssohle muss eine tragfähige Schicht erreichen — Humus, Anschüttungen und weiche Böden scheiden aus — und bei frostempfindlichem Boden unter der Frosttiefe liegen. Beides klärt das Baugrundgutachten.

Häufige Probleme:

  • angetroffener Baugrund weicht vom Gutachten oder von der Ausschreibung ab, in der Folge Mehrkosten und Bauzeitverlängerung;
  • Gründung ohne Baugrunderkundung;
  • Setzungsunterschiede, besonders an Anbauten;
  • fehlende oder mangelhafte Unterfangung bei Baugruben an der Grundgrenze.

Siehe auch: Fundament, Baugrundgutachten, Frosttiefe, Pfahlgründung, Setzung, Unterfangung, Spundwand, Bauablauf.

Larssen#

Benannt nach ihrem Erfinder, dem norwegischen Baumeister Tryggve Larssen.

Siehe auch: Spundwand.

Pfahlgründung#

Form der Tiefgründung: Pfähle leiten die Lasten durch nicht tragfähige Schichten in tiefer liegenden, tragfähigen Boden. Ein Pfahl trägt über den Druck an seinem Fuß (Spitzendruck) und über die Reibung entlang seines Schaftes (Mantelreibung). Bohrpfähle werden in einem vorgebohrten Loch betoniert, Ramm- oder Verdrängungspfähle drücken den Boden beim Einbringen seitlich weg. Bei Hochhäusern verbreitet ist die kombinierte Pfahl-Plattengründung, bei der Platte und Pfähle die Last gemeinsam abtragen.

Häufige Probleme: Erschütterungen beim Rammen, in der Folge Rissbildung an Gebäuden auf Nachbargrundstücken; zu kurze Pfähle, weil die tragfähige Schicht tiefer liegt als erkundet.

Siehe auch: Gründung, Baugrundgutachten, Spundwand.

Sauberkeitsschicht#

Dünne Schicht aus Magerbeton6, meist 5 bis 10 cm stark, die vor dem Betonieren einer Bodenplatte oder eines Fundaments auf den ausgehobenen Boden aufgebracht wird. Sie trägt nichts und dichtet nichts; sie sorgt lediglich dafür, dass die Bewehrung auf einer ebenen Fläche liegt und nicht im Gatsch. Damit stehen die Abstandhalter sicher, die Betondeckung des Armierungsstahls bleibt auch an der Unterseite gewahrt, und der frische Beton vermischt sich nicht mit Erde. Üblich ist die Festigkeitsklasse C12/15 (Baustoffkennwerte › Beton, Festigkeitsklassen).

Häufige Probleme: weggelassen, in der Folge zu geringe Betondeckung an der Unterseite; mit einer Tragschicht oder Abdichtung verwechselt, deren Aufgaben sie nicht übernimmt.

Siehe auch: Bodenplatte, Fundament, Stahlbeton.

Setzung#

Absinken eines Bauwerks, weil der Baugrund unter der Last zusammengedrückt wird. Jede Gründung setzt sich: Bei Sand und Kies tritt der größte Teil schon während des Bauens ein, bei Ton und Schluff zieht sich die Setzung über Jahre hin7.

Eine gleichmäßige Setzung ist unschädlich. Schäden entstehen aus Setzungsunterschieden8; maßgeblich ist die Winkelverdrehung. Typische Ursachen sind wechselnder Baugrund unter einem Gebäude, unterschiedliche Gründungsarten oder -tiefen unter einem Bauwerk, der Anbau an einen Altbau ohne durchgehende Trennfuge, eine Grundwasserabsenkung und das Austrocknen bindiger Böden, etwa durch Bäume in Hausnähe.

Häufigstes Problem: Setzungsrisse, siehe Rissbilder.

Siehe auch: Gründung, Baugrundgutachten, Unterfangung.

Sohldruck#

Die Pressung, die ein Fundament auf den Baugrund ausübt: Last durch Aufstandsfläche, σ=F/A\sigma = F / A, angegeben in kN/m²9. Er ist dem gegenüberzustellen, was der Boden aufnimmt, ohne seitlich auszuweichen (Grundbruch10) oder sich unverträglich zu setzen. Diesen Wert, früher zulässige Bodenpressung, nach Eurocode 7 Sohlwiderstand, gibt das Baugrundgutachten an.

Beispiel: Eine Wand, die je Laufmeter 150 kN abträgt, braucht auf einem Boden, der 200 kN/m² aufnimmt, ein Streifenfundament von mindestens 0,75 m Breite.

Häufigstes Problem: Der aufnehmbare Wert wurde ohne Baugrunderkundung angenommen, das Fundament ist zu schmal, in der Folge Setzungen.

Siehe auch: Fundament, Gründung.

Spundwand#

Für Fälle, in denen Spundwände eine Rolle spielen, benötigt man meist einen Bodenmechaniker als Sachverständigen.

Häufige Probleme:

  • Beim Einrammen/-vibrieren/-pressen Rissbildung an Gebäuden auf Nachbargrundstücken;
  • Einbrechen der zu sichernden Baugrube, in der Folge Rissbildung an Gebäuden auf Nachbargrundstücken;
  • Änderungen des Grundwasserspiegels, in der Folge Rissbildung an Gebäuden auf Nachbargrundstücken;
  • Nachgeben des Erdreiches beim Ziehen, in der Folge Rissbildung an Gebäuden auf Nachbargrundstücken.

Siehe auch: Larssen, Unterfangung, Setzung.

Unterfangung#

Sicherung eines bestehenden Fundaments, wenn daneben tiefer ausgehoben wird, als dessen Gründung reicht. Das Fundament wird in kurzen, versetzt hergestellten Abschnitten bis unter die neue Aushubsohle verlängert, sodass nie eine längere Strecke ungestützt bleibt; alternativ wird der Boden darunter im Düsenstrahlverfahren11 verfestigt.

Häufige Probleme: fehlende Unterfangung oder zu lange Abschnitte bei Baugruben an der Grundgrenze, in der Folge Rissbildung an Gebäuden auf Nachbargrundstücken.

Siehe auch: Spundwand, Setzung, Gründung.

  1. Die Eurocodes sind die europaweit vereinheitlichten Normen für die Bemessung von Tragwerken, von EN 1990 (Grundlagen) bis EN 1999 (Aluminiumbau); Eurocode 7 regelt die Geotechnik. In Österreich gelten sie als ÖNORM EN, ergänzt um nationale Festlegungen.

  2. Eine Stahlspitze an einem Gestänge wird mit einem genormten Fallgewicht in den Boden geschlagen; gezählt werden die Schläge je 10 cm Eindringung. Viele Schläge bedeuten festen Boden, wenige weichen. Das Verfahren ist billig und rasch, zeigt aber nur die Festigkeit, nicht die Bodenart — dafür braucht es Schurf oder Bohrung.

  3. Die Bodenarten sind nach der Korngröße benannt: Ton unter 0,002 mm, Schluff 0,002 bis 0,063 mm, Sand 0,063 bis 2 mm, Kies 2 bis 63 mm. Lehm ist ein Gemisch aus Sand, Schluff und Ton, Löss ein vom Wind abgelagerter, kalkhaltiger Schluff.

  4. Die Hebung rührt nicht daher, dass Wasser beim Gefrieren um rund 9 % an Volumen zunimmt — das allein bliebe bescheiden. Die Frostgrenze saugt vielmehr laufend Wasser aus dem ungefrorenen Boden darunter an, das zu immer dickeren Eisschichten gefriert. Das gelingt nur in feinkörnigem Boden, der Wasser kapillar nachliefert12; daher der Unterschied zwischen frostempfindlichen und frostsicheren Böden.

  5. Für eine Schlitzwand wird ein schmaler, tiefer Graben ausgehoben, den während des Aushubs eine Suspension aus Bentonit stützt — demselben Mineral wie bei der Braunen Wanne. Anschließend wird er von unten her ausbetoniert, wobei der Beton die Suspension verdrängt. Einzelne solche Abschnitte, als Tragelement eingesetzt, heißen Schlitzwandelemente oder Barretten.

  6. Magerbeton ist zementarmer Beton ohne statische Aufgabe.

  7. Ton und Schluff haben winzige Poren. Unter Last muss das Porenwasser erst herausgepresst werden, ehe die Körner zusammenrücken können, und das dauert (Konsolidierung). Man nennt diese Böden bindig, weil ihre Körner über Wasserfilme aneinander haften; trocknen sie aus, schrumpfen sie — daher die Setzungen durch Bäume in Hausnähe.

  8. Das bekannteste Beispiel ist der Schiefe Turm von Pisa: Er neigt sich seit seiner Errichtung im 12. Jahrhundert, weil der weiche Untergrund auf einer Seite stärker nachgab. Zwischen 1990 und 2001 wurde die Neigung durch behutsames Entnehmen von Boden unter der Gegenseite verringert. Dass ein Setzungsschaden zur Sehenswürdigkeit wird, lässt sich auf ein Einfamilienhaus erfahrungsgemäß nicht übertragen.

  9. Zur Anschauung: 1 kN ist die Gewichtskraft von rund 100 kg. 200 kN/m² entsprechen also etwa 20 Tonnen je Quadratmeter oder 2 kg je Quadratzentimeter — ungefähr dem Druck in einem Autoreifen.

  10. Beim Grundbruch weicht der Boden unter dem Fundament seitlich und nach oben aus, das Fundament sinkt ein und kippt. Anschauungsbeispiel ist das Getreidesilo von Transcona in Kanada, das sich 1913 bei der ersten Befüllung binnen eines Tages um rund 27° neigte; es wurde anschließend wieder aufgerichtet und weiter betrieben.

  11. Beim Düsenstrahlverfahren (in Österreich auch Hochdruckbodenvermörtelung, HDBV) schneidet ein Strahl aus Zementsuspension mit mehreren hundert bar den Boden rund um ein Bohrgestänge auf und vermischt ihn mit dem Zement. Beim langsamen Ziehen und Drehen entstehen im Boden Säulen aus einem betonähnlichen Gemisch, die sich auch unter bestehenden Fundamenten herstellen lassen.

  12. In feinen Poren steigt Wasser gegen die Schwerkraft auf (Kapillarität), und zwar umso höher, je feiner die Poren sind. Grober Kies ohne Feinanteil hat so weite Hohlräume, dass der Aufstieg dort abreißt.

Baulexikon Bauphysik#

Teil des Baulexikon: Wärme, Feuchte und Luftdichtheit, Dämmstoffe und Putze, jeweils mit dem Hinweis auf die typischen Streitpunkte. Vertiefend: Feuchte, Taupunkt und Schimmel, Baustoffkennwerte.

Blower-Door-Test · Dämmung · Dampfbremse · Dampfdruck · Dichtung · Energieausweis · EPS · Isolierung/Isolator/Isolation · Perimeterdämmung · sd-Wert · Silikatputz · Silikonharzputz · Taupunkt · U-Wert · Wärmebrücke · Wasser · WDVS · XPS

Fachbegriffe#

Blower-Door-Test#

Messung der Luftdichtheit eines Gebäudes. In eine Außentür oder ein Fenster wird ein Rahmen mit Plane und Gebläse eingespannt, das im Gebäude einen Unter- oder Überdruck von 50 Pascal1 herstellt. Gemessen wird, wie viel Luft das Gebläse dafür fördern muss, denn genau so viel strömt durch die Undichtheiten der Hülle nach. Das Ergebnis ist der n50-Wert: wie oft das Luftvolumen des Gebäudes bei diesem Druck je Stunde ausgetauscht wird. Das Verfahren regelt die ÖNORM EN ISO 9972.

Die OIB-Richtlinie 6 verlangt für Neubauten höchstens 3,0 je Stunde, mit Lüftungsanlage höchstens 1,5; ein Passivhaus muss 0,6 erreichen. Während der Messung lassen sich die Lecks aufspüren — mit Rauch, einem Luftstrommessgerät oder der Wärmebildkamera.

Undichtheiten kosten Heizwärme und verursachen Zugluft. Schwerer wiegt, dass warme, feuchte Raumluft durch sie in die Konstruktion strömt und dort an kalten Stellen Wasser abgibt2; im Holzriegelbau ist das die häufigste Ursache für Feuchteschäden.

Häufige Probleme: Messung erst nach Fertigstellung, wenn die luftdichte Ebene hinter Verkleidungen liegt und Lecks nur mehr mit Aufwand zu beheben sind; Durchdringungen der Dampfbremse durch Steckdosen, Rohre und Kabel; undichte Fensteranschlüsse; unklar, in welchem Bauzustand und nach welchem Verfahren gemessen wurde.

Siehe auch: Dampfbremse, Holzriegelbau, OSB, Energieausweis, Feuchte, Taupunkt und Schimmel.

Dämmung#

Maßnahme zur Verhinderung des Durchtrittes von Wärme- oder Schallenergie3 durch Bauteile.

Siehe auch Dichtung, Isolierung; EPS, Dampfbremse

Dampfbremse#

Meist eine Kunststofffolie, die das Eindringen von Feuchtigkeit durch Diffusion in den Baukörper verhindern soll. Die Wirksamkeit einer Dampfbremse wird durch den Wasserdampfdiffusionswiderstand angegeben, der ähnlich wie der Lichtschutzfaktor von Sonnenschutzcreme funktioniert: Die Zahl gibt an, um wieviel dichter die Dampfbremse im Vergleich zu einer 1 m starken Luftschicht ist.

Häufigstes Problem: Undichtheit.

Siehe auch: Dampfdruck, sd-Wert, Blower-Door-Test, Holzriegelbau.

Dampfdruck#

Der Teildruck, den der in der Luft enthaltene Wasserdampf am Gesamtluftdruck ausmacht, angegeben in Pascal. Er ist die treibende Größe der Wasserdampfdiffusion: Wasserdampf wandert stets von der Seite des höheren zur Seite des niedrigeren Dampfdrucks, im Winter also von der warmen Innenluft nach außen. Die Dampfbremse setzt diesem Wandern den durch den sd-Wert beschriebenen Widerstand entgegen.

