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Technik

Druck und Hydraulik#

Behelf: Druckeinheiten · Behelf: Hydraulikzylinder · Behelf: Rohrleitung und Volumenstrom

Grundformeln#

Druck: p=FAp = \dfrac{F}{A}

Hydrostatischer Druck: p=ρghp = \rho \cdot g \cdot h — je 10 m Wassersäule etwa 1 bar

Kraftübersetzung der hydraulischen Presse: F1A1=F2A2\dfrac{F_1}{A_1} = \dfrac{F_2}{A_2}

Hydraulische Leistung: P=pQP = p \cdot Q — 1 bar mal 1 l/min entspricht 1,67 W

Strömungsgeschwindigkeit: v=QAv = \dfrac{Q}{A}

Behelf: Hydraulikzylinder#

Der Zylinder zieht schwächer, als er drückt, und fährt dabei schneller ein als aus — beides folgt aus der um die Stangenfläche verminderten Ringfläche. Wo ein Gutachten diese Asymmetrie nicht berücksichtigt, ist es zu hinterfragen.

Druckeinheiten#

Einheit in Pascal Bemerkung
1 Pa 1 SI-Einheit, N/m²
1 bar 100 000 Praxiseinheit
1 mbar 100 Meteorologie
1 at (technisch) 98 067 kp/cm², veraltet
1 atm (physikal.) 101 325 Normatmosphäre
1 mmHg, 1 Torr 133,3 Medizin, Vakuumtechnik
1 mWS 9 807 Meter Wassersäule
1 psi 6 895 angloamerikanisch, lb/in²
1 N/mm² = 1 MPa 1 000 000 Werkstoffkunde, entspricht 10 bar

Die Gleichung 1 N/mm² = 10 bar verbindet die Werkstoff- mit der Hydraulikseite und wird häufig übersehen: Ein Bauteil mit 200 N/mm² Streckgrenze hält rechnerisch 2000 bar Innendruck — bezogen auf die Wandspannung, nicht auf die Dichtheit.

Behelf: Druckeinheiten#

Absolutdruck und Überdruck#

Manometer zeigen Überdruck gegenüber der Atmosphäre. Der Absolutdruck ist um rund 1 bar höher. Bei Reifendruck, Kesseldruck und Hydraulikdruck ist stets Überdruck gemeint; in der Thermodynamik und bei Vakuumangaben dagegen Absolutdruck. Ein Vakuum von 0,2 bar absolut entspricht −0,8 bar Überdruck.

Übliche Drücke#

Anwendung bar
Trinkwasser im Haus 3–6
Heizungsanlage, Einfamilienhaus 1,5–2,5
Autoreifen Pkw 2,0–2,8
Autoreifen Lkw 7–9
Druckluftnetz in der Werkstatt 6–10
Hydraulik, Mobilbagger 250–350
Hydraulik, Industriepresse 160–250
Common-Rail-Einspritzung 1500–2500
Wasserstrahlschneiden 3000–6000

Rohrleitungen: übliche Strömungsgeschwindigkeiten#

Medium und Leitung m/s
Trinkwasser, Verteilleitung 1,0–2,0
Trinkwasser, Steigleitung 0,5–1,5
Heizungswasser 0,5–1,0
Druckluft 6–10
Hydraulik, Druckleitung 3–6
Hydraulik, Saugleitung 0,5–1,5
Hydraulik, Rücklaufleitung 2–4

Zu hohe Geschwindigkeit in der Saugleitung ist die häufigste Ursache von Kavitation und damit von Pumpenschäden — ein wiederkehrender Streitpunkt bei Baumaschinen und Hebeanlagen.

Behelf: Rohrleitung und Volumenstrom#

Die Rechnung gilt für glatte Rohre. Der Druckverlust wächst mit dem Quadrat der Geschwindigkeit und mit der fünften Potenz des Durchmessers im Nenner — eine Verdoppelung des Durchmessers senkt ihn auf ein Zweiunddreißigstel. Deshalb ist die Nennweite der wirksamste Hebel gegen Verluste, nicht die Pumpenleistung.

Elektronische Bauelemente#

Behelf: Widerstands-Farbcode · Behelf: Blindwiderstand und Zeitkonstante · Behelf: LED-Vorwiderstand

Die Netzseite — Spannungen, Querschnitte, Absicherung — behandelt Elektrotechnik Grundlagen; die physikalische Einordnung von Leistung und Energie Kraft, Arbeit, Leistung und Energie. Diese Notiz beschreibt die Bauteile selbst: was sie tun, woran man sie erkennt und mit welchen Zahlen zu rechnen ist.

Drei passive Bauelemente bilden die Grundlage. Sie unterscheiden sich darin, was sie mit der Energie machen:

Bauelement Zeichen Einheit Verhalten
Widerstand RR Ohm (Ω) setzt elektrische Energie in Wärme um — sie ist verloren
Kondensator CC Farad (F) speichert Energie im elektrischen Feld und gibt sie zurück
Spule LL Henry (H) speichert Energie im magnetischen Feld und gibt sie zurück

Nur der Widerstand verbraucht; Kondensator und Spule borgen sich die Energie und geben sie eine Viertelperiode später wieder her. Genau das ist die Blindleistung aus Elektrotechnik Grundlagen › Wirk-, Blind- und Scheinleistung — der Kondensator ist ihr Gegenmittel, weil er gegenphasig zur Spule arbeitet.

Widerstände#

R=UIP=UI=I2R=U2RR = \frac{U}{I} \qquad P = U \cdot I = I^2 R = \frac{U^2}{R} (1)

Die zweite Formel entscheidet über die Bauform: Ein Widerstand wird nicht nach seinem Wert ausgewählt, sondern nach Wert und Verlustleistung. Übliche Nennbelastbarkeiten sind 0,125 W, 0,25 W, 0,5 W, 1 W, 2 W und 5 W; als Faustregel soll die tatsächliche Verlustleistung höchstens die Hälfte des Nennwerts betragen, weil die Nennangabe für freie Luftumspülung bei 70 °C Umgebung gilt.

Bauart Toleranz Temperaturkoeffizient Anmerkung
Kohleschicht ±5 % 200–1000 ppm/K günstig, rauscht stärker, kaum noch neu verbaut
Metallschicht ±1 % 25–100 ppm/K der Standardtyp für Elektronik
Metalloxid ±2 % 300 ppm/K höhere Spannungs- und Impulsfestigkeit
Drahtwiderstand ±1 bis ±5 % 20–50 ppm/K für hohe Leistung, aber induktiv
Präzisionswiderstand ±0,1 % 5–15 ppm/K Messtechnik
SMD-Dickschicht (Chip) ±1 bis ±5 % 100–200 ppm/K Bauform 0805, 0603, 0402 …

Die Werte folgen den E-Reihen — geometrischen Stufungen, die so gewählt sind, dass sich die Toleranzbereiche benachbarter Werte gerade berühren:

Reihe Werte je Dekade zugehörige Toleranz Grundwerte
E6 6 ±20 % 1,0 · 1,5 · 2,2 · 3,3 · 4,7 · 6,8
E12 12 ±10 % E6 und 1,2 · 1,8 · 2,7 · 3,9 · 5,6 · 8,2
E24 24 ±5 % E12 und 1,1 · 1,3 · 1,6 · 2,0 · 2,4 · 3,0 · 3,6 · 4,3 · 5,1 · 6,2 · 7,5 · 9,1
E48 48 ±2 % zweistellige Grundwerte
E96 96 ±1 % zweistellige Grundwerte
Farbcode#

Bedrahtete Widerstände tragen ihren Wert als Ringe, gelesen vom Rand her; der Toleranzring steht abgesetzt am anderen Ende und ist meist gold oder silber. Vier Ringe bedeuten zwei Wertziffern, fünf und sechs Ringe deren drei.

Farbe Ziffer Multiplikator Toleranz Temperaturkoeffizient
schwarz 0 ×1
braun 1 ×10 ±1 % 100 ppm/K
rot 2 ×100 ±2 % 50 ppm/K
orange 3 ×1 000 15 ppm/K
gelb 4 ×10 000 25 ppm/K
grün 5 ×100 000 ±0,5 %
blau 6 ×1 000 000 ±0,25 % 10 ppm/K
violett 7 ×10 000 000 ±0,1 % 5 ppm/K
grau 8 ×100 000 000 ±0,05 %
weiß 9 ×1 000 000 000
gold ×0,1 ±5 %
silber ×0,01 ±10 %
keiner ±20 %
Behelf: Widerstands-Farbcode#
Aufdrucke statt Ringe#

SMD-Widerstände und moderne bedrahtete Typen tragen Zahlen:

Aufdruck Bedeutung Wert
472 zwei Ziffern, dann Zahl der Nullen 4,7 kΩ
4702 drei Ziffern, dann Zahl der Nullen (1 % Reihe) 47 kΩ
4R7 R an der Stelle des Kommas 4,7 Ω
1M5 Vorsatzzeichen an der Stelle des Kommas 1,5 MΩ
0 oder 000 Brücke, Widerstand nahe null ≈ 0 Ω

Kondensatoren#

C=QUW=12CU2XC=12πfCC = \frac{Q}{U} \qquad W = \tfrac{1}{2} C U^2 \qquad X_C = \frac{1}{2\pi f C} (2)

Der Blindwiderstand XCX_C sinkt mit steigender Frequenz: Für Gleichspannung ist der Kondensator eine Unterbrechung, für hohe Frequenzen ein Kurzschluss. Darauf beruht jede Entstörung und jede Siebung.

An einem Widerstand geladen, folgt die Spannung einer Exponentialfunktion mit der Zeitkonstante τ=RC\tau = R \cdot C: nach τ\tau sind 63,2 % der Endspannung erreicht, nach 3τ3\tau 95 %, nach 5τ5\tau 99,3 % — praktisch gilt der Vorgang dann als abgeschlossen.

Bauart Bereich Spannung Eigenschaften
Keramik C0G/NP0 1 pF – 100 nF 16–500 V sehr stabil, verlustarm, temperaturfest — für Zeitglieder
Keramik X7R/Y5V 1 nF – 100 µF 6,3–100 V hohe Kapazität, aber stark spannungs- und temperaturabhängig
Folie MKT (Polyester) 1 nF – 10 µF 63–1000 V robust, selbstheilend, Allzweck
Folie MKP (Polypropylen) 1 nF – 100 µF 250–2000 V verlustarm, für Netzentstörung, Motorbetrieb, Leistungselektronik
Elektrolyt (Aluminium) 1 µF – 100 mF 6,3–450 V gepolt, hohe Kapazität, trocknet aus, begrenzte Lebensdauer
Tantal 0,1 µF – 1 mF 4–50 V gepolt, klein und stabil, empfindlich gegen Überspannung
Doppelschicht (Supercap) 0,1 F – 3000 F 2,5–5,5 V Energiespeicher, nicht für Wechselstrom

Der Aufdruck kleiner Kondensatoren ist dreistellig und in Picofarad zu lesen: Die dritte Ziffer gibt die Zahl der Nullen. 104 sind also 100 000 pF = 100 nF, 223 sind 22 nF, 470 sind 47 pF. Ein angehängter Buchstabe nennt die Toleranz: J = ±5 %, K = ±10 %, M = ±20 %.

Spulen#

XL=2πfLW=12LI2τ=LRuL=LdidtX_L = 2\pi f L \qquad W = \tfrac{1}{2} L I^2 \qquad \tau = \frac{L}{R} \qquad u_L = -L \frac{\mathrm{d}i}{\mathrm{d}t} (3)

Die Spule verhält sich spiegelbildlich zum Kondensator: Ihr Blindwiderstand steigt mit der Frequenz, Gleichstrom lässt sie nahezu ungehindert durch. Sie widersetzt sich jeder Stromänderung — der Grund, weshalb beim Abschalten einer Relaisspule eine Spannungsspitze von einigen hundert Volt entsteht, die Schaltkontakte verbrennt und Halbleiter zerstört. Abhilfe ist die Freilaufdiode antiparallel zur Spule.

Bauform Induktivität Verwendung
Luftspule nH – µH Hochfrequenz, Filter
Ferritkern-Drossel µH – mH Schaltnetzteile, Entstörung
Ringkerndrossel mH Netzfilter, geringe Streuung
Eisenkerndrossel mH – H Netzfrequenz, Vorschaltgeräte
Stromkompensierte Drossel mH unterdrückt Gleichtaktstörungen auf beiden Leitern

Spule und Kondensator zusammen bilden einen Schwingkreis mit der Resonanzfrequenz

fr=12πLCf_r = \frac{1}{2\pi \sqrt{L C}} (4)

Bei dieser Frequenz heben sich XLX_L und XCX_C auf; in der Energietechnik ist das die Grundlage der Blindleistungskompensation, in der Nachrichtentechnik die jeder Filterschaltung.

Behelf: Blindwiderstand und Zeitkonstante#

Halbleiter#

Dioden#

Die Diode leitet nur in einer Richtung und benötigt dafür eine Flussspannung UFU_F, die kaum von Strom abhängt und die als Verlust auftritt.

Typ Flussspannung Anmerkung
Silizium 0,6–0,7 V Standard, etwa 1N4148 (klein), 1N4007 (Netz)
Schottky 0,2–0,4 V schnell, geringer Verlust, höherer Sperrstrom
Germanium 0,2–0,3 V historisch, Demodulation
Leuchtdiode rot 1,8–2,2 V
Leuchtdiode gelb/grün 2,0–2,4 V
Leuchtdiode blau/weiß 2,8–3,4 V

Zwei Sonderformen: Die Z-Diode wird in Sperrrichtung betrieben und hält dort eine feste Spannung — die einfachste Spannungsstabilisierung. Die Freilaufdiode liegt antiparallel zu einer Spule und leitet deren Abschaltenergie im Kreis ab.

Eine Leuchtdiode darf nie ohne Strombegrenzung betrieben werden: Oberhalb der Flussspannung steigt der Strom fast senkrecht an. Der Vorwiderstand ergibt sich aus

R=UBUFIFR = \frac{U_B - U_F}{I_F} (5)

Behelf: LED-Vorwiderstand#
Transistoren#

Der Transistor steuert einen großen Strom mit einem kleinen Signal. Zwei Familien sind zu unterscheiden:

Bipolartransistor (BJT) Feldeffekttransistor (MOSFET)
Anschlüsse Basis, Kollektor, Emitter Gate, Drain, Source
gesteuert durch Strom in die Basis Spannung am Gate
Steuerkenngröße Stromverstärkung BB = 100–800 Schwellspannung 1–4 V
Verlust im Ein-Zustand UCE,satU_{CE,sat} = 0,1–0,3 V RDS(on)R_{DS(on)} = wenige mΩ
Bauarten NPN und PNP N-Kanal und P-Kanal
typische Vertreter BC547 (klein), BD139 (mittel) 2N7000 (klein), IRLZ44N (Last)

Beim Bipolartransistor gilt IC=BIBI_C = B \cdot I_B und UBE0,7 VU_{BE} \approx 0{,}7\ \mathrm{V}; als Schalter wird er mit deutlichem Überschuss an Basisstrom in die Sättigung getrieben, weil dann der Spannungsabfall und damit die Verlustleistung am kleinsten ist. Der MOSFET braucht im statischen Zustand keinen Steuerstrom, dafür beim Umschalten Ladung für die Gate-Kapazität — deshalb steigen seine Verluste mit der Schaltfrequenz.

Die Verlustleistung entscheidet über die Kühlung: PV=UCEICP_V = U_{CE} \cdot I_C beim Bipolartransistor, PV=I2RDS(on)P_V = I^2 \cdot R_{DS(on)} beim MOSFET. Ein Transistor mit 5 mΩ und 20 A setzt 2 W um, einer mit 0,3 V Sättigungsspannung bei denselben 20 A dagegen 6 W.

Zusammenschaltung#

Widerstände und Spulen verhalten sich gleich, Kondensatoren umgekehrt — das ist die häufigste Fehlerquelle beim Rechnen:

Schaltung Widerstand Spule Kondensator
Reihe R=R1+R2+R = R_1 + R_2 + \dots L=L1+L2+L = L_1 + L_2 + \dots 1C=1C1+1C2+\dfrac{1}{C} = \dfrac{1}{C_1} + \dfrac{1}{C_2} + \dots
parallel 1R=1R1+1R2+\dfrac{1}{R} = \dfrac{1}{R_1} + \dfrac{1}{R_2} + \dots 1L=1L1+1L2+\dfrac{1}{L} = \dfrac{1}{L_1} + \dfrac{1}{L_2} + \dots C=C1+C2+C = C_1 + C_2 + \dots

Für zwei parallele Widerstände genügt R=R1R2R1+R2R = \dfrac{R_1 R_2}{R_1 + R_2}; zwei gleiche parallel ergeben den halben, zwei gleiche in Reihe den doppelten Wert. Bei Reihenschaltung von Kondensatoren addieren sich dagegen die Spannungsfestigkeiten — der Grund, weshalb in Hochspannungskreisen Kondensatoren gestapelt werden.

Weiterführend#

Passive Bauelemente: Widerstand (Bauelement), Farbkodierung auf Widerständen, E-Reihe, Kondensator (Elektrotechnik), Spule (Elektrotechnik), Blindwiderstand, Schwingkreis.

Halbleiter: Diode, Z-Diode, Leuchtdiode, Bipolartransistor, Feldeffekttransistor.

Elektrotechnik Grundlagen#

Behelf: Leistung und Strom · Behelf: Leitungsquerschnitt und Spannungsfall

Grundformeln#

Ohmsches Gesetz: U=RIU = R \cdot I

Leistung im Wechselstromnetz: P=UIcosφP = U \cdot I \cdot \cos\varphi

Leistung im Drehstromnetz: P=3UIcosφP = \sqrt{3} \cdot U \cdot I \cdot \cos\varphi

Leiterwiderstand: R=ρlAR = \dfrac{\rho \cdot l}{A} mit ρCu=0,0178 Ωmm2/m\rho_{Cu} = 0{,}0178 \ \Omega\text{mm}^2/\text{m}

Spannungsfall, Wechselstrom: ΔU=2lIcosφκA\Delta U = \dfrac{2 \cdot l \cdot I \cdot \cos\varphi}{\kappa \cdot A}, Drehstrom: ΔU=3lIcosφκA\Delta U = \dfrac{\sqrt{3} \cdot l \cdot I \cdot \cos\varphi}{\kappa \cdot A}

Der Faktor 2 im Wechselstromkreis berücksichtigt Hin- und Rückleiter. Beim Drehstrom entfällt er, weil sich die Ströme der drei Außenleiter im Neutralleiter aufheben — daher ist Drehstrom bei gleicher Leistung mit dünnerem Querschnitt zu führen.

Was es mit dem Faktor cosφ\cos\varphi auf sich hat, steht unter Wirk-, Blind- und Scheinleistung. Die physikalische Einordnung von Leistung, Arbeit und Energie führt Kraft, Arbeit, Leistung und Energie aus. Die Bauteile selbst — Widerstand, Kondensator, Spule, Halbleiter — behandelt Elektronische Bauelemente.

Behelf: Leistung und Strom#

Wirk-, Blind- und Scheinleistung#

Bei Gleichstrom ist die Leistung schlicht P=UIP = U \cdot I. Im Wechselstromnetz gilt das nur für eine rein ohmsche Last (durch einen elektrischen Widerstand). Sobald Spulen oder Kondensatoren im Spiel sind — Motoren, Transformatoren, Vorschaltgeräte, Schaltnetzteile —, laufen Strom und Spannung nicht mehr im Gleichtakt: Der Strom eilt der Spannung um den Phasenwinkel φ\varphi nach (induktive Last) oder vor (kapazitive Last). Dann sind drei Leistungen zu unterscheiden:

Größe Zeichen Einheit Was sie bedeutet
Scheinleistung SS VA was Leitung, Trafo und Sicherung tatsächlich führen müssen: S=UIS = U \cdot I
Wirkleistung PP W der Anteil, der Arbeit verrichtet und Wärme oder Bewegung erzeugt: P=ScosφP = S \cos\varphi
Blindleistung QQ var pendelt zwischen Netz und Verbraucher, verrichtet keine Arbeit: Q=SsinφQ = S \sin\varphi

Die drei bilden ein rechtwinkliges Dreieck — das Leistungsdreieck:

S=P2+Q2cosφ=PStanφ=QPS = \sqrt{P^2 + Q^2} \qquad \cos\varphi = \frac{P}{S} \qquad \tan\varphi = \frac{Q}{P} (1)

Das Leistungsdreieck, gezeichnet für cos φ = 0,8: P = 16, Q = 12, S = 20, φ = 36,87°Das Leistungsdreieck, gezeichnet für cos φ = 0,8: P = 16, Q = 12, S = 20, φ = 36,87°

Die Zeichnung macht zwei Dinge anschaulich, die in Worten leicht untergehen. Erstens addieren sich Wirk- und Blindleistung nicht arithmetisch, sondern geometrisch: 16 kW und 12 kvar ergeben nicht 28 kVA, sondern 20 kVA. Zweitens ist der Zuwachs der Scheinleistung bei kleiner Blindleistung gering und wird erst bei großem φ\varphi dramatisch — bei cosφ=0,95\cos\varphi = 0{,}95 liegt SS nur 5 % über PP, bei cosφ=0,5\cos\varphi = 0{,}5 schon beim Doppelten.

Der Leistungsfaktor cosφ\cos\varphi ist demnach jener Bruchteil der Scheinleistung, der als Wirkleistung ankommt. Er liegt zwischen 0 und 1: Bei cosφ=1\cos\varphi = 1 sind Strom und Spannung in Phase und die ganze übertragene Leistung ist Wirkleistung; bei cosφ=0\cos\varphi = 0 — einer idealen Spule oder einem idealen Kondensator — fließt Strom, ohne dass Arbeit verrichtet wird.

Die praktische Folge ist beträchtlich: Ein Motor mit 10 kW Wirkleistung und cosφ=0,7\cos\varphi = 0{,}7 zieht aus dem Netz 14,3 kVA. Leitungsquerschnitt, Vorsicherung und Trafo sind nach diesem größeren Wert zu bemessen, der Wärmeverlust der Leitung wächst mit dem Quadrat des Stroms. Der Zähler dagegen erfasst beim Haushaltskunden nur die Wirkarbeit — deshalb ist ein schlechter Leistungsfaktor für den Haushalt kostenlos, für das Netz aber nicht.

Typische Werte des Leistungsfaktors#

Richtwerte; im Einzelfall entscheiden Bauart, Auslastung und Alter des Geräts.

Verbraucher cosφ\cos\varphi
Heizgerät, Herd, Boiler, Glühlampe (rein ohmsch) 1,00
Wohnungsanschluss, gemischte Last im Mittel 0,90–0,95
Leuchtstofflampe mit konventionellem Vorschaltgerät, kompensiert 0,90–0,95
dieselbe, unkompensiert 0,40–0,55
LED-Leuchtmittel, Haushaltsklasse 0,50–0,90
Schaltnetzteil ohne Korrekturstufe (Ladegerät, Kleingerät) 0,50–0,70
Netzteil mit aktiver Leistungsfaktorkorrektur (PC, TV) 0,95–0,99
Frequenzumrichter, netzseitig 0,95–0,98
Drehstrom-Asynchronmotor bei Volllast 0,80–0,90
derselbe bei einem Viertel Last 0,40–0,60
derselbe im Leerlauf 0,10–0,25
Einphasen-Kleinmotor unter 1 kW, Volllast 0,60–0,75
Kompressor in Kühlgerät oder Wärmepumpe 0,60–0,85
Schweißtransformator 0,40–0,60
Transformator im Leerlauf 0,05–0,20

Zwei Beobachtungen, die in der Beurteilung immer wieder gebraucht werden: Ein Motor im Leerlauf hat einen miserablen Leistungsfaktor — überdimensionierte Antriebe belasten das Netz weit über ihren Nutzen hinaus. Und der Leistungsfaktor eines Geräts ist keine feste Zahl, sondern hängt von der Auslastung ab; ein Datenblattwert gilt für den Nennpunkt.

Kompensation und Verrechnung#

Induktive Blindleistung lässt sich durch parallel geschaltete Kondensatoren kompensieren — die Blindströme von Spule und Kondensator sind gegenphasig und heben einander auf. Kompensiert wird einzeln am Gerät (Leuchtstofflampe), gruppenweise oder zentral in der Verteilung, geregelt über Stufenschütze. Das Ziel ist üblicherweise ein Leistungsfaktor um 0,95; eine Überkompensation ins Kapazitive ist ebenso unerwünscht wie der Ausgangszustand.

Netzbetreiber verrechnen Blindarbeit nicht dem Haushaltskunden, wohl aber Anlagen mit Leistungsmessung, sobald der Leistungsfaktor unter etwa 0,90 sinkt. Die konkreten Grenzen und Sätze stehen in den Systemnutzungsentgelte-Bestimmungen und in den Allgemeinen Bedingungen des jeweiligen Netzbetreibers.

Weiterführend: Leistungsfaktor, Wirkleistung, Blindleistung, Scheinleistung, Blindleistungskompensation, Verzerrungsblindleistung, Dreiphasenwechselstrom.

Der Behelf: Leistung und Strom oben rechnet von der Wirkleistung auf Strom und Absicherung; umgekehrt von Spannung und Strom auf Schein-, Wirk- und Blindleistung rechnet der Behelf: Elektrische Leistung und Energie.

Spannungen im Netz#

Bezeichnung Spannung Verwendung
Kleinspannung SELV bis 50 V AC Schutzkleinspannung
Wechselspannung 230 V Haushalt, ein Außenleiter
Drehstrom 400 V Herd, Werkstatt, Motoren
Mittelspannung 10 bis 30 kV Ortsnetz, Trafostation
Hochspannung 110 kV Verteilnetz
Höchstspannung 220 und 380 kV Übertragungsnetz

Leitungsquerschnitte und Belastbarkeit#

Querschnitt mm² Belastbarkeit A (Verlegeart B2, 3 belastete Adern) übliche Absicherung A typische Verwendung
1,5 15,5 13 Beleuchtung, Steckdosen
2,5 18,5 16 Steckdosenkreise, Herd
4,0 25 20 Boiler, Durchlauferhitzer
6,0 32 25 Zuleitung Unterverteiler
10 43 35 Hausanschluss klein
16 57 50 Hausanschluss
25 75 63 Zähleranschluss
35 92 80

Die Werte sinken bei Häufung mehrerer Leitungen, bei Verlegung in Wärmedämmung und bei Umgebungstemperaturen über 30 °C teils erheblich. Eine Überlastung führt nicht sofort zum Auslösen, sondern zur Alterung der Isolierung — der Grund, weshalb Kabelbrände oft Jahre nach der fehlerhaften Ausführung auftreten.

Behelf: Leitungsquerschnitt und Spannungsfall#

Üblich sind 3 % Spannungsfall für Beleuchtungs- und 5 % für sonstige Stromkreise, jeweils ab dem Zählpunkt. Ein zu geringer Querschnitt äußert sich nicht als Ausfall, sondern als flackerndes Licht beim Anlaufen von Motoren und als vorzeitig alternde Isolierung.

Leitungsschutzschalter#

Charakteristik Auslösung des magnetischen Schnellauslösers Anwendung
B beim 3- bis 5-fachen Nennstrom Haushalt, Beleuchtung, Steckdosen
C beim 5- bis 10-fachen Motoren, Trafos, hohe Einschaltströme
D beim 10- bis 20-fachen Schweißgeräte, große Anlaufströme

Der thermische Auslöser wirkt unabhängig davon und trennt bei dauerhafter Überlast im Bereich von Minuten.

Fehlerstromschutzschalter#

Bemessungsfehlerstrom Schutzziel
10 mA erhöhter Personenschutz, medizinische Bereiche
30 mA Personenschutz, Regelfall in Wohngebäuden
100 bis 300 mA Brandschutz, kein Personenschutz
500 mA Anlagenschutz
Typ Erfasst
AC reine Wechselfehlerströme
A zusätzlich pulsierende Gleichfehlerströme
F zusätzlich Mischfrequenzen, für Frequenzumrichter
B zusätzlich glatte Gleichfehlerströme, für Ladestationen und Photovoltaik

Der Einbau eines Typ A statt Typ B an einer Wallbox oder Photovoltaikanlage ist ein wiederkehrender Streitpunkt: Glatte Gleichfehlerströme können den Typ A blind machen, sodass er auch den Wechselanteil nicht mehr erfasst.

Aderfarben#

Ader Farbe Funktion
Aderfarbe grün-gelb grün-gelb Schutzleiter PE — ausschließlich
Aderfarbe blau blau Neutralleiter N
Aderfarbe braun braun Außenleiter L1
Aderfarbe schwarz schwarz Außenleiter L2
Aderfarbe grau grau Außenleiter L3
Aderfarbe rot rot, alt Außenleiter in Altanlagen
Aderfarbe grau-schwarz grau oder schwarz, alt Neutralleiter in Altanlagen vor 1965

In Altanlagen kann Grün-Gelb als Außenleiter geschaltet sein — vor Arbeiten an Bestand ist die Farbe kein Beweis der Funktion.

Gewinde und Schraubenverbindungen#

Behelf: Vorspannkraft und Anzugsmoment · Behelf: Scherung und Flächenpressung

Metrisches ISO-Regelgewinde#

Gewinde Steigung mm Spannungsquerschnitt mm² Kernbohrung mm Durchgangsloch mittel mm Schlüsselweite
M3 0,5 5,03 2,5 3,4 5,5
M4 0,7 8,78 3,3 4,5 7
M5 0,8 14,2 4,2 5,5 8
M6 1,0 20,1 5,0 6,6 10
M8 1,25 36,6 6,8 9,0 13
M10 1,5 58,0 8,5 11,0 16
M12 1,75 84,3 10,2 13,5 18
M14 2,0 115 12,0 15,5 21
M16 2,0 157 14,0 17,5 24
M20 2,5 245 17,5 22,0 30
M24 3,0 353 21,0 26,0 36

Der Spannungsquerschnitt ist die maßgebliche Größe für die Tragfähigkeit — nicht der Nenndurchmesser und nicht der Kernquerschnitt. Er liegt zwischen beiden.

Festigkeitsklassen#

Klasse Zugfestigkeit N/mm² Streckgrenze N/mm² Kennzeichnung
4.6 400 240 einfache Verbindung
5.6 500 300
8.8 800 640/660 Regelfall im Maschinenbau
10.9 1000 900/940 hochfest
12.9 1200 1080/1100 höchstfest, kerbempfindlich
A2-70 700 450 nichtrostend
A4-80 800 600 nichtrostend, seewasserfest

Die erste Zahl mal 100 ergibt die Zugfestigkeit, das Produkt beider Zahlen mal 10 die Streckgrenze: 8.8 bedeutet 800 N/mm² Zugfestigkeit und 0,8 davon als Streckgrenze. Ab M16 gelten die jeweils höheren Streckgrenzenwerte.

Behelf: Scherung und Flächenpressung#

Für den Fall, dass eine Verbindung nicht durch Reibschluss, sondern durch Abscheren der Schraube versagt hat — oder weil die Auflagefläche unter dem Kopf ausgerissen ist.

Vorspannkraft und Anzugsmoment#

FM=0,9Rp0,2AsF_M = 0{,}9 \cdot R_{p0,2} \cdot A_s

MA=FM(0,16P+0,58d2μG+0,5DKmμK)M_A = F_M \cdot \left(0{,}16 \cdot P + 0{,}58 \cdot d_2 \cdot \mu_G + 0{,}5 \cdot D_{Km} \cdot \mu_K\right)

Nur etwa 10 bis 15 % des Anzugsmoments erzeugen tatsächlich Vorspannung; der Rest überwindet Reibung im Gewinde und unter dem Schraubenkopf. Deshalb streuen die Vorspannkräfte bei drehmomentgesteuertem Anziehen um ±20 bis ±40 %, und deshalb ist der Reibwert die empfindlichste Größe der ganzen Rechnung.

Gewinde Steigung A_s mm² F_M 8.8 kN 10.9 kN 12.9 kN M_A 8.8 Nm 10.9 Nm 12.9 Nm
M3 0,5 5,03 2,9 4,1 4,9 1,7 2,3 2,8
M4 0,7 8,78 5,1 7,1 8,5 3,9 5,4 6,5
M5 0,8 14,2 8,2 11,5 13,8 7,7 10,9 13,1
M6 1,0 20,1 11,6 16,3 19,5 13,2 18,6 22,3
M8 1,25 36,6 21,1 29,6 35,6 31,9 44,8 53,8
M10 1,5 58,0 33,4 47,0 56,4 62,9 88,5 106,1
M12 1,75 84,3 48,6 68,3 81,9 109,5 153,9 184,7
M14 2,0 115 66,2 93,2 111,8 173,9 244,5 293,5
M16 2,0 157 93,3 132,8 155,4 277,0 394,4 461,6
M20 2,5 245 145,5 207,3 242,6 540,2 769,4 900,4
M24 3,0 353 209,7 298,6 349,5 934,0 1330,3 1556,7

Rechenwerte für Reibwert 0,14 und 90 % Ausnutzung der Streckgrenze, ermittelt mit der Formel oben. Herstellertabellen liegen regelmäßig 10 bis 15 % darunter, weil sie mit geringerem Reibwert oder kleinerer Kopfauflage rechnen. Wo es auf den Wert ankommt, ist die Angabe des Herstellers maßgeblich, nicht die Rechnung.

Behelf: Vorspannkraft und Anzugsmoment#

Reibwerte#

Paarung und Zustand μ
Stahl auf Stahl, leicht geölt 0,10–0,16
Stahl auf Stahl, trocken 0,12–0,24
verzinkt, ungeschmiert 0,12–0,20
verzinkt und geschmiert 0,10–0,16
nichtrostend, ungeschmiert 0,23–0,35
mit Schmierpaste MoS₂ 0,08–0,12

Nichtrostende Schrauben ohne Schmierung neigen zum Fressen — der Reibwert steigt während des Anziehens, die Schraube reißt, bevor die Vorspannung erreicht ist.

Zollgewinde und Rohrgewinde#

Bezeichnung Art Kennzeichen
UNC Zoll-Regelgewinde grobe Steigung, Gänge je Zoll
UNF Zoll-Feingewinde feine Steigung
G (BSPP) Rohrgewinde zylindrisch dichtet über Dichtring, nicht im Gewinde
R (BSPT) Rohrgewinde kegelig dichtet im Gewinde, Hanf oder Dichtband
NPT amerikanisches Kegelgewinde nicht mit R kompatibel

Die Nennweite eines Rohrgewindes ist kein Durchmesser: G ½ hat rund 21 mm Außendurchmesser. Die Angabe stammt aus dem historischen Innendurchmesser des Rohres.

Passungen und Toleranzen#

Behelf: Passung

Aufbau einer Toleranzangabe#

Eine Maßangabe wie Ø30 H7/g6 besteht aus dem Nennmaß, der Lage des Toleranzfeldes (Buchstabe) und dem Toleranzgrad (Zahl). Großbuchstaben bezeichnen Innenmaße — Bohrungen —, Kleinbuchstaben Außenmaße — Wellen.

Der Buchstabe bestimmt, wo das Toleranzfeld gegenüber der Nulllinie liegt, die Zahl seine Breite. H beginnt an der Nulllinie und läuft nach oben, h beginnt dort und läuft nach unten. Beide sind die Bezugsfelder der beiden Systeme:

  • Einheitsbohrung (System H): Die Bohrung ist stets H, das Spiel wird über die Welle eingestellt. Der Regelfall, weil Bohrungen teurer zu fertigen sind als Wellen.
  • Einheitswelle (System h): Die Welle ist stets h, das Spiel wird über die Bohrung eingestellt. Verwendet bei gezogenem Stangenmaterial.

Grundtoleranzen in µm#

Nennmaß mm IT6 IT7 IT8 IT9 IT11
über 1 bis 3 6 10 14 25 60
über 3 bis 6 8 12 18 30 75
über 6 bis 10 9 15 22 36 90
über 10 bis 18 11 18 27 43 110
über 18 bis 30 13 21 33 52 130
über 30 bis 50 16 25 39 62 160
über 50 bis 80 19 30 46 74 190
über 80 bis 120 22 35 54 87 220
Grad Fertigungsverfahren
IT5–IT6 Schleifen, Feinstdrehen, Reiben
IT7–IT8 Drehen, Fräsen, Bohren mit Reibahle
IT9–IT11 Drehen, Fräsen ohne Nacharbeit
IT12–IT14 Sägen, Brennschneiden, Gussrohmaße

Gebräuchliche Passungen im System der Einheitsbohrung#

Passung Art Verhalten Verwendung
H7/f7 Spielpassung deutliches Spiel Gleitlager, Wellen in Buchsen
H7/g6 Spielpassung geringes Spiel, von Hand verschiebbar Führungen, Zentrierungen
H7/h6 Spielpassung Spiel bis null, Schiebesitz auswechselbare Teile, Passstifte
H7/k6 Übergangspassung Spiel oder leichtes Übermaß Zahnräder, Riemenscheiben mit Passfeder
H7/n6 Übergangspassung überwiegend Übermaß, Presse erforderlich Lagersitze, Buchsen
H7/p6 Presspassung stets Übermaß, Einpressen oder Erwärmen fest verbundene Naben
H7/s6 Presspassung starkes Übermaß, nur mit Erwärmen fügbar Kraftschluss ohne Passfeder
H11/h11 Grobpassung großes Spiel Bolzen in Blech, unbearbeitete Teile
Behelf: Passung#

Die Abmaße sind für Nennmaße von 1 bis 120 mm hinterlegt. Für größere Durchmesser oder andere Toleranzfelder gilt die Norm; die hier abgebildeten Felder decken den weit überwiegenden Teil der Praxis ab.

Warum die Unterscheidung im Verfahren zählt#

Ein Gutachten, das ein Bauteil als „zu locker" oder „zu stramm" bezeichnet, trifft damit noch keine Aussage über einen Mangel. Erst der Vergleich zwischen der in der Zeichnung angegebenen Passung und dem gemessenen Istmaß ergibt, ob die Fertigung vom Geschuldeten abweicht. Fehlt eine Passungsangabe in der Zeichnung, gelten die Allgemeintoleranzen — regelmäßig grob genug, dass eine Beanstandung ins Leere geht.

Bei Presspassungen kommt hinzu: Wird ein mit Übermaß gefügtes Teil demontiert, ist es dadurch beschädigt. Die Frage, ob ein Bauteil vor der Begutachtung zerlegt wurde, entscheidet daher oft über die Verwertbarkeit des Befundes.

Schutzarten und Schutzklassen (IP, IK)#

Behelf: IP-Code entschlüsseln

Aufbau des IP-Codes#

Der Code lautet IP gefolgt von zwei Kennziffern, gegebenenfalls einem zusätzlichen und einem ergänzenden Buchstaben — etwa IP54, IP67, IP2XD oder IP69K.

Ein X steht anstelle einer Ziffer, wenn die betreffende Eigenschaft nicht geprüft wurde. IPX4 sagt also nichts über den Staubschutz aus, IP4X nichts über den Wasserschutz. Das ist keine Nachlässigkeit, sondern der zulässige Weg, eine nicht geprüfte Eigenschaft zu kennzeichnen — im Streitfall über die geschuldete Beschaffenheit der Unterschied zwischen erfüllt und ungeprüft.

Behelf: IP-Code entschlüsseln#

Erste Kennziffer: Fremdkörper und Berührung#

Ziffer Schutz gegen Fremdkörper Berührungsschutz
0 kein Schutz kein Schutz
1 Fremdkörper ab 50 mm Handrücken
2 Fremdkörper ab 12,5 mm Finger
3 Fremdkörper ab 2,5 mm Werkzeug
4 Fremdkörper ab 1 mm Draht
5 staubgeschützt — Eintritt nicht vollständig verhindert, aber keine schädigende Menge vollständig
6 staubdicht — kein Eintritt vollständig

Der Unterschied zwischen 5 und 6 wird regelmäßig verwechselt: staubgeschützt ist nicht staubdicht. Bei IP5X darf Staub eindringen, solange die Funktion nicht beeinträchtigt wird.

Zweite Kennziffer: Wasser#

Ziffer Schutz gegen Prüfbedingung
0 kein Schutz
1 senkrecht fallendes Tropfwasser 10 min, Gerät aufrecht
2 Tropfwasser bei Neigung bis 15° Neigung in vier Stellungen
3 Sprühwasser bis 60° gegen die Senkrechte
4 Spritzwasser aus allen Richtungen
5 Strahlwasser Düse 6,3 mm, 12,5 l/min, 3 m Abstand
6 starkes Strahlwasser Düse 12,5 mm, 100 l/min, 3 m Abstand
7 zeitweiliges Untertauchen 30 min, 1 m Wassertiefe
8 dauerndes Untertauchen Tiefe und Dauer nach Herstellerangabe, über 1 m
9 Hochdruck- und Dampfstrahlreinigung 80–100 bar, 80 °C, aus vier Winkeln

Die Reihe ist nicht durchgehend aufsteigend: IPX7 schließt IPX5 und IPX6 nicht ein. Ein Gerät, das 30 Minuten untertauchen darf, muss keinem Strahlwasser standhalten — dafür wäre IPX5/IPX7 doppelt anzugeben. Bei der Prüfung einer Ausschreibungskonformität ist das der häufigste Fehler.

Zusätzlicher und ergänzender Buchstabe#

Buchstabe Bedeutung
A Berührungsschutz gegen Handrücken
B gegen Finger
C gegen Werkzeug
D gegen Draht
H Hochspannungsbetriebsmittel
M Wasserprüfung bei laufendem Gerät
S Wasserprüfung bei stillstehendem Gerät
W für festgelegte Wetterbedingungen geprüft

Stoßfestigkeit nach dem IK-Code#

Code Energie J Anschauung
IK00 kein Schutz
IK01 0,14
IK02 0,20
IK03 0,35 200 g aus 17,5 cm
IK04 0,50
IK05 0,70
IK06 1,00
IK07 2,00 500 g aus 40 cm
IK08 5,00 1,7 kg aus 30 cm
IK09 10,00 5 kg aus 20 cm
IK10 20,00 5 kg aus 40 cm — vandalismushemmend

Elektrische Schutzklassen#

Nicht zu verwechseln mit der Schutzart. Die Schutzklasse betrifft den Schutz vor gefährlicher Körperdurchströmung, nicht den Schutz des Geräts vor der Umgebung.

Klasse Kennzeichnung Prinzip
0 keine nur Basisisolierung — in Österreich nicht zulässig
I Schutzleitersymbol leitfähiges Gehäuse am Schutzleiter
II Doppelquadrat Schutzisolierung, kein Schutzleiter
III Raute mit III Schutzkleinspannung, höchstens 50 V Wechsel- oder 120 V Gleichspannung

Schutzbereiche im Badezimmer#

Bereich Ausdehnung Mindestschutzart
0 Inneres von Wanne und Duschtasse IPX7
1 über Wanne oder Dusche bis 2,25 m Höhe IPX4
2 60 cm um Bereich 1 IPX4

Bei zu erwartendem Strahlwasser, etwa in öffentlichen Duschanlagen, erhöht sich die Anforderung auf IPX5. Die Bereiche sind der praktische Prüfmaßstab, wenn im Bauprozess über die Elektroinstallation im Bad gestritten wird.

Gebräuchliche Kombinationen#

Code Typische Anwendung
IP20 Steckdose und Schalter im trockenen Innenraum
IP23 Verteiler im überdachten Außenbereich
IP44 Badezimmer, geschützter Außenbereich, Gartensteckdose
IP54 Baustellenverteiler, Kellerleuchte, Staubbelastung
IP55 Industrieanlage mit Reinigung
IP65 Außenleuchte, Kamera, Gehäuse im Freien
IP67 Mobiltelefon, Steckverbinder im Kfz
IP68 Tauchpumpe, Unterwasserleuchte
IP69K Lebensmittelverarbeitung, Fahrzeugwäsche

Wärmepumpe, Klimaanlage und Kältetechnik#

Behelf: Leistungszahl und Betriebskosten · Behelf: Kühllast und Klimagerät · Behelf: Kältemittelfüllung und CO₂-Äquivalent

Wärmepumpe, Klimagerät und Kühlschrank sind dieselbe Maschine. Was sie unterscheidet, ist allein die Frage, welche Seite man nutzt: die kalte, die warme oder beide. Wer den Kreislauf einmal verstanden hat, versteht alle drei — und weiß, warum ein Gerät mehr Wärme abgibt, als es an Strom aufnimmt, ohne dass dabei der Energiesatz verletzt wird.

Verwandte Notizen: Baustoffkennwerte zur Heizlast, Feuchte, Taupunkt und Schimmel zur Kondensatbildung, Schall und Immissionen zum Außengerät, Elektrotechnik Grundlagen zum Anschluss, Lebensdauer von Bauteilen zum Zeitwert.

Der Kältekreis#

Vier Bauteile, ein geschlossener Kreis, ein Arbeitsmittel, das darin abwechselnd verdampft und kondensiert:

Bauteil Druck Vorgang Wärme
Verdampfer niedrig Kältemittel siedet, nimmt Verdampfungswärme auf Aufnahme Q˙0\dot Q_0
Verdichter steigt Verdichtung auf hohen Druck, Temperatur steigt Antrieb PelP_{el}
Verflüssiger hoch Kältemittel kondensiert, gibt Kondensationswärme ab Abgabe Q˙\dot Q
Expansionsventil fällt Entspannung auf den niedrigen Druck, Abkühlung

Der Kältekreis: Das Kältemittel läuft gegen den Uhrzeigersinn um; oben wird Wärme abgegeben, unten aufgenommen.Der Kältekreis: Das Kältemittel läuft gegen den Uhrzeigersinn um; oben wird Wärme abgegeben, unten aufgenommen.

Der Kunstgriff liegt beim Phasenwechsel: Beim Verdampfen nimmt ein Stoff ein Vielfaches jener Wärme auf, die dieselbe Masse bei bloßer Erwärmung aufnähme, und beim Kondensieren gibt er sie wieder ab. Und weil der Siedepunkt vom Druck abhängt, lässt sich beides bei ganz verschiedenen Temperaturen abwickeln: Propan siedet bei Umgebungsdruck bei −42 °C — es verdampft also selbst dann noch, wenn die Außenluft frostig ist —, unter 15 bar erst bei rund +45 °C, womit sich Heizungswasser erwärmen lässt.

Die Energiebilanz ist schlicht:

Q˙=Q˙0+Pel\dot Q = \dot Q_0 + P_{el} (1)

Abgegeben wird, was der Umgebung entzogen wurde, zuzüglich der Antriebsleistung des Verdichters. Nichts wird erzeugt; Wärme wird bloß von einem niedrigen auf ein höheres Temperaturniveau gehoben, so wie eine Pumpe Wasser hebt, ohne es zu erzeugen. Genau daher rührt der Name.

Kennzahlen#
Kennzahl Bedeutung Bezug
COP Q˙/Pel\dot Q / P_{el} beim Heizen, Momentanwert Prüfpunkt nach EN 14511, etwa A2/W35
EER Q˙0/Pel\dot Q_0 / P_{el} beim Kühlen, Momentanwert Prüfpunkt, etwa 35 °C außen / 27 °C innen
SCOP, SEER über eine gerechnete Saison gemittelt EN 14825, Klimazone „durchschnittlich"
JAZ Jahresarbeitszahl: gemessene Jahreswärme je Jahresstrom die einzige Zahl aus dem wirklichen Betrieb
ηs\eta_s jahreszeitbedingte Raumheizungs-Energieeffizienz Grundlage der Energieklasse am Etikett

Die Prüfpunktschreibweise ist zu beherrschen: A2/W35 heißt Luft (air) von 2 °C als Quelle, Wasser von 35 °C im Heizkreis. B0/W35 steht für Sole (brine) von 0 °C, W10/W35 für Wasser von 10 °C. Ein COP ohne diese Angabe ist eine Zahl ohne Aussage — und in Prospekten regelmäßig der günstigste aller Punkte.

Die obere Schranke gibt der Carnot-Prozess vor, gerechnet in Kelvin:

COPCarnot=TwarmTwarmTkaltCOPreal=ηgCOPCarnotCOP_{Carnot} = \frac{T_{warm}}{T_{warm} - T_{kalt}} \qquad COP_{real} = \eta_g \cdot COP_{Carnot} (2)

Der Gütegrad ηg\eta_g liegt bei ausgeführten Anlagen zwischen 0,40 und 0,50. Für A2/W35 ergibt das 308,15/33=9,3308{,}15 / 33 = 9{,}3 und daraus real rund 4,2 — ein Wert, den gute Geräte auch erreichen. Für A−7/W55, also strenger Frost und ein unsanierter Heizkörperkreis, bleiben davon 5,3 und real rund 2,4.

Daraus folgt die wichtigste Betriebsregel: Es zählt der Temperaturhub, nicht die Vorlauftemperatur für sich. Jedes Kelvin weniger Vorlauf bringt rund 2,5 % mehr Leistungszahl. Der Weg von 55 auf 35 °C Vorlauf — größere Heizflächen, Fußbodenheizung, hydraulischer Abgleich — verbessert die Arbeitszahl um die Hälfte und ist damit wirksamer als jede Gerätewahl.

Zwischen JAZ und den Prospektwerten klafft regelmäßig eine Lücke, und zwar aus vier Gründen: der Heizstab für Spitzenlast und Legionellenschaltung zählt mit, die Hilfsenergie von Pumpen und Steuerung zählt mit, die Abtauung des Luftverdampfers kostet Wärme, und die Warmwasserbereitung verlangt 50 bis 60 °C statt 35. Eine zugesagte JAZ ist deshalb nur überprüfbar, wenn ein Wärmemengenzähler verbaut ist und der Stromzähler die Anlage allein erfasst — fehlt beides, lässt sich die Zusage im Nachhinein nicht mehr messen, sondern nur mehr rechnen.

Behelf: Leistungszahl und Betriebskosten#

Bauarten der Wärmepumpe#

Die Bezeichnung folgt stets demselben Muster: zuerst die Wärmequelle, dann der Wärmeträger im Haus. „Luft/Wasser" entzieht der Außenluft Wärme und gibt sie an das Heizungswasser ab; „Luft/Luft" bläst sie unmittelbar in den Raum. Wer die Reihenfolge verwechselt, kommt bei jeder Ausschreibung durcheinander.

Bauart Quelle Quellentemperatur JAZ typisch Zu bedenken
Luft/Wasser Außenluft −15 bis +20 °C 3,0 – 4,0 günstigste Errichtung; Schall, Abtauung, Leistungsabfall bei Frost
Luft/Luft Außenluft −15 bis +20 °C 3,0 – 4,5 das umschaltbare Klimagerät; keine Warmwasserbereitung
Sole/Wasser, Tiefensonde Erdreich, 80 – 150 m 8 – 12 °C 4,0 – 5,0 Bohrung, wasserrechtlich anzeigepflichtig; hohe Errichtungskosten
Sole/Wasser, Flächenkollektor Erdreich, 1,2 – 1,5 m tief 0 – 12 °C 3,5 – 4,5 Fläche etwa das Doppelte der beheizten; nicht überbaubar
Wasser/Wasser Grundwasser, zwei Brunnen 8 – 12 °C 4,5 – 5,5 beste Arbeitszahl; Bewilligung, Wasseranalyse, Verockerung
Brauchwasser-Wärmepumpe Kellerluft, Abluft 10 – 20 °C 2,5 – 3,5 kühlt den Aufstellraum aus; nur für Warmwasser

Luft/Wasser ist der Regelfall im Bestand, und ihre Schwäche ist bauartbedingt: Gerade wenn die Heizlast am größten ist, ist die Quelle am kältesten. Die Leistung fällt, der Hub steigt, die Arbeitszahl sinkt. Unterhalb einer bestimmten Außentemperatur — dem Bivalenzpunkt — springt daher der Heizstab ein. Er ist mit einer Arbeitszahl von 1,0 der teuerste Wärmeerzeuger im Haus; liegt der Bivalenzpunkt zu hoch oder ist die Anlage falsch eingestellt, läuft er weit häufiger als geplant, und die Betriebskosten stellen sich als das eigentliche Problem heraus.

Erdreich und Grundwasser liefern das ganze Jahr über nahezu dieselbe Temperatur; ihre Arbeitszahlen sind deshalb höher und, was im Streitfall bedeutsamer ist, verlässlicher vorherzusagen. Der Preis dafür sind Bohrung oder Brunnen samt behördlichem Verfahren.

Nicht zu verwechseln mit alldem ist das Split- gegen Monoblock-Merkmal, das quer dazu liegt: Beim Monoblock steht der gesamte Kältekreis im Außengerät, ins Haus führt nur Wasser — was frostsicher zu verlegen ist. Beim Splitgerät läuft das Kältemittel in das Innengerät, was die Errichtung durch einen zertifizierten Betrieb verlangt.

Auslegung und die typischen Fehlerquellen#
  • Überdimensionierung führt zum Takten: Das Gerät erreicht die Solltemperatur zu rasch, schaltet ab, kühlt aus, schaltet wieder ein. Jeder Start kostet, und der Verdichter verschleißt. Mehr als etwa drei Starts je Stunde sind ein Auslegungs- oder Einstellungsfehler, kein Gerätemangel. Abhilfe schaffen leistungsgeregelte Verdichter (Inverter), ein Pufferspeicher und ein hydraulischer Abgleich.
  • Vorlauftemperatur im Bestand: Ein Heizkörperkreis, der bei −12 °C mit 70 °C gefahren wurde, ist für die Wärmepumpe untauglich. Die Frage vor jeder Umstellung lautet, welche Vorlauftemperatur die vorhandenen Heizflächen bei Auslegungstemperatur wirklich brauchen — häufig weniger als angenommen, aber nachzurechnen und nicht zu schätzen.
  • Kondensat: Der Luftverdampfer entzieht der Luft Feuchte; sie fällt als Wasser an und gefriert bei Frost. Eine fehlende oder falsch geführte Ableitung erzeugt Eisflächen vor dem Gerät — ein wiederkehrender Streitpunkt und, bei Stürzen, ein haftungsträchtiger.
  • Schall: Das Außengerät läuft nachts, wenn es ringsum still ist. Maßgeblich ist der Schallleistungspegel des Geräts (Herstellerangabe, 50 bis 65 dB), aus dem sich der Pegel am Nachbarfenster errechnen lässt; siehe Schall und Immissionen. Aufstellung in einer Ecke zwischen zwei Wänden erhöht den Pegel um bis zu 6 dB, weil die Schallabstrahlung nur mehr in den Viertelraum erfolgt.
  • Stromanschluss: Wärmepumpen werden regelmäßig mit einem eigenen Zähler und einer Sperrmöglichkeit des Netzbetreibers errichtet (Sperrzeiten von zwei bis drei Stunden täglich). Wer die Auslegung ohne diese Sperrzeiten rechnet, kommt auf zu kleine Speicher.

Klimaanlagen#

Ein Klimagerät ist eine Wärmepumpe, deren nutzbare Seite die kalte ist. Ein Vier-Wege-Umschaltventil dreht den Kreis um; dasselbe Gerät heizt dann im Winter und ist eine Luft/Luft-Wärmepumpe. Beinahe alle heute verkauften Splitgeräte können beides.

Bauart Aufbau Leistung Bemerkung
Monoblock ein Gerät im Raum, Abluftschlauch am Fenster 2 – 3,5 kW ohne Eingriff aufzustellen, aber schlechter Wirkungsgrad
Split Innen- und Außengerät, Kältemittelleitung 2,5 – 7 kW der Regelfall; Errichtung nur durch befugten Betrieb
Multisplit ein Außengerät, mehrere Innengeräte 5 – 12 kW spart Außengeräte, verlangt sorgfältige Planung
VRF1 ein Kreis für ein ganzes Gebäude ab 15 kW Bürogebäude, gleichzeitiges Heizen und Kühlen

Das Monoblockgerät mit Abluftschlauch ist die schlechteste der Lösungen, und der Grund ist einfach: Es bläst warme Luft hinaus, die durch jede Ritze der Wohnung nachströmen muss — und zwar von draußen, wo sie heiß ist. Ein erheblicher Teil der Kälteleistung geht so verloren; im Datenblatt steht das nicht, weil die Prüfung diesen Effekt nicht abbildet.

Die Kälteleistung wird häufig in BTU/h2 angegeben, einem angelsächsischen Maß: 12 000 BTU/h sind 3,517 kW. Die Zahl „12 000" auf dem Karton meint also ein Gerät für etwa 35 m². Zur Umrechnung siehe Maßeinheiten.

Zwei Nebenwirkungen sind einzuplanen. Erstens fällt Kondensat an — bei schwüler Witterung ein bis zwei Liter je Stunde, die abzuleiten sind; ein verstopfter Ablauf entleert sich über die Zimmerwand. Zweitens ist ein Klimagerät zugleich ein Entfeuchter, und darin liegt ein guter Teil des empfundenen Nutzens: Nicht die Lufttemperatur allein entscheidet über die Behaglichkeit, sondern die Feuchte dazu; siehe Feuchte, Taupunkt und Schimmel.

Zur Auslegung genügt im Regelfall eine Überschlagsrechnung; die genaue Kühllast nach ÖNORM/VDI 2078 ist Sache des Planers.

Behelf: Kühllast und Klimagerät#

Kältemittel#

Das Arbeitsmittel ist der heikelste Teil der Anlage — technisch, weil es die erreichbaren Temperaturen bestimmt, und rechtlich, weil seine Treibhauswirkung reguliert ist. Das GWP (Global Warming Potential) gibt an, wie viel stärker ein Kilogramm des Stoffes über hundert Jahre wirkt als ein Kilogramm Kohlendioxid.

Kältemittel GWP Sicherheitsgruppe Verwendung
R744 (CO₂) 1 A1, unbrennbar Gewerbekälte, Warmwasser-Wärmepumpen
R290 (Propan) 3 A3, brennbar Wärmepumpen neuerer Bauart, Monoblöcke
R600a (Isobutan) 3 A3, brennbar Kühl- und Gefriergeräte im Haushalt
R1234yf 4 A2L, schwer entzündlich Fahrzeugklimaanlagen
R32 675 A2L, schwer entzündlich heutige Splitklimageräte
R134a 1 430 A1, unbrennbar Altbestand, Fahrzeuge bis 2017
R410A 2 088 A1, unbrennbar Splitgeräte bis etwa 2020

Die Entwicklung geht in eine Richtung: niedriges GWP wird mit Brennbarkeit erkauft. Propan mit einem GWP von 3 ist ein hervorragendes Kältemittel und ein brennbares Gas; daraus folgen begrenzte Füllmengen, Aufstellungsvorschriften und der Umstand, dass solche Geräte gern als Monoblock ausgeführt werden, damit das Kältemittel gar nicht erst ins Haus gelangt. Wer ein Altgerät mit R410A repariert erhalten will, stößt umgekehrt auf Verknappung und steigende Preise des Nachfüllmittels — für die Frage der Verhältnismäßigkeit einer Reparatur ein handfester Umstand.

Die Menge im Gerät wird als CO₂-Äquivalent ausgedrückt: Füllmenge mal GWP. An diese Größe knüpfen die Pflichten zur regelmäßigen Dichtheitskontrolle an — die Schwellen liegen bei 5, 50 und 500 Tonnen; hermetisch geschlossene Geräte sind bis 10 Tonnen ausgenommen. Ein Haushaltsklimagerät bleibt weit darunter, eine gewerbliche Anlage nicht.

Behelf: Kältemittelfüllung und CO₂-Äquivalent#

Kühlschrank und Gefriergerät#

Dieselbe Maschine im Kleinen, mit einer Verdichterleistung von 60 bis 120 W und einer Füllung von 20 bis 60 g R600a — Isobutan, brennbar, weshalb an der Rückwand des Geräts nicht mit dem Schraubenzieher hantiert werden sollte.

Kennwert Größenordnung
Verbrauch Kühlschrank 90 – 200 kWh/a
Verbrauch Gefriertruhe 150 – 300 kWh/a
Innentemperatur Kühlteil +5 °C, Gefrierteil −18 °C
Laufzeitanteil 20 – 40 % der Zeit, je nach Umgebung
Lebensdauer 12 – 15 Jahre

Die Energieklasse wurde im März 2021 zurückgesetzt: Aus A+++ wurde die Skala A bis G, wobei A zunächst absichtlich unbesetzt blieb. Ein Gerät der Klasse C nach neuer Kennzeichnung entspricht in etwa A+++ nach alter — der Vergleich von Etiketten aus verschiedenen Jahren führt daher regelmäßig in die Irre.

Praktisch bedeutsam ist die Klimaklasse, die auf dem Typenschild steht und den zulässigen Aufstellbereich angibt:

Klasse Umgebungstemperatur Gedacht für
SN 10 – 32 °C unbeheizte Nebenräume
N 16 – 32 °C Wohnräume
ST 16 – 38 °C warme Klimazonen
T 16 – 43 °C heiße Klimazonen

Daraus erklärt sich ein Fehler, der jedes Jahr wiederkehrt: Eine Gefriertruhe in der kalten Garage taut auf. Sinkt die Umgebungstemperatur unter den zulässigen Bereich, springt der Verdichter zu selten an, weil der Thermostat im Kühlteil sitzt und dieser ohnehin kalt genug ist — das Gefrierfach erwärmt sich unbemerkt. Das ist kein Gerätemangel, sondern eine Aufstellung außerhalb der zugesagten Klasse.

Umgekehrt kostet jede Erwärmung der Umgebung Strom: Ein Gerät neben dem Herd oder in der Sonne verbraucht spürbar mehr, weil der Verflüssiger seine Wärme schlechter los wird. Aus demselben Grund sind die Lüftungsschlitze der Einbaunische freizuhalten — eine zugestellte Nische ist die häufigste Ursache erhöhten Verbrauchs und vorzeitigen Verdichterschadens.

Fragenkatalog#

  1. Welche Bauart liegt vor, und welche Quellen- und Vorlauftemperaturen wurden der Auslegung zugrunde gelegt?
  2. Auf welchen Prüfpunkt bezieht sich ein zugesagter COP — und entspricht dieser Punkt dem tatsächlichen Betrieb?
  3. Ist ein Wärmemengenzähler verbaut und wird die Anlage stromseitig gesondert erfasst? Ohne beides ist eine zugesagte Jahresarbeitszahl im Nachhinein nicht zu messen.
  4. Wie oft taktet der Verdichter, und wie hoch ist der Anteil des Heizstabs am Jahresstromverbrauch?
  5. Welche Vorlauftemperatur brauchen die vorhandenen Heizflächen bei Auslegungstemperatur wirklich — gerechnet, nicht geschätzt?
  6. Welcher Schallleistungspegel ist für das Außengerät angegeben, wie ist es aufgestellt, und welcher Pegel ergibt sich daraus beim Nachbarn?
  7. Wohin wird das Kondensat geführt, und was geschieht damit bei Frost?
  8. Bei Klimageräten: Wurde die Kühllast gerechnet oder die Gerätegröße nach Gefühl gewählt?

Quelle: Wärmepumpe, Umweltbundesamt: Treibhausgase (dort auch die Reihe der fluorierten Gase aus Kälte- und Klimaanlagen)

  1. Variable Refrigerant Flow, „veränderlicher Kältemittelstrom“; Daikin nennt dasselbe VRV. Ein oder mehrere Außengeräte versorgen über ein gemeinsames Leitungsnetz bis zu mehreren Dutzend Innengeräte, und jedes Innengerät erhält über ein elektronisches Ventil nur so viel Kältemittel, wie sein Raum gerade braucht. In der Ausführung mit Wärmerückgewinnung wird die Wärme, die einem gekühlten Raum entzogen wird, gleich in einen beheizten weitergereicht. Die Kehrseite: Im Gebäude zirkuliert viel Kältemittel, und bei einem Leck in einem kleinen Raum sind Grenzwerte für die Konzentration zu beachten.

  2. British Thermal Unit: die Wärme, die ein Pfund Wasser um ein Grad Fahrenheit erwärmt, rund 1055 J. 1 BTU/h entspricht 0,293 W. Die runde Zahl 12 000 BTU/h ist kein Zufall: Sie ist die amerikanische Kältetonne, die Leistung, die eine Tonne Eis (2000 Pfund) in 24 Stunden schmilzt — ein Maß aus der Zeit, als man mit Eisblöcken kühlte.

Werkstoffkennwerte Metall#

Behelf: Zugbeanspruchung und Dehnung · Behelf: Wärmedehnung

Stähle#

Werkstoff Kurzname Streckgrenze N/mm² Zugfestigkeit N/mm² Verwendung
S235JR 1.0038 235 360–510 Baustahl, Profile
S355J2 1.0577 355 470–630 Stahlbau, höher belastet
E295 1.0050 295 470–610 Maschinenbau, Wellen
C45 1.0503 340 620–760 vergütbar, Achsen
C45 vergütet 490 700–850
42CrMo4 vergütet 1.7225 750 1000–1200 hochbeanspruchte Wellen
16MnCr5 einsatzgehärtet 1.7131 635 780–1080 Zahnräder
X5CrNi18-10 1.4301 190 500–700 nichtrostend, austenitisch
X2CrNiMo17-12-2 1.4404 200 500–700 säurebeständig
EN-GJL-250 (Grauguss) 250–350 Gehäuse, spröde
EN-GJS-500-7 (Sphäroguss) 320 500 Kurbelwellen, zäh

Grauguss hat keine Streckgrenze: Er bricht ohne plastische Verformung. Ein Grauguss-Bauteil, das nach einem Schaden verformt statt gebrochen ist, war folglich nicht aus Grauguss — ein einfacher, oft übersehener Prüfstein bei Materialverwechslungen.

Nichteisenmetalle#

Werkstoff Streckgrenze N/mm² Zugfestigkeit N/mm² Dichte kg/dm³
Aluminium rein 20–30 70–90 2,70
AlMgSi1 (6082-T6) 260 310 2,70
AlZnMgCu1,5 (7075) 460 540 2,80
Kupfer weich 60 220 8,93
Messing CuZn37 200 340 8,44
Bronze CuSn8 250 450 8,80
Titan Grade 5 830 900 4,43
Zink 120–150 7,14
Blei 15–20 11,34

Physikalische Kennwerte#

Werkstoff E-Modul N/mm² Dichte kg/dm³ Wärmeausdehnung 10⁻⁶/K Schmelzpunkt °C Wärmeleitfähigkeit W/mK
Stahl, unlegiert 210 000 7,85 12,0 1450 50
Edelstahl 1.4301 200 000 7,90 16,5 1450 15
Grauguss 90 000–110 000 7,20 10,5 1200 50
Aluminium 70 000 2,70 23,1 660 235
Kupfer 120 000 8,93 16,5 1085 400
Messing 100 000 8,44 18,5 900 120
Titan 105 000 4,43 8,6 1670 22
Beton 25 000–35 000 2,40 10,0 2,3
Nadelholz längs 11 000 0,50 5,0 0,13
Glas 70 000 2,50 9,0 700 1,0

Die nahezu gleiche Wärmeausdehnung von Stahl und Beton — 12 gegenüber 10 — ist der Grund, warum Stahlbeton als Verbundwerkstoff überhaupt funktioniert. Aluminium dehnt sich doppelt so stark wie Stahl: Die Ursache klemmender Fenster und gerissener Anschlüsse liegt regelmäßig dort. Siehe auch Baustoffkennwerte.

Behelf: Zugbeanspruchung und Dehnung#
Behelf: Wärmedehnung#

Die letzte Zeile erklärt das häufigste Schadensbild aus fehlenden Dehnfugen: Die Zwängungsspannung hängt nicht von der Bauteillänge ab, sondern nur von Temperaturhub, Ausdehnungskoeffizient und E-Modul. Ein kurzer, fest eingespannter Abschnitt erfährt dieselbe Spannung wie ein langer — nur reißt er früher, weil weniger Verformungsreserve vorhanden ist.

Härte#

Verfahren Kennzeichnung Anwendung
Brinell HB weiche Werkstoffe, Guss
Vickers HV alle Werkstoffe, dünne Schichten
Rockwell C HRC gehärteter Stahl
Shore A oder D Elastomere, Kunststoffe

Näherung für Stahl: Zugfestigkeit in N/mm² ≈ 3,5 · HB. Ein Stahl mit 200 HB hat rund 700 N/mm².