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Die Seiten entstehen beim Bau aus einem Wissensverzeichnis; die Anwendung schreibt nichts. Was hier steht, ist eine Sammlung für den eigenen Gebrauch und keine Auskunft, auf die man sich verlassen sollte, ohne sie zu prüfen.

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Baulexikon#

Verzeichnis der Begriffe, die in Bauprozessen, Gutachten und Bauverhandlungen wiederkehren. Jedes Stichwort ist eine eigene Notiz im Ordner Baulexikon; das Register darunter führt alphabetisch zu jedem. Vertiefend: Baustoffkennwerte, Feuchte, Taupunkt und Schimmel, Lebensdauer von Bauteilen.

Sachgebiete#

Jedes Stichwort trägt das Schlagwort seines Sachgebiets (baulexikon/…).

  • Baugrund und Gründung — Baugrund, Gründung und Baugrube (14 Einträge). Vertiefend: Rissbilder
  • Bauphysik — Wärme, Feuchte und Luftdichtheit, Schimmel und Holzpilze, Dämmstoffe und Putze (28 Einträge). Vertiefend: Feuchte, Taupunkt und Schimmel, Baustoffkennwerte
  • Beton — Beton, seine Bestandteile und seine Verarbeitung (18 Einträge). Vertiefend: Baustoffkennwerte
  • Gebäudeteile — Bauteile vom Fundament bis zum Dach (52 Einträge). Vertiefend: Lebensdauer von Bauteilen, Rissbilder
  • Holz und Ausbau — Holzbau, Holzwerkstoffe und Innenausbau (23 Einträge). Vertiefend: Feuchte, Taupunkt und Schimmel
  • Planung, Gewerke und Haustechnik — Pläne, Maße, Ausschreibung und Bauzeit, Bauaufsicht und Haustechnik (31 Einträge). Vertiefend: Bauablauf

Register#

A — Anschlussplan · Arbeitsfuge · Architektenplan · Armierungsstahl · Asbestzement · Attika · Ausführungsplan · Ausheizprotokoll · Austauschplan

B — Baugrundgutachten · Baustahl · Bautischler · Bauwich · Bauzeitenplan · Belegreife · Beschüttung · Bestandsplan · Beton · Betondeckung · Bewegungsfuge · Biegung · Blower-Door-Test · Bodenart · Bodenplatte · Braune Wanne · Brettschichtholz

C — CM-Messung

D — Dachrinne · Dachstuhl · Dämmung · Dampfbremse · Dampfdruck · Deckenspiegel · Dehnungsfuge · Dichtung · Dippelbaumdecke · Doppelstehfalz · Drempel

E — Einreichplan · Energieausweis · Entwurfsplan · EPS · Estrich · Eternit

F — Faserzement · Fertigteil · Firstentlüftung · Firsthöhe · Flachdach · Frostschürze · Frosttiefe · Fugenband · Fundament · Fundamenterder · Fußbodenoberkante

G — Gaupe · Gründung · Gully

H — Hausbock · Hausschwamm · Hinterlüftung · HEA · Haustechnik · Hebeanlage · HKLS · Holzriegelbau · HT-Rohr

I — Isolierung/Isolator/Isolation · IPE

K — Kaltdach · Kapillarität · Kappendecke · Karbonatisierung · Kehle · Kehlbalken · Kellerkatze · Kerve · KG-Rohr · Kiesnest · Kilonewton · Kniestock · Konvektion · Krüppelwalmdach · Künette · Kunstharz · KVH

L — Larssen · Leistungsverzeichnis

M — Macadam · Magerbeton · Mansardendach · Mansardwalmdach · Massenermittlung · MDF

N — Nagekäfer · Naturmaß

O — ÖBA/örtliche Bauaufsicht · Ortbeton · Ortgang · OSB

P — Parapet · Perimeterdämmung · Pfahlgründung · Pfette · PIR · Planmaß · Planparie · Polokalrohr · Pölzung · Pultdach · PUR

Q — Quellfugenband

R — Regenfallrohr · Reihe · Rigol · Rollierung · Rückstauebene

S — Sand · Satteldach · Sauberkeitsschicht · Schalung · Schotter · Schwarzdeckung · Schwarze Wanne · Schwarzschimmel · Schwinden · sd-Wert · Senkgrube · Setzung · Sickergrube/Sickerschacht · Silikatputz · Silikon · Silikonharzputz · Sohlbank · Sohldruck · Spannbetondecke · Sparren · Spengler · Spundwand · Stahlbeton · Stahlprofil · Stehfalz · Stuckaturschalung · Sturmklammer

T — Taupunkt · Terrazzo · TGA · Tonnengewölbe · Tramdecke · Traufe · Traufenhöhe · Traufgasse/Reihe · Trennfuge · Trittschall · Trittschalldämmung

U — U-Wert · Überlager · Umkehrdach · Unterfangung

V — Verbundabdichtung

W — Walmdach · Warmdach · Wärmebrücke · Wartungsfuge · Wasser · WDVS · Wechsel · Weiße Wanne · Widerlager

X — XPS

Z — Zange · Zement

A#

Anschlussplan#

Plan der Hausanschlüsse: Er zeigt, wo und wie die Leitungen des Gebäudes — Kanal, Wasser, Strom, Gas, Fernwärme, Telekommunikation — an die öffentlichen Netze angeschlossen sind, mit Lage, Tiefe, Durchmesser und Gefälle bis zur Grundstücksgrenze. Verlangt wird er von der Gemeinde oder vom Netzbetreiber, am häufigsten für den Kanalanschluss.

Häufige Probleme: Plan fehlt oder wurde nicht nachgeführt, sodass die Lage der Leitungen erst beim Aufgraben zutage tritt; Abläufe unter der Rückstauebene ohne Rückstauklappe oder Hebeanlage, in der Folge überflutete Keller bei Starkregen.

Siehe auch: KG-Rohr, Bestandsplan, Rückstauebene.

Arbeitsfuge#

Fuge zwischen zwei Betonierabschnitten, die entsteht, weil ein Bauteil nicht in einem Zug betoniert wird — etwa zuerst die Bodenplatte, Tage später die Kellerwände darauf. Anders als eine Bewegungsfuge soll die Arbeitsfuge nichts trennen: Der Armierungsstahl läuft durch, und das Bauteil soll über die Fuge hinweg zusammenwirken, als wäre es aus einem Guss. Die Oberfläche des ersten Abschnitts wird dazu aufgeraut und von Zementschlämme befreit.

Für Wasser bleibt die Arbeitsfuge die Schwachstelle jedes betonierten Kellers. Bei einer Weißen Wanne wird sie daher eigens abgedichtet — mit einem Fugenblech, einem Fugenband, einem Quellfugenband oder einem Injektionsschlauch, über den die Fuge nachträglich mit Kunstharz verpresst werden kann.

Häufige Probleme: undichte Fuge zwischen Bodenplatte und Wand, in der Folge feuchte Kellerwände knapp über dem Boden; Kiesnester am Fuß der Fuge; Schmutz, Laub oder Eis in der Fuge vor dem Weiterbetonieren; verschobenes oder unterbrochenes Fugenband.

Siehe auch: Fugenband, Quellfugenband, Ortbeton, Weiße Wanne, Bewegungsfuge.

Architektenplan#

Kein Fachbegriff für ein bestimmtes Planstadium, sondern die landläufige Bezeichnung für die Pläne des Architekten — je nach Zusammenhang der Entwurfsplan, der Einreichplan oder der Ausführungsplan. Davon abzugrenzen sind die Pläne der Fachplaner (Statik, Haustechnik) und die Werkpläne der ausführenden Firmen1.

Wird im Verfahren auf „den Architektenplan“ verwiesen, ist zu klären, welcher gemeint ist und welchen Stand er trägt: Datum und Planindex2 stehen im Plankopf.

Siehe auch: Planparie.

  1. Den Werkplan zeichnet die ausführende Firma selbst, etwa im Stahl-, Fenster- oder Fertigteilbau. Er setzt den Ausführungsplan in Werkstattmaße um und bedarf der Freigabe durch den Planer. ↩

  2. Jede Änderung eines Plans erhält einen Index — einen Buchstaben oder eine fortlaufende Nummer — samt Datum und kurzem Änderungsvermerk im Plankopf. Welcher Index wann an wen ging, zeigen Planliste und Planlauf. ↩

Armierungsstahl#

Landläufig für Bewehrungsstahl, fachsprachlich Betonstahl, auf der Baustelle schlicht Eisen: Stäbe und Matten aus Stahl, die in den Beton eingelegt werden und dort die Zugkräfte übernehmen, denen der Beton allein nicht gewachsen ist (siehe Stahlbeton). Die Oberfläche ist gerippt, damit der Beton daran festhält. Geliefert wird er als Stabstahl, der nach der Biegeliste1 zugeschnitten und gebogen wird, oder als geschweißte Matten für Platten und Wände; Sorten und Kennwerte unter Baustoffkennwerte › Bewehrungsstahl.

Der Stahl wirkt nur, solange er nicht rostet. Davor schützt ihn der umhüllende Beton, die Betondeckung: Beton ist stark alkalisch, und in diesem Umfeld rostet Stahl nicht (Karbonatisierung). Ist die Deckung zu dünn, erreichen Wasser und Luft den Stahl; der Rost braucht mehr Platz als der Stahl, aus dem er entsteht, und sprengt den Beton ab.

Häufige Probleme: zu geringe Betondeckung, in der Folge Rost und Betonabplatzungen, typisch an Balkonen und in Tiefgaragen; Bewehrung verrutscht oder abweichend vom Plan verlegt — nachträglich nur mit einem Bewehrungssuchgerät oder durch Aufstemmen feststellbar.

Siehe auch: Betondeckung, Stahlbeton, Zement, Baustoffkennwerte › Betondeckung, Rost/Korrosion, Flugrost.

  1. Die Biegeliste gehört zum Bewehrungsplan des Statikers und gibt jedes einzelne Eisen nach Durchmesser, Länge und Form an. ↩

Attika#

Teil eines Gebäudes mit einem Flachdach. Es handelt sich dabei um die das Flachdach überragende und nach oben und seitlich zum Flachdach abzudichtende überhöhte Fassadenwand, die etwa auch das eventuell vorhandene Schüttungsmaterial am Dach hält.

Häufigstes Problem: Undichtheit.

Ausführungsplan#

Der Plan, nach dem gebaut wird. Er baut auf dem bewilligten Einreichplan auf, zeigt das Gebäude meist im Maßstab 1:50, Einzelheiten bis 1:1, und enthält alles, was die Baustelle wissen muss: sämtliche Maße, die Aufbauten von Wänden, Decken und Böden, Öffnungen und Anschlüsse. Auf der Baustelle heißt er auch Polierplan1. Dazu kommen die Pläne der Fachplaner — Schal- und Bewehrungspläne des Statikers, Leitungspläne der Haustechnik — und der Deckenspiegel.

Häufige Probleme: Abweichungen vom Einreichplan, die einer Bewilligung bedurft hätten; Pläne kommen zu spät auf die Baustelle (Bauablauf › Behinderung und ihre Anzeige); gebaut wird nach einem überholten Planstand; Architekten- und Fachplanerpläne widersprechen einander.

Siehe auch: Architektenplan, Bestandsplan, Planmaß.

  1. Der Polier ist der Vorarbeiter der Baufirma, der die Arbeit vor Ort einteilt und anweist. Was nicht im Polierplan steht, wird erfahrungsgemäß so gebaut, wie der Polier es immer schon gebaut hat. ↩

Ausheizprotokoll#

Schriftlicher Nachweis, dass ein Estrich mit eingebauter Fußbodenheizung (Heizestrich) vor dem Verlegen des Bodenbelags planmäßig aufgeheizt wurde. Das Aufheizen dient zweierlei: Es zeigt, ob die Heizung funktioniert (Funktionsheizen1), und es treibt die Restfeuchte aus dem Estrich, bis er belegt werden darf (Belegreifheizen, siehe Belegreife).

Festgehalten werden Beginn und Ende, die täglichen Vorlauftemperaturen2, Unterbrechungen und die Unterschrift dessen, der geheizt hat. Ob der Estrich danach tatsächlich trocken genug ist, sagt das Protokoll nicht — das zeigt erst die CM-Messung.

Häufige Probleme: Protokoll fehlt oder wurde erst nachträglich ausgefüllt; zu früh, zu rasch oder mit Unterbrechungen aufgeheizt, in der Folge Risse im Estrich; Belag verlegt, weil das Protokoll für den Nachweis der Trockenheit gehalten wurde.

Siehe auch: Estrich, Belegreife, CM-Messung, HKLS.

  1. Geregelt in der ÖNORM EN 1264-4. Üblich ist: frühestens 21 Tage nach dem Einbringen bei Zementestrich, 7 Tage bei Calciumsulfatestrich; drei Tage mit 25 °C Vorlauftemperatur, danach vier Tage mit der höchsten vorgesehenen. Trocken ist der Estrich danach in aller Regel noch nicht. ↩

  2. Die Vorlauftemperatur ist die Temperatur, mit der das Heizwasser in die Rohre eintritt. Der Estrich selbst wird nicht so warm. ↩

Austauschplan#

Plan, der im laufenden Baubewilligungsverfahren einen bereits eingereichten Plan ersetzt, etwa weil die Behörde oder ein Nachbar Einwände erhoben hat oder weil der Bauwerber umplant, bevor entschieden ist. Er wird in derselben Zahl von Planparien vorgelegt wie das Original und tritt an dessen Stelle. Ändert sich das Vorhaben erst nach der Bewilligung, ist das kein Austausch mehr, sondern eine Abänderung, die eigens einzureichen ist.

Häufiges Problem: Alte und neue Pläne liegen nebeneinander im Akt, und es ist unklar, welcher Stand bewilligt wurde. Maßgeblich ist der Plan mit dem Bewilligungsvermerk der Behörde.

Siehe auch: Einreichplan.

B#

Baugrundgutachten#

Auch geotechnisches Gutachten; Grundlage für die Planung der Gründung nach Eurocode 71 (ÖNORM EN 1997). Es beruht auf Aufschlüssen — Schürfen mit dem Bagger, Rammsondierungen2, Kernbohrungen — und gibt Bodenschichtung, Grundwasserstand, den aufnehmbaren Sohldruck und die zu erwartenden Setzungen an, oft auch Vorgaben für Baugrubensicherung und Wasserhaltung.

Zwischen den Aufschlusspunkten wird interpoliert; was dort tatsächlich liegt, zeigt erst der Aushub. Wie dicht die Aufschlüsse liegen, bestimmt daher, wie viel das Gutachten über die Fläche dazwischen aussagt.

Häufige Probleme: beim Einfamilienhaus eingespart; zu wenige oder zu seichte Aufschlüsse; angetroffener Boden weicht vom beschriebenen ab.

Siehe auch: Gründung, Sohldruck, Setzung.

  1. Die Eurocodes sind die europaweit vereinheitlichten Normen für die Bemessung von Tragwerken, von EN 1990 (Grundlagen) bis EN 1999 (Aluminiumbau); Eurocode 7 regelt die Geotechnik. In Österreich gelten sie als ÖNORM EN, ergänzt um nationale Festlegungen. ↩

  2. Eine Stahlspitze an einem Gestänge wird mit einem genormten Fallgewicht in den Boden geschlagen; gezählt werden die Schläge je 10 cm Eindringung. Viele Schläge bedeuten festen Boden, wenige weichen. Das Verfahren ist billig und rasch, zeigt aber nur die Festigkeit, nicht die Bodenart — dafür braucht es Schurf oder Bohrung. ↩

Baustahl#

Stahl für tragende Konstruktionen aus Walzprofilen (Stahlprofil), Blechen und Rohren: Träger, Stützen, Hallen, Stiegen, Geländer. Die Sorten sind nach ihrer Streckgrenze benannt, am häufigsten S235 und S355 (Kennwerte unter Werkstoffkennwerte Metall › Stähle). Mit dem Armierungsstahl teilt er nur den Werkstoff; der ist eine eigene Sorte (B550) für einen anderen Zweck.

Verbunden wird geschraubt oder geschweißt. Ungeschützt rostet Baustahl, er wird daher verzinkt oder beschichtet. Im Brand verliert er ab etwa 500 °C rasch an Festigkeit; tragende Teile brauchen deshalb oft eine Brandschutzbekleidung oder einen dämmschichtbildenden Anstrich.

Häufige Probleme: Rost dort, wo Wasser stehen bleibt oder die Beschichtung verletzt ist, typisch an Stützenfüßen und Geländeranschlüssen; mangelhafte Schweißnähte; fehlender oder zu dünner Brandschutz.

Siehe auch: Armierungsstahl, Stahlbeton, Werkstoffkennwerte Metall, Rost/Korrosion, Beschichtung.

Bautischler#

Tischler (bundesdeutsch Schreiner), der fest mit dem Gebäude verbundene Holzbauteile herstellt und einbaut: vor allem Fenster, Außen- und Innentüren, Tore, Treppen, Wand- und Deckenverkleidungen. Er unterscheidet sich vom Möbeltischler, der bewegliche Einrichtung fertigt, und vom Zimmerer, der die tragende Holzkonstruktion errichtet — Dachstuhl und Holzriegelbau.

Die meisten Streitfälle entstehen nicht am Fenster selbst, sondern an seinem Anschluss an die Wand. Die Fuge rundherum muss innen luftdicht und dampfdicht, außen schlagregendicht und doch dampfdurchlässig sein, damit Feuchte, die in die Fuge gelangt, nach außen abziehen kann — die Regel lautet: innen dichter als außen. Dazwischen liegt die Dämmung, meist Montageschaum.