Zu jeder Temperatur gehört ein Sättigungsdampfdruck — der höchste Dampfdruck, den Luft bei dieser Temperatur tragen kann. Er steigt mit der Temperatur steil an, weshalb warme Luft ungleich mehr Wasser aufnimmt als kalte. Die relative Luftfeuchte ist nichts anderes als das Verhältnis von tatsächlichem zu Sättigungsdampfdruck. Erreichen die beiden einander, ist der Taupunkt erreicht und Wasser fällt aus.

Für das Verfahren ist das der Rechenweg hinter fast jedem Feuchteschaden: Die Zahlenwerte liefert die Magnus-Formel in Feuchte, Taupunkt und Schimmel, die Beurteilung der Oberfläche dort die beiden Grenzen; nachrechnen lässt sich der Einzelfall mit dem Behelf: Taupunkt und absolute Feuchte und dem Behelf: Oberflächentemperatur und Schimmelrisiko.

Häufigstes Problem: Tauwasserausfall innerhalb des Bauteils, weil die Dampfbremse fehlt, durchstoßen oder auf der falschen Seite der Dämmung liegt.

Siehe auch: Dampfbremse, Taupunkt, sd-Wert, Wärmebrücke

Dichtung#

Sperre gegen den Aus- oder Eintritt von Flüssigkeiten und Gasen4; meist Wasser, flüssig oder als Dampf.

Häufigstes Problem: Undichtheit.

Siehe auch Dämmung, Isolierung.

Energieausweis#

Dokument über die energetische Qualität eines Gebäudes, vergleichbar dem Typenschein beim Auto. Ein befugter Fachmann errechnet ihn aus Plänen oder einer Bestandsaufnahme: Flächen, Bauteilaufbauten, U-Werte, Haustechnik. Die wichtigste Kennzahl ist der Heizwärmebedarf (HWB)5 in kWh je Quadratmeter und Jahr, daneben der Gesamtenergieeffizienz-Faktor fGEE. Die Einstufung reicht von A++ bis G. Vorzulegen ist er bei Verkauf und Vermietung; er gilt zehn Jahre.

Der Energieausweis beschreibt einen Bedarf, keinen Verbrauch: Gerechnet wird mit genormtem Klima und genormter Nutzung. Weicht die Heizkostenabrechnung davon ab, ist das allein noch kein Hinweis auf einen Fehler — der Energieausweis beschreibt ein Haus mit Normbewohnern im Normklima, und beide kommen in der Wirklichkeit selten vor.

Häufige Probleme: bei Bestandsgebäuden mit Standardwerten statt tatsächlicher Aufbauten gerechnet; Ausweis entspricht nicht dem ausgeführten Bau, weil nach dem Einreichplan gerechnet und anders gebaut wurde; Ausweis fehlt oder ist abgelaufen.

Siehe auch: Blower-Door-Test, U-Wert, Wärmebrücke, WDVS, Baustoffkennwerte › Behelf: U-Wert aus dem Schichtaufbau, Wärmepumpe, Klimaanlage und Kältetechnik.

EPS#

Abkürzung für Expandierter Polysterolschaum, landläufig auch als Styropor bekannt. Wurde vor allem in WDVS eingesetzt, bis seine Verwendung aufgrund der leichten Brenn- und schweren Löschbarkeit in vielen Bauordnungen verboten wurde. Aufgrund der guten Dämmeigenschaften kommt er allerdings noch in Form von Perimeterdämmplatten zum Einsatz, die außen an Wänden im Erdreich angebracht werden. Für den dauernd feuchten oder druckbelasteten Einbau wird dort allerdings meist das geschlossenzellige XPS verwendet.

Siehe auch: Dämmung, WDVS, XPS

Isolierung/Isolator/Isolation#

Material, das elektrisch nicht leitet. Verhindert den Übertritt von Elektrizität, ist aber immer nur bis zu einer gewissen Spannung (Durchschlagsspannung) wirksam. Spielt in Bauverfahren eher selten ein Rolle, häufiger in Regressverfahren wegen Brandschäden.

Siehe auch: Dämmung, Dichtung

Perimeterdämmung#

Dämmung des aufgehenden Kellermauerwerks. Kann von der Bodenplatte bis zum Beginn der Fassade reichen. Diese Art der Dämmung kann bei jeder Art der Ausführung außen angebracht werden und dient der Wärmedämmung, nicht der Abdichtung. Häufig werden dafür Platten aus EPS oder, wegen der geringeren Wasseraufnahme, aus XPS eingesetzt.

Siehe auch: EPS, XPS, Dämmung

sd-Wert#

Der sd-Wert steht für die "wasserdampf-diffusionsäquivalente Luftschichtdicke" und wird in Meter angegeben. Er ist das Maß für den Widerstand, den eine Bauteilschicht wie die Dampfbremsfolie dem Durchgang von Wasserdampf entgegensetzt. Ein Wert von 1 m bedeutet daher, dass ein Bauteil denselben Widerstand wie eine 1 m dicke Luftschicht hat. Der Wert ist im Zusammenhang mit der Auslegung und dem Nachweis von Bauteilen relevant, die empfindlich auf Feuchtigkeit reagieren (etwa Holzdecken und -wände).

Siehe auch: Dampfbremse, Dampfdruck.

Silikatputz#

Oberflächenputz, dessen Bindemittel Kaliwasserglas ist. Er geht mit dem mineralischen Untergrund eine chemische Verbindung ein (Verkieselung) und haftet dadurch nicht nur mechanisch — das setzt aber einen mineralischen, saugfähigen Untergrund voraus (Kalk-, Kalkzementputz, Beton). Auf Dispersions- oder Kunstharzputz haftet er nicht. Silikatputz ist stark alkalisch und dadurch von Haus aus wenig anfällig für Algen und Pilze, sehr diffusionsoffen und praktisch unbrennbar. Der Preis dafür ist geringe Elastizität: Er nimmt Bewegungen des Untergrundes kaum auf und reißt eher. Handelsüblich ist meist der Dispersionssilikatputz mit einem organischen Anteil bis 5 %, der die Verarbeitung erleichtert.

Häufige Probleme: Risse über Bewegungen im Untergrund; mangelnde Haftung auf organisch gebundenen Altbeschichtungen; Überstreichen mit Dispersionsfarbe, was den Diffusionsvorteil zunichte macht.

Siehe auch: Silikonharzputz, WDVS, sd-Wert.

Silikonharzputz#

Oberflächenputz mit Silikonharzemulsion als Bindemittel, meist in Kombination mit einer Kunstharzdispersion. Er verbindet zwei Eigenschaften, die sonst gegeneinander stehen: Die Oberfläche ist wasserabweisend, bleibt für Wasserdampf aber durchlässig. Fassadenwasser perlt ab und nimmt den Schmutz mit, während Feuchtigkeit aus dem Bauteil nach außen entweichen kann. Maßgeblich sind der Wasseraufnahmekoeffizient ww und die diffusionsäquivalente Luftschichtdicke sds_d; als schlagregendicht und zugleich diffusionsoffen gilt eine Beschichtung mit w0,5w \le 0{,}5 kg/(m²·h0,5), sd2s_d \le 2 m und wsd<0,2w \cdot s_d \lt 0{,}2 kg/(m·h0,5). Er ist elastischer als Silikatputz und daher auf einem WDVS der Regelfall, aber teurer.

Häufige Probleme: Veralgung an nordseitigen und beschatteten Flächen — die dünne Dämmputzschicht kühlt nachts unter die Lufttemperatur ab und betaut, die eingebauten Biozide waschen sich binnen weniger Jahre aus; Vergrauung; unterschiedliche Struktur bei Ansätzen in mehreren Arbeitsgängen.

Siehe auch: Silikatputz, WDVS, Wärmebrücke, sd-Wert.

Taupunkt#

Darunter versteht man jene Temperatur, bei der in der Luft enthaltener Wasserdampf beginnt zu kondensieren. Liegt der Taupunkt bei Außenwänden oder -decken innerhalb von porösen Bauteilen kann es in diesen zu einem Ansteigen der Bauteilfeuchte kommen, was je nach Material zu Feuchtigkeit und damit Pilz- oder Bakterienbefall führen kann. Die Lage des Taupunktes bei Konzeption eines WDVS sollte daher immer so gewählt werden, dass er innerhalb der Dämmschicht (etwa aus EPS) liegt.

U-Wert#

Der Wärmedurchgangskoeffizient gibt an, wie viel Wärme durch einen Quadratmeter eines Bauteils strömt, wenn innen und außen ein Grad Temperaturunterschied herrscht, in W/(m²K). Je kleiner der Wert, desto besser dämmt das Bauteil. Errechnet wird er aus Dicke und Wärmeleitfähigkeit der einzelnen Schichten (Baustoffkennwerte › Behelf: U-Wert aus dem Schichtaufbau); Werte typischer Bauteile unter Feuchte, Taupunkt und Schimmel › U-Werte typischer Bauteile.

Der U-Wert ist die Grundlage des Energieausweises und der Rechnung, was ein schlechter gedämmtes Bauteil an Heizkosten mehr verursacht (Baustoffkennwerte › Behelf: Wärmeverlust einer Fläche).

Häufigstes Problem: Der errechnete Wert gilt für die ungestörte Fläche; Wärmebrücken und Ausführungsmängel verschlechtern das tatsächliche Ergebnis.

Siehe auch: Dämmung, Energieausweis, Wärmebrücke.

Wärmebrücke#

Ziel bei der Auslegung und Ausführung einer Wärmedämmung an Gebäudeaußenwänden ist es nicht nur, den Energiedurchtritt möglichst gering zu halten, sondern auch den Taupunkt an eine Stelle der Wand zu verlegen, zu der entweder Wasserdampf keinen Zutritt hat, daher dort auch nicht kondensieren kann, oder allenfalls kondensierendes Wasser keinen Schaden anrichtet.

Eine Wärmebrücke ist eine Stelle im Dämmsystem, an der die Dämmung nicht oder nicht ausreichend wirksam ist, wodurch es zum unerwünschten Energiedurchtritt kommt. Gleichzeitig verschiebt sich dadurch auch der Taupunkt an Stellen des Gebäudes, an denen Wasserdampf kondensieren kann. Die Folge ist das Auftreten biogenen Befalles (vulgo Schimmelbildung).

Ursachen für Wärmebrücken können nicht sorgfältig ausgeführte WDVS sein (Hohlräume im Dämmmaterial, durchlaufende Befestigungsmittel), aber auch Auskragungen von Bauteilen, Eisenarmierungen in Bauteilen, Anschlussstellen von angrenzenden Bauelementen wie Fenstern und Türen.

Siehe auch: Dämmung, EPS, WDVS, U-Wert, Energieausweis, Blower-Door-Test

Wasser#

Feind des Architekten, des Baumeisters und des Bauherren:

Bauen ist der Kampf gegen das Wasser.

Siehe auch: Dampfbremse, Flachdach, Braune Wanne, Schwarzdeckung, Schwarze Wanne, Weiße Wanne; Dichtung

WDVS#

Abkürzung für Wärmedämmverbundsystem. Die meist von einem Hersteller angebotenen Systeme umfassen Kleber und Befestigungsmittel zum Anbringen der eigentlichen Dämmung, allenfalls Zwischenschichten und Sperren, Armierungen (oft Glasfasernetze), Spachtelungen und einen Oberflächenputz. Während früher zur Dämmung hauptsächlich EPS zum Einsatz kam, werden heute verschiedene Materialen wie gepresste Holzwolle, Schafwolle, Kautschuk und Ähnliches eingesetzt, da diese nicht so leicht brennbar und besser löschbar sind.

Als Oberflächenputz werden häufig Silikatputze und Silikonharzputze verwendet, die zur Vermeidung von Rissbildung eine gewisse Elastizität aufweisen.

Häufige Probleme: Veralgung, uneinheitliche/unebene Oberfläche, Rissbildung, Wärmebrücken.

Siehe auch: Wärmebrücke, EPS

XPS#

Abkürzung für extrudierten Polystyrol-Hartschaum, im Unterschied zum aufgeschäumten EPS in einem Strangpressverfahren hergestellt. Die Zellen sind geschlossen, das Material nimmt daher kaum Wasser auf und bleibt auch feucht oder unter Last dämmwirksam. Erkennbar meist an der durchgehenden Einfärbung der Platten.

Verwendet wird es dort, wo EPS wegen Nässe oder Druck ausscheidet: als Perimeterdämmung im Erdreich, unter der Bodenplatte und im Umkehrdach, wo die Dämmung oberhalb der Dichtebene liegt. Im Brandverhalten unterscheidet es sich von EPS nicht wesentlich — beide sind Polystyrol.

Siehe auch: EPS, Perimeterdämmung, Umkehrdach, Dämmung

  1. 50 Pascal entsprechen dem Staudruck eines Windes von rund 9 m/s oder 33 km/h, also einer frischen Brise (Windstärke 5). Der Messdruck ist so gewählt, dass zufälliger Wind das Ergebnis wenig verfälscht.

  2. Wasserdampf gelangt auf zwei Wegen in ein Bauteil: durch Diffusion, bei der er langsam durch das Material wandert (siehe Dampfdruck), und durch Konvektion, bei der ihn die Luft durch eine Fuge mitnimmt. Eine einzige Fuge von einem Millimeter Breite lässt nach einer oft zitierten Untersuchung des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik ein Vielhundertfaches dessen durch, was durch einen Quadratmeter intakter Wand diffundiert.

  3. Je nach dem, wie bereit man ist, mit physikalischen Größenordnungen eher locker umzugehen, ohnehin dasselbe.

  4. Auch hier: Eigentlich dasselbe. Sehr vereinfacht kann man sagen, dass Gase kompressable Flüssigkeiten, Flüssigkeiten inkompressable Gase sind.

  5. Der HWB ist die Wärmemenge, die einem Quadratmeter Wohnfläche im Jahr zugeführt werden muss, um ihn bei genormtem Klima auf 20 °C zu halten. Zur Anschauung: Eine Kilowattstunde entspricht etwa einem Zehntel Liter Heizöl. Ein HWB von 100 bedeutet also rund 10 Liter Heizöl je Quadratmeter und Jahr, ein Passivhaus kommt mit etwa 1,5 Litern aus.

Baulexikon Beton#

Teil des Baulexikon: Beton, seine Bestandteile und seine Verarbeitung, jeweils mit dem Hinweis auf die typischen Streitpunkte. Vertiefend: Baustoffkennwerte.

Armierungsstahl · Baustahl · Beton · Fertigteil · Kiesnest · Ortbeton · Sand · Schalung · Schotter · Stahlbeton · Zement

Fachbegriffe#

Armierungsstahl#

Landläufig für Bewehrungsstahl, fachsprachlich Betonstahl, auf der Baustelle schlicht Eisen: Stäbe und Matten aus Stahl, die in den Beton eingelegt werden und dort die Zugkräfte übernehmen, denen der Beton allein nicht gewachsen ist (siehe Stahlbeton). Die Oberfläche ist gerippt, damit der Beton daran festhält. Geliefert wird er als Stabstahl, der nach der Biegeliste1 zugeschnitten und gebogen wird, oder als geschweißte Matten für Platten und Wände; Sorten und Kennwerte unter Baustoffkennwerte › Bewehrungsstahl.

Der Stahl wirkt nur, solange er nicht rostet. Davor schützt ihn der umhüllende Beton, die Betondeckung: Beton ist stark alkalisch, und in diesem Umfeld rostet Stahl nicht2. Ist die Deckung zu dünn, erreichen Wasser und Luft den Stahl; der Rost braucht mehr Platz als der Stahl, aus dem er entsteht, und sprengt den Beton ab.

Häufige Probleme: zu geringe Betondeckung, in der Folge Rost und Betonabplatzungen, typisch an Balkonen und in Tiefgaragen; Bewehrung verrutscht oder abweichend vom Plan verlegt — nachträglich nur mit einem Bewehrungssuchgerät oder durch Aufstemmen feststellbar.

Siehe auch: Stahlbeton, Zement, Baustoffkennwerte › Betondeckung.

Baustahl#

Stahl für tragende Konstruktionen aus Walzprofilen, Blechen und Rohren: Träger, Stützen, Hallen, Stiegen, Geländer. Die Sorten sind nach ihrer Streckgrenze benannt, am häufigsten S235 und S355 (Kennwerte unter Werkstoffkennwerte Metall › Stähle). Mit dem Armierungsstahl teilt er nur den Werkstoff; der ist eine eigene Sorte (B550) für einen anderen Zweck.

Verbunden wird geschraubt oder geschweißt. Ungeschützt rostet Baustahl, er wird daher verzinkt oder beschichtet. Im Brand verliert er ab etwa 500 °C rasch an Festigkeit; tragende Teile brauchen deshalb oft eine Brandschutzbekleidung oder einen dämmschichtbildenden Anstrich.

Häufige Probleme: Rost dort, wo Wasser stehen bleibt oder die Beschichtung verletzt ist, typisch an Stützenfüßen und Geländeranschlüssen; mangelhafte Schweißnähte; fehlender oder zu dünner Brandschutz.

Siehe auch: Armierungsstahl, Stahlbeton, Werkstoffkennwerte Metall.

Beton#

Künstlicher Stein aus Zement, Wasser und Gesteinskörnung, also Sand und Kies. Der Zement verbindet sich mit dem Wasser und verklebt die Körner zu einem festen Gefüge. Frisch ist Beton formbar: Er wird auf der Baustelle in eine Schalung gegossen (Ortbeton) oder im Werk zu Fertigteilen verarbeitet.

Beton verträgt Druck gut, Zug kaum; wo ein Bauteil gezogen oder gebogen wird, braucht er eingelegten Stahl (Stahlbeton). Zementarmer Beton ohne statische Aufgabe heißt Magerbeton (Sauberkeitsschicht). Festigkeits- und Expositionsklassen unter Baustoffkennwerte › Beton, Festigkeitsklassen.

Häufige Probleme: siehe Ortbeton, Kiesnest und Stahlbeton.

Fertigteil#

Bauteil, das im Werk hergestellt, fertig auf die Baustelle geliefert und dort mit dem Kran versetzt wird. Meist ist es aus Stahlbeton — Stützen, Träger, Treppen, Balkonplatten, Decken- und Wandelemente —, im Holzbau sind es ganze Wandelemente (Holzriegelbau). Das Gegenstück ist der Ortbeton; Halbfertigteile wie Elementdecke und Hohlwand verbinden beides.

Im Werk wird unabhängig vom Wetter und mit gleichbleibender Qualität gebaut, auf der Baustelle geht es rasch. Die Schwachstellen liegen dafür dort, wo die Teile zusammentreffen: an Fugen und Anschlüssen.

Häufige Probleme: undichte oder schlecht gedämmte Anschlussfugen, in der Folge Wassereintritt und Wärmebrücken; Maßabweichungen zwischen Fertigteil und Rohbau; beim Transport oder Versetzen abgeplatzte Kanten.

Siehe auch: Ortbeton, Stahlbeton, Fundament.

Kiesnest#

Stelle im Beton, an der grobes Korn ohne ausreichend Zementleim dazwischen liegt: porös, rau, mit sichtbaren Hohlräumen. Sie entsteht, wenn der Beton nicht genug gerüttelt wurde, sich beim Einbringen aus großer Höhe entmischt hat oder Zementleim durch eine undichte Schalung ausgelaufen ist. Typische Stellen sind der Wandfuß, der Bereich unter Aussparungen und dicht bewehrte Zonen. Der Name klingt idyllischer als die Sache.

Ein Kiesnest lässt Wasser durch und schützt die Bewehrung nicht vor Rost. Oberflächliche Kiesnester lassen sich ausbessern, tiefe müssen ausgestemmt und neu verfüllt oder verpresst werden.

Häufigstes Problem: Undichtheit, besonders bei der Weißen Wanne.

Siehe auch: Ortbeton, Schalung, Stahlbeton.

Ortbeton#

Beton, der auf der Baustelle an seiner endgültigen Stelle in eine Schalung gegossen wird und dort erhärtet. Das Gegenstück ist das Fertigteil, das im Werk betoniert und fertig angeliefert wird. Dazwischen liegen die Halbfertigteile: dünne Betonschalen aus dem Werk — Elementdecke, Hohlwand —, die auf der Baustelle mit Ortbeton ausgefüllt werden und so zugleich als Schalung dienen.

Der Frischbeton kommt heute fast immer als Transportbeton im Fahrmischer aus dem Werk, wird über Pumpe oder Kübel eingebracht, mit dem Rüttler verdichtet und anschließend feucht gehalten (Nachbehandlung, siehe Zement). Welcher Beton geliefert wurde, weist der Lieferschein aus; er ist oft der einzige Beleg dafür, was tatsächlich eingebaut ist.

Ortbeton ergibt fugenlose Bauteile in beliebiger Form, ist aber von der Witterung und der Sorgfalt auf der Baustelle abhängig: Frost, Hitze und Wind setzen dem frischen Beton zu, und was beim Betonieren versäumt wird, lässt sich danach kaum mehr gutmachen.

Häufige Probleme: Kiesnester durch mangelhaftes Verdichten; Betonieren bei Frost oder großer Hitze ohne Schutzmaßnahmen; fehlende Nachbehandlung, in der Folge Risse; undichte Arbeitsfugen zwischen zwei Betonierabschnitten (siehe Fugenband); Wasserzugabe auf der Baustelle; Lieferschein und Ausschreibung passen nicht zusammen.

Siehe auch: Schalung, Stahlbeton, Zement, Weiße Wanne.

Sand#

Gesteinskörnung mit Korngrößen von 0,063 bis 2 mm; feiner ist Schluff, gröber Kies3. Am Bau ist er Bestandteil von Beton, Mörtel, Putz und Estrich: Gemeinsam mit dem Kies bildet er das Gerüst, das der Zement verklebt. Daneben dient er als Bettung für Leitungen, Rohre und Pflaster.

Bausand muss sauber sein, also frei von Lehm, Humus und Salzen, die das Erhärten stören oder später an der Oberfläche ausblühen. Wüstensand taugt dagegen nicht: Der Wind hat seine Körner zu rund und zu gleich groß geschliffen, sie verzahnen sich nicht. Dass ausgerechnet Wüstenstaaten Bausand einführen, hat hier seinen Grund.

Als Baugrund trägt Sand gut, setzt sich rasch (siehe Setzung) und gilt ohne Lehmanteil als frostsicher (siehe Frosttiefe).

Häufigstes Problem: verunreinigter oder falsch gekörnter Sand, in der Folge mürber Mörtel oder Putz.

Siehe auch: Schotter, Zement, Stahlbeton, Ausgewählte Dichtewerte.

Schalung#

Die Form, in die frischer Beton gegossen wird und die ihn hält, bis er selbst trägt. Sie besteht aus Brettern oder Schaltafeln aus Holz, im Hochbau meist aus wiederverwendbaren Systemen mit Rahmen aus Stahl oder Aluminium. Deckenschalungen stehen auf Stützen, in Österreich auch Pölzung genannt. Bleibt die Schalung im Bauwerk — etwa Schalsteine, Hohlwände oder Trapezbleche —, spricht man von verlorener Schalung.

Die Schalung muss dicht sein, damit kein Zementleim ausläuft, maßhaltig und vor allem standfest: Frischer Beton drückt wie eine schwere Flüssigkeit gegen die Wände4. Entfernt werden darf sie erst, wenn der Beton fest genug ist; wie lange das dauert, hängt von Zement, Bauteil und Temperatur ab — bei Kälte deutlich länger. Bei Sichtbeton bleibt der Abdruck der Schalung als Oberfläche sichtbar, weshalb dort Stöße, Ankerlöcher und Plattenbild eigens geplant werden.

Die Schalung ist damit ein Bauteil, das mit großer Sorgfalt errichtet wird, um es danach wieder abzutragen.

Häufige Probleme: zu frühes Ausschalen oder Entfernen der Stützen, in der Folge Durchbiegung und Risse; Ausbauchen oder Bersten der Schalung beim Betonieren; undichte Stöße, in der Folge Kiesnester und Fehlstellen; Maßabweichungen, die sich nach dem Ausschalen nicht mehr korrigieren lassen.

Siehe auch: Ortbeton, Stahlbeton, KVH.

Schotter#

Gebrochenes Gestein mit kantigen Körnern aus dem Steinbruch; feinere Körnungen heißen Splitt. Anders als der vom Wasser rund geschliffene Kies verzahnen sich die kantigen Körner beim Verdichten ineinander. Schotter dient deshalb als tragfähige Unterlage, als Tragschicht, unter Straßen, Pflaster, Bodenplatten und Gleisen.

Vorsicht bei der Wortwahl: In der Geologie und im österreichischen Sprachgebrauch heißen auch die rundkörnigen Ablagerungen der Flüsse Schotter (Donauschotter, Schottergrube). Was in Gutachten oder Lieferscheinen gemeint ist, ergibt sich daher erst aus dem Zusammenhang oder der Körnungsangabe.

Häufige Probleme: nicht ausreichend verdichtet, in der Folge Setzungen von Pflaster und Platten; zu viel Feinanteil, wodurch die Schicht frostempfindlich wird und nicht mehr kapillarbrechend5 wirkt.

Siehe auch: Sand, Bodenplatte, Frosttiefe, Ausgewählte Dichtewerte.

Stahlbeton#

Verbundbaustoff aus Beton und eingelegtem Armierungsstahl. Beton — ein Gemisch aus Zement, Wasser, Sand und Kies — verträgt Druck gut, Zug aber nur etwa zu einem Zehntel. Wird ein Bauteil gebogen, etwa eine Decke unter Last, reißt er auf der gedehnten Seite. Dort liegt der Stahl und übernimmt den Zug. Dass beide zusammenarbeiten, verdankt sich zwei Umständen: Sie dehnen sich bei Wärme nahezu gleich stark aus (Werkstoffkennwerte Metall), und der Beton schützt den Stahl vor Rost.

Hergestellt wird Stahlbeton an Ort und Stelle in einer Schalung (Ortbeton) oder im Werk als Fertigteil. Decken, Stützen, Kellerwände, die Weiße Wanne und die meisten Fundamente sind aus Stahlbeton; Festigkeitsklassen unter Baustoffkennwerte › Beton, Festigkeitsklassen.

Feine Risse sind im Stahlbeton kein Mangel, sondern Teil der Bauweise: Der Stahl beginnt erst zu tragen, wenn der Beton um ihn herum gerissen ist. Beurteilt werden sie nach ihrer Breite, weil ein zu breiter Riss Wasser zum Stahl lässt (siehe Rissbilder).

Häufige Probleme: zu breite Risse; zu geringe Betondeckung, in der Folge Rost und Abplatzungen; Kiesnester durch mangelhaftes Verdichten; Bewehrung abweichend vom Plan.

Siehe auch: Armierungsstahl, Zement, Ortbeton, Schalung, Fundament, Weiße Wanne.

Zement#

Das Bindemittel von Beton, Mörtel und Zementestrich: ein fein gemahlenes, graues Pulver, das mit Wasser angerührt zu Stein erhärtet, und zwar auch unter Wasser. Er verklebt Sand und Kies zu Beton, macht mit rund 300 kg je Kubikmeter aber nur einen kleinen Teil davon aus.

Die Grundsorte ist der Portlandzement6: Kalkstein und Ton werden gemahlen und bei rund 1450 °C gebrannt; der dabei entstehende Klinker wird mit etwas Gips fein vermahlen. Heute überwiegen Mischsorten, in denen ein Teil des Klinkers durch Hüttensand, Flugasche oder Kalksteinmehl ersetzt ist — billiger und klimaschonender, weil gerade das Brennen des Klinkers viel CO₂ freisetzt. Die Norm (ÖNORM EN 197-1) bezeichnet Portlandzement als CEM I, die Mischsorten als CEM II bis CEM V.

Zement trocknet nicht bloß, er verbindet sich beim Erhärten chemisch mit dem Wasser (Hydratation). Frischer Beton muss daher einige Tage feucht gehalten werden und darf nicht austrocknen (Nachbehandlung). Umgekehrt schadet zu viel Wasser: Es macht den Beton zwar leichter verarbeitbar, hinterlässt beim Verdunsten aber Poren, die ihn schwächer und durchlässiger machen.

Häufige Probleme: Beton auf der Baustelle mit Wasser „verlängert“, in der Folge geringere Festigkeit und Dichtheit; fehlende Nachbehandlung bei Hitze oder Wind, in der Folge Risse und eine mürbe, sandende Oberfläche.

Siehe auch: Stahlbeton, Estrich, Sand, Baustoffkennwerte › Expositionsklassen.

  1. Die Biegeliste gehört zum Bewehrungsplan des Statikers und gibt jedes einzelne Eisen nach Durchmesser, Länge und Form an.

  2. Mit den Jahren dringt Kohlendioxid aus der Luft in den Beton ein und hebt dessen Alkalität von außen nach innen auf (Karbonatisierung). Erreicht diese Front den Stahl, ist der Rostschutz dahin. Die Betondeckung ist also die Frist, die man dem Stahl einräumt.

  3. Die Bodenarten sind nach der Korngröße benannt: Ton unter 0,002 mm, Schluff 0,002 bis 0,063 mm, Sand 0,063 bis 2 mm, Kies 2 bis 63 mm. Lehm ist ein Gemisch aus Sand, Schluff und Ton, Löss ein vom Wind abgelagerter, kalkhaltiger Schluff.

  4. Solange er flüssig ist, übt Beton einen Druck aus wie Wasser, nur mit dem 2,4-fachen Gewicht. Am Fuß einer 3 m hohen Wand, die in einem Zug gefüllt wird, sind das rund 70 kN/m², also etwa sieben Tonnen je Quadratmeter Schalfläche. Deshalb wird hoch hinauf langsam oder in Lagen betoniert.

  5. In feinen Poren steigt Wasser gegen die Schwerkraft auf (Kapillarität), und zwar umso höher, je feiner die Poren sind. Grober Kies ohne Feinanteil hat so weite Hohlräume, dass der Aufstieg dort abreißt.

  6. Den Namen gab ihm 1824 der Engländer Joseph Aspdin, der seinem Erzeugnis eine Ähnlichkeit mit dem geschätzten Kalkstein von der Insel Portland nachsagte. Die Ähnlichkeit war eher werblicher Natur; der Name hat sich trotzdem gehalten.

Baulexikon Gebäudeteile#

Teil des Baulexikon: Bauteile vom Fundament bis zum Dach, jeweils mit dem Hinweis auf die typischen Streitpunkte. Vertiefend: Lebensdauer von Bauteilen, Rissbilder.

Attika · Bodenplatte · Braune Wanne · Flachdach · Frostschürze · Fugenband · Fundament · Fundamenterder · Parapet · Schwarzdeckung · Schwarze Wanne · Sohlbank · Umkehrdach · Weiße Wanne

Fachbegriffe#

Attika#

Teil eines Gebäudes mit einem Flachdach. Es handelt sich dabei um die das Flachdach überragende und nach oben und seitlich zum Flachdach abzudichtende überhöhte Fassadenwand, die etwa auch das eventuell vorhandene Schüttungsmaterial am Dach hält.

Häufigstes Problem: Undichtheit.

Bodenplatte#

Betonplatte, die ein Gebäude nach unten zum Erdreich abschließt. Der Begriff ist unscharf, denn er deckt zwei statisch grundverschiedene Bauteile:

  • die tragende Bodenplatte (Fundamentplatte, Plattenfundament), die sämtliche Lasten des Gebäudes in den Baugrund abgibt und selbst das Fundament ist;
  • die nichttragende Bodenplatte, die zwischen Streifenfundamenten liegt und nur den Fußboden samt dessen Nutzlast trägt, von den Wandlasten aber nichts abbekommt.

Für die Beurteilung eines Risses oder einer Setzung macht das den entscheidenden Unterschied: Ein Riss in der nichttragenden Platte berührt die Standsicherheit in aller Regel nicht; in der Fundamentplatte ist er auf seine Ursache und — bei einer Weißen Wanne — auf seine Dichtheit zu untersuchen. Aus dem Gutachten sollte daher hervorgehen, welche Platte gemeint ist.

Unter der Platte liegen üblicherweise eine Sauberkeitsschicht aus Magerbeton1 oder eine kapillarbrechende2 Kiesschicht, bei beheizten Räumen eine Dämmung aus XPS oder Schaumglasschotter3. Liegt die Platte über der Frosttiefe, braucht sie eine Frostschürze.

Häufige Probleme: Risse durch Schwinden4 oder Setzung; aufsteigende Feuchtigkeit bei fehlender oder mangelhafter Abdichtung; Wärmebrücke am Anschluss zur Außenwand.

Siehe auch: Fundament, Frostschürze, Fundamenterder, Weiße Wanne, Perimeterdämmung, Estrich, Sauberkeitsschicht.

Braune Wanne#

Ausführungsart von unter Bodenniveau errichteten Gebäudeteilen. Das konventionell errichtete Kellergeschoß wird mittels des Minerals Bentonit (mit "n"; der Name leitet sich von seinem Fundort in der Nähe der Stadt Fort Benton, Montana, USA ab, nicht vom Beton) von außen abgedichtet. Das Material quillt bei Nässe auf und schließt so Fugen und Poren.

Häufigstes Problem: Undichtheit.

Siehe auch Schwarze Wanne, Weiße Wanne.

Flachdach#

Ausführung eines Gebäudedachs mit einem Gefälle von weniger als 5 %5 aber mehr als 2 %. Es handelt sich dabei im Vergleich zu traditionellen Bauformen in Österreich um eine moderne Dachform, die aufgrund der Witterungsbedingungen in gemäßigten Breiten besondere bautechnische Anforderungen an Wasserableitung und Dämmung stellt. Häufig werden Flachdächer in Blechdeckung oder Schwarzdeckung ausgeführt.

Bei vorgegebener Gebäudehöhe (etwa durch Bebauungsvorschriften) kann durch ein Flachdach im Vergleich zu einem Schrägdach eine größere nutzbare Kubatur des Gebäudes erreicht werden. Da dadurch die anteiligen Kosten sinken, ist diese Ausführungsart vor allem bei Wohnbauträgern beliebt, zumal diese später nicht in den feuchten Häusern wohnen müssen.

Häufigstes Problem: Undichtheit.

Siehe auch: Attika, Umkehrdach

Frostschürze#

Umlaufender Randbalken aus Beton, der eine Bodenplatte an ihren Rändern bis unter die Frosttiefe hinunterführt. Er verhindert, dass der Frost von außen unter die Platte greift, den Boden dort hebt und die Platte an den Rändern hochdrückt. Nötig ist er, weil die Platte beim nicht unterkellerten Haus meist knapp unter dem Gelände liegt.

Schnitt durch den Plattenrand: Die Frostschürze reicht bis unter die FrostgrenzeSchnitt durch den Plattenrand: Die Frostschürze reicht bis unter die Frostgrenze

An seine Stelle kann eine Dämmung unter und seitlich der Platte treten, etwa aus XPS oder Schaumglasschotter. Sie hält die aus dem Gebäude abfließende Wärme im Boden und diesen damit frostfrei. Das setzt ein beheiztes Gebäude voraus; bei Garagen und unbeheizten Nebengebäuden bleibt es bei der Schürze.

Dämmung statt Schürze: Die Platte bleibt über der FrostgrenzeDämmung statt Schürze: Die Platte bleibt über der Frostgrenze

Häufige Probleme: fehlende oder zu seichte Schürze, in der Folge Frosthebung und Risse an den Plattenrändern, besonders an den Gebäudeecken; Wärmebrücke, wenn der Betonbalken außen nicht gedämmt ist.

Siehe auch: Bodenplatte, Frosttiefe, Fundament, Perimeterdämmung.

Fugenband#

Dichtungselement, das die Arbeits- und Dehnfugen zwischen zwei Betonierabschnitten wasserdicht hält. Fugenbänder werden beim Betonieren mittig in die Fuge eingelegt oder eingegossen und wirken dadurch, dass sie den Weg des Wassers durch die Fuge verlängern. Übliche Bauarten sind Bänder aus Elastomer oder PVC, Bleche mit Beschichtung sowie Quellbänder aus Bentonit, die bei Nässe aufquellen und die Fuge schließen.

Häufigstes Problem: Undichtheit an Stößen und Kreuzungen der Bänder sowie Verschiebung des Bandes beim Betonieren.

Siehe auch: Weiße Wanne, Braune Wanne, Dichtung, Ortbeton.

Fundament#

Jener Bauteil, der die Lasten eines Bauwerks — Eigengewicht, Nutzlast, Schnee, Wind — in den Baugrund abgibt. Er vergrößert die Aufstandsfläche von Wänden und Stützen so weit, dass der Sohldruck unter dem bleibt, was der Boden aufnimmt.

Nach der Form unterscheidet man drei Arten:

Art Lage typischer Einsatz
Einzelfundament (Punktfundament) unter einer einzelnen Stütze, als Block Skelett- und Hallenbau, Carport, Wintergarten, Tor- und Zaunsäulen; für Fertigteilstützen als Köcherfundament6
Streifenfundament durchlaufend unter tragenden Wänden Mauerwerksbau, klassisches Einfamilienhaus mit Keller, Garten- und Stützmauern
Plattenfundament (Fundamentplatte) unter der gesamten Grundfläche des Bauwerks wenig tragfähiger oder wechselnder Baugrund, Grundwasser, Weiße Wanne; häufig beim nicht unterkellerten Haus

Die Platte verteilt die Last am gleichmäßigsten und überbrückt örtliche Schwachstellen im Boden; Einzel- und Streifenfundamente sind sparsamer, reagieren aber empfindlicher auf Unterschiede im Baugrund. Zur Abgrenzung der Fundamentplatte von der bloßen Fußbodenplatte siehe Bodenplatte.

Gebaut wird aus Beton, bei geringer Last unbewehrt, sonst bewehrt7 (Baustoffkennwerte › Beton, Festigkeitsklassen). Altbauten stehen häufig auf Bruchstein- oder Ziegelmauerwerk, kaum breiter als die Wand darüber.

Das Fundament hat die Eigenart, dass es nach der Fertigstellung niemand mehr zu Gesicht bekommt; seine Mängel meldet die Fassade.

Häufige Probleme:

  • Setzungsunterschiede, in der Folge Risse;
  • Fundamentsohle über der Frosttiefe, in der Folge Frosthebung und Risse;
  • Ausführung abweichend vom Plan (Breite, Tiefe, Bewehrung) — nachträglich nur durch Aufgraben oder Kernbohrung feststellbar.

Siehe auch: Gründung, Sohldruck, Bodenplatte, Frostschürze, Fundamenterder, Stahlbeton.

Fundamenterder#

Umlaufender Band- oder Rundstahl, der beim Betonieren in das Fundament eingelegt wird und über den Beton mit dem Erdreich in Verbindung steht. Er bildet die Erdung der elektrischen Anlage (Schutz- und Potentialausgleich8) und die Erdungsanlage des Blitzschutzes. Eine herausgeführte Anschlussfahne verbindet ihn mit der Haupterdungsschiene im Gebäude.

Ist die Platte gegen das Erdreich abgedichtet oder zur Gänze gedämmt — Schwarze Wanne, unterseitige Dämmung aus XPS oder Schaumglasschotter —, fehlt dem Erder der Kontakt zum Boden. Dann ist ein Ringerder außerhalb der Abdichtung erforderlich; der Stahl im Beton dient nur mehr dem Potentialausgleich.

Nachträglich lässt sich ein Fundamenterder nicht mehr einbauen; fehlt er, bleibt nur ein Ringerder im Erdreich rund um das Gebäude.

Häufige Probleme: vergessen; nicht angeschlossen, weil die Anschlussfahne abgeschnitten oder eingeputzt wurde; Stöße nicht leitend verbunden; wirkungslos, weil die Platte gedämmt oder abgedichtet ist.

Siehe auch: Fundament, Bodenplatte, Haustechnik.

Parapet#

Unterhalb des Fensters liegender Mauerteil.

Häufigstes Problem: Feuchtigkeit durch Wassereintritt.

Siehe auch: Sohlbank

Schwarzdeckung#

Abdichtung des Daches durch die Verwendung von Teerpappe und Teer oder eines dem entsprechenden modernen Materials. Hat den Namen von der Farbe des Teers. Bei Flachdächern wird das Kunststoffmaterial oft durch eine Kiesschüttung durch Witterungseinflüsse, hauptsächlich UV-Strahlung geschützt.

Häufigstes Problem: Undichtheit.

Schwarze Wanne#

Ausführungsart von unter dem Bodenniveau gelegenen Gebäudeteilen (Keller), bei der auf der Bodenplatte das aufgehende Mauerwerk konventionell errichtet wird (Ziegelmauerwerk, Ortbeton) und danach die Außenseite mittels Teerpappe und Teer (oder einem modernen Kunststoffäquivalent) gegen das Eindringen von Wasser abgedichtet wird. Es handelt sich um eine alte und verhältnismäßig günstige Ausführungsart.

Häufigstes Problem: Undichtheit.

Siehe auch: Weiße Wanne, Schwarzdeckung, Braune Wanne.

Sohlbank#

Fachausdruck für Fensterbrett, darunter findet sich das Parapet.

Häufigstes Problem: Falsches Gefälle, dadurch Wassereintritt; Risse durch fehlende Dehnfugen zum WDVS.

Siehe auch: Parapet, Bautischler.

Umkehrdach#

Diese Form eines (meist) als Flachdach ausgeführten Warmdaches zeichnet sich dadurch aus, dass die Dichtebene nicht die oberste Dachschicht darstellt, die die darunter liegenden Bauteile vor Feuchtigkeit schützt, sondern die Dichtebene die unterste, auf der Tragkonstruktion angebrachte Schicht ist. Anders als bei einem konventionellen Dachaufbau, befindet sich die Dämmung in einem Bereich der nass oder feucht werden kann. Dadurch ergeben sich Vorteile bei der Errichtung und auch weniger thermische und mechanische Belastungen der Dichtebene, die unterhalb der Wärmedämmung und des darüber befindlichen Dachaufbaues liegt.

Häufigstes Problem: Undichtheit.

Siehe auch: Flachdach, XPS

Weiße Wanne#

Ausführungsart von unter den Bodenniveau liegenden Gebäudeteilen. Bei der weißen Wanne werden die Wände aus qualitativ hochwertigem, armierten Ortbeton mit einer Mindeststärke (WU9-Beton) hergestellt, der besonders sorgfältig verdichtet wird. Sowohl durch die Armierung als auch durch die Verdichtung des eingegossenen Betons wird die Rissbildung in der späteren Wand verringert oder vermieden. Auch die Anschlussstellen zwischen zwei Bauteilen (Bodenplatte oder aneinander grenzende Wände) müssen durch Fugenbänder abgedichtet werden. Bei der Weißen Wanne sind die tragenden Teile gleichzeitig auch die dichtenden. Je nach Ausführungsklasse und Nutzungsart des Gebäudes ist auch bei Weißen Wannen allenfalls der Durchtritt flüssigen Wassers in geringem Ausmaß zulässig.

Wird eine Weiße Wanne undicht, ist eine häufige Sanierungsart das Verpressen der Problemstellen mit Kunstharz. Gelegentlich ist dies bereits von Anfang an vorgesehen, um den Aufwand beim Betonieren geringer zu halten.

Bei Weißen Wannen handelt es sich um eine relativ teure Ausführungsart.

Häufigstes Problem: Undichtheit.

Siehe auch: Braune Wanne, Schwarze Wanne, Stahlbeton, Kiesnest

  1. Magerbeton ist zementarmer Beton ohne statische Aufgabe.

  2. In feinen Poren steigt Wasser gegen die Schwerkraft auf (Kapillarität), und zwar umso höher, je feiner die Poren sind. Grober Kies ohne Feinanteil hat so weite Hohlräume, dass der Aufstieg dort abreißt.

  3. Gebrochenes Granulat aus aufgeschäumtem Glas, meist aus Altglas gewonnen. Es ist druckfest, nimmt kaum Wasser auf und dämmt; unter Bodenplatten dient es daher zugleich als Tragschicht und als Dämmung.

  4. Beton verliert beim Erhärten und Austrocknen Wasser und zieht sich dabei um einige Zehntel Millimeter je Meter zusammen. Kann er das nicht ungehindert, weil er am Untergrund haftet oder an Wände anschließt, reißt er. Solche Schwindrisse sind meist fein und für die Standsicherheit ohne Belang.

  5. Für Steigungen und Gefälle werden in der Praxis häufiger Prozentangaben als Gradangaben10gemacht. Die Steigung in Prozent drückt aus, um wieviele Höhenheiten pro Längeneinheit etwas steigt oder fällt. Eine Steigung von 12 % entspricht also einem Höhenzuwachs von 12 cm auf 100 cm oder 12 m pro 100 m usw.

  6. Einzelfundament mit einer Aussparung, in die die vorgefertigte Stütze eingestellt und anschließend vergossen wird.

  7. Beton verträgt Druck gut, Zug aber nur etwa zu einem Zehntel. Die Zugkräfte übernehmen eingelegte Stäbe oder Matten aus Stahl, die Bewehrung (landläufig Armierung), siehe Armierungsstahl und Stahlbeton; Kennwerte unter Baustoffkennwerte › Bewehrungsstahl.

  8. Beim Potentialausgleich werden alle leitfähigen Teile eines Gebäudes — Wasser-, Gas- und Heizungsrohre, Schutzleiter, Blitzschutz — an der Haupterdungsschiene miteinander und mit dem Erder verbunden. Sie liegen dann auf demselben elektrischen Niveau: Wer im Fehlerfall zwei davon zugleich berührt, bekommt keinen Schlag, weil zwischen ihnen keine Spannung besteht.

  9. Wasserundurchlässiger Beton.

  10. Prozent- und Gradangaben lassen sich mit dem Tangens und seiner Umkehrfunktion ineinander überführen. Von Prozent auf Grad (für p>0p \gt 0): g=180πarctan(p100)g = \frac{180}{\pi}\arctan\left(\frac{p}{100}\right)und von Grad auf Prozent (für g<90°g \lt 90\degree): p=100tan(gπ180)p = 100 \tan\left(\frac{g\,\pi}{180}\right)wobei pp für die Neigung in Prozent und gg für jene in Grad steht.
    Als Anhaltspunkt kann man sich merken: 100%45°100\,\% \approx 45\degree, 10%5,7°10\,\% \approx 5{,}7\degree.

Baulexikon Holz und Ausbau#

Teil des Baulexikon: Holzbau, Holzwerkstoffe und Innenausbau, jeweils mit dem Hinweis auf die typischen Streitpunkte. Vertiefend: Feuchte, Taupunkt und Schimmel.

Ausheizprotokoll · Bautischler · Belegreife · Brettschichtholz · CM-Messung · Estrich · Holzriegelbau · KVH · MDF · OSB

Fachbegriffe#

Ausheizprotokoll#

Schriftlicher Nachweis, dass ein Estrich mit eingebauter Fußbodenheizung (Heizestrich) vor dem Verlegen des Bodenbelags planmäßig aufgeheizt wurde. Das Aufheizen dient zweierlei: Es zeigt, ob die Heizung funktioniert (Funktionsheizen1), und es treibt die Restfeuchte aus dem Estrich, bis er belegt werden darf (Belegreifheizen, siehe Belegreife).

Festgehalten werden Beginn und Ende, die täglichen Vorlauftemperaturen2, Unterbrechungen und die Unterschrift dessen, der geheizt hat. Ob der Estrich danach tatsächlich trocken genug ist, sagt das Protokoll nicht — das zeigt erst die CM-Messung.

Häufige Probleme: Protokoll fehlt oder wurde erst nachträglich ausgefüllt; zu früh, zu rasch oder mit Unterbrechungen aufgeheizt, in der Folge Risse im Estrich; Belag verlegt, weil das Protokoll für den Nachweis der Trockenheit gehalten wurde.

Siehe auch: Estrich, Belegreife, CM-Messung, HKLS.

Bautischler#

Tischler (bundesdeutsch Schreiner), der fest mit dem Gebäude verbundene Holzbauteile herstellt und einbaut: vor allem Fenster, Außen- und Innentüren, Tore, Treppen, Wand- und Deckenverkleidungen. Er unterscheidet sich vom Möbeltischler, der bewegliche Einrichtung fertigt, und vom Zimmerer, der die tragende Holzkonstruktion errichtet — Dachstuhl und Holzriegelbau.

Die meisten Streitfälle entstehen nicht am Fenster selbst, sondern an seinem Anschluss an die Wand. Die Fuge rundherum muss innen luftdicht und dampfdicht, außen schlagregendicht und doch dampfdurchlässig sein, damit Feuchte, die in die Fuge gelangt, nach außen abziehen kann — die Regel lautet: innen dichter als außen. Dazwischen liegt die Dämmung, meist Montageschaum.

Häufige Probleme: undichter Fensteranschluss, in der Folge Zugluft, Wärmebrücke und Schimmel in der Leibung; fehlendes oder falsches Gefälle an der Sohlbank; Maßabweichungen zwischen Rohbauöffnung und Element, deren Ursache zwischen Baumeister und Tischler strittig ist.

Siehe auch: Holzriegelbau, KVH, Blower-Door-Test, Lebensdauer von Bauteilen.

Belegreife#

Zustand, in dem ein Estrich den Bodenbelag — Parkett, Fliesen, Teppich, Vinyl — aufnehmen kann, ohne ihn oder sich selbst zu beschädigen. Entscheidend ist vor allem die Restfeuchte: Der Estrich gibt sein überschüssiges Wasser noch lange nach dem Einbringen ab, und ein darüber gelegter Belag hielte es fest. Daneben muss der Untergrund fest, eben und sauber sein, ohne lose oder mürbe Oberfläche.

Die Restfeuchte wird mit der CM-Messung festgestellt. Wie trocken der Estrich sein muss, hängt von Estrichart und Belag ab: Bei Zementestrich liegt die Grenze um 2 CM-%, bei Calciumsulfatestrich deutlich unter 1 CM-%; bei Heizestrich und bei dichten oder feuchteempfindlichen Belägen wie Parkett, Vinyl oder Linoleum gelten strengere Werte. Bei Heizestrich wird die Belegreife durch das Aufheizen herbeigeführt, das das Ausheizprotokoll festhält.

Die Belegreife ist ein Messergebnis, kein Datum. Faustregeln über Wochen je Zentimeter Estrichdicke geben einen Anhalt für die Terminplanung, ersetzen die Messung aber nicht; Raumklima, Jahreszeit und Lüftung verschieben die Trocknung um Wochen.

Häufige Probleme:

  • Belag ohne Messung verlegt, weil die Belegreife nach dem Kalender angenommen wurde, in der Folge sich wölbendes oder lösendes Parkett, abplatzende Fliesen, Schimmel unter dem Belag;
  • Messung zu früh oder an ungeeigneter Stelle, siehe CM-Messung;
  • Estrich nach der Messung wieder befeuchtet, etwa durch nachfolgende Putz- oder Malerarbeiten oder ungenügende Lüftung.

Siehe auch: Estrich, CM-Messung, Ausheizprotokoll, Feuchte, Taupunkt und Schimmel.

Brettschichtholz#

Abgekürzt BSH, auf der Baustelle auch Leimbinder: Träger aus mehreren getrockneten und gehobelten Brettlagen, die mit gleicher Faserrichtung übereinander verleimt sind. So entstehen Querschnitte und Längen, die kein Baum hergibt, auch gebogene Formen. Weil sich Äste und andere Schwachstellen auf viele Lagen verteilen, ist BSH tragfähiger und formbeständiger als Vollholz. Eingesetzt wird es für Hallendächer, weit gespannte Träger und sichtbare Balken.

Häufige Probleme: Risse und sich lösende Leimfugen bei starkem Feuchtewechsel, besonders an ungeschützten Trägerenden im Freien; Trocknungsrisse in stark beheizten Räumen.

Siehe auch: KVH, Holzriegelbau.

CM-Messung#

Übliches Verfahren, mit dem auf der Baustelle festgestellt wird, wie viel Feuchte ein Estrich noch enthält und ob er damit belegreif ist, also Parkett, Fliesen oder Teppich aufnehmen kann. CM steht für Calciumcarbid-Methode.

Aus dem Estrich wird über seine ganze Dicke eine Probe gestemmt, zerkleinert, abgewogen und mit Calciumcarbid und Stahlkugeln in eine Druckflasche gegeben. Beim Schütteln reagiert das Wasser der Probe mit dem Carbid zu einem Gas3; aus dem Druck, den ein Manometer anzeigt, ergibt sich der Feuchtegehalt in CM-%. Ob der Wert genügt, beurteilt sich nach den Grenzwerten der Belegreife.

Die Messung ist ein Behelf für die Baustelle. Die Laborprüfung (Darrprüfung4) liefert höhere Werte; die beiden Zahlen sind nicht gegeneinander austauschbar. Elektronische Geräte, die bloß auf die Oberfläche gesetzt werden, geben nur einen Anhalt und ersetzen die CM-Messung nicht.

Häufige Probleme: Probe nur aus der oberen, trockeneren Schicht entnommen; Messung nicht dokumentiert (Ort, Tiefe, Einwaage, Ergebnis); bei Heizestrich keine Messstellen markiert, sodass aus Sorge um die Heizrohre gar nicht gemessen wird.

Siehe auch: Estrich, Belegreife, Ausheizprotokoll, Feuchte, Taupunkt und Schimmel.

Estrich#

Schicht, die auf die Rohdecke oder die Bodenplatte aufgebracht wird und eine ebene, tragfähige Unterlage für den eigentlichen Bodenbelag bildet. Im Wohnbau ist sie einige Zentimeter dick.

Meist liegt der Estrich schwimmend auf einer Dämmschicht und berührt weder die Rohdecke noch die Wände; zu diesen trennt ihn ein Randdämmstreifen. So hält er den Trittschall5 von den Räumen darunter fern und nimmt, als Heizestrich, die Rohre der Fußbodenheizung auf.

Nach dem Bindemittel unterscheidet man vor allem:

  • Zementestrich: der Regelfall, auch in Nassräumen;
  • Calciumsulfatestrich (Anhydrit-, oft als Fließestrich): trocknet rascher, verträgt aber keine dauernde Nässe;
  • Gussasphaltestrich: heiß eingebracht und nach dem Abkühlen sofort begehbar;
  • Trockenestrich: verlegte Platten statt einer gegossenen Schicht, vor allem im Altbau und Holzbau.

Beim Erhärten bindet das Bindemittel nur einen Teil des Anmachwassers; der Rest wird für die Verarbeitung gebraucht und muss verdunsten. Das dauert bei Zementestrich je nach Dicke und Raumklima Wochen bis Monate. Belegt werden darf erst, wenn die CM-Messung die Belegreife ergibt, bei Heizestrich nach dem Aufheizen laut Ausheizprotokoll. Im Bauablauf steht der Estrich damit vor dem gesamten Ausbau — eine Wartezeit, die Terminpläne gern kürzer ansetzen als der Estrich.

Häufige Probleme:

  • Belag auf zu feuchtem Estrich verlegt, in der Folge sich wölbendes oder lösendes Parkett, abplatzende Fliesen, Schimmel unter dem Belag;
  • Risse durch Schwinden6 oder an Stellen ohne Fuge, siehe Rissbilder;
  • Schallbrücken, weil der Estrich Wand oder Rohdecke doch berührt — über Mörtelreste, einen fehlenden Randstreifen oder fest verfugte Sockelfliesen —, in der Folge hörbarer Trittschall in der Wohnung darunter.

Siehe auch: Belegreife, CM-Messung, Ausheizprotokoll, Bodenplatte, Feuchte, Taupunkt und Schimmel, Lebensdauer von Bauteilen.

Holzriegelbau#

Österreichische Bezeichnung für den Holzrahmenbau: Die tragenden Wände bestehen aus einem Gerüst senkrechter Steher und waagrechter Riegel aus KVH, meist in einem Abstand von 62,5 cm. Beidseitig beplankt, etwa mit OSB oder Gipsfaserplatten, bildet das Gerüst eine steife Wandscheibe; die Zwischenräume werden gedämmt. Die Wände werden heute meist im Werk als fertige Elemente vorgefertigt — das klassische Fertighaus ist ein Holzriegelbau.

Ein typischer Wandaufbau von innen nach außen: Innenverkleidung mit Installationsebene, Dampfbremse (oder verklebte OSB-Platte), Riegelwerk mit Dämmung, außen eine diffusionsoffene Platte aus Holzfaser, Fassade. Wie bei allen Holzbauten gilt: Holz verträgt vieles, nur keine dauernde Nässe. Entscheidend ist daher, dass die innere Schicht luftdicht ist und die Konstruktion nach außen austrocknen kann — geprüft wird das mit dem Blower-Door-Test.

Die Nutzungsdauer wird in der Bewertung mit 60 bis 80 Jahren angesetzt (Liegenschaftsbewertung › Sachwert).

Häufige Probleme: Feuchteschäden durch Undichtheiten in der luftdichten Ebene7; während der Bauzeit durchnässte Elemente, die eingeschlossen werden — das Haus steht in wenigen Tagen, die dabei eingebaute Feuchte bleibt deutlich länger; Schallübertragung wegen der leichten Bauweise.

Siehe auch: KVH, OSB, Dampfbremse, Blower-Door-Test, Bautischler, Taupunkt.

KVH#

Abkürzung für Konstruktionsvollholz: Bauholz aus Nadelholz, meist Fichte, das für tragende Zwecke aufbereitet ist. Es wird technisch auf eine Holzfeuchte8 von rund 15 % getrocknet, nach Festigkeit sortiert, gehobelt und durch Keilzinkung9 auf beliebige Länge gebracht. Die Bezeichnung war ursprünglich eine Marke deutscher Sägewerke und ist heute allgemein üblich.

Der Unterschied zum gewöhnlichen, sägerauen Bauholz liegt vor allem in der Trocknung: Getrocknetes Holz schwindet und verzieht sich nach dem Einbau kaum mehr, und Pilze und Insekten finden darin keine Lebensgrundlage — ein chemischer Holzschutz ist daher im Innenbereich meist entbehrlich. Werden größere Querschnitte gebraucht, als ein Stamm hergibt, greift man zum Brettschichtholz, das aus mehreren verleimten Brettlagen besteht.

Häufige Probleme: auf der Baustelle ungeschützt gelagert und wieder durchfeuchtet; frisches Bauholz geliefert oder eingebaut, wo KVH ausgeschrieben war; Trocknungsrisse, die bis zu einer gewissen Breite unbedenklich sind.

Siehe auch: Holzriegelbau, Brettschichtholz, Bautischler, Holzmaßumrechnung.

MDF#

Abkürzung für mitteldichte Faserplatte. Holzwerkstoff aus zerfaserten Nadelholzspänen, die mit einem Bindemittel — meist Harnstoff-Formaldehyd-Harz — unter Druck und Hitze zu einer im Querschnitt gleichmäßigen Platte verpresst werden. Die Rohdichte liegt zwischen etwa 600 und 800 kg/m³. Weil die Platte keine erkennbare Faserrichtung und keine Hohlräume hat, lassen sich ihre Kanten fräsen, profilieren und unmittelbar lackieren; das unterscheidet sie von der Spanplatte und von OSB.

Eingesetzt wird MDF im trockenen Innenausbau: Möbel, Türblätter, Sockel- und Deckenleisten, Wandverkleidungen, Fensterbänke im Innenbereich. Für Räume mit zeitweise hoher Luftfeuchte gibt es die feuchtebeständige Variante MDF.H, die häufig grün durchgefärbt ist. Tragend im Sinne der Statik ist MDF nicht.

Häufigste Probleme: irreversibles Quellen und Aufwerfen der Platte bei Durchfeuchtung; Ausreißen von Schrauben in der Plattenebene, weil die Stirnseite wenig Halt bietet; Formaldehydabgabe bei Platten außerhalb der Emissionsklasse E1.

Siehe auch: OSB, Wasser.

OSB#

Abkürzung für Oriented Strand Board, deutsch Grobspanplatte. Der Holzwerkstoff besteht aus langen, schlanken Spänen (strands) von 50 bis 150 mm Länge, die in drei bis fünf Lagen kreuzweise ausgerichtet und mit Klebstoff verpresst werden. Durch die Ausrichtung der Späne trägt die Platte in der Hauptrichtung deutlich mehr als eine Span- oder Faserplatte; die Rohdichte liegt bei etwa 600 kg/m³.

Die ÖNORM EN 300 unterscheidet vier Typen: OSB/1 (Innenausbau, nicht tragend), OSB/2 (tragend, Trockenbereich), OSB/3 (tragend, Feuchtbereich) und OSB/4 (hochbelastbar, Feuchtbereich). Im Holzrahmen- und Holzriegelbau ist OSB die übliche Beplankung, die zugleich die Aussteifung der Wandscheibe übernimmt; daneben dient sie als Dachschalung, Unterboden und Schalung.

Bauphysikalisch ist bemerkenswert, dass OSB selbst schon dampfbremsend wirkt: Je nach Dicke und Typ liegt der sd-Wert etwa zwischen 2 und 5 m. Eine raumseitig verklebte OSB-Beplankung kann daher die Dampfbremse ersetzen — vorausgesetzt, die Stöße sind tatsächlich luftdicht verklebt und der Nachweis für den Aufbau ist geführt.

Häufigste Probleme: Quellen und Aufdicken der Kanten bei Durchfeuchtung während der Bauzeit; Verwendung eines nicht feuchtebeständigen Typs an feuchtegefährdeter Stelle; nicht oder mangelhaft verklebte Plattenstöße, wodurch die geplante Luft- und Dampfdichtheit ausbleibt und in der Folge Tauwasser im Bauteil anfällt.

Siehe auch: Dampfbremse, sd-Wert, MDF, Taupunkt, Holzriegelbau, Blower-Door-Test.

  1. Geregelt in der ÖNORM EN 1264-4. Üblich ist: frühestens 21 Tage nach dem Einbringen bei Zementestrich, 7 Tage bei Calciumsulfatestrich; drei Tage mit 25 °C Vorlauftemperatur, danach vier Tage mit der höchsten vorgesehenen. Trocken ist der Estrich danach in aller Regel noch nicht.

  2. Die Vorlauftemperatur ist die Temperatur, mit der das Heizwasser in die Rohre eintritt. Der Estrich selbst wird nicht so warm.

  3. Es entsteht Ethin, besser bekannt als Acetylen — dasselbe Gas, das in der Karbidlampe der Bergleute und Radfahrer brannte. In der Messflasche soll es nicht leuchten, sondern nur drücken.

  4. Bei der Darrprüfung wird die Probe gewogen, im Ofen getrocknet, bis sie nicht mehr leichter wird, und erneut gewogen; der Gewichtsverlust ist das Wasser. Sie erfasst auch Wasser, das die CM-Messung nicht freisetzt, verlangt aber ein Labor und Zeit.

  5. Trittschall entsteht beim Gehen und pflanzt sich über die Decke in die Räume darunter fort. Liegt der Estrich auf einer weichen Schicht, gelangt nur ein geringer Teil davon in die Rohdecke.

  6. Beton verliert beim Erhärten und Austrocknen Wasser und zieht sich dabei um einige Zehntel Millimeter je Meter zusammen. Kann er das nicht ungehindert, weil er am Untergrund haftet oder an Wände anschließt, reißt er. Solche Schwindrisse sind meist fein und für die Standsicherheit ohne Belang.

  7. Wasserdampf gelangt auf zwei Wegen in ein Bauteil: durch Diffusion, bei der er langsam durch das Material wandert (siehe Dampfdruck), und durch Konvektion, bei der ihn die Luft durch eine Fuge mitnimmt. Eine einzige Fuge von einem Millimeter Breite lässt nach einer oft zitierten Untersuchung des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik ein Vielhundertfaches dessen durch, was durch einen Quadratmeter intakter Wand diffundiert.

  8. Die Holzfeuchte ist das Gewicht des im Holz enthaltenen Wassers im Verhältnis zum Gewicht des völlig trockenen Holzes. Frisch geschlagenes Nadelholz kann mehr Wasser als Holz enthalten, also über 100 % aufweisen. Im beheizten Innenraum pendelt sich Holz bei rund 8 bis 12 % ein; was bis dahin an Wasser abgegeben wird, geht als Schwinden an Maß verloren.

  9. Bei der Keilzinkung werden die Enden zweier Hölzer kammartig mit keilförmigen Zinken gefräst, ineinander gesteckt und verleimt. Die Verbindung trägt annähernd so viel wie das volle Holz.

Baulexikon Planung, Gewerke und Haustechnik#

Teil des Baulexikon: Pläne, Maße, Bauaufsicht und Haustechnik, jeweils mit dem Hinweis auf die typischen Streitpunkte. Vertiefend: Bauablauf.

Deckenspiegel · Einreichplan · Firsthöhe · Haustechnik · Hebeanlage · HKLS · HT-Rohr · KG-Rohr · ÖBA/örtliche Bauaufsicht · TGA · Traufenhöhe

Fachbegriffe#

Deckenspiegel#

Kurzbezeichnung für Deckenspiegelplan. Dabei handelt es sich um einen Plan der Decke samt ihren Einbauten in Draufsicht der damit der Grundrisszeichnung des Bodens entspricht. Dadurch wirkt die Darstellung im Vergleich zur Betrachtung der Decke vom Raum aus (also von unten) gespiegelt.

Ein bekannter Fehler im Zusammenhang mit der Fehlinterpretation des Deckenspiegels ist die Gestaltung der Decke der Haupthalle des Grand Central Terminal in New York, in der der Sternenhimmel auf den Kopf stehend dargestellt wurde.

Einreichplan#

Grundlage für das Baubewilligungsverfahren. Der Stand des genehmigten Einreichplanes stellt den Baukonsens dar, der der Ausführung des Gebäudes, dem Bestand, entspricht.

Häufigstes Problem: Entspricht nicht dem Bestand.

Firsthöhe#

Höhe des Gebäudes bis zum höchsten Punkt des Daches, dem First, über Bodenniveau.

Haustechnik#

Sammelbegriff für die Gewerke HKLS und Elektrotechnik. Auch als TGA (Technische Gebäudeausstattung) bezeichnet.

Hebeanlage#

Dabei handelt es sich um eine Pumpe, die typischerweise Schmutz- aber auch sonstiges Wasser aus Gebäudegeschoßen unter Bodenniveau hebt, damit diese in die höher gelegene Kanalisation eingeleitet werden können. Oft ist eine derartige Anlage in einem Pumpenschacht (gelegentlich auch als Pumpensumpf bezeichnet) untergebracht, der am tiefsten Punkt des Gebäudes, eventuell auch in einer Ausnehmung der Bodenplatte, angeordnet ist.

Hebeanlagen in durch eindringendes Oberflächen- oder Grundwasser gefährdeten Gebäuden, werden oft redundant (zwei Pumpen, zwei Steuerungsanlagen, unabhängige Stromversorgung und Absicherung) ausgeführt.

Häufigstes Problem: Fehlen, da nicht vorgesehen, Ausfall, in der Folge: Wasserschäden.

HKLS#

Abkürzung für Heizung, Klima, Lüftung und Sanitär. Umfasst im Wesentlichen die klassischen Gewerke des Installateurs, wobei in den letzten Jahren eine Spezialisierung bei den Heizungstechnikern, auch oder vor allem aufgrund der höheren Anforderungen an klimafreundliche Heizungsanlagen, zu beobachten ist.

HT-Rohr#

Kurz für: "Hochtemperatur-Rohr". Gelegentlich auch als "POLO-KALrohr" bezeichnet. Meist graue Plastikrohre mit einem Nenndurchmesser von 32 bis 160 mm. Sie dienen zur Ableitung von Abwasser bis zur Gebäudeaußenwand. Das Abwasser darf dabei Temperaturen von bis zu 95 °C haben. Daher rührt auch die Bezeichnung, da die Rohre sich auch bei hohen Temperaturen nicht verformen.

Anders als sonst üblich gibt der Nenndurchmesser bei diesen Rohren nicht den Innen- sondern den Außendurchmesser an, weswegen sie auch nicht beliebig mit anderen Rohren kombinierbar sind.

Siehe auch: KG-Rohre

KG-Rohr#

Abkürzung für "Kanalgrundrohr". Diese meist bräunlich-orangen Rohre dienen der Ableitung von Abwasser außerhalb von Gebäuden. Sie sind im Erdreich verlegt und formstabiler als HT-Rohre, jedoch nur bis 65 °C wärmebeständig. Typische Nenndurchmesser reichen von 110 mm bis 600 mm.

ÖBA/örtliche Bauaufsicht#

Meist ein vom Bauherren und Bauausführendem verschiedener Dritter, der die Ausführung überwacht. Haftet im Zweifel zur ungeteilten Hand mit dem Ausführenden, wenn die Fehler bei regelmäßigen Kontrollen während des Baus für den Kontrollierenden erkennbar waren oder erkennbar hätten sein müssen.

TGA#

Akronym für "Technische Gebäudeausstattung".

Siehe auch: Haustechnik.

Traufenhöhe#

Höhe des tiefsten Punkt eines Daches über Bodenniveau.

Baustoffkennwerte#

Behelf: U-Wert aus dem Schichtaufbau · Behelf: Wärmeverlust einer Fläche

Beton, Festigkeitsklassen#

Klasse Zylinder N/mm² Würfel N/mm² Übliche Verwendung
C12/15 12 15 Sauberkeitsschicht, Füllbeton
C16/20 16 20 unbewehrte Fundamente
C20/25 20 25 Streifenfundament, Bodenplatte
C25/30 25 30 Regelbeton im Hochbau, Decken, Wände
C30/37 30 37 höher belastete Bauteile, weiße Wanne
C35/45 35 45 Stützen, Fertigteile
C40/50 40 50 Spannbeton, Sonderbauteile

Die erste Zahl ist die charakteristische Druckfestigkeit am Zylinder, die zweite am Würfel. Sie bezeichnen denselben Beton.

Expositionsklassen#

Klasse Beanspruchung
X0 kein Angriffsrisiko, trockener Innenraum
XC1–XC4 Karbonatisierung, von trocken bis wechselnd nass
XD1–XD3 Chloride, nicht aus Meerwasser (Tausalz, Garagen)
XS1–XS3 Chloride aus Meerwasser
XF1–XF4 Frost mit und ohne Taumittel
XA1–XA3 chemischer Angriff (Boden, Wasser)

Die Expositionsklasse bestimmt Mindestfestigkeit, Betondeckung und Wasserzementwert. Ein Streit um Betonschäden an Tiefgaragendecken oder Balkonen führt fast immer auf eine zu niedrig gewählte Klasse — XD3 und XF4 sind dort der Regelfall.

Bewehrungsstahl#

Bezeichnung Streckgrenze N/mm² Bemerkung
B550A 550 Matten, kaltverformt, geringe Duktilität1
B550B 550 Stabstahl, höhere Duktilität1

Die Streckgrenze ist bei beiden Sorten gleich; sie unterscheiden sich im Verformungsvermögen. Wo das Versagen sich ankündigen soll — bei durchlaufenden Trägern, im Erdbebenfall —, ist B550B zu verwenden.

Betondeckung#

Bauteil und Umgebung Nennmaß Bemerkung
Innenbauteil 20 mm
Außenbauteil 30–40 mm je Expositionsklasse
Tausalzbereich 45–55 mm

Zu geringe Betondeckung ist die häufigste Ursache für Bewehrungskorrosion und abplatzenden Beton. Sie ist am Bauwerk zerstörungsfrei messbar.

Mauerwerk#

Stein Rohdichte kg/m³ λ W/mK Druckfestigkeit N/mm²
Vollziegel 1600–1800 0,50–0,81 10–28
Hochlochziegel 700–1000 0,16–0,36 6–20
Wärmedämmziegel, verfüllt 650–800 0,07–0,10 6–12
Kalksandstein 1600–2000 0,79–1,10 12–28
Porenbeton 350–700 0,09–0,18 2–8
Beton, bewehrt 2400 2,30
Betonhohlblock 1000–1400 0,50–0,80 4–12

Wärmeleitfähigkeit gängiger Schichten#

Stoff λ W/mK
EPS, Fassadendämmplatte 0,035
EPS grau, grafitiert 0,032
Mineralwolle 0,035
PUR, PIR 0,024
Holzfaserdämmplatte 0,040
Zelluloseeinblasdämmung 0,040
Perimeterdämmung XPS 0,035
Klebe- und Armierungsmörtel 0,700
Silikatputz, Silikonharzputz 0,700
Mineralischer Edelputz 0,870
Kalkzementputz 0,800
Gipsputz 0,510
Zementestrich 1,400
Nadelholz 0,130
Gipskartonplatte 0,250
Stahl 50
ruhende Luftschicht 2 cm 0,110

Der Sprung zwischen Dämmstoff und Stahl über drei Zehnerpotenzen macht anschaulich, warum ein durchbindender Stahlträger oder eine auskragende Betonplatte als Wärmebrücke wirkt — mit den Folgen aus Feuchte, Taupunkt und Schimmel.

Aufbau eines WDVS#

Von innen nach außen, mit den Dicken der Regelausführung nach den Verarbeitungsrichtlinien der Systemhersteller:

Schicht Dicke λ W/mK Funktion
Untergrund, Altputz Bestand 0,80 tragfähig, eben, sauber
Klebemörtel 0,5–1 cm 0,70 Wulst-Punkt- oder Umlaufmethode
Dämmplatte, EPS oder Mineralwolle 8–24 cm 0,035 die eigentliche Dämmebene
Dübel ab bestimmter Höhe und Untergrund zusätzlich
Armierungsspachtel, untere Lage 0,3 cm 0,70 nimmt das Gewebe auf
Glasfasergitter, Armierungsgewebe im Spachtel verteilt Spannungen, verhindert Risse
Armierungsspachtel, obere Lage 0,2 cm 0,70 deckt das Gewebe vollständig ab
Grundierung, Putzgrund Anstrich Saugverhalten und Haftung
Silikatputz, Oberputz 0,2–0,3 cm 0,70 Wetterschutz, Optik, Körnung 1,5–3 mm

Die Armierungsschicht ist mit rund 5 mm die dünnste tragende Ebene des Systems und zugleich die häufigste Mangelquelle: Das Gewebe gehört ins obere Drittel und muss allseits vom Mörtel umschlossen sein — liegt es auf der Dämmplatte auf oder tritt es an die Oberfläche, zeichnen sich Plattenstöße als Risse ab. Silikatputz ist mineralisch gebunden, diffusionsoffen und alkalisch, damit weniger algenanfällig als Silikonharzputz, verlangt aber einen darauf abgestimmten Putzgrund.

Rechnerisch trägt der gesamte Fassadenaufbau ohne die Dämmplatte kaum etwas bei: Kleber, Spachtel und Putz zusammen rund 1,3 cm bei λ 0,70 ergeben R = 0,019 m²K/W, also weniger als ein Fünftel des äußeren Übergangswiderstands. Wer über den U-Wert streitet, streitet über die Dämmstärke.

Wärmeübergangswiderstände#

Lage R m²K/W
innen, RsiR_{si}, Wand 0,13
innen, RsiR_{si}, Decke, Wärmestrom aufwärts 0,10
innen, RsiR_{si}, Fußboden, abwärts 0,17
außen, RseR_{se} 0,04
außen, an unbelüfteten Raum grenzend 0,13
Behelf: U-Wert aus dem Schichtaufbau#

Voreingestellt ist ein Altbestand mit dem vollständigen WDVS-Aufbau, die Dämmplatte aber auf 0 cm: eine Dämmstärke dort eingetragen — 14 bis 20 cm sind heute üblich — stellt Bestand und Sanierung unmittelbar gegenüber. Schichten ohne Dicke oder λ bleiben unberücksichtigt und werden unter dem Ergebnis ausgewiesen.

Die Grafik zeigt den stationären Temperaturverlauf durch das Bauteil. Der Knick an jeder Schichtgrenze ist proportional zum Wärmedurchlasswiderstand der Schicht: über der Dämmung fällt fast die gesamte Differenz ab, über Putz und Spachtel praktisch nichts. Liegt die Innenoberfläche unter der Schimmelgrenze, ist der Mangel nicht bloß energetisch — dazu Feuchte, Taupunkt und Schimmel.

Behelf: Wärmeverlust einer Fläche#

Diese Rechnung beziffert den Mangelfolgeschaden aus einem zu schlecht ausgeführten Bauteil: Differenz der U-Werte zwischen geschuldeter und tatsächlicher Ausführung einsetzen und mit der Restnutzungsdauer aus Lebensdauer von Bauteilen hochrechnen.

  1. Duktilität ist das Vermögen eines Werkstoffs, sich vor dem Bruch bleibend zu verformen — das Gegenstück zur Sprödigkeit. Kennzahlen sind das Verhältnis von Zugfestigkeit zu Streckgrenze und die Dehnung bei Höchstlast: bei B550A rund 2,5 %, bei B550B rund 5 %. Im Verfahren zählt sie, weil ein duktiles Bauteil sein Versagen durch Risse und Durchbiegung ankündigt, ein sprödes dagegen ohne Vorwarnung bricht.

Feuchte, Taupunkt und Schimmel#

Behelf: Taupunkt und absolute Feuchte · Behelf: Oberflächentemperatur und Schimmelrisiko · Behelf: Lüften

Grundformeln#

Sättigungsdampfdruck nach Magnus: ps(θ)=611,2e17,62θ243,12+θp_s(\theta) = 611{,}2 \cdot e^{\frac{17{,}62 \, \theta}{243{,}12 + \theta}} in Pa

Taupunkttemperatur: τ=243,12v17,62v\tau = \dfrac{243{,}12 \cdot v}{17{,}62 - v} mit v=lnφ100+17,62θ243,12+θv = \ln\frac{\varphi}{100} + \dfrac{17{,}62 \, \theta}{243{,}12 + \theta}

Absolute Feuchte: ν=216,7φ/100ps/100273,15+θ\nu = 216{,}7 \cdot \dfrac{\varphi/100 \cdot p_s/100}{273{,}15 + \theta} in g/m³

Oberflächentemperatur eines Bauteils: θsi=θiURsi(θiθe)\theta_{si} = \theta_i - U \cdot R_{si} \cdot (\theta_i - \theta_e)

Temperaturfaktor: fRsi=θsiθeθiθef_{Rsi} = \dfrac{\theta_{si} - \theta_e}{\theta_i - \theta_e}

Behelf: Taupunkt und absolute Feuchte#

Die beiden Grenzen#

Zustand an der Oberfläche relative Feuchte Folge
unbedenklich unter 65 kein Wachstum
Beobachtungsbereich 65–80 Wachstum bei langer Dauer möglich
Schimmelgefahr über 80 Wachstum ohne sichtbares Tauwasser
Tauwasser 100 sichtbare Kondensation

Der entscheidende Punkt, der in Verfahren regelmäßig übersehen wird: Schimmel entsteht weit unterhalb des Taupunkts. Es genügt eine relative Feuchte von 80 % an der Bauteiloberfläche über mehrere Tage. Der Nachweis „es war kein Kondenswasser sichtbar" sagt daher nichts.

Der Temperaturfaktor fRsif_{Rsi} ist das übliche Beurteilungsmaß der Wärmebrücke. Ein Wert unter 0,7 gilt als Mangel: Bei den Normrandbedingungen von 20 °C und 50 % Innenluftfeuchte wird dann die Grenze von 80 % relativer Feuchte an der Oberfläche überschritten.

Wärmeübergangswiderstand innen#

Situation R_si m²K/W
ebene Wandfläche, frei umspült 0,13
Raumecke, zwei Wände 0,20
Raumecke, drei Bauteile 0,25
hinter einem Möbel oder Vorhang 0,25–0,50

Damit erklärt sich das typische Schadensbild: Schimmel in der Zimmerecke hinter dem Kasten, während die freie Wand daneben trocken bleibt. Nicht die Wand ist anders, sondern der Wärmeübergang.

Behelf: Oberflächentemperatur und Schimmelrisiko#

Die letzte Zeile ist im Verfahren häufig die entscheidende: Sie beziffert, welche Raumluftfeuchte der Bewohner hätte einhalten müssen, damit die Stelle trocken bleibt. Liegt dieser Wert unter etwa 40 %, ist er im Winter durch Lüften nicht mehr erreichbar — dann liegt die Ursache am Bauteil, nicht am Nutzerverhalten.

U-Werte typischer Bauteile#

Bauteil U W/m²K
Vollziegelwand 38 cm, unverputzt, Altbau 1,4
Hochlochziegel 25 cm ohne Dämmung 1,2
Wand mit 8 cm Dämmung 0,35
Wand mit 16 cm Dämmung, Neubaustandard 0,20
Einfachverglasung 5,8
Kastenfenster, Altbestand 2,5
Zweischeiben-Wärmeschutzglas 1,10
Dreischeibenverglasung 0,70
Betondecke ungedämmt 2,8
Auskragende Balkonplatte, Anschlussbereich 1,5–3,0

Feuchteproduktion im Haushalt#

Quelle l je Tag
Person, ruhende Tätigkeit 1,0–1,5
Duschen, je Vorgang 0,5–1,0
Kochen 0,5–1,0
Geschirrspülen 0,2
Wäsche trocknen, 4,5 kg Schleuderwäsche 2,0–3,5
Zimmerpflanzen, je Pflanze 0,01–0,05
Haushalt mit vier Personen 6–14

Neubaufeuchte kommt hinzu: Estrich, Putz und Beton geben in den ersten ein bis zwei Jahren mehrere hundert Liter je Wohnung ab. In dieser Zeit ist der übliche Lüftungsbedarf deutlich höher — ein Umstand, der bei der Verschuldensfrage zwischen Bauträger und Erwerber regelmäßig eine Rolle spielt.

Behelf: Lüften#

Warum kalte Außenluft trocknet: Sie enthält absolut wenig Wasser. Auf Raumtemperatur erwärmt, sinkt ihre relative Feuchte, und sie kann Feuchtigkeit aufnehmen.

Der Vergleich der beiden absoluten Werte entscheidet, ob Lüften wirkt. Deshalb ist der Vorwurf des unzureichenden Lüftens im Sommerhalbjahr bei Kellerräumen regelmäßig verfehlt: Dort verschlimmert Lüften den Zustand.

Verwandt: Baustoffkennwerte für die U-Werte des konkreten Aufbaus.

Lebensdauer von Bauteilen#

Behelf: Zeitwert und Abzug neu für alt · Behelf: Restnutzungsdauer des Gebäudes

Übliche Nutzungsdauern#

Bauteil Jahre
Rohbau, tragende Konstruktion 80–100
Dachstuhl 80–100
Ziegeldeckung 50–80
Betondachsteine 40–60
Blechdeckung, Titanzink 40–60
Flachdachabdichtung, Bitumenbahn 20–30
Flachdachabdichtung, Kunststoffbahn 25–35
Fassadenputz 30–40
Wärmedämmverbundsystem 30–40
Fenster, Holz 30–40
Fenster, Kunststoff 30–40
Fenster, Holz-Alu 40–50
Außentüren 30–40
Innentüren 30–40
Estrich 40–60
Parkett, versiegelt 30–50
Laminat 10–20
Teppichboden 8–12
Fliesen 30–50
Innenanstrich 5–8
Sanitärobjekte 25–35
Wasserleitungen, Kupfer 30–50
Wasserleitungen, Kunststoff 30–40
Abflussleitungen 40–60
Heizkessel, Gas 18–25
Wärmepumpe 15–20
Heizkörper 30–40
Fußbodenheizung, Rohre 40–50
Elektroinstallation 30–40
Photovoltaikanlage 20–25
Aufzug 25–35
Küche, Einbau 15–25

Die Spannen sind Erfahrungswerte für die Bewertung. Sie sagen nichts über den Einzelfall aus, in dem Ausführung, Wartung und Beanspruchung entscheiden — ein gewartetes Ziegeldach hält länger als hundert Jahre, ein Flachdach mit stehendem Wasser keine fünfzehn.

Der Abzug neu für alt#

Wird ein abgenutztes Bauteil durch ein neues ersetzt, erlangt der Geschädigte einen Vorteil: Er erhält eine längere Restlebensdauer, als er ohne das schädigende Ereignis gehabt hätte. Dieser Vorteil ist auszugleichen.

Der lineare Ansatz: Abzug=NeuwertAlterGesamtnutzungsdauer\text{Abzug} = \text{Neuwert} \cdot \dfrac{\text{Alter}}{\text{Gesamtnutzungsdauer}}

Zwei Einschränkungen, die im Streitfall regelmäßig geltend gemacht werden: Ein Abzug unterbleibt, soweit die Erneuerung dem Geschädigten aufgedrängt wird und er den Vorteil nicht realisieren kann; und er unterbleibt bei Bauteilen, deren Erneuerung ohnehin unmittelbar bevorstand oder deren Zustand keinen messbaren Wertunterschied begründet.

Behelf: Zeitwert und Abzug neu für alt#

Das Restwertfeld dient Bauteilen mit Schrott- oder Materialwert am Ende der Nutzungsdauer. Für die üblichen Fälle bleibt es bei 0.

Zustandsstufen#

Stufe Zustand verbrauchter Anteil
1 neuwertig, keine Gebrauchsspuren 0–10 %
2 gepflegt, geringe Gebrauchsspuren 10–30 %
3 durchschnittlich, altersentsprechend 30–60 %
4 abgenutzt, Instandsetzung absehbar 60–85 %
5 unbrauchbar, Erneuerung fällig 85–100 %
Behelf: Restnutzungsdauer des Gebäudes#

Nach Modernisierung verlängert sich die Restnutzungsdauer. Die einfachste gebräuchliche Näherung gewichtet die Restnutzungsdauer zwischen dem rechnerischen Wert und dem Wert eines neuwertigen Gebäudes nach dem Modernisierungsgrad.

Verwandt: Baustoffkennwerte für die Ausführungsqualität, Feuchte, Taupunkt und Schimmel für die häufigste Ursache vorzeitigen Bauteilversagens.

Rissbilder#

Behelf: Rissbreite und Schadensklasse · Behelf: Winkelverdrehung aus dem Nivellement · Behelf: Rissfortschritt aus zwei Messungen

Risse sind der häufigste Gegenstand von Beweissicherungsverfahren im Bauprozess. Für die Beurteilung sind drei Fragen zu trennen, die im Gutachtensauftrag oft vermengt werden:

  1. Ursache — Setzung, Schwinden, Temperatur, Überlastung, Erschütterung?
  2. Aktivität — schreitet der Riss fort oder ist er zur Ruhe gekommen?
  3. Bedeutung — bloß optisch, gebrauchsbeeinträchtigend oder standsicherheitsrelevant?

Nur die dritte Frage entscheidet über die Höhe des Anspruchs, nur die erste über den Anspruchsgrund.

Rissarten und ihre Merkmale#

Art Verlauf Lage Zeitpunkt
Setzungsriss treppenförmig in den Lagerfugen, oben breiter als unten (oder umgekehrt bei Aufwölbung) von der Gebäudeecke schräg nach oben, über Öffnungen Monate bis Jahre nach Errichtung, oft nach Nachbarbaugrube
Schwindriss fein, netzartig oder gerade Estrich, Putzflächen, Betonbauteile erste Wochen bis Monate
Scherriss diagonal, ~45°, häufig gegenläufig gekreuzt Wandscheiben, Aussteifungswände bei Laständerung
Temperaturriss senkrecht, gleichmäßig verteilt lange Fassaden, Attiken, Dachränder jahreszeitlich schwankende Breite
Riss über Anschluss glatt, an der Materialgrenze Wand/Decke, Mauerwerk/Beton, Leichtbau jederzeit, meist ungefährlich
Trennriss (Kerbe) von Fenster- oder Türecke ausgehend Bauteilecken jederzeit

Ein Setzungsriss verläuft dort breiter, wo der Bauteil auseinandergezogen wird: sackt eine Ecke ab, ist der Riss unten breit; hebt sich der Mittelteil, ist er oben breit. Diese Richtung ist das wichtigste Unterscheidungsmerkmal gegenüber dem Schwindriss, der über die Länge annähernd gleich breit bleibt.

Ein Riss, dessen Breite über den Jahreslauf schwankt und im Sommer schmäler ist, ist ein Temperaturriss und kein Setzungsriss. Deshalb ist die Messreihe über mindestens ein volles Jahr zu führen, bevor die Ursache abschließend beurteilt wird.

Schadensklassen#

Die gebräuchliche Einteilung geht auf Burland zurück und wird über die Rissbreite sowie den Aufwand der Instandsetzung definiert.

Klasse Bezeichnung Rissbreite Beschreibung
0 vernachlässigbar bis 0,1 mm Haarriss, keine Maßnahme
1 sehr leicht bis 1 mm beim Ausmalen mit erfasst
2 leicht bis 5 mm Verputz auszubessern, Türen und Fenster klemmen leicht
3 mittel 5 bis 15 mm Mauerwerk teilweise auszubrechen, Leitungen können reißen
4 schwer 15 bis 25 mm umfangreiche Instandsetzung, Bauteile ersetzen, Tragfähigkeit prüfen
5 sehr schwer über 25 mm Teilabbruch, Standsicherheit gefährdet

Die Zahlen sind Anhaltswerte für Mauerwerksbauten. Mehrere Risse der Klasse 2 in einem Bauteil sind zusammen wie Klasse 3 zu behandeln. Bei Stahlbeton gelten wegen des Korrosionsschutzes weit engere Grenzen, dort ist bereits eine Breite ab etwa 0,3 mm im Außenbereich zu beurteilen.

Behelf: Rissbreite und Schadensklasse#

Winkelverdrehung#

Für die Frage der Standsicherheit ist nicht die absolute Setzung maßgeblich, sondern die Winkelverdrehung β\beta zwischen zwei Punkten des Bauwerks: die Differenz der Setzungen geteilt durch ihren Abstand. Ein Gebäude, das gleichmäßig um 5 cm sinkt, bleibt rissfrei; sinkt eine Ecke um 1 cm mehr als die andere, reißt es.

β=ΔsL\beta = \frac{\Delta s}{L} (1)

Grenzwert Bedeutung
1 : 1000 unbedenklich
1 : 500 erste Risse in Mauerwerk zu erwarten
1 : 300 Risse in tragenden Wänden, Nutzung beeinträchtigt
1 : 150 Standsicherheit ist zu untersuchen
Behelf: Winkelverdrehung aus dem Nivellement#

Beweissicherung#

  • Gipsmarke: quer über den Riss aufgezogener Gipsstreifen; reißt er, ist der Riss aktiv. Liefert nur ja/nein, keine Breite.
  • Rissmonitor (zwei überlappende Plexiglasscheiben mit Fadenkreuz): liest Bewegung in beiden Richtungen auf 0,5 mm ab, Kosten gering, Ablesung durch Laien möglich.
  • Setzdehnungsmessung (Messbolzenpaar, Messuhr): Auflösung bis 0,001 mm, für gerichtliche Verfahren die belastbarste Methode.
  • Nivellement der Sockelpunkte: erfasst die Ursache statt nur der Folge; ohne Ausgangsmessung aber wertlos.

Bei jeder Ablesung sind Datum, Uhrzeit, Außen- und Bauteiltemperatur mitzuschreiben. Eine Messreihe ohne Temperaturangaben lässt sich nachträglich nicht von Temperaturbewegungen bereinigen und ist als Beweismittel weitgehend entwertet.

Behelf: Rissfortschritt aus zwei Messungen#

Verwandte Notizen: Baulexikon (insbesondere Setzung, Gründung und Unterfangung), Methodenkritik im Gutachten

Quelle: Schadensklassen nach Burland; Grenzwerte der Winkelverdrehung nach Skempton und MacDonald sowie Bjerrum

Schall und Immissionen#

Behelf: Pegeladdition und Fremdgeräuschabzug · Behelf: Abstandsgesetz · Behelf: Beurteilungspegel und Widmungsgrenzwert

Der Schallpegel ist ein logarithmisches Maß. Daraus folgen die drei Sätze, an denen die meisten Laienrechnungen im Verfahren scheitern: Zwei gleich laute Quellen ergeben nicht das Doppelte, sondern +3 dB. Eine Quelle, die um 10 dB leiser ist als die andere, erhöht den Summenpegel um 0,4 dB — sie ist rechnerisch unerheblich. Und eine Erhöhung um 10 dB wird subjektiv etwa als doppelt so laut empfunden.

L=10lgp2p02 dB,p0=20 μPaL = 10 \lg \frac{p^{2}}{p_{0}^{2}}\ \text{dB}, \qquad p_{0} = 20\ \mu\text{Pa} (1)

Die A-Bewertung, dB(A), gewichtet die Frequenzen nach der Empfindlichkeit des Ohres: tiefe Töne werden stark abgewertet. Das ist zugleich ihre Schwäche — brummende, tieffrequente Anlagengeräusche werden vom dB(A)-Wert regelmäßig unterschätzt und sind gesondert zu beurteilen.

Größen#

Größe Bedeutung
LA,eqL_{A,eq} energieäquivalenter Dauerschallpegel über eine Zeitspanne (Mittelungspegel)
LA,maxL_{A,max} höchster auftretender Pegel — maßgeblich für Aufwachreaktionen in der Nacht
LA,95L_{A,95} Pegel, der in 95 % der Zeit überschritten wird; Maß der Grundgeräuschsituation
LrL_{r} Beurteilungspegel: LA,eqL_{A,eq} zuzüglich Anpassungswerte für Ton- und Impulshaltigkeit

Für den Nachbarschaftsstreit ist nicht der Spitzenwert, sondern das Verhältnis von Beurteilungspegel zur ortsüblichen Grundgeräuschsituation entscheidend. Eine Anlage, die den Grundgeräuschpegel um mehr als etwa 10 dB übersteigt, fällt auch dann auf, wenn der Widmungsgrenzwert eingehalten ist.

Rechenregeln#

Energetische Addition mehrerer Quellen:

LΣ=10lgi10Li/10L_{\Sigma} = 10 \lg \sum_{i} 10^{L_{i}/10} (2)

Abzug eines Fremdgeräusches vom Gesamtpegel:

LQ=10lg(10Lges/1010LF/10)L_{Q} = 10 \lg \left( 10^{L_{\text{ges}}/10} - 10^{L_{F}/10} \right) (3)

Abstandsgesetz — Punktquelle (Trafo, Wärmepumpe, Lüfter; zu deren Aufstellung Wärmepumpe, Klimaanlage und Kältetechnik) gegen Linienquelle (Straße, Bahn):

L2=L120lgr2r1bzw.L2=L110lgr2r1L_{2} = L_{1} - 20 \lg \frac{r_{2}}{r_{1}} \quad \text{bzw.} \quad L_{2} = L_{1} - 10 \lg \frac{r_{2}}{r_{1}} (4)

Pegeldifferenz zweier Quellen Zuschlag auf den lauteren Pegel
0 dB +3,0 dB
3 dB +1,8 dB
6 dB +1,0 dB
10 dB +0,4 dB
15 dB +0,1 dB
Behelf: Pegeladdition und Fremdgeräuschabzug#

Ein Pegel je Zeile, in dB(A). Zeilen mit vorangestelltem Minus werden abgezogen (Fremdgeräusch).

Behelf: Abstandsgesetz#

Widmungskategorien und Planungsrichtwerte#

Die Kategorien folgen der ÖNORM S 5021, die Beurteilung der ÖAL-Richtlinie Nr. 3. Die Werte in dB sind Planungsrichtwerte, keine unmittelbar anwendbaren Verbotsgrenzen; die geltende Fassung ist im Anlassfall zu prüfen.

Kat. Widmung Tag 06–19 Abend 19–22 Nacht 22–06
1 Kurgebiet, Ruhegebiet, Krankenhaus 45 40 35
2 ländliches Wohngebiet, Wohngebiet in Vororten 50 45 40
3 städtisches Wohngebiet 55 50 45
4 Kerngebiet, Gebiet für Wohnen und Betriebe 60 55 50
5 Betriebsgebiet mit erheblichen Emissionen 65 60 55
6 Industriegebiet keine Festlegung

Anpassungswerte auf den Mittelungspegel: Tonhaltigkeit +3 bis +6 dB, Impulshaltigkeit +2 bis +5 dB, Informationshaltigkeit (verständliche Sprache, Musik) bis +6 dB. Sie werden nicht kumuliert addiert, sondern nach dem auffälligsten Merkmal bemessen.

Behelf: Beurteilungspegel und Widmungsgrenzwert#

Ein Betriebszustand je Zeile: Dauer in Minuten ; Pegel in dB(A).

Verwandte Notizen: Baulexikon, Schallgeschwindigkeit, Methodenkritik im Gutachten

Quelle: ÖNORM S 5021 (Widmungskategorien), ÖAL-Richtlinie Nr. 3 (Beurteilung von Schallimmissionen); Fassungen im Anlassfall zu prüfen