Häufige Probleme: undichter Fensteranschluss, in der Folge Zugluft, Wärmebrücke und Schimmel in der Leibung; fehlendes oder falsches Gefälle an der Sohlbank; Maßabweichungen zwischen Rohbauöffnung und Element, deren Ursache zwischen Baumeister und Tischler strittig ist.

Siehe auch: Holzriegelbau, KVH, Blower-Door-Test, Lebensdauer von Bauteilen.

Bauwich#

Unbebauter Streifen zwischen einem Gebäude und der Grenze des Bauplatzes, gemessen von der Grundgrenze (Grundbuch, Kataster und Vermessung) bis zur Gebäudefront. Er sorgt für Licht, Luft und Zugang zwischen den Häusern und hemmt das Übergreifen eines Brandes; früher hieß so auch der schmale Zwischenraum zwischen zwei Häusern selbst, wie die Traufgasse.

Ob und wo ein Bauwich einzuhalten ist, hängt von der Bauweise ab:

  • offene Bauweise: freistehende Gebäude mit Bauwich zu allen seitlichen Grenzen;
  • gekuppelte Bauweise: je zwei Gebäude an einer gemeinsamen Grenze aneinandergebaut, zu den übrigen Grenzen ein Bauwich;
  • geschlossene Bauweise: Gebäude von Grenze zu Grenze aneinandergereiht, ohne seitlichen Bauwich.

Wie breit er sein muss und was darin stehen darf, legen die Bauordnungen der Länder und der Bebauungsplan fest; meist wächst er mit der Gebäudehöhe.

Häufige Probleme: Abstand im Einreichplan von einer unrichtigen Grundgrenze aus vermessen, in der Folge zu schmaler Bauwich am fertigen Bau (Naturmaß); Dachvorsprünge, Balkone, Vordächer und Nebengebäude, die in den Bauwich ragen; Bauteile wie Traufe und Dachrinne, die bei knappem Bauwich über die Grenze reichen.

Siehe auch: Traufgasse, Einreichplan, Naturmaß, Traufenhöhe.

Bauzeitenplan#

Terminplan eines Bauvorhabens: welche Arbeiten wann beginnen und enden, meist als Balkenplan1 je Gewerk, bei größeren Vorhaben als Netzplan, der auch die Abhängigkeiten zwischen den Arbeiten zeigt. Als Vertragsbestandteil legt er Zwischen- und Endtermine fest, an die eine Pönale geknüpft sein kann. Wie daraus kritischer Weg und Puffer abzulesen sind, steht unter Bauablauf › Begriffe der Terminplanung.

Häufige Probleme: Plan nicht fortgeschrieben, sodass sich eine Verzögerung nachträglich keiner Ursache mehr zuordnen lässt; Balkenplan ohne Abhängigkeiten, aus dem kein kritischer Weg hervorgeht; Dauern ohne jeden Puffer.

Siehe auch: Bauablauf, Bauablauf › Behelf: Netzplan kritischer Weg und Puffer.

  1. Auch Gantt-Diagramm: Jede Arbeit ist ein waagrechter Balken auf einer Zeitachse, dessen Lage und Länge Beginn und Dauer zeigen. Übersichtlich, aber stumm darüber, welche Arbeit auf welche warten muss — das zeigt erst der Netzplan. ↩

Belegreife#

Zustand, in dem ein Estrich den Bodenbelag — Parkett, Fliesen, Teppich, Vinyl — aufnehmen kann, ohne ihn oder sich selbst zu beschädigen. Entscheidend ist vor allem die Restfeuchte: Der Estrich gibt sein überschüssiges Wasser noch lange nach dem Einbringen ab, und ein darüber gelegter Belag hielte es fest. Daneben muss der Untergrund fest, eben und sauber sein, ohne lose oder mürbe Oberfläche.

Die Restfeuchte wird mit der CM-Messung festgestellt. Wie trocken der Estrich sein muss, hängt von Estrichart und Belag ab: Bei Zementestrich liegt die Grenze um 2 CM-%, bei Calciumsulfatestrich deutlich unter 1 CM-%; bei Heizestrich und bei dichten oder feuchteempfindlichen Belägen wie Parkett, Vinyl oder Linoleum gelten strengere Werte. Bei Heizestrich wird die Belegreife durch das Aufheizen herbeigeführt, das das Ausheizprotokoll festhält.

Die Belegreife ist ein Messergebnis, kein Datum. Faustregeln über Wochen je Zentimeter Estrichdicke geben einen Anhalt für die Terminplanung, ersetzen die Messung aber nicht; Raumklima, Jahreszeit und Lüftung verschieben die Trocknung um Wochen.

Häufige Probleme:

  • Belag ohne Messung verlegt, weil die Belegreife nach dem Kalender angenommen wurde, in der Folge sich wölbendes oder lösendes Parkett, abplatzende Fliesen, Schimmel unter dem Belag;
  • Messung zu früh oder an ungeeigneter Stelle, siehe CM-Messung;
  • Estrich nach der Messung wieder befeuchtet, etwa durch nachfolgende Putz- oder Malerarbeiten oder ungenügende Lüftung.

Siehe auch: Estrich, CM-Messung, Ausheizprotokoll, Feuchte, Taupunkt und Schimmel.

Beschüttung#

Lose Schüttung auf Holzdecken und Gewölben des Altbaus, meist um 10 cm stark, in den Zwickeln über Gewölben weit mehr. Verwendet wurde, was zur Hand war: Sand, Lehm, Bauschutt, Asche oder Schlacke. Auf der Dippelbaumdecke und der Tramdecke (dort auf dem Sturzboden zwischen den Trämen) beschwert sie die Decke. Die Masse dämpft den Schall, hält Glut von oben ab und gleicht Unebenheiten für den Fußboden aus. Auf dem Tonnengewölbe und der Kappendecke füllt sie die Zwickel bis zur Fußbodenebene und bringt die gleichmäßige Auflast, auf die ein Gewölbe ausgelegt ist.

Bei einer Dichte von rund 1,6 t/m³ wiegt jeder Zentimeter Schüttung etwa 16 kg je Quadratmeter.

Häufige Probleme: Gewicht beim Dachgeschoßausbau, weshalb die Schüttung oft gegen eine leichtere aus Blähton oder Perlite getauscht wird; Schadstoffe in Schlacke und Asche (Schwermetalle, PAK1), die vor der Entsorgung eine Untersuchung verlangen; eingedrungenes Wasser, das die Schüttung lange speichert und am Holz hält, in der Folge Fäulnis und Hausschwamm; einseitiges Abtragen auf Gewölben, das dem Bogen die gleichmäßige Last nimmt.

Siehe auch: Dippelbaumdecke, Tramdecke, Kappendecke, Tonnengewölbe.

  1. Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe entstehen bei unvollständiger Verbrennung, etwa von Kohle, und stecken daher in Asche, Schlacke und Teer. Einige von ihnen sind krebserregend. ↩

Bestandsplan#

Plan des Gebäudes, wie es tatsächlich steht. Er entsteht aus zwei Anlässen: als Aufnahme eines Altbaus vor Umbau oder Verkauf, wenn keine oder nur alte Pläne vorhanden sind, und als Nachführung am Ende eines Neubaus, wenn die Ausführung vom Ausführungsplan abweicht (auch Revisionsplan). Für die Haustechnik hält er fest, wo die Leitungen wirklich liegen.

Häufige Probleme: Bestandsplan fehlt oder ist bloß eine Kopie des Einreichplans; Abweichungen vom bewilligten Stand, die erst beim Verkauf oder Umbau auffallen; nicht eingezeichnete Leitungen, die dann angebohrt werden.

Siehe auch: Einreichplan, Naturmaß, Anschlussplan.

Beton#

Künstlicher Stein aus Zement, Wasser und Gesteinskörnung, also Sand und Kies. Der Zement verbindet sich mit dem Wasser und verklebt die Körner zu einem festen Gefüge. Frisch ist Beton formbar: Er wird auf der Baustelle in eine Schalung gegossen (Ortbeton) oder im Werk zu Fertigteilen verarbeitet.

Beton verträgt Druck gut, Zug kaum; wo ein Bauteil gezogen oder gebogen wird, braucht er eingelegten Stahl (Stahlbeton). Zementarmer Beton ohne statische Aufgabe heißt Magerbeton (etwa als Sauberkeitsschicht). Festigkeits- und Expositionsklassen unter Baustoffkennwerte › Beton, Festigkeitsklassen.

Häufige Probleme: siehe Ortbeton, Kiesnest und Stahlbeton.

Betondeckung#

Auch Betonüberdeckung: der Abstand zwischen der Oberfläche eines Stahlbetonbauteils und dem ihr nächstgelegenen Stahl. Gemessen wird zum äußersten Stahl, und das ist meist nicht der tragende Längsstab, sondern der Bügel — der Stahlring, der die Längsstäbe umschlingt und zusammenhält. Die Deckung schützt den Armierungsstahl vor Rost, solange der Beton um ihn alkalisch bleibt (Karbonatisierung); sie sorgt dafür, dass der Beton am Stahl haftet und die Kräfte überträgt, und sie verzögert im Brand dessen Erwärmung.

Balkenquerschnitt im Maßstab 1:5: Die Betondeckung c reicht von der Oberfläche bis zum Bügel, nicht bis zum Längsstab. Die Karbonatisierungsfront wandert mit den Jahren von außen nach innen; erreicht sie den Stahl, ist sein Rostschutz dahin.Balkenquerschnitt im Maßstab 1:5: Die Betondeckung c reicht von der Oberfläche bis zum Bügel, nicht bis zum Längsstab. Die Karbonatisierungsfront wandert mit den Jahren von außen nach innen; erreicht sie den Stahl, ist sein Rostschutz dahin.

Im Plan steht das Nennmaß cnom: das Mindestmaß cmin, das sich nach der Expositionsklasse richtet, zuzüglich eines Vorhaltemaßes von meist 10 mm für die Ungenauigkeit auf der Baustelle. Das Mindestmaß darf an keiner Stelle unterschritten werden; Richtwerte unter Baustoffkennwerte › Betondeckung. Eingehalten wird die Deckung mit Abstandhaltern aus Beton oder Kunststoff, auf denen die Bewehrung in der Schalung liegt. Am fertigen Bauteil misst man sie zerstörungsfrei mit einem Bewehrungssuchgerät, das den Stahl magnetisch ortet. Abstandhalter kosten wenige Cent das Stück; ihr Fehlen wird später in Quadratmetern Betonsanierung abgerechnet.

Häufige Probleme: Abstandhalter fehlen oder stehen zu weit auseinander, Bewehrung beim Betonieren niedergetreten; Deckung zum Längsstab statt zum Bügel bemessen; in der Folge Rost und Abplatzungen, vor allem an Balkonen, Attiken und in Tiefgaragen, wo zusätzlich Tausalz einwirkt.

Siehe auch: Armierungsstahl, Stahlbeton, Schalung, Baustoffkennwerte › Betondeckung, Baustoffkennwerte › Expositionsklassen.

Bewegungsfuge#

Oberbegriff für eine Fuge, die Bauteile oder Gebäudeteile voneinander trennt, damit sie sich gegeneinander bewegen können, ohne zu reißen. Ursache der Bewegung sind Temperatur, Schwinden, unterschiedliche Setzungen oder Erschütterungen. Je nach Ursache spricht man von Dehnungsfuge oder Trennfuge (Setzungsfuge).

Eine Bewegungsfuge muss durch alle Schichten durchgehen: Eine Fuge im Tragwerk ist in Estrich, Belag, Putz und Fassade an derselben Stelle zu übernehmen, sonst reißt die Schicht, die sie überbrückt. Geschlossen wird sie elastisch — mit einem Dichtstoff wie Silikon, einem Fugenprofil oder, im Beton, einem Fugenband.

Keine Bewegungsfuge ist die Arbeitsfuge: Sie entsteht nur durch eine Unterbrechung beim Betonieren, und das Bauteil soll über sie hinweg zusammenwirken.

Häufige Probleme: Fuge in Belag oder Putz nicht übernommen, in der Folge ein Riss genau über ihr; Fuge mit Mörtel oder Kleber zugesetzt und damit starr; abgerissener Dichtstoff, in der Folge Wassereintritt.

Siehe auch: Dehnungsfuge, Trennfuge, Arbeitsfuge, Wartungsfuge, Fugenband, Rissbilder.

Biegung#

Verformung eines Stabs, Balkens oder Trägers, der quer zu seiner Länge belastet wird. Er biegt sich durch: Die Seite, zu der er sich wölbt, wird gedehnt (Zug), die gegenüberliegende gestaucht (Druck); dazwischen liegt eine Schicht, die ihre Länge behält, die neutrale Faser. Beim aufliegenden Balken liegt der Zug unten, beim Kragarm, etwa einem Balkon oder einem überstehenden Sparren, oben.

Weil die Spannung zum Rand hin zunimmt, trägt Material weit außen am meisten; deshalb hat ein Stahlprofil breite Flansche und einen schmalen Steg und wird stehend eingebaut. Mauerwerk und Beton vertragen Druck gut, Zug aber kaum. Im Stahlbeton übernimmt den Zug die Bewehrung (Armierungsstahl), beim Überlager der bewehrte Kern, während das Mauerwerk darüber die gedrückte Zone bildet. Wie groß Moment, Spannung und Durchbiegung werden, rechnet Statik › Querschnitt, Spannung und Verformung vor.

Häufige Probleme: Durchbiegung durch Überlastung oder zu früh entfernte Unterstellung (Schalung, Pölzung); Querschnitt in der Zugzone durch Ausklinkungen und Bohrungen geschwächt; Bewehrung in der falschen Lage, bei Kragplatten etwa unten statt oben.

Siehe auch: Statik, Überlager, Stahlprofil, Stahlbeton, Achse, Welle.

Blower-Door-Test#

Messung der Luftdichtheit eines Gebäudes. In eine Außentür oder ein Fenster wird ein Rahmen mit Plane und Gebläse eingespannt, das im Gebäude einen Unter- oder Überdruck von 50 Pascal1 herstellt. Gemessen wird, wie viel Luft das Gebläse dafür fördern muss, denn genau so viel strömt durch die Undichtheiten der Hülle nach. Das Ergebnis ist der n50-Wert: wie oft das Luftvolumen des Gebäudes bei diesem Druck je Stunde ausgetauscht wird. Das Verfahren regelt die ÖNORM EN ISO 9972.

Die OIB-Richtlinie 6 verlangt für Neubauten höchstens 3,0 je Stunde, mit Lüftungsanlage höchstens 1,5; ein Passivhaus muss 0,6 erreichen. Während der Messung lassen sich die Lecks aufspüren — mit Rauch, einem Luftstrommessgerät oder der Wärmebildkamera.

Undichtheiten kosten Heizwärme und verursachen Zugluft. Schwerer wiegt, dass warme, feuchte Raumluft durch sie in die Konstruktion strömt und dort an kalten Stellen Wasser abgibt (Konvektion); im Holzriegelbau ist das die häufigste Ursache für Feuchteschäden.

Häufige Probleme: Messung erst nach Fertigstellung, wenn die luftdichte Ebene hinter Verkleidungen liegt und Lecks nur mehr mit Aufwand zu beheben sind; Durchdringungen der Dampfbremse durch Steckdosen, Rohre und Kabel; undichte Fensteranschlüsse; unklar, in welchem Bauzustand und nach welchem Verfahren gemessen wurde.

Siehe auch: Dampfbremse, Holzriegelbau, OSB, Energieausweis, Feuchte, Taupunkt und Schimmel.

  1. 50 Pascal entsprechen dem Staudruck eines Windes von rund 9 m/s oder 33 km/h, also einer frischen Brise (Windstärke 5). Der Messdruck ist so gewählt, dass zufälliger Wind das Ergebnis wenig verfälscht. ↩

Bodenart#

Einteilung des Bodens nach der Größe seiner Körner: Ton unter 0,002 mm, Schluff 0,002 bis 0,063 mm, Sand 0,063 bis 2 mm, Kies 2 bis 63 mm, darüber Steine. Natürliche Böden sind meist Gemische und werden nach dem überwiegenden Anteil benannt, etwa sandiger Kies. Lehm ist ein Gemisch aus Sand, Schluff und Ton, Löss ein vom Wind abgelagerter, kalkhaltiger Schluff.

Für das Bauen entscheidet vor allem der Feinanteil. Ton und Schluff heißen bindig, weil ihre Körner über Wasserfilme aneinander haften: Sie sind wenig durchlässig, setzen sich langsam (Setzung), schrumpfen beim Austrocknen und sind frostempfindlich (Frosttiefe, Kapillarität). Sand und Kies sind nichtbindig: durchlässig, rasch gesetzt und ohne Feinanteil frostsicher. Welche Bodenarten anstehen, stellt das Baugrundgutachten an Proben aus Schurf oder Bohrung fest.

Häufige Probleme: Bodenart nur geschätzt statt erkundet; wechselnde Bodenarten unter einem Gebäude, in der Folge Setzungsunterschiede.

Siehe auch: Sand, Schotter, Setzung, Frosttiefe, Sickergrube, Baugrundgutachten.

Bodenplatte#

Betonplatte, die ein Gebäude nach unten zum Erdreich abschließt. Der Begriff ist unscharf, denn er deckt zwei statisch grundverschiedene Bauteile:

  • die tragende Bodenplatte (Fundamentplatte, Plattenfundament), die sämtliche Lasten des Gebäudes in den Baugrund abgibt und selbst das Fundament ist;
  • die nichttragende Bodenplatte, die zwischen Streifenfundamenten liegt und nur den Fußboden samt dessen Nutzlast trägt, von den Wandlasten aber nichts abbekommt.

Für die Beurteilung eines Risses oder einer Setzung macht das den entscheidenden Unterschied: Ein Riss in der nichttragenden Platte berührt die Standsicherheit in aller Regel nicht; in der Fundamentplatte ist er auf seine Ursache und — bei einer Weißen Wanne — auf seine Dichtheit zu untersuchen. Aus dem Gutachten sollte daher hervorgehen, welche Platte gemeint ist.

Unter der Platte liegen üblicherweise eine Sauberkeitsschicht aus Magerbeton oder eine kapillarbrechende Kiesschicht, die Rollierung, bei beheizten Räumen eine Dämmung aus XPS oder Schaumglasschotter1. Liegt die Platte über der Frosttiefe, braucht sie eine Frostschürze.

Häufige Probleme: Risse durch Schwinden oder Setzung; aufsteigende Feuchtigkeit bei fehlender oder mangelhafter Abdichtung; Wärmebrücke am Anschluss zur Außenwand.

Siehe auch: Fundament, Frostschürze, Fundamenterder, Weiße Wanne, Perimeterdämmung, Estrich, Rollierung, Sauberkeitsschicht, Baustoffkennwerte › Beton, Festigkeitsklassen.

  1. Gebrochenes Granulat aus aufgeschäumtem Glas, meist aus Altglas gewonnen. Es ist druckfest, nimmt kaum Wasser auf und dämmt; unter Bodenplatten dient es daher zugleich als Tragschicht und als Dämmung. ↩

Braune Wanne#

Ausführungsart von unter Bodenniveau errichteten Gebäudeteilen. Das konventionell errichtete Kellergeschoß wird mittels des Minerals Bentonit (mit "n"; der Name leitet sich von seinem Fundort in der Nähe der Stadt Fort Benton, Montana, USA ab, nicht vom Beton) von außen abgedichtet. Das Material quillt bei Nässe auf und schließt so Fugen und Poren.

Häufigstes Problem: Undichtheit.

Siehe auch Schwarze Wanne, Weiße Wanne.

Brettschichtholz#

Abgekürzt BSH, auf der Baustelle auch Leimbinder: Träger aus mehreren getrockneten und gehobelten Brettlagen, die mit gleicher Faserrichtung übereinander verleimt sind. So entstehen Querschnitte und Längen, die kein Baum hergibt, auch gebogene Formen. Weil sich Äste und andere Schwachstellen auf viele Lagen verteilen, ist BSH tragfähiger und formbeständiger als Vollholz. Eingesetzt wird es für Hallendächer, weit gespannte Träger und sichtbare Balken.

Häufige Probleme: Risse und sich lösende Leimfugen bei starkem Feuchtewechsel, besonders an ungeschützten Trägerenden im Freien; Trocknungsrisse in stark beheizten Räumen.

Siehe auch: KVH, Holzriegelbau.

C#

CM-Messung#

Übliches Verfahren, mit dem auf der Baustelle festgestellt wird, wie viel Feuchte ein Estrich noch enthält und ob er damit belegreif ist, also Parkett, Fliesen oder Teppich aufnehmen kann. CM steht für Calciumcarbid-Methode.

Aus dem Estrich wird über seine ganze Dicke eine Probe gestemmt, zerkleinert, abgewogen und mit Calciumcarbid und Stahlkugeln in eine Druckflasche gegeben. Beim Schütteln reagiert das Wasser der Probe mit dem Carbid zu einem Gas1; aus dem Druck, den ein Manometer anzeigt, ergibt sich der Feuchtegehalt in CM-%. Ob der Wert genügt, beurteilt sich nach den Grenzwerten der Belegreife.

Die Messung ist ein Behelf für die Baustelle. Die Laborprüfung (Darrprüfung2) liefert höhere Werte; die beiden Zahlen sind nicht gegeneinander austauschbar. Elektronische Geräte, die bloß auf die Oberfläche gesetzt werden, geben nur einen Anhalt und ersetzen die CM-Messung nicht.

Häufige Probleme: Probe nur aus der oberen, trockeneren Schicht entnommen; Messung nicht dokumentiert (Ort, Tiefe, Einwaage, Ergebnis); bei Heizestrich keine Messstellen markiert, sodass aus Sorge um die Heizrohre gar nicht gemessen wird.

Siehe auch: Estrich, Belegreife, Ausheizprotokoll, Feuchte, Taupunkt und Schimmel.

  1. Es entsteht Ethin, besser bekannt als Acetylen — dasselbe Gas, das in der Karbidlampe der Bergleute und Radfahrer brannte. In der Messflasche soll es nicht leuchten, sondern nur drücken. ↩

  2. Bei der Darrprüfung wird die Probe gewogen, im Ofen getrocknet, bis sie nicht mehr leichter wird, und erneut gewogen; der Gewichtsverlust ist das Wasser. Sie erfasst auch Wasser, das die CM-Messung nicht freisetzt, verlangt aber ein Labor und Zeit. ↩

D#

Dachrinne#

Rinne an der Traufe, die das Wasser von der Dachfläche sammelt und mit leichtem Gefälle zum Regenfallrohr führt. Sie hängt meist als halbrunde oder kastenförmige Rinne an Rinnenhaltern vor der Traufe; eine innenliegende Rinne sitzt dagegen in der Dachfläche oder hinter einer Attika. Übliche Werkstoffe sind Titanzink, Kupfer, verzinktes Stahlblech und Kunststoff, mit unterschiedlicher Lebensdauer (Lebensdauer von Bauteilen). Lange Metallrinnen brauchen einen Dehnungsausgleich (Dehnungsfuge).

Häufige Probleme: verstopfte Rinne (Laub, Moos), in der Folge überlaufendes Wasser, nasse Fassade und nasser Sockel; zu geringes oder verkehrtes Gefälle, in der Folge stehendes Wasser und Korrosion; fehlender Dehnungsausgleich, in der Folge gerissene Lötnähte; von Schneelast verbogene Rinnenhalter; undichte innenliegende Rinne, deren Wasser unmittelbar ins Gebäude läuft — sie ist so dicht wie ihre schlechteste Naht.

Siehe auch: Regenfallrohr, Traufe, Traufgasse, Gully, Sickergrube, Flachdach.

Dachstuhl#

Die tragende Konstruktion eines geneigten Dachs, meist aus Holz und vom Zimmerer errichtet. Er trägt Deckung, Schnee und Wind und leitet die Lasten in Außenwände und Decken ab. Seine Gestalt folgt der Dachform: Satteldach, Walmdach, Krüppelwalmdach, Mansardendach oder Pultdach; ein Flachdach braucht im üblichen Sinn keinen.

Zwei Grundbauarten:

  • Sparrendach: Je zwei gegenüberliegende Sparren stützen sich im First gegenseitig ab und bilden mit der Decke ein starres Dreieck; bei größerer Spannweite verbindet sie ein waagrechter Kehlbalken.
  • Pfettendach: Die Sparren liegen auf waagrechten Längsbalken, den Pfetten (Fußpfette, Mittelpfette, Firstpfette), die ihrerseits auf Säulen ruhen. Dieses Gerüst aus Säulen und Pfetten ist der Stuhl, der dem Dachstuhl den Namen gibt. In Österreich die verbreitete Bauart.

Pfettendach mit doppelt stehendem Stuhl im Querschnitt: Die Sparren liegen auf Fuß- und Mittelpfetten, die Mittelpfetten auf Stuhlsäulen; die Zange verbindet Sparren und Säulen.Pfettendach mit doppelt stehendem Stuhl im Querschnitt: Die Sparren liegen auf Fuß- und Mittelpfetten, die Mittelpfetten auf Stuhlsäulen; die Zange verbindet Sparren und Säulen.

Als Lebensdauer werden 80 bis 100 Jahre angesetzt (Lebensdauer von Bauteilen), vorausgesetzt, das Holz bleibt trocken.

Häufige Probleme:

  • Fäulnis und Hausschwamm durch undichte Deckung oder Kondensat im ausgebauten Dach (fehlende oder undichte Dampfbremse);
  • Befall durch den Hausbock;
  • beim Dachgeschoßausbau ohne Statik entfernte Säulen, Kehlbalken oder Zangen, in der Folge Verformungen und Risse — die Säulen stehen erfahrungsgemäß genau dort, wo das Bett hin soll;
  • Überlastung durch eine schwerere Deckung oder nachträglich aufgebrachte Photovoltaik.

Siehe auch: Sparren, Pfette, Kniestock, Kehlbalken, Zange, Kerve, Wechsel, Gaupe, Traufe, Ortgang, Dippelbaumdecke (Schutz vor dem Dachstuhlbrand), Firsthöhe, Traufenhöhe, KVH, Brettschichtholz, Bautischler.

Dämmung#

Maßnahme zur Verhinderung des Durchtrittes von Wärme- oder Schallenergie1 durch Bauteile.

Siehe auch Dichtung, Isolierung; EPS, PIR, PUR, Dampfbremse, Baustoffkennwerte › Wärmeleitfähigkeit gängiger Schichten

  1. Je nach dem, wie bereit man ist, mit physikalischen Größenordnungen eher locker umzugehen, ohnehin dasselbe. ↩

Dampfbremse#

Meist eine Kunststofffolie, die das Eindringen von Feuchtigkeit durch Diffusion in den Baukörper verhindern soll. Die Wirksamkeit einer Dampfbremse wird durch den Wasserdampfdiffusionswiderstand angegeben, der ähnlich wie der Lichtschutzfaktor von Sonnenschutzcreme funktioniert: Die Zahl gibt an, um wieviel dichter die Dampfbremse im Vergleich zu einer 1 m starken Luftschicht ist.

Häufigstes Problem: Undichtheit, durch die feuchte Raumluft in die Konstruktion strömt (Konvektion).

Siehe auch: Dampfdruck, sd-Wert, Blower-Door-Test, Holzriegelbau.

Dampfdruck#

Der Teildruck, den der in der Luft enthaltene Wasserdampf am Gesamtluftdruck ausmacht, angegeben in Pascal. Er ist die treibende Größe der Wasserdampfdiffusion: Wasserdampf wandert stets von der Seite des höheren zur Seite des niedrigeren Dampfdrucks, im Winter also von der warmen Innenluft nach außen. Die Dampfbremse setzt diesem Wandern den durch den sd-Wert beschriebenen Widerstand entgegen.

Zu jeder Temperatur gehört ein Sättigungsdampfdruck — der höchste Dampfdruck, den Luft bei dieser Temperatur tragen kann. Er steigt mit der Temperatur steil an, weshalb warme Luft ungleich mehr Wasser aufnimmt als kalte. Die relative Luftfeuchte ist nichts anderes als das Verhältnis von tatsächlichem zu Sättigungsdampfdruck. Erreichen die beiden einander, ist der Taupunkt erreicht und Wasser fällt aus.

Für das Verfahren ist das der Rechenweg hinter fast jedem Feuchteschaden: Die Zahlenwerte liefert die Magnus-Formel in Feuchte, Taupunkt und Schimmel, die Beurteilung der Oberfläche dort die beiden Grenzen; nachrechnen lässt sich der Einzelfall mit dem Behelf: Taupunkt und absolute Feuchte und dem Behelf: Oberflächentemperatur und Schimmelrisiko.

Häufigstes Problem: Tauwasserausfall innerhalb des Bauteils, weil die Dampfbremse fehlt, durchstoßen oder auf der falschen Seite der Dämmung liegt.

Siehe auch: Dampfbremse, Taupunkt, sd-Wert, Wärmebrücke

Deckenspiegel#

Kurzbezeichnung für Deckenspiegelplan. Dabei handelt es sich um einen Plan der Decke samt ihren Einbauten in Draufsicht der damit der Grundrisszeichnung des Bodens entspricht. Dadurch wirkt die Darstellung im Vergleich zur Betrachtung der Decke vom Raum aus (also von unten) gespiegelt.

Ein bekannter Fehler im Zusammenhang mit der Fehlinterpretation des Deckenspiegels ist die Gestaltung der Decke der Haupthalle des Grand Central Terminal in New York, in der der Sternenhimmel auf den Kopf stehend dargestellt wurde.

Siehe auch: Ausführungsplan.

Dehnungsfuge#

Bewegungsfuge, die die Längenänderung von Bauteilen durch Temperaturwechsel aufnimmt, auch Dehnfuge. Ein Bauteil, das sich bei Wärme nicht ausdehnen und bei Kälte nicht zusammenziehen kann, baut Spannungen auf und reißt1. Dehnungsfugen teilen deshalb lange Bauwerke, Fassadenbekleidungen, Brüstungen, Estrich- und Fliesenflächen in Felder; an Fensterbänken (Sohlbank) trennen sie Bauteile mit unterschiedlicher Wärmedehnung.

Häufige Probleme: fehlende oder zu wenige Fugen, in der Folge Risse in regelmäßigen Abständen; zu schmale Fuge, deren Dichtstoff die Bewegung nicht mitmacht und abreißt; Fuge mit starrem Material verfüllt.

Siehe auch: Bewegungsfuge, Trennfuge, Wartungsfuge, Werkstoffkennwerte Metall › Behelf: Wärmedehnung.

  1. Die Längenänderung beträgt ΔL=α⋅L⋅ΔT\Delta L = \alpha \cdot L \cdot \Delta T, mit dem Wärmeausdehnungskoeffizienten α\alpha, der Länge LL und dem Temperaturunterschied ΔT\Delta T. Für Beton ist α≈10⋅10−6\alpha \approx 10 \cdot 10^{-6} je Kelvin: Ein 30 m langer Bauteil, der sich zwischen Winter und Sommer um 40 K erwärmt, wird um 30 m⋅40⋅0,00001=1230\,\text{m} \cdot 40 \cdot 0{,}00001 = 12 mm länger. ↩

Dichtung#

Sperre gegen den Aus- oder Eintritt von Flüssigkeiten und Gasen1; meist Wasser, flüssig oder als Dampf.

Häufigstes Problem: Undichtheit.

Siehe auch Dämmung, Isolierung.

  1. Auch hier: Eigentlich dasselbe. Sehr vereinfacht kann man sagen, dass Gase kompressable Flüssigkeiten, Flüssigkeiten inkompressable Gase sind. ↩

Dippelbaumdecke#

Holzdecke aus dicht an dicht verlegten, behauenen Rundhölzern von etwa 20 bis 30 cm Stärke, den Dippelbäumen. Hartholzdübel zwischen den Stämmen — mundartlich Dippel, daher der Name — verbinden sie zu einer geschlossenen Holzlage. Anders als bei der Tramdecke liegt Holz an Holz, ohne Zwischenraum. Oben trägt die Decke eine Beschüttung aus Sand, Lehm oder Bauschutt, am Dachboden meist mit Ziegelpflaster abgedeckt, unten eine Stuckaturschalung mit Putz.

Verbreitet war sie bis ins frühe 20. Jahrhundert, in Wien und im Osten Österreichs vor allem als oberste Geschoßdecke unter dem Dachboden. Dort hatte sie eine Aufgabe, die über das Tragen hinausging: Gemeinsam mit der aufgebrachten Schüttung sollte sie das darunter liegende Gebäude vor einem Dachstuhlbrand schützen. Die Schüttung deckt das Holz gegen die Glut von oben ab, und wo das Feuer doch hingelangt, brennt ein so massiver Querschnitt nur langsam an1. Zugleich war die Decke so bemessen, dass sie das Gewicht des einstürzenden Dachstuhls tragen konnte. Der Brand sollte auf den Dachboden beschränkt bleiben.

Als typisches Eigengewicht samt Schüttung und Pflaster werden rund 330 kg/m² angesetzt. Diese Masse steht beim Dachgeschoßausbau im Weg. Meist wird die Schüttung entfernt, um Last für den Ausbau freizumachen; ihre Schutzaufgabe muss dann ein anderer Aufbau übernehmen. Dass die Decke für den Einsturz eines Dachstuhls gebaut wurde, bedeutet nicht, dass sie eine Dachterrasse verträgt.

Häufige Probleme: Fäulnis und Hausschwamm an den im Mauerwerk liegenden Balkenköpfen, meist nach jahrelang undichtem Dach; Befall durch Hausbock oder Nagekäfer (Holzwurm); ungeklärte Tragfähigkeit beim Umbau, weil sich der Zustand der Balkenköpfe erst nach dem Öffnen zeigt; Beschüttung aus Bauschutt oder Schlacke, die beim Ausbau Schadstoffe enthalten kann.

Siehe auch: Tramdecke, Beschüttung, Stuckaturschalung, Tonnengewölbe, Lebensdauer von Bauteilen.

  1. Holz verkohlt im Feuer an der Oberfläche, und die Kohleschicht schützt das Innere. Nadelholz brennt dadurch nur um etwa 0,7 mm je Minute ab; ein Balken von 25 cm Stärke behält nach einer Stunde Brand noch den größeren Teil seines Querschnitts. ↩

Doppelstehfalz#

Form des Stehfalzes, bei der die aufgekanteten Ränder zweier Blechbahnen nicht einmal, sondern zweimal umgebogen werden; im Querschnitt rollen sie sich gleichsam ineinander ein. Das Wasser müsste somit mehrere Windungen überwinden, um unter die Deckung zu gelangen. Der Doppelstehfalz ist daher die übliche Längsnaht von Blechdächern und wird heute meist mit einer Falzmaschine geschlossen, die den Falz entlangfährt.

Er erlaubt flachere Dächer als der einfache Winkelstehfalz: in der Regel ab etwa 7°, mit einem in den Falz eingelegten Dichtband auch ab etwa 3°.1 Unter dieser Neigung ist auch der Doppelstehfalz nicht dicht genug; dort folgt die Abdichtung des Flachdachs.

Häufige Probleme: nicht ganz geschlossener Falz an Hand-Nachbearbeitungen, etwa an Anschlüssen, Kehlen und Durchdringungen; fehlendes Dichtband bei geringer Neigung, in der Folge Rückstau bei Schnee und Eis über den Falz; dazu die Probleme jeder Stehfalzdeckung.

Siehe auch: Stehfalz, Flachdach, Kaltdach, Hinterlüftung.

  1. Zur Umrechnung von Grad in Prozent siehe die Fußnoten im Eintrag Flachdach; 3° entsprechen rund 5 %, 7° rund 12 %. Die genauen Mindestneigungen hängen von Material, Hersteller und Norm ab. ↩

E#

Einreichplan#

Grundlage für das Baubewilligungsverfahren. Der Stand des genehmigten Einreichplanes stellt den Baukonsens dar, dem die Ausführung des Gebäudes, der Bestand, entsprechen soll. Eingereicht wird er in mehreren Planparien; Änderungen im laufenden Verfahren erfolgen über Austauschpläne.

Häufigstes Problem: Entspricht nicht dem Bestand.

Siehe auch: Entwurfsplan, Ausführungsplan, Bestandsplan.

Energieausweis#

Dokument über die energetische Qualität eines Gebäudes, vergleichbar dem Typenschein beim Auto. Ein befugter Fachmann errechnet ihn aus Plänen oder einer Bestandsaufnahme: Flächen, Bauteilaufbauten, U-Werte, Haustechnik. Die wichtigste Kennzahl ist der Heizwärmebedarf (HWB)1 in kWh je Quadratmeter und Jahr, daneben der Gesamtenergieeffizienz-Faktor fGEE. Die Einstufung reicht von A++ bis G. Vorzulegen ist er bei Verkauf und Vermietung; er gilt zehn Jahre.

Der Energieausweis beschreibt einen Bedarf, keinen Verbrauch: Gerechnet wird mit genormtem Klima und genormter Nutzung. Weicht die Heizkostenabrechnung davon ab, ist das allein noch kein Hinweis auf einen Fehler — der Energieausweis beschreibt ein Haus mit Normbewohnern im Normklima, und beide kommen in der Wirklichkeit selten vor.

Häufige Probleme: bei Bestandsgebäuden mit Standardwerten statt tatsächlicher Aufbauten gerechnet; Ausweis entspricht nicht dem ausgeführten Bau, weil nach dem Einreichplan gerechnet und anders gebaut wurde; Ausweis fehlt oder ist abgelaufen.

Siehe auch: Blower-Door-Test, U-Wert, Wärmebrücke, WDVS, Baustoffkennwerte › Behelf: U-Wert aus dem Schichtaufbau, Wärmepumpe, Klimaanlage und Kältetechnik.

  1. Der HWB ist die Wärmemenge, die einem Quadratmeter Wohnfläche im Jahr zugeführt werden muss, um ihn bei genormtem Klima auf 20 °C zu halten. Zur Anschauung: Eine Kilowattstunde entspricht etwa einem Zehntel Liter Heizöl. Ein HWB von 100 bedeutet also rund 10 Liter Heizöl je Quadratmeter und Jahr, ein Passivhaus kommt mit etwa 1,5 Litern aus. ↩

Entwurfsplan#

Planstadium nach dem Vorentwurf und vor dem Einreichplan: das Gebäude in Grundrissen, Schnitten und Ansichten, meist im Maßstab 1:100 bis 1:200, mit Raumaufteilung, Gestaltung und groben Maßen. Er dient der Abstimmung mit dem Bauherrn und der Kostenschätzung; Einzelheiten und genaue Aufbauten enthält er noch nicht.

Häufige Probleme: Die Kostenschätzung auf Entwurfsbasis wird für eine verbindliche Zusage gehalten; der Bauherr kennt nur den Entwurf, gebaut wird nach einem geänderten Ausführungsplan.

Siehe auch: Architektenplan.

EPS#

Abkürzung für Expandierter Polysterolschaum, landläufig auch als Styropor bekannt. Wurde vor allem in WDVS eingesetzt, bis seine Verwendung aufgrund der leichten Brenn- und schweren Löschbarkeit in vielen Bauordnungen verboten wurde. Aufgrund der guten Dämmeigenschaften kommt er allerdings noch in Form von Perimeterdämmplatten zum Einsatz, die außen an Wänden im Erdreich angebracht werden. Für den dauernd feuchten oder druckbelasteten Einbau wird dort allerdings meist das geschlossenzellige XPS verwendet.

Siehe auch: Dämmung, WDVS, XPS, Baustoffkennwerte › Wärmeleitfähigkeit gängiger Schichten

Estrich#

Schicht, die auf die Rohdecke oder die Bodenplatte aufgebracht wird und eine ebene, tragfähige Unterlage für den eigentlichen Bodenbelag bildet. Im Wohnbau ist sie einige Zentimeter dick.

Meist liegt der Estrich schwimmend auf einer Dämmschicht (Trittschalldämmung) und berührt weder die Rohdecke noch die Wände; zu diesen trennt ihn ein Randdämmstreifen. So hält er den Trittschall von den Räumen darunter fern und nimmt, als Heizestrich, die Rohre der Fußbodenheizung auf.

Nach dem Bindemittel unterscheidet man vor allem:

  • Zementestrich: der Regelfall, auch in Nassräumen;
  • Calciumsulfatestrich (Anhydrit-, oft als Fließestrich): trocknet rascher, verträgt aber keine dauernde Nässe;
  • Gussasphaltestrich: heiß eingebracht und nach dem Abkühlen sofort begehbar;
  • Trockenestrich: verlegte Platten statt einer gegossenen Schicht, vor allem im Altbau und Holzbau.

Beim Erhärten bindet das Bindemittel nur einen Teil des Anmachwassers; der Rest wird für die Verarbeitung gebraucht und muss verdunsten. Das dauert bei Zementestrich je nach Dicke und Raumklima Wochen bis Monate. Belegt werden darf erst, wenn die CM-Messung die Belegreife ergibt, bei Heizestrich nach dem Aufheizen laut Ausheizprotokoll. Im Bauablauf steht der Estrich damit vor dem gesamten Ausbau — eine Wartezeit, die Terminpläne gern kürzer ansetzen als der Estrich.

Häufige Probleme:

  • Belag auf zu feuchtem Estrich verlegt, in der Folge sich wölbendes oder lösendes Parkett, abplatzende Fliesen, Schimmel unter dem Belag;
  • Risse durch Schwinden oder an Stellen ohne Fuge, siehe Rissbilder;
  • Schallbrücken, weil der Estrich Wand oder Rohdecke doch berührt — über Mörtelreste, einen fehlenden Randstreifen oder fest verfugte Sockelfliesen —, in der Folge hörbarer Trittschall in der Wohnung darunter.

Siehe auch: Belegreife, CM-Messung, Ausheizprotokoll, Bodenplatte, Fußbodenoberkante, Feuchte, Taupunkt und Schimmel, Lebensdauer von Bauteilen, Baustoffkennwerte › Wärmeleitfähigkeit gängiger Schichten.

Eternit#

Markenname, der zum Gattungsbegriff für Faserzement geworden ist: dünne, harte Platten und Formteile aus Zement, den eingebettete Fasern zugfest machen. Erfunden hat das Verfahren der Österreicher Ludwig Hatschek, der es 1900 patentieren ließ und nach dem lateinischen aeternitas, Ewigkeit, benannte; hergestellt wurde es in Vöcklabruck. Verbreitet waren Wellplatten für Scheunen, Garagen und Nebengebäude, ebene Dachplatten und Rauten (Eternitschindeln), Fassadenverkleidungen, Rohre für Abwasser und Lüftung, Kaminaufsätze und Blumentröge.

Bis um 1990 bestanden die Fasern aus Asbest1, dann wurde Asbest in Österreich schrittweise verboten. Seither enthalten Faserzementprodukte Kunststoff- und Zellulosefasern. Von außen ist der Unterschied kaum zu sehen; Anhalt geben das Herstellungsjahr, Aufdrucke auf der Rückseite und im Zweifel die Laboruntersuchung einer Probe.

Fest gebundener Asbestzement gibt im unversehrten Zustand kaum Fasern ab. Gefährlich wird er, wenn er bricht, gebohrt, geschnitten, geschliffen oder mit Hochdruck gereinigt wird und wenn die Oberfläche nach Jahrzehnten verwittert ist. Ausbau und Entsorgung sind daher Fachfirmen vorbehalten, das Material ist gefährlicher Abfall.

Häufige Probleme: verwitterte, bemooste Wellplatten, die abgebürstet oder mit dem Hochdruckreiniger gesäubert werden und dabei Fasern freisetzen; Abstürze durch Wellplatten, die nicht begehbar sind und unter dem Gewicht eines Menschen brechen; unerwartete Entsorgungskosten beim Abbruch oder bei der Sanierung von Nebengebäuden.

Siehe auch: Hinterlüftung, Dachstuhl, Spengler, Lebensdauer von Bauteilen.

  1. Asbest ist der Sammelname für natürlich vorkommende Minerale, die in feine Fasern zerfallen. Sie sind unbrennbar, zugfest und billig, weshalb man sie jahrzehntelang in Bauprodukten verwendete. Eingeatmet spalten sie sich in immer feinere Fasern, die die Lunge nicht mehr loswird; sie können nach Jahrzehnten Asbestose, Lungen- und Rippenfellkrebs (Mesotheliom) auslösen. Eine unbedenkliche Menge lässt sich nicht angeben. ↩

F#

Fertigteil#

Bauteil, das im Werk hergestellt, fertig auf die Baustelle geliefert und dort mit dem Kran versetzt wird. Meist ist es aus Stahlbeton — Stützen, Träger, Treppen, Balkonplatten, Decken- und Wandelemente —, im Holzbau sind es ganze Wandelemente (Holzriegelbau). Das Gegenstück ist der Ortbeton; Halbfertigteile wie Elementdecke und Hohlwand verbinden beides.

Im Werk wird unabhängig vom Wetter und mit gleichbleibender Qualität gebaut, auf der Baustelle geht es rasch. Die Schwachstellen liegen dafür dort, wo die Teile zusammentreffen: an Fugen und Anschlüssen.

Häufige Probleme: undichte oder schlecht gedämmte Anschlussfugen, in der Folge Wassereintritt und Wärmebrücken; Maßabweichungen zwischen Fertigteil und Rohbau; beim Transport oder Versetzen abgeplatzte Kanten.

Siehe auch: Ortbeton, Stahlbeton, Fundament, Baustoffkennwerte › Beton, Festigkeitsklassen.

Firstentlüftung#

Öffnung entlang des Firsts1, durch die die Luft aus der Hinterlüftung der Deckung oder der Belüftungsebene eines Kaltdachs ins Freie tritt. Sie ist der Auslass eines Luftstroms, der an der Traufe eintritt; fehlt eines der beiden Enden, steht die Luft im Dach. Ihr Querschnitt wird nach der Dachfläche bemessen.

Heute wird der First meist als Trockenfirst ausgeführt: Die Firstziegel liegen auf einer Firstlatte und werden verklammert; darunter schließt ein luftdurchlässiges, seitlich anpassbares Firstband die Fuge gegen Regen, Flugschnee und Tiere ab. Früher wurde der First vermörtelt (Mörtelfirst), was ihn dicht verschließt. Ergänzend oder stattdessen werden Lüfterziegel knapp unter dem First verlegt. Beim Walmdach werden auch die Grate entlüftet.

Häufige Probleme: bei einer Sanierung vermörtelter First, der die Luftschicht oben verschließt2; Dämmung bis unter den First hochgezogen; vom Wind gelöstes oder brüchig gewordenes Firstband, in der Folge Flugschnee und Schlagregen im Dach; eine Luftschicht, die nicht in jedem Sparrenfeld bis zum First durchläuft, etwa unter Gaupen und Dachflächenfenstern.

Siehe auch: Hinterlüftung, Kaltdach, Warmdach, Satteldach, Sturmklammer, Dachstuhl.

  1. Die oberste, waagrechte Kante eines geneigten Dachs, an der zwei Dachflächen zusammentreffen; siehe Satteldach. ↩

  2. Der Mörtelfirst sieht ordentlich aus und hält gut — nur das Dach darunter bekommt keine Luft mehr. ↩

Firsthöhe#

Höhe des Gebäudes bis zum höchsten Punkt des Daches, dem First, über Bodenniveau.

Flachdach#

Ausführung eines Gebäudedachs mit einem Gefälle von weniger als 5 %1 aber mehr als 2 %. Es handelt sich dabei im Vergleich zu traditionellen Bauformen in Österreich um eine moderne Dachform, die aufgrund der Witterungsbedingungen in gemäßigten Breiten besondere bautechnische Anforderungen an Wasserableitung und Dämmung stellt. Häufig werden Flachdächer in Blechdeckung oder Schwarzdeckung ausgeführt.

Flachdach: nahezu ebene Dachfläche, umlaufend von der Attika eingefasst.Flachdach: nahezu ebene Dachfläche, umlaufend von der Attika eingefasst.

Bei vorgegebener Gebäudehöhe (etwa durch Bebauungsvorschriften) kann durch ein Flachdach im Vergleich zu einem Schrägdach eine größere nutzbare Kubatur des Gebäudes erreicht werden. Da dadurch die anteiligen Kosten sinken, ist diese Ausführungsart vor allem bei Wohnbauträgern beliebt, zumal diese später nicht in den feuchten Häusern wohnen müssen.

Häufigstes Problem: Undichtheit.

Siehe auch: Attika, Umkehrdach, Warmdach, Kaltdach, Gully, Satteldach, Walmdach, Krüppelwalmdach, Mansardendach, Pultdach

  1. Für Steigungen und Gefälle werden in der Praxis häufiger Prozentangaben als Gradangaben2gemacht. Die Steigung in Prozent drückt aus, um wieviele Höhenheiten pro Längeneinheit etwas steigt oder fällt. Eine Steigung von 12 % entspricht also einem Höhenzuwachs von 12 cm auf 100 cm oder 12 m pro 100 m usw. ↩

  2. Prozent- und Gradangaben lassen sich mit dem Tangens und seiner Umkehrfunktion ineinander überführen. Von Prozent auf Grad (für p>0p \gt 0): g=180πarctan⁡(p100)g = \frac{180}{\pi}\arctan\left(\frac{p}{100}\right)und von Grad auf Prozent (für g<90°g \lt 90\degree): p=100tan⁡(g π180)p = 100 \tan\left(\frac{g\,\pi}{180}\right)wobei pp für die Neigung in Prozent und gg für jene in Grad steht.
    Als Anhaltspunkt kann man sich merken: 100 %≈45°100\,\% \approx 45\degree, 10 %≈5,7°10\,\% \approx 5{,}7\degree. ↩

Frostschürze#

Umlaufender Randbalken aus Beton, der eine Bodenplatte an ihren Rändern bis unter die Frosttiefe hinunterführt. Er verhindert, dass der Frost von außen unter die Platte greift, den Boden dort hebt und die Platte an den Rändern hochdrückt. Nötig ist er, weil die Platte beim nicht unterkellerten Haus meist knapp unter dem Gelände liegt.

Schnitt durch den Plattenrand: Die Frostschürze reicht bis unter die FrostgrenzeSchnitt durch den Plattenrand: Die Frostschürze reicht bis unter die Frostgrenze

An seine Stelle kann eine Dämmung unter und seitlich der Platte treten, etwa aus XPS oder Schaumglasschotter. Sie hält die aus dem Gebäude abfließende Wärme im Boden und diesen damit frostfrei. Das setzt ein beheiztes Gebäude voraus; bei Garagen und unbeheizten Nebengebäuden bleibt es bei der Schürze.

Dämmung statt Schürze: Die Platte bleibt über der FrostgrenzeDämmung statt Schürze: Die Platte bleibt über der Frostgrenze

Häufige Probleme: fehlende oder zu seichte Schürze, in der Folge Frosthebung und Risse an den Plattenrändern, besonders an den Gebäudeecken; Wärmebrücke, wenn der Betonbalken außen nicht gedämmt ist.

Siehe auch: Bodenplatte, Frosttiefe, Fundament, Perimeterdämmung.

Frosttiefe#

Tiefe, bis zu der der Boden im Winter gefriert. Die Fundamentsohle muss darunter liegen (frostfreie Gründung): Gefriert frostempfindlicher Boden — Schluff, Ton, Lehm, Löss (Bodenart) — unter dem Fundament, bilden sich Eislinsen1, die den Bauteil anheben; beim Tauen sackt er wieder ab. Lehmfreie Kiese und Sande gelten als frostsicher.

In Österreich liegt die frostfreie Tiefe meist bei 0,8 bis 1,2 m, in Höhenlagen darüber.

Häufigstes Problem: Fundamentsohle zu seicht, in der Folge Frosthebung und Risse.

Siehe auch: Frostschürze, Fundament, Gründung.

  1. Die Hebung rührt nicht daher, dass Wasser beim Gefrieren um rund 9 % an Volumen zunimmt — das allein bliebe bescheiden. Die Frostgrenze saugt vielmehr laufend Wasser aus dem ungefrorenen Boden darunter an, das zu immer dickeren Eisschichten gefriert. Das gelingt nur in feinkörnigem Boden, der Wasser kapillar nachliefert; daher der Unterschied zwischen frostempfindlichen und frostsicheren Böden. ↩

Fugenband#

Dichtungselement, das die Arbeits- und Dehnfugen zwischen zwei Betonierabschnitten wasserdicht hält. Fugenbänder werden beim Betonieren mittig in die Fuge eingelegt oder eingegossen und wirken dadurch, dass sie den Weg des Wassers durch die Fuge verlängern. Übliche Bauarten sind Bänder aus Elastomer oder PVC, Bleche mit Beschichtung sowie Quellbänder aus Bentonit, die bei Nässe aufquellen und die Fuge schließen.

Häufigstes Problem: Undichtheit an Stößen und Kreuzungen der Bänder sowie Verschiebung des Bandes beim Betonieren.

Siehe auch: Weiße Wanne, Braune Wanne, Dichtung, Ortbeton.

Fundament#

Jener Bauteil, der die Lasten eines Bauwerks — Eigengewicht, Nutzlast, Schnee, Wind — in den Baugrund abgibt. Er vergrößert die Aufstandsfläche von Wänden und Stützen so weit, dass der Sohldruck unter dem bleibt, was der Boden aufnimmt.

Nach der Form unterscheidet man drei Arten:

Art Lage typischer Einsatz
Einzelfundament (Punktfundament) unter einer einzelnen Stütze, als Block Skelett- und Hallenbau, Carport, Wintergarten, Tor- und Zaunsäulen; für Fertigteilstützen als Köcherfundament1
Streifenfundament durchlaufend unter tragenden Wänden Mauerwerksbau, klassisches Einfamilienhaus mit Keller, Garten- und Stützmauern
Plattenfundament (Fundamentplatte) unter der gesamten Grundfläche des Bauwerks wenig tragfähiger oder wechselnder Baugrund, Grundwasser, Weiße Wanne; häufig beim nicht unterkellerten Haus

Die Platte verteilt die Last am gleichmäßigsten und überbrückt örtliche Schwachstellen im Boden; Einzel- und Streifenfundamente sind sparsamer, reagieren aber empfindlicher auf Unterschiede im Baugrund. Zur Abgrenzung der Fundamentplatte von der bloßen Fußbodenplatte siehe Bodenplatte.

Gebaut wird aus Beton, bei geringer Last unbewehrt, sonst bewehrt2 (Baustoffkennwerte › Beton, Festigkeitsklassen). Altbauten stehen häufig auf Bruchstein- oder Ziegelmauerwerk, kaum breiter als die Wand darüber.

Das Fundament hat die Eigenart, dass es nach der Fertigstellung niemand mehr zu Gesicht bekommt; seine Mängel meldet die Fassade.

Häufige Probleme:

  • Setzungsunterschiede, in der Folge Risse;
  • Fundamentsohle über der Frosttiefe, in der Folge Frosthebung und Risse;
  • Ausführung abweichend vom Plan (Breite, Tiefe, Bewehrung) — nachträglich nur durch Aufgraben oder Kernbohrung feststellbar.

Siehe auch: Gründung, Sohldruck, Bodenplatte, Frostschürze, Fundamenterder, Stahlbeton.

  1. Einzelfundament mit einer Aussparung, in die die vorgefertigte Stütze eingestellt und anschließend vergossen wird. ↩

  2. Beton verträgt Druck gut, Zug aber nur etwa zu einem Zehntel. Die Zugkräfte übernehmen eingelegte Stäbe oder Matten aus Stahl, die Bewehrung (landläufig Armierung), siehe Armierungsstahl und Stahlbeton; Kennwerte unter Baustoffkennwerte › Bewehrungsstahl. ↩

Fundamenterder#

Umlaufender Band- oder Rundstahl, der beim Betonieren in das Fundament eingelegt wird und über den Beton mit dem Erdreich in Verbindung steht. Er bildet die Erdung der elektrischen Anlage (Schutz- und Potentialausgleich1) und die Erdungsanlage des Blitzschutzes. Eine herausgeführte Anschlussfahne verbindet ihn mit der Haupterdungsschiene im Gebäude.

Ist die Platte gegen das Erdreich abgedichtet oder zur Gänze gedämmt — Schwarze Wanne, unterseitige Dämmung aus XPS oder Schaumglasschotter —, fehlt dem Erder der Kontakt zum Boden. Dann ist ein Ringerder außerhalb der Abdichtung erforderlich; der Stahl im Beton dient nur mehr dem Potentialausgleich.

Nachträglich lässt sich ein Fundamenterder nicht mehr einbauen; fehlt er, bleibt nur ein Ringerder im Erdreich rund um das Gebäude.

Häufige Probleme: vergessen; nicht angeschlossen, weil die Anschlussfahne abgeschnitten oder eingeputzt wurde; Stöße nicht leitend verbunden; wirkungslos, weil die Platte gedämmt oder abgedichtet ist.

Siehe auch: Fundament, Bodenplatte, Haustechnik.

  1. Beim Potentialausgleich werden alle leitfähigen Teile eines Gebäudes — Wasser-, Gas- und Heizungsrohre, Schutzleiter, Blitzschutz — an der Haupterdungsschiene miteinander und mit dem Erder verbunden. Sie liegen dann auf demselben elektrischen Niveau: Wer im Fehlerfall zwei davon zugleich berührt, bekommt keinen Schlag, weil zwischen ihnen keine Spannung besteht. ↩

Fußbodenoberkante#

Höhe der fertigen Oberfläche eines Fußbodens, also samt Belag. Abgekürzt FOK oder FBOK, gleichbedeutend OKFF (Oberkante Fertigfußboden). Davon zu unterscheiden ist die Rohbauoberkante der Decke oder Bodenplatte, auf der der Fußbodenaufbau1 erst liegt.

Die FOK des Erdgeschoßes ist in den Plänen meist der Bezugspunkt aller Höhen und erhält die Kote ±0,00; Kellergeschoße liegen im Minus, Obergeschoße im Plus. Wo es darauf ankommt, wird dieser Punkt zusätzlich als absolute Höhe über der Adria angegeben2, etwa um ihn mit Gelände, Straße oder Kanal zu vergleichen.

Häufige Probleme: Aufbauhöhe falsch angesetzt, in der Folge Stufen an Türen, zu niedrige Brüstungen oder Fenster, und Balkontüren, die ohne Schwelle nicht mehr dicht werden; Rohbau- und Fertigmaß verwechselt; FOK des Erdgeschoßes zu tief unter Gelände oder Rückstauebene, in der Folge Wasser im Haus. Die Kote ±0,00 ist das einzige Maß am Bau, das per Definition stimmt — alle Fehler liegen in den anderen.

Siehe auch: Estrich, Beschüttung, Planmaß, Naturmaß, Traufenhöhe, Firsthöhe.

  1. Auf der Rohdecke liegen von unten nach oben meist Beschüttung oder Ausgleichsschicht, Trittschalldämmung, Estrich und Belag. Im Wohnbau ergibt das zusammen rund 10 bis 15 cm, mit Fußbodenheizung eher mehr. ↩

  2. In Österreich in Metern über der Adria (m ü. A.), bezogen auf den Pegel von Triest; siehe Grundbuch, Kataster und Vermessung › Koordinatensysteme. Beim Vergleich mit neueren Messungen ist auf das Bezugssystem zu achten. ↩

G#

Gaupe#

Aufbau auf einem geneigten Dach mit eigenem kleinem Dach und senkrechter Fensterwand; bundesdeutsch meist Gaube. Die Gaupe bringt Licht und Stehhöhe ins Dachgeschoß. Nach ihrem Dach unterscheidet man vor allem die Schleppgaupe, deren Dachfläche flacher als das Hauptdach abfällt, die Giebel- oder Satteldachgaupe, die Walmgaupe und die Flachdachgaupe. Wo die Gaupe sitzt, sind die Sparren unterbrochen und durch einen Wechsel abgefangen.

Häufige Probleme: Undichtheit an den seitlichen Anschlüssen und an der Kehle zum Hauptdach sowie an der Brüstung vor dem Fenster; Schleppgaupe mit einer Neigung, die für die gewählte Deckung zu flach ist; Wärmebrücken und Kondensat in den dünnen Seitenwänden; fehlender oder zu schwacher Wechsel.

Siehe auch: Satteldach, Mansardendach, Kehle, Wechsel, Dachstuhl.

Gründung#

Oberbegriff für die Art, in der ein Bauwerk seine Lasten in den Baugrund abgibt; in Österreich gleichbedeutend auch Fundierung. Während das Fundament der Bauteil ist, umfasst die Gründung das Zusammenwirken von Fundament und Baugrund — und damit die Frage, ob der Boden an der gewählten Stelle und in der gewählten Tiefe überhaupt trägt.

  • Flachgründung: Die Lasten gehen unmittelbar unter dem Bauwerk über Einzel-, Streifen- oder Plattenfundamente in eine oberflächennahe tragfähige Schicht. Der Regelfall im Hochbau.
  • Tiefgründung: Liegt die tragfähige Schicht zu tief, leiten Pfähle oder Schlitzwandelemente1 die Lasten nach unten (siehe Pfahlgründung).

Die Gründungssohle muss eine tragfähige Schicht erreichen — Humus, Anschüttungen und weiche Böden scheiden aus — und bei frostempfindlichem Boden unter der Frosttiefe liegen. Beides klärt das Baugrundgutachten.

Häufige Probleme:

  • angetroffener Baugrund weicht vom Gutachten oder von der Ausschreibung ab, in der Folge Mehrkosten und Bauzeitverlängerung;
  • Gründung ohne Baugrunderkundung;
  • Setzungsunterschiede, besonders an Anbauten;
  • fehlende oder mangelhafte Unterfangung bei Baugruben an der Grundgrenze.

Siehe auch: Fundament, Baugrundgutachten, Frosttiefe, Pfahlgründung, Setzung, Unterfangung, Spundwand, Bauablauf.

  1. Für eine Schlitzwand wird ein schmaler, tiefer Graben ausgehoben, den während des Aushubs eine Suspension aus Bentonit stützt — demselben Mineral wie bei der Braunen Wanne. Anschließend wird er von unten her ausbetoniert, wobei der Beton die Suspension verdrängt. Einzelne solche Abschnitte, als Tragelement eingesetzt, heißen Schlitzwandelemente oder Barretten. ↩

Gully#

Ablauf, über den Niederschlags- oder Schmutzwasser von einer Fläche in die Kanalisation gelangt — auf der Straße als Straßenablauf, im Hof als Hofablauf, im Keller oder in der Garage als Bodenablauf, auf dem Flachdach als Dachablauf oder Dachgully. Oben liegt ein Rost, darunter meist ein herausnehmbarer Schlammeimer, der Laub, Sand und Splitt zurückhält, oft auch ein Geruchverschluss1; angeschlossen ist der Gully an die Grundleitung aus KG-Rohren.

Ein Gully ist wartungsbedürftig. Er funktioniert nur, solange

  • der Rost frei ist,
  • der Schlammeimer geleert wird — je nach Laubanfall mehrmals im Jahr, im Herbst öfter —,
  • der Geruchverschluss Wasser führt: In selten benützten Kellerabläufen trocknet er aus, und aus dem Ablauf riecht es nach Kanal; Nachgießen genügt,
  • eine allenfalls eingebaute Rückstausicherung gängig ist.

Seine Wartungsbedürftigkeit pflegt sich beim ersten Starkregen nach Jahren der Vernachlässigung bemerkbar zu machen.

Häufige Probleme: verstopfter Schlammeimer oder Rost, in der Folge überfluteter Hof und Wasser im Keller oder in der Tiefgarage; verstopfter Dachablauf, in der Folge Wasser auf dem Flachdach, das über die Attika oder Anschlüsse eindringt; Ablauf unter der Rückstauebene ohne Rückstausicherung; falsches Gefälle der Fläche, sodass das Wasser den Gully nicht erreicht.

Siehe auch: Rigol, Regenfallrohr, Sickergrube, Hebeanlage, Rückstauebene, Dachrinne, KG-Rohr.

  1. Ein mit Wasser gefüllter Bogen oder Topf im Ablauf, durch den Abwasser abfließt, Kanalgase aber nicht aufsteigen können — im Prinzip derselbe Siphon wie unter dem Waschbecken. ↩

H#

Hausbock#

Käfer, dessen Larven verbautes Nadelholz von innen zerfressen, am liebsten im warmen Dachstuhl. Sie fressen mehrere Jahre im äußeren Holz und lassen dabei eine dünne Oberfläche stehen, sodass der Schaden verborgen bleibt, bis ovale Ausfluglöcher von einigen Millimetern bis etwa einem Zentimeter erscheinen. Ein Balken kann dann statisch bereits ausgehöhlt sein; wie weit, zeigt erst das Abklopfen, Anstechen oder Anbohren.

Frisches, helles Bohrmehl unter den Löchern zeigt, dass der Befall noch lebt. Bekämpft wird er chemisch oder im Heißluftverfahren, bei dem das Holz bis in den Kern auf über 55 °C erhitzt wird; befallene Querschnitte, die nicht mehr tragen, sind zu verstärken oder zu ersetzen.

Häufige Probleme: Befall erst beim Umbau entdeckt, Beginn kaum zu datieren; unter Verkleidungen unklar, wie weit er reicht.

Siehe auch: Nagekäfer, Hausschwamm, Dachstuhl, Tramdecke, Dippelbaumdecke.

Hausschwamm#

Der Echte Hausschwamm ist der gefährlichste holzzerstörende Pilz in Gebäuden1. Er befällt verbautes Holz, vor allem Nadelholz, und zersetzt dessen Zellulose. Zurück bleibt eine braune Masse, die in würfelige Stücke zerfällt und sich zwischen den Fingern zerreiben lässt (Braunfäule, Würfelbruch).

Zum Anwachsen braucht er feuchtes Holz, etwa nach einem Wasserschaden oder unter einem undichten Dach. Anders als andere Holzpilze kommt er danach auch ohne diese Quelle aus: Er bildet graue, bis bleistiftstarke Stränge, in denen er Wasser leitet, durchwächst damit Mauerfugen und Putz über Meter und befällt auch trockenes Holz. Sichtbar wird er oft erst an seinen Fruchtkörpern, flachen rostbraunen Belägen mit weißem Rand, die massenhaft rotbraunen Sporenstaub abgeben.

Die Sanierung ist entsprechend aufwendig: Feuchtequelle beseitigen, befallenes Holz samt einem Sicherheitsabstand von rund einem Meter über den sichtbaren Befall hinaus entfernen, Putz abschlagen und das Mauerwerk im Befallsbereich mit einem Schwammsperrmittel tränken.

Häufige Probleme: Befall verdeckt unter Fußböden, hinter Verkleidungen und in den Balkenköpfen von Tram- und Dippelbaumdecken, daher oft erst beim Umbau entdeckt; der Beginn des Befalls lässt sich kaum datieren; die Kosten liegen weit über dem zunächst sichtbaren Schaden; bei unvollständiger Sanierung kehrt er wieder.

Siehe auch: Wasser, Schwarzschimmel, Beschüttung, Lebensdauer von Bauteilen.

  1. Wissenschaftlich Serpula lacrymans, „der Weinende“, nach den Wassertropfen, die er an seiner Oberfläche ausscheidet. Der Eigentümer tut es ihm nach Vorlage des Sanierungsangebots meist gleich. ↩

Haustechnik#

Sammelbegriff für die Gewerke HKLS und Elektrotechnik. Auch als TGA (Technische Gebäudeausstattung) bezeichnet.

Hebeanlage#

Dabei handelt es sich um eine Pumpe, die typischerweise Schmutz- aber auch sonstiges Wasser aus Gebäudegeschoßen unter Bodenniveau hebt, damit diese in die höher gelegene Kanalisation eingeleitet werden können. Oft ist eine derartige Anlage in einem Pumpenschacht (gelegentlich auch als Pumpensumpf bezeichnet) untergebracht, der am tiefsten Punkt des Gebäudes, eventuell auch in einer Ausnehmung der Bodenplatte, angeordnet ist.

Hebeanlagen in durch eindringendes Oberflächen- oder Grundwasser gefährdeten Gebäuden, werden oft redundant (zwei Pumpen, zwei Steuerungsanlagen, unabhängige Stromversorgung und Absicherung) ausgeführt.

Häufigstes Problem: Fehlen, da nicht vorgesehen, Ausfall, in der Folge: Wasserschäden.

Siehe auch: Rückstauebene.

Hinterlüftung#

Luftschicht zwischen einer äußeren Bekleidung — Dachdeckung oder Fassadenplatten — und der dahinterliegenden Konstruktion, die unten und oben offen ist. Erwärmt sich die Bekleidung, steigt die Luft in der Schicht auf und zieht unten frische Luft nach, wie in einem Rauchfang. Die Strömung trocknet Regenwasser, das hinter die Bekleidung gelangt, und Feuchtigkeit, die aus dem Gebäude nach außen wandert; im Sommer führt sie Hitze ab, bevor sie die Dämmung erreicht.

Am Steildach entsteht die Hinterlüftung durch die Konterlattung1: Die Luft tritt an der Traufe ein und am First über die Firstentlüftung aus. An der Wand spricht man von einer vorgehängten hinterlüfteten Fassade, etwa aus Holzschalung, Faserzement- oder Natursteinplatten; sie ist die Alternative zum verputzten WDVS und im Holzriegelbau verbreitet.

Fachsprachlich wird unterschieden: Hinterlüftet ist die Bekleidung, belüftet ist eine Luftschicht unmittelbar über der Dämmung, wie beim Kaltdach.

Häufige Probleme: Zuluft- oder Abluftöffnungen verschlossen (zugeputzt, vermörtelt, von Dämmung oder Laub verlegt), in der Folge stehende Luft, Feuchte und Fäulnis an Lattung und Schalung; zu dünne Luftschicht; fehlende Insektengitter an den Öffnungen.2

Siehe auch: Kaltdach, Warmdach, Firstentlüftung, Dampfbremse, Taupunkt, Feuchte, Taupunkt und Schimmel.

  1. Latten, die auf dem Unterdach längs der Sparren verlaufen. Auf ihnen liegt quer die Traglattung, auf dieser die Deckung. Die Konterlattung hebt die Deckung um ihre eigene Stärke, meist einige Zentimeter, vom Unterdach ab und schafft so den Luftraum. ↩

  2. Wespen und Vögel schätzen eine offene Hinterlüftung als trockene, geschützte Wohnlage mit Zugang von außen; die Gitter sind keine Zierde. ↩

HKLS#

Abkürzung für Heizung, Klima, Lüftung und Sanitär. Umfasst im Wesentlichen die klassischen Gewerke des Installateurs, wobei in den letzten Jahren eine Spezialisierung bei den Heizungstechnikern, auch oder vor allem aufgrund der höheren Anforderungen an klimafreundliche Heizungsanlagen, zu beobachten ist.

Holzriegelbau#

Österreichische Bezeichnung für den Holzrahmenbau: Die tragenden Wände bestehen aus einem Gerüst senkrechter Steher und waagrechter Riegel aus KVH, meist in einem Abstand von 62,5 cm. Beidseitig beplankt, etwa mit OSB oder Gipsfaserplatten, bildet das Gerüst eine steife Wandscheibe; die Zwischenräume werden gedämmt. Die Wände werden heute meist im Werk als fertige Elemente vorgefertigt — das klassische Fertighaus ist ein Holzriegelbau.

Ein typischer Wandaufbau von innen nach außen: Innenverkleidung mit Installationsebene, Dampfbremse (oder verklebte OSB-Platte), Riegelwerk mit Dämmung, außen eine diffusionsoffene Platte aus Holzfaser, Fassade. Wie bei allen Holzbauten gilt: Holz verträgt vieles, nur keine dauernde Nässe. Entscheidend ist daher, dass die innere Schicht luftdicht ist und die Konstruktion nach außen austrocknen kann — geprüft wird das mit dem Blower-Door-Test.

Die Nutzungsdauer wird in der Bewertung mit 60 bis 80 Jahren angesetzt (Liegenschaftsbewertung › Sachwert).

Häufige Probleme: Feuchteschäden durch Undichtheiten in der luftdichten Ebene (Konvektion); während der Bauzeit durchnässte Elemente, die eingeschlossen werden — das Haus steht in wenigen Tagen, die dabei eingebaute Feuchte bleibt deutlich länger; Schallübertragung wegen der leichten Bauweise.

Siehe auch: KVH, OSB, Dampfbremse, Blower-Door-Test, Bautischler, Taupunkt.

HT-Rohr#

Kurz für: "Hochtemperatur-Rohr". Gelegentlich auch als "POLO-KALrohr" bezeichnet (Polokalrohr). Meist graue Plastikrohre mit einem Nenndurchmesser von 32 bis 160 mm. Sie dienen zur Ableitung von Abwasser bis zur Gebäudeaußenwand. Das Abwasser darf dabei Temperaturen von bis zu 95 °C haben. Daher rührt auch die Bezeichnung, da die Rohre sich auch bei hohen Temperaturen nicht verformen.

Anders als sonst üblich gibt der Nenndurchmesser bei diesen Rohren nicht den Innen- sondern den Außendurchmesser an, weswegen sie auch nicht beliebig mit anderen Rohren kombinierbar sind.

Siehe auch: KG-Rohre

I#

Isolierung#

Material, das elektrisch nicht leitet. Verhindert den Übertritt von Elektrizität, ist aber immer nur bis zu einer gewissen Spannung (Durchschlagsspannung) wirksam. Spielt in Bauverfahren eher selten ein Rolle, häufiger in Regressverfahren wegen Brandschäden.

Siehe auch: Dämmung, Dichtung

K#

Kaltdach#

Belüftetes, zweischaliges Dach: Zwischen der Dämmung und der wasserführenden Dachhaut liegt eine Luftschicht, die mit der Außenluft in Verbindung steht. Die Luft tritt unten an der Traufe ein, steigt unter der Dachhaut auf und verlässt das Dach oben über die Firstentlüftung. Sie führt Feuchtigkeit ab, die aus den Räumen in die Dämmung gelangt, und im Sommer einen Teil der Hitze. Das Gegenstück ist das Warmdach.1

Die klassische Form ist das Steildach über einem nicht ausgebauten Dachboden: Gedämmt ist die oberste Geschoßdecke, der ganze Dachraum darüber bleibt kalt und belüftet. Im ausgebauten Dach liegt die Dämmung zwischen den Sparren, und über ihr bleibt ein Luftraum zur Belüftung frei. Seltener ist das Kaltdach als Flachdach, meist in Holzbauweise, wo eine flache Luftschicht über die ganze Dachfläche durchströmt werden muss — was bei geringer Neigung nur mäßig gelingt.

Häufige Probleme: Zuluft- oder Abluftöffnungen verschlossen, etwa durch hochgezogene Dämmung, einen vermörtelten First oder verstopfte Insektengitter, in der Folge Tauwasser an der Unterseite der Dachhaut und Fäulnis an Schalung und Sparren; beim Dachgeschoßausbau die Belüftungsebene mit Dämmung zugestopft; eine fehlende oder undichte Dampfbremse, die mehr Feuchtigkeit in die Dämmung lässt, als die Luftschicht abführen kann.

Siehe auch: Warmdach, Hinterlüftung, Firstentlüftung, Dachstuhl, Taupunkt, Feuchte, Taupunkt und Schimmel.

  1. Die Namen beschreiben die Luftschicht unter der Dachhaut, nicht das Raumklima darunter: Unter einem gut gedämmten Kaltdach wohnt man so warm wie unter einem Warmdach. ↩

Kapillarität#

Aufsteigen von Wasser in feinen Poren und Spalten gegen die Schwerkraft. Das Wasser haftet an den Porenwänden und zieht sich an ihnen hoch, und zwar umso höher, je feiner die Poren sind: In Schluff und Ton (Bodenart) kann es mehrere Meter erreichen. Auf demselben Weg steigt Bodenfeuchte in Mauerwerk und Beton, wenn eine Abdichtung fehlt (aufsteigende Feuchtigkeit).

Grober Kies ohne Feinanteil hat dagegen so weite Hohlräume, dass der Aufstieg dort abreißt. Eine solche Schicht heißt kapillarbrechend; sie liegt als Rollierung unter der Bodenplatte. Die Kapillarität erklärt auch, warum feinkörnige Böden frostempfindlich sind: Sie liefern laufend Wasser an die Frostgrenze nach (Frosttiefe).

Häufige Probleme: kapillarbrechende Schicht mit zu viel Feinanteil oder nachträglich verschmutzt; fehlende oder schadhafte waagrechte Abdichtung im Altbaumauerwerk, in der Folge feuchte Sockelzonen, Salzausblühungen und abplatzender Putz.

Siehe auch: Rollierung, Schotter, Bodenplatte, Frosttiefe, Feuchte, Taupunkt und Schimmel.

Kappendecke#

Decke aus flachen Gewölben, den Kappen, die zwischen parallel verlegten Stahlträgern gespannt sind; in Österreich heißen diese Träger Traversen. Die Kappen sind meist als flacher Segmentbogen aus Ziegeln gemauert und stützen sich auf die unteren Flansche der Träger (Stahlprofil); spätere Ausführungen sind betoniert. Verbreitet war die Kappendecke von der zweiten Hälfte des 19. bis ins 20. Jahrhundert, vor allem über Kellern und im Erdgeschoß, in Stallungen, Waschküchen und Durchfahrten, also dort, wo es feucht war oder nicht brennen sollte.

Jede Kappe trägt wie ein Tonnengewölbe durch Druck und schiebt seitlich gegen die Träger. Zwischen zwei Kappen heben sich diese Schübe gegenseitig auf; in den Randfeldern nimmt ihn die Mauer als Widerlager auf oder ein Zuganker quer zu den Trägern. Die Zwickel über den Kappen sind mit Beschüttung gefüllt.

Häufige Probleme: Rost an den Trägern, vor allem im feuchten Keller; weil Rost mehr Raum einnimmt als der Stahl, sprengt er das anschließende Mauerwerk ab, erkennbar an Rissen und Abplatzungen entlang der Trägerunterseite; fehlende oder beim Umbau entfernte Zuganker in den Randfeldern; Durchbrüche in den Kappen und Punktlasten, die der flache Bogen nicht verträgt.

Siehe auch: Tonnengewölbe, Widerlager, Beschüttung, Stahlprofil.

Karbonatisierung#

Langsame Umwandlung des Betons durch das Kohlendioxid der Luft. Frischer Beton ist stark alkalisch, und in dieser Umgebung bildet sich auf dem Armierungsstahl eine dünne Schutzschicht, die ihn vor Rost bewahrt. Mit den Jahren dringt Kohlendioxid von der Oberfläche her ein und hebt die Alkalität auf. Erreicht diese Karbonatisierungsfront den Stahl, ist der Rostschutz dahin; rosten kann er dann, sobald Feuchtigkeit hinzukommt. Die Betondeckung ist also die Frist, die man dem Stahl einräumt.

Die Front kommt anfangs rasch, später immer langsamer voran, grob mit der Wurzel der Zeit: Für die doppelte Tiefe braucht sie die vierfache Zeit. Dichter Beton und eine ausreichende Deckung halten sie über die Nutzungsdauer vom Stahl fern. Festgestellt wird sie an einer frischen Bruchfläche, die mit einer Indikatorlösung (Phenolphthalein) besprüht wird: Alkalischer Beton färbt sich violett, karbonatisierter bleibt farblos. Dem Beton selbst schadet die Karbonatisierung nicht, unbewehrter Beton ist von ihr nicht betroffen. Die Normen tragen ihr mit den Expositionsklassen XC1 bis XC4 Rechnung (Baustoffkennwerte › Expositionsklassen).

Anders wirken Chloride aus Streusalz oder Meeresluft: Sie heben den Rostschutz auch in noch alkalischem Beton auf, und zwar örtlich statt flächig (Baustoffkennwerte › Expositionsklassen).

Häufige Probleme: zu geringe oder ungleichmäßige Betondeckung, in der Folge Rost und Abplatzungen an Balkonen, Attiken und Fassadenteilen; poröser Beton mit hohem Wasserzementwert, in dem die Front rascher vordringt.

Siehe auch: Betondeckung, Armierungsstahl, Stahlbeton, Rost/Korrosion.

Kehlbalken#

Waagrechter Balken, der die beiden Sparren eines Paares miteinander verbindet, meist in halber bis zwei Drittel Höhe des Dachs. Er steift das Sparrendreieck aus und verkürzt die Länge, über die sich die Sparren biegen können; ohne ihn kommt ein Sparrendach nur bei geringer Spannweite aus. Die Kehlbalken bilden zugleich den Boden des darüberliegenden Spitzbodens. Im Pfettendach übernimmt die Zange eine ähnliche Aufgabe; sie verbindet Sparren und Stuhlsäulen (Dachstuhl, Skizze).

Häufigstes Problem: beim Dachgeschoßausbau entfernt oder höher gesetzt, um Raumhöhe zu gewinnen, in der Folge durchhängende Sparren, eine sich durchbiegende Dachfläche und Risse in den Außenwänden unter dem Dach. Der Kehlbalken hängt dem Ausbauwilligen meist auf Stirnhöhe im Weg, was seiner Lebenserwartung nicht zuträglich ist.

Siehe auch: Dachstuhl, Sparren, Pfette.

Kehle#

Einspringende Kante, an der zwei geneigte Dachflächen in einem Innenwinkel zusammenstoßen — das Gegenstück zum Grat des Walmdachs. Kehlen entstehen bei winkelförmigen Grundrissen, an Anbauten und am Anschluss einer Gaupe. Ausgeführt wird die Kehle mit einem Kehlblech oder, bei Ziegel und Schiefer, mit eigens zugeschnittenen Deckelementen.

In der Kehle sammelt sich das Wasser beider Dachflächen. Zudem ist sie flacher geneigt als die Flächen, die sie verbindet; das Wasser fließt dort also langsamer, und mehr davon.

Häufige Probleme: Undichtheit durch ein zu schmales oder schlecht überlapptes Kehlblech; Laub und Schnee, die sich in der Kehle stauen, in der Folge Rückstau unter die Deckung; Korrosion des Kehlblechs.

Siehe auch: Walmdach, Gaupe, Ortgang, Traufe.

Kellerkatze#

Ostösterreichische Bezeichnung für den Pilz Zasmidium cellare, auch Kellerschimmel oder Kellertuch. Er überzieht in Wein- und Gewölbekellern Wände, Gewölbe, Rohre und Fässer mit einem schwarzgrauen, filzigen Belag, der an ein Fell erinnert, daher der Name. Er nährt sich von Alkohol und anderen flüchtigen Stoffen, die der lagernde Wein abgibt, und braucht hohe Luftfeuchte bei gleichbleibend kühler Temperatur. Winzern gilt er als Zeichen eines guten Kellers; dem Wein schadet er nicht. Gesundheitlich gilt er als unbedenklich, wenngleich er wie jeder Schimmel bei empfindlichen Menschen Allergien auslösen kann.

Kellerschimmel heißt umgangssprachlich allerdings auch jeder andere Schimmel im Keller. Der zeigt, anders als die Kellerkatze, zu viel Feuchte an: aufsteigende Nässe, eine undichte Kellerwand oder Tauwasser, wenn im Sommer warme Luft in den kühlen Keller gelüftet wird. Im Weinkeller ist die Kellerkatze willkommen, im Hobbykeller ein Befund.

Siehe auch: Schwarzschimmel, Taupunkt, Tonnengewölbe, Feuchte, Taupunkt und Schimmel.

Kerve#

Keilförmiger Einschnitt an der Unterseite eines Sparrens, mit dem er auf der Pfette aufsitzt. Die Kerve gibt dem Sparren eine ebene Auflagefläche und sichert ihn gegen Abrutschen; gegen das Abheben durch Windsog wird er zusätzlich mit Nägeln, Schrauben oder Winkeln befestigt.

Jede Kerve schwächt den Sparren genau an der Stelle, an der er aufliegt. Ihre Tiefe ist daher begrenzt, nach gängiger Regel auf etwa ein Viertel der Sparrenhöhe.

Häufige Probleme: zu tiefe Kerve, in der Folge ein Sparren, der von der Kerve aus aufreißt; ungenau geschnittene Kerve, sodass der Sparren nur auf einer Kante aufliegt; fehlende Befestigung gegen Abheben.

Siehe auch: Sparren, Pfette, Dachstuhl.

KG-Rohr#

Abkürzung für "Kanalgrundrohr". Diese meist bräunlich-orangen Rohre dienen der Ableitung von Abwasser außerhalb von Gebäuden. Sie sind im Erdreich verlegt und formstabiler als HT-Rohre, jedoch nur bis 65 °C wärmebeständig. Typische Nenndurchmesser reichen von 110 mm bis 600 mm.

Kiesnest#

Stelle im Beton, an der grobes Korn ohne ausreichend Zementleim dazwischen liegt: porös, rau, mit sichtbaren Hohlräumen. Sie entsteht, wenn der Beton nicht genug gerüttelt wurde, sich beim Einbringen aus großer Höhe entmischt hat oder Zementleim durch eine undichte Schalung ausgelaufen ist. Typische Stellen sind der Wandfuß, der Bereich unter Aussparungen und dicht bewehrte Zonen. Der Name klingt idyllischer als die Sache.

Ein Kiesnest lässt Wasser durch und schützt die Bewehrung nicht vor Rost. Oberflächliche Kiesnester lassen sich ausbessern, tiefe müssen ausgestemmt und neu verfüllt oder verpresst werden.

Häufigstes Problem: Undichtheit, besonders bei der Weißen Wanne.

Siehe auch: Ortbeton, Schalung, Stahlbeton.

Kilonewton#

Einheit der Kraft im Bauwesen, 1 kN = 1000 Newton (Kraft, Arbeit, Leistung und Energie). Zur Anschauung: 1 kN ist die Gewichtskraft von rund 100 kg, genau von 102 kg, weil die Erdbeschleunigung rund 9,81 m/s² beträgt (100 kg⋅9,81 m/s2=981 N100\ \mathrm{kg} \cdot 9{,}81\ \mathrm{m/s^2} = 981\ \mathrm{N}). Für den Überschlag ist der Unterschied bedeutungslos.

Mit derselben Faustregel lassen sich die abgeleiteten Angaben lesen:

  • kN/m² für Flächenlasten und Drücke: 2 kN/m² Nutzlast sind rund 200 kg je Quadratmeter; 200 kN/m², ein üblicher zulässiger Sohldruck, sind etwa 20 Tonnen je Quadratmeter oder 2 kg je Quadratzentimeter, ungefähr der Druck in einem Autoreifen.
  • kN/m für Streckenlasten, etwa die Last je Laufmeter Wand auf einem Fundament oder einem Balken.
  • kNm für Momente, siehe Statik › Kraft, Last und Moment.

Häufige Probleme: Kilogramm und Kilonewton vermengt, in der Folge Fehler um den Faktor 10; Flächen-, Strecken- und Einzellasten verwechselt.

Siehe auch: Statik, Sohldruck, Biegung.

Kniestock#

Teil der Außenwand, der über die oberste Geschoßdecke hinaus bis unter das Dach hochgeführt ist; bundesdeutsch Drempel. Auf seiner Krone liegt die Fußpfette (Pfette). Der Kniestock hebt das Dach an und schafft so im Dachgeschoß an den Außenwänden mehr Stehhöhe und nutzbare Fläche; ohne ihn setzt die Dachschräge unmittelbar auf dem Fußboden auf. Seine Höhe misst man meist von der Oberkante der Rohdecke bis dort, wo die Außenseite der Wand die Dachhaut schneidet; üblich sind einige Dezimeter bis über einen Meter.

Statisch ist er die heikle Stelle des Dachgeschoßes. Die Sparren drücken nicht nur nach unten, sondern auch nach außen; sitzt die Fußpfette auf einer hohen, oben freien Wand, biegt dieser Schub den Kniestock wie einen Kragarm nach außen. Aufgenommen wird er durch Zangen und Kehlbalken, die die Sparrenpaare zusammenhalten, durch einen bewehrten Kniestock mit Ringbalken aus Stahlbeton oder durch Stützen in der Wand.

Häufige Probleme: waagrechter Riss am Fuß des Kniestocks und Ausweichen der Wand nach außen, weil der Sparrenschub nicht aufgenommen ist, oft nach dem Entfernen von Zangen oder Kehlbalken beim Dachgeschoßausbau (Dachstuhl); nachträglich aufgemauerter Kniestock ohne statischen Nachweis; Wärmebrücke und Schimmel im Winkel zwischen Kniestock, Decke und Dachschräge.

Siehe auch: Dachstuhl, Pfette, Sparren, Traufenhöhe, Mansardendach.

Konvektion#

Transport von Wasserdampf mit strömender Luft. Wasserdampf gelangt auf zwei Wegen in ein Bauteil: durch Diffusion, bei der er langsam durch das Material selbst wandert (siehe Dampfdruck und sd-Wert), und durch Konvektion, bei der ihn die Luft durch Fugen und Undichtheiten mitnimmt. Der zweite Weg ist der weitaus ergiebigere: Eine einzige Fuge von einem Millimeter Breite lässt nach einer oft zitierten Untersuchung des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik ein Vielhundertfaches dessen durch, was durch einen Quadratmeter intakter Wand diffundiert.

Warme Raumluft trägt mehr Feuchte als kalte. Strömt sie im Winter durch eine undichte Stelle nach außen, kühlt sie in der Konstruktion ab und gibt unter dem Taupunkt Wasser ab, oft dort, wo es nicht austrocknen kann. Bei Leichtbauweisen wie dem Holzriegelbau kommt es daher weniger auf die Stärke der Dampfbremse an als darauf, dass sie lückenlos luftdicht verklebt ist; geprüft wird das mit dem Blower-Door-Test.

Häufige Probleme: Durchdringungen der luftdichten Ebene durch Steckdosen, Rohre und Kabel; unverklebte Stöße und Anschlüsse, besonders an Fenstern (Bautischler) und Dachflächen; Feuchteschäden, die erst nach Jahren hinter der Verkleidung sichtbar werden.

Siehe auch: Dampfbremse, Dampfdruck, Blower-Door-Test, Holzriegelbau, Feuchte, Taupunkt und Schimmel.

Krüppelwalmdach#

Satteldach, dessen Giebel oben von einem kleinen Walm abgeschnitten wird; auch Schopfwalmdach genannt. Die Giebelwand reicht damit nicht bis zum First, sondern endet auf einer niedrigeren Traufe.

Krüppelwalmdach: Der Giebel endet unter einem kleinen Walm.Krüppelwalmdach: Der Giebel endet unter einem kleinen Walm.

Die Form verbindet beide Vorteile: Der Giebel bleibt hoch genug für Fenster im Dachgeschoß, die windanfällige Giebelspitze aber fehlt.

Bauernhaus mit Krüppelwalmdach: Die verschalte Giebelwand endet unter dem kleinen Walm, an dessen Unterkante eine eigene Dachrinne verläuft. (KI-generiert)Bauernhaus mit Krüppelwalmdach: Die verschalte Giebelwand endet unter dem kleinen Walm, an dessen Unterkante eine eigene Dachrinne verläuft. (KI-generiert)

Krüppelwalmdach in zeitgemäßer Ausführung mit Blechdeckung; der Walm ist hier durch die dunkle Deckung über der hellen Giebelwand gut zu erkennen. (KI-generiert)Krüppelwalmdach in zeitgemäßer Ausführung mit Blechdeckung; der Walm ist hier durch die dunkle Deckung über der hellen Giebelwand gut zu erkennen. (KI-generiert)

Häufigstes Problem: Undichtheit an den Graten und an den Ecken des Krüppelwalms.

Siehe auch: Satteldach, Walmdach, Mansardendach, Mansardwalmdach, Pultdach, Flachdach, Dachstuhl.

Künette#

In Österreich gebräuchlich für einen Graben, in dem Leitungen verlegt werden — Kanal, Wasser, Gas, Strom. Ihre Breite richtet sich nach Rohrdurchmesser und Arbeitsraum. Die Leitung liegt auf einer Bettung aus Sand oder Feinkies; verfüllt wird lagenweise und verdichtet.

Ab 1,25 m Tiefe sind die Wände abzuböschen oder zu sichern (Pölzung), denn eine senkrechte Grabenwand hält nur, bis sie es nicht mehr tut.

Häufige Probleme: Setzungen über der verfüllten Künette, weil nicht lagenweise verdichtet wurde — die Einfahrt oder die Straße sinkt entlang der Leitung ein; Einsturz einer ungesicherten Künette; beschädigte fremde Leitungen beim Graben; Leitung ohne Bettung auf Steinen verlegt, in der Folge Bruch.

Siehe auch: Pölzung, KG-Rohr, Setzung, Spundwand.

Kunstharz#

Sammelname für synthetisch hergestellte Harze, im Bau vor allem Reaktionsharze aus zwei Komponenten, Harz und Härter, die nach dem Mischen zu einem festen Kunststoff aushärten. Die wichtigsten sind Epoxidharz (EP), Polyurethanharz (PUR), Acrylat- und Polyesterharz. Verwendet werden sie

  • zum Verpressen von Rissen und undichten Fugen, etwa bei einer Weißen Wanne (Injektion);
  • für Beschichtungen von Garagen-, Keller- und Industrieböden;
  • als Bindemittel in Kunstharzputzen, Klebern, Kunstharzestrich und Holzwerkstoffen wie OSB und MDF.

Beim Verpressen entscheidet die Wahl des Harzes: Epoxidharz verklebt die Rissflanken kraftschlüssig, braucht aber einen trockenen Riss; PUR-Harz schäumt mit Wasser auf und dichtet einen nassen Riss, ohne ihn kraftschlüssig zu schließen.

Häufige Probleme: falsches Injektionsharz, in der Folge ein Riss, der undicht bleibt oder wieder aufgeht; Beschichtung auf feuchtem Untergrund, in der Folge Blasen und Ablösungen; nicht ausgehärtetes Harz bei falschem Mischungsverhältnis oder zu tiefer Temperatur.

Siehe auch: Weiße Wanne, Rissbilder, Silikonharzputz, Estrich, PUR.

KVH#

Abkürzung für Konstruktionsvollholz: Bauholz aus Nadelholz, meist Fichte, das für tragende Zwecke aufbereitet ist. Es wird technisch auf eine Holzfeuchte1 von rund 15 % getrocknet, nach Festigkeit sortiert, gehobelt und durch Keilzinkung2 auf beliebige Länge gebracht. Die Bezeichnung war ursprünglich eine Marke deutscher Sägewerke und ist heute allgemein üblich.

Der Unterschied zum gewöhnlichen, sägerauen Bauholz liegt vor allem in der Trocknung: Getrocknetes Holz schwindet und verzieht sich nach dem Einbau kaum mehr, und Pilze und Insekten finden darin keine Lebensgrundlage — ein chemischer Holzschutz ist daher im Innenbereich meist entbehrlich. Werden größere Querschnitte gebraucht, als ein Stamm hergibt, greift man zum Brettschichtholz, das aus mehreren verleimten Brettlagen besteht.

Häufige Probleme: auf der Baustelle ungeschützt gelagert und wieder durchfeuchtet; frisches Bauholz geliefert oder eingebaut, wo KVH ausgeschrieben war; Trocknungsrisse, die bis zu einer gewissen Breite unbedenklich sind.

Siehe auch: Holzriegelbau, Brettschichtholz, Bautischler, Holzmaßumrechnung.

  1. Die Holzfeuchte ist das Gewicht des im Holz enthaltenen Wassers im Verhältnis zum Gewicht des völlig trockenen Holzes. Frisch geschlagenes Nadelholz kann mehr Wasser als Holz enthalten, also über 100 % aufweisen. Im beheizten Innenraum pendelt sich Holz bei rund 8 bis 12 % ein; was bis dahin an Wasser abgegeben wird, geht als Schwinden an Maß verloren. ↩

  2. Bei der Keilzinkung werden die Enden zweier Hölzer kammartig mit keilförmigen Zinken gefräst, ineinander gesteckt und verleimt. Die Verbindung trägt annähernd so viel wie das volle Holz. ↩

L#

Larssen#

Benannt nach ihrem Erfinder, dem norwegischen Baumeister Tryggve Larssen.

Siehe auch: Spundwand.

Leistungsverzeichnis#

Kurz LV, der Kern jeder Ausschreibung. Es zerlegt die Bauleistung in Positionen, jede mit Beschreibung, Menge, Einheit (m², m³, Stück) und einem Feld für den Einheitspreis. Die Mengen stammen aus der Massenermittlung nach Plan. In Österreich werden die Positionstexte meist aus den standardisierten Leistungsbeschreibungen1 übernommen, was die Angebote vergleichbar macht.

Beim Einheitspreisvertrag wird nach den tatsächlich ausgeführten Mengen abgerechnet, beim Pauschalvertrag zum vereinbarten Gesamtpreis.

Häufige Probleme: Die ausgeführten Mengen weichen von jenen des LV ab (Mehr- und Mindermengen); nötige Leistungen fehlen im LV und werden als Zusatzleistung nachverrechnet; auffällig niedrige oder hohe Einheitspreise bei Positionen mit falsch angesetzter Menge (Spekulationspreis2).

Siehe auch: ÖBA/örtliche Bauaufsicht.

  1. Vom Bund herausgegebene Sammlungen vorformulierter Positionen mit fester Nummer, getrennt nach Sachgebieten (etwa Hochbau, Haustechnik). Weil jeder Bieter denselben Text bepreist, lassen sich die Angebote Position für Position vergleichen. ↩

  2. Hält ein Bieter eine Menge im LV für zu hoch angesetzt, bietet er die Position billig an; hält er sie für zu niedrig, teuer. Abgerechnet wird aber nach den tatsächlichen Mengen, und dann zahlt der Bauherr den hohen Preis für die große Menge. Die Angebotssumme sinkt, die Schlussrechnung nicht. ↩

M#

Macadam#

Bauweise für Straßen- und Wegedecken aus mehreren Lagen gebrochenen Schotters, grob unten, fein oben, die einzeln eingewalzt werden, bis sich die kantigen Körner ineinander verzahnen. Benannt ist sie nach dem schottischen Ingenieur John Loudon McAdam (1756–1836), der die Methode zu Beginn des 19. Jahrhunderts entwickelte1: Statt auf schwere Steinfundamente setzte er auf einen trockenen, verdichteten Untergrund und eine wasserabweisend gewölbte Schotterdecke.

Nach dem Bindemittel unterscheidet man:

  • wassergebundenen Makadam: Die Hohlräume werden mit Feinanteil und Wasser eingeschlämmt; so heute noch als wassergebundene Wegedecke in Parks, Höfen und auf Forstwegen;
  • Teer- und Asphaltmakadam: Der Schotter wird mit Teer, später mit Bitumen gebunden oder vergossen. Aus tar macadam stammt das englische Tarmac.

Als Fahrbahn hat der heutige Asphalt den Makadam abgelöst; das Wort lebt in Ortsakten, alten Bauplänen und als Unterbau unter späteren Belägen weiter.

Häufige Probleme: Schlaglöcher und Spurrinnen in wassergebundenen Decken, wenn Wasser nicht abläuft oder Feinanteil ausgespült ist; teergebundene Altbeläge, die beim Aufbruch als gefährlicher Abfall zu entsorgen sind (Beschüttung); Setzungen bei zu schwachem oder nicht frostsicherem Unterbau.

Siehe auch: Schotter, Rollierung, Lebensdauer von Bauteilen.

  1. Zum Ingenieur wurde McAdam erst auf Umwegen. Als Kaufmann in New York zu Vermögen gekommen, kehrte er 1783 nach Schottland zurück, wurde Verwalter der Straßen seiner Grafschaft Ayrshire und erprobte seine Bauweise auf eigene Kosten; ab 1816 baute er als Straßeninspektor in Bristol, und seine Schriften machten das Verfahren rasch im ganzen Land bekannt. So rasch, dass das Englische schon in den 1820er-Jahren das Zeitwort to macadamize kannte und der Name mit kleinem Anfangsbuchstaben zur Sache wurde. Seine Regel für die Körnung war handfest: Kein Stein sollte mehr als sechs Unzen wiegen, rund 170 Gramm. Überliefert ist, dass die Aufseher dafür eine einfache Probe verwendeten: Was nicht in den Mund passte, war zu groß. ↩

Magerbeton#

Zementarmer Beton ohne statische Aufgabe, meist der Festigkeitsklasse C8/10 bis C12/15 (Baustoffkennwerte › Beton, Festigkeitsklassen). Er wird dort eingesetzt, wo Beton bloß füllen, ausgleichen oder eine ebene Unterlage schaffen soll: als Sauberkeitsschicht unter Bodenplatte und Fundament, als Unterbeton, zum Auffüllen von Hohlräumen und zur Bettung und Ummantelung von Leitungen in der Künette.

Häufigstes Problem: Magerbeton, wo ein tragender Beton höherer Festigkeitsklasse verlangt ist — erkennbar am Lieferschein, sofern man ihn neben die Ausschreibung legt.

Siehe auch: Beton, Sauberkeitsschicht, Zement.

Mansardendach#

Dachform, deren Dachflächen auf halber Höhe abknicken: unten steil, oft annähernd senkrecht, oben flach. Der Knick heißt Mansardknick, der flache obere Teil Oberdach. Die steilen Unterflächen schaffen fast die volle Stehhöhe eines Vollgeschoßes und tragen meist Gaupen; der so gewonnene Wohnraum, die Mansarde, gab dem Wort Dachzimmer seine zweite Bedeutung. Benannt ist das Dach nach dem französischen Baumeister François Mansart (1598–1666) und seinem Großneffen Jules Hardouin-Mansart, die es in Mode brachten; erfunden haben sie es nicht, Pierre Lescot hatte die Form schon im späten 16. Jahrhundert am Louvre verwendet. Mit Giebeln an den Stirnseiten ist es ein Mansardsatteldach, mit abgewalmten Stirnseiten ein Mansardwalmdach.

Mansardendach: Die Dachflächen knicken ab; unter dem Mansardknick steil, darüber flacher bis zum First.Mansardendach: Die Dachflächen knicken ab; unter dem Mansardknick steil, darüber flacher bis zum First.

Statisch ist der Knick die heikle Stelle: Die steilen Unterflächen drücken nach außen, ein Riegel oder Zangen in Knickhöhe halten sie zusammen und bilden zugleich die Decke der Mansarde.

Häufige Probleme: Undichtheit am Mansardknick, wo zwei Neigungen und oft zwei Deckungsarten aneinanderstoßen, und an den Gaupen; Schub der steilen Unterflächen auf die Außenwände, wenn Zangen oder Kehlbalken beim Ausbau entfernt werden (Dachstuhl); dünne, schlecht gedämmte Steilflächen mit Wärmebrücken und Kondensat.

Siehe auch: Mansardwalmdach, Satteldach, Walmdach, Krüppelwalmdach, Pultdach, Flachdach, Dachstuhl, Kniestock, Gaupe, Spengler.

Mansardwalmdach#

Verbindung von Mansardendach und Walmdach: Auch die Stirnseiten sind abgewalmt, und der Mansardknick läuft rundum in gleicher Höhe. Unter ihm fallen alle vier Dachflächen steil ab, darüber sitzt ein flacheres Walmdach mit kurzem First. Giebelwände gibt es daher keine; die Traufe umläuft das Haus wie beim Walmdach.

Mansardwalmdach: Der Mansardknick läuft rundum; darunter vier steile Dachflächen, darüber ein flacheres Walmdach.Mansardwalmdach: Der Mansardknick läuft rundum; darunter vier steile Dachflächen, darüber ein flacheres Walmdach.

Das Mansardgeschoß erhält so auch an den Stirnseiten steile Wände mit fast voller Stehhöhe, die wie die Längsseiten Gaupen tragen können. Die Form ist typisch für Schlösser, Palais und Amtsgebäude des Barock und des Neobarock und für gehobene Villen, im Wohnbau dagegen seltener als das Mansardsatteldach.

Häufige Probleme: wie beim Mansardendach, dazu Undichtheit an den Graten, wo am Mansardknick drei Dachflächen und zwei Neigungen zusammentreffen; aufwendige Verblechung der Grate und Knickpunkte (Spengler).

Siehe auch: Mansardendach, Walmdach, Krüppelwalmdach, Satteldach, Dachstuhl, Gaupe.

Massenermittlung#

Berechnung der Mengen einer Bauleistung — Kubikmeter Beton, Quadratmeter Putz, Laufmeter Rohr. Fachsprachlich heute Mengenermittlung; mit dem Gewicht haben die „Massen“ hier nichts zu tun.

Sie geschieht zweimal: vor der Ausschreibung aus den Plänen (Planmaß) für das Leistungsverzeichnis und nach der Ausführung für die Abrechnung, dann aus dem Aufmaß am Bau (Naturmaß) oder, wo vereinbart, weiterhin aus den Plänen. Wie zu rechnen ist, bestimmen die Abrechnungsregeln des Vertrags1; die Geometrie dahinter steht unter Flächenformeln (Planimetrie) und Körperformeln (Stereometrie).

Häufige Probleme: Aufmaß nicht gemeinsam genommen, und nachmessen lässt sich nichts mehr, weil verputzt oder zugeschüttet ist; doppelt gezählte Flächen und Rechenfehler; übersehene Abrechnungsregeln.

  1. Die Werkvertragsnormen der einzelnen Gewerke enthalten eigene Abrechnungsregeln, die vom geometrisch Richtigen abweichen können, etwa indem kleine Öffnungen in einer Wandfläche nicht abgezogen, also übermessen werden. Wer eine Abrechnung nachprüft, muss daher wissen, nach welchen Regeln abzurechnen war. ↩

MDF#

Abkürzung für mitteldichte Faserplatte. Holzwerkstoff aus zerfaserten Nadelholzspänen, die mit einem Bindemittel — meist Harnstoff-Formaldehyd-Harz — unter Druck und Hitze zu einer im Querschnitt gleichmäßigen Platte verpresst werden. Die Rohdichte liegt zwischen etwa 600 und 800 kg/m³. Weil die Platte keine erkennbare Faserrichtung und keine Hohlräume hat, lassen sich ihre Kanten fräsen, profilieren und unmittelbar lackieren; das unterscheidet sie von der Spanplatte und von OSB.

Eingesetzt wird MDF im trockenen Innenausbau: Möbel, Türblätter, Sockel- und Deckenleisten, Wandverkleidungen, Fensterbänke im Innenbereich. Für Räume mit zeitweise hoher Luftfeuchte gibt es die feuchtebeständige Variante MDF.H, die häufig grün durchgefärbt ist. Tragend im Sinne der Statik ist MDF nicht.

Häufigste Probleme: irreversibles Quellen und Aufwerfen der Platte bei Durchfeuchtung; Ausreißen von Schrauben in der Plattenebene, weil die Stirnseite wenig Halt bietet; Formaldehydabgabe bei Platten außerhalb der Emissionsklasse E1.

Siehe auch: OSB, Wasser.

N#

Nagekäfer#

Käfer, dessen Larven verbautes Holz von innen zerfressen; landläufig Holzwurm, ein Name, der eigentlich der Larve gilt. Er befällt Nadel- und Laubholz, Balken ebenso wie Dielen, Treppen und Möbel, bevorzugt etwas feuchteres Holz, etwa in ungeheizten Räumen und an Außenmauern, und frisst langsamer als der Hausbock. Zurück bleiben kreisrunde Ausfluglöcher von 1 bis 2 mm.

Frisches, helles Bohrmehl unter den Löchern zeigt, dass der Befall noch lebt; Löcher ohne Bohrmehl können längst erloschen sein. In trockenem, beheiztem Holz kommt er meist von selbst zum Erliegen.

Häufige Probleme: alte, erloschene Fraßgänge für frischen Befall gehalten oder umgekehrt; Befall in Balkenköpfen an feuchten Außenmauern.

Siehe auch: Hausbock, Hausschwamm, Tramdecke, Dippelbaumdecke.

Naturmaß#

Maß, das am Bau selbst genommen wird, im Unterschied zum Planmaß. Die beiden weichen regelmäßig voneinander ab — im Neubau um die zulässigen Bautoleranzen1, im Altbau oft erheblich. Was genau passen muss, wird deshalb nach Naturmaß gefertigt: Fenster, Türen, Geländer, Glas, Einbauküchen.

Häufige Probleme: nach Planmaß bestellt, passt nicht; Streit darüber, wer das Naturmaß hätte nehmen müssen.

Siehe auch: Massenermittlung, Bestandsplan.

  1. Kein Bauwerk entsteht millimetergenau. Normen legen fest, wie weit Längen, Winkel und Ebenheit vom Plan abweichen dürfen; die zulässige Abweichung wächst mit dem Maß und liegt bei Raummaßen von einigen Metern um ein bis zwei Zentimeter. Der Maschinenbau rechnet mit Tausendstelmillimetern (Passungen und Toleranzen), der Hochbau mit Zentimetern. ↩

O#

ÖBA#

Meist ein vom Bauherren und Bauausführendem verschiedener Dritter, der die Ausführung überwacht. Haftet im Zweifel zur ungeteilten Hand mit dem Ausführenden, wenn die Fehler bei regelmäßigen Kontrollen während des Baus für den Kontrollierenden erkennbar waren oder erkennbar hätten sein müssen.

Ortbeton#

Beton, der auf der Baustelle an seiner endgültigen Stelle in eine Schalung gegossen wird und dort erhärtet. Das Gegenstück ist das Fertigteil, das im Werk betoniert und fertig angeliefert wird. Dazwischen liegen die Halbfertigteile: dünne Betonschalen aus dem Werk — Elementdecke, Hohlwand —, die auf der Baustelle mit Ortbeton ausgefüllt werden und so zugleich als Schalung dienen.

Der Frischbeton kommt heute fast immer als Transportbeton im Fahrmischer aus dem Werk, wird über Pumpe oder Kübel eingebracht, mit dem Rüttler verdichtet und anschließend feucht gehalten (Nachbehandlung, siehe Zement). Welcher Beton geliefert wurde, weist der Lieferschein aus; er ist oft der einzige Beleg dafür, was tatsächlich eingebaut ist.

Ortbeton ergibt fugenlose Bauteile in beliebiger Form, ist aber von der Witterung und der Sorgfalt auf der Baustelle abhängig: Frost, Hitze und Wind setzen dem frischen Beton zu, und was beim Betonieren versäumt wird, lässt sich danach kaum mehr gutmachen.

Häufige Probleme: Kiesnester durch mangelhaftes Verdichten; Betonieren bei Frost oder großer Hitze ohne Schutzmaßnahmen; fehlende Nachbehandlung, in der Folge Risse; undichte Arbeitsfugen zwischen zwei Betonierabschnitten (siehe Fugenband); Wasserzugabe auf der Baustelle; Lieferschein und Ausschreibung passen nicht zusammen.

Siehe auch: Schalung, Stahlbeton, Zement, Weiße Wanne.

Ortgang#

Seitlicher, schräger Rand der Dachfläche über dem Giebel, beim Satteldach und beim Pultdach. Abgeschlossen wird er mit eigenen Ortgangziegeln, einem Ortgangblech oder einem Brett, das die Dachschichten seitlich verdeckt (Windbrett).

Wind saugt an den Rändern und Ecken eines Dachs am stärksten. Die Deckung muss am Ortgang daher zusätzlich befestigt werden, etwa mit Sturmklammern.

Häufige Probleme: vom Sturm abgehobene Ziegel; morsches Windbrett; Wasser, das hinter ein schlecht angeschlossenes Ortgangblech läuft; mit Mörtel verstrichener Ortgang, der reißt und abbröckelt.

Siehe auch: Traufe, Satteldach, Pultdach, Dachstuhl.

OSB#

Abkürzung für Oriented Strand Board, deutsch Grobspanplatte. Der Holzwerkstoff besteht aus langen, schlanken Spänen (strands) von 50 bis 150 mm Länge, die in drei bis fünf Lagen kreuzweise ausgerichtet und mit Klebstoff verpresst werden. Durch die Ausrichtung der Späne trägt die Platte in der Hauptrichtung deutlich mehr als eine Span- oder Faserplatte; die Rohdichte liegt bei etwa 600 kg/m³.

Die ÖNORM EN 300 unterscheidet vier Typen: OSB/1 (Innenausbau, nicht tragend), OSB/2 (tragend, Trockenbereich), OSB/3 (tragend, Feuchtbereich) und OSB/4 (hochbelastbar, Feuchtbereich). Im Holzrahmen- und Holzriegelbau ist OSB die übliche Beplankung, die zugleich die Aussteifung der Wandscheibe übernimmt; daneben dient sie als Dachschalung, Unterboden und Schalung.

Bauphysikalisch ist bemerkenswert, dass OSB selbst schon dampfbremsend wirkt: Je nach Dicke und Typ liegt der sd-Wert etwa zwischen 2 und 5 m. Eine raumseitig verklebte OSB-Beplankung kann daher die Dampfbremse ersetzen — vorausgesetzt, die Stöße sind tatsächlich luftdicht verklebt und der Nachweis für den Aufbau ist geführt.

Häufigste Probleme: Quellen und Aufdicken der Kanten bei Durchfeuchtung während der Bauzeit; Verwendung eines nicht feuchtebeständigen Typs an feuchtegefährdeter Stelle; nicht oder mangelhaft verklebte Plattenstöße, wodurch die geplante Luft- und Dampfdichtheit ausbleibt und in der Folge Tauwasser im Bauteil anfällt.

Siehe auch: Dampfbremse, sd-Wert, MDF, Taupunkt, Holzriegelbau, Blower-Door-Test.

P#

Parapet#

Unterhalb des Fensters liegender Mauerteil.

Häufigstes Problem: Feuchtigkeit durch Wassereintritt.

Siehe auch: Sohlbank

Perimeterdämmung#

Dämmung des aufgehenden Kellermauerwerks. Kann von der Bodenplatte bis zum Beginn der Fassade reichen. Diese Art der Dämmung kann bei jeder Art der Ausführung außen angebracht werden und dient der Wärmedämmung, nicht der Abdichtung. Häufig werden dafür Platten aus EPS oder, wegen der geringeren Wasseraufnahme, aus XPS eingesetzt.

Siehe auch: EPS, XPS, Dämmung, Baustoffkennwerte › Wärmeleitfähigkeit gängiger Schichten

Pfahlgründung#

Form der Tiefgründung: Pfähle leiten die Lasten durch nicht tragfähige Schichten in tiefer liegenden, tragfähigen Boden. Ein Pfahl trägt über den Druck an seinem Fuß (Spitzendruck) und über die Reibung entlang seines Schaftes (Mantelreibung). Bohrpfähle werden in einem vorgebohrten Loch betoniert, Ramm- oder Verdrängungspfähle drücken den Boden beim Einbringen seitlich weg. Bei Hochhäusern verbreitet ist die kombinierte Pfahl-Plattengründung, bei der Platte und Pfähle die Last gemeinsam abtragen.

Häufige Probleme: Erschütterungen beim Rammen, in der Folge Rissbildung an Gebäuden auf Nachbargrundstücken; zu kurze Pfähle, weil die tragfähige Schicht tiefer liegt als erkundet.

Siehe auch: Gründung, Baugrundgutachten, Spundwand.

Pfette#

Waagrechter Balken des Dachstuhls, der parallel zum First verläuft und die Sparren trägt. Nach der Lage unterscheidet man die Fußpfette auf der Mauerkrone der Außenwand oder des Kniestocks (auch Mauerbank), die Mittelpfette, die auf Stuhlsäulen ruht und mit schrägen Kopfbändern1 gegen Verschieben gesichert ist, und die Firstpfette unter dem First. Ein Dachstuhl, dessen Sparren auf Pfetten liegen, heißt Pfettendach; in Österreich ist er die Regel. Bei Hallen sind Pfetten oft Stahlprofile.

Statisch ist die Pfette ein Balken zwischen den Säulen (Statik): Je weiter diese auseinanderstehen, desto stärker biegt sie sich durch.

Häufige Probleme: beim Dachgeschoßausbau entfernte oder versetzte Stuhlsäulen, in der Folge durchhängende Pfetten und Dachflächen; Fäulnis und Hausschwamm an der Fußpfette, die auf feuchtem Mauerwerk liegt oder im kalten Winkel unter der Dachschräge Kondensat abbekommt; Fußpfette nicht im Mauerwerk verankert, in der Folge Sturmschäden.

Siehe auch: Dachstuhl, Sparren, Kerve, Kehlbalken, Statik.

  1. Kurze, schräg gestellte Hölzer zwischen Säule und Pfette, die mit beiden ein Dreieck bilden. Ein Rechteck aus Säule und Pfette ließe sich in Längsrichtung des Dachs wie ein Parallelogramm verschieben; das Dreieck nicht. Zugleich verkürzen die Kopfbänder die frei gespannte Länge der Pfette zwischen den Säulen. ↩

PIR#

Abkürzung für Polyisocyanurat-Hartschaum, eine Weiterentwicklung des PUR mit geänderter Rezeptur. Er dämmt ebenso gut, verträgt aber höhere Temperaturen und brennt schlechter: Im Feuer verkohlt die Oberfläche und schützt den Kern, statt zu schmelzen und abzutropfen. Bei Dämmplatten hat PIR den PUR daher weitgehend abgelöst; im Handel stehen beide oft gemeinsam als PUR/PIR.

Verwendet wird er als beidseitig kaschierte Platte — mit Aluminiumfolie oder Mineralvlies belegt — im Flachdach, als Aufsparrendämmung am Steildach und als Kern von Sandwichpaneelen im Hallenbau.

Häufige Probleme: offene Plattenstöße, weil die Platten nachschwinden, in der Folge Wärmebrücken; Baufeuchte, die zwischen alukaschierter Platte und Abdichtung eingeschlossen ist und nicht mehr austrocknen kann.

Siehe auch: PUR, EPS, Dämmung, Baustoffkennwerte › Wärmeleitfähigkeit gängiger Schichten.

Planmaß#

Maß, wie es im Plan steht, im Unterschied zum Naturmaß. Maßgeblich ist die eingeschriebene Maßzahl, die Kote1, nicht die Länge des Strichs auf dem Papier: Aus einem Plan wird nicht mit dem Lineal abgegriffen, weil Kopien und Ausdrucke den Maßstab verzerren. Zu beachten ist ferner, ob das Rohbaumaß (ohne Putz und Belag) oder das Fertigmaß gemeint ist.

Häufige Probleme: abgegriffen statt die Kote gelesen; Rohbau- und Fertigmaß verwechselt; Maßketten, deren Teile nicht die Gesamtlänge ergeben.

Siehe auch: Ausführungsplan, Massenermittlung, Fußbodenoberkante.

  1. Kote heißt in Österreich jede in den Plan eingeschriebene Maßzahl, besonders die Höhenangabe eines Punktes, etwa ±0,00 für die Oberkante des Fertigfußbodens im Erdgeschoß. ↩

Planparie#

Ein vollständiger Satz aller Pläne eines Vorhabens, also eine Ausfertigung; Parie ist das österreichische Wort für eine gleichlautende Ausfertigung, vom lateinischen par, gleich. Das Baubewilligungsverfahren verlangt mehrere Parien: Eine bleibt bei der Behörde, eine erhält der Bauwerber mit dem Bewilligungsvermerk zurück, weitere gehen je nach Verfahren an andere Stellen.

Häufiges Problem: Die Parien weichen voneinander ab, etwa weil ein Austauschplan nicht in jede übernommen wurde. Maßgeblich ist die Parie mit dem Bewilligungsvermerk.

Siehe auch: Einreichplan.

Polokalrohr#

Umgangssprachlich für HT-Rohr; der Name geht auf ein Markenprodukt zurück.

Pölzung#

In Österreich gebräuchlich für das Abstützen von Bauteilen und Erdreich. Das Wort steht für drei Dinge:

  • die Sicherung der Wände einer Künette oder Baugrube gegen Einsturz, mit Holzbohlen und Spreizen, mit Verbauplatten oder, bei tiefen Baugruben, mit Spundwänden (Larssen);
  • die Stützen unter einer Deckenschalung, die den frischen Beton tragen, bis er selbst trägt (Schalung);
  • das Abstützen schadhafter oder einsturzgefährdeter Bauteile, etwa nach einem Brand oder während einer Unterfangung.

Häufige Probleme: fehlende Pölzung in Künetten über 1,25 m Tiefe; zu früh entfernte Deckenstützen, in der Folge Durchbiegung und Risse; beim Verfüllen gezogene Pölzung ohne lagenweise Verdichtung, in der Folge Setzungen.

Siehe auch: Künette, Schalung, Spundwand, Unterfangung.

Pultdach#

Dachform mit nur einer geneigten Dachfläche zwischen einer hohen und einer niedrigen Außenwand. Die obere Kante heißt auch hier First, die untere Traufe, die seitlichen Ortgang. Üblich bei Anbauten, Garagen und Nebengebäuden, die sich an eine Wand lehnen, zunehmend auch bei Wohnhäusern.

Pultdach: eine Dachfläche zwischen First und Traufe.Pultdach: eine Dachfläche zwischen First und Traufe.

Das ganze Dachwasser fließt zu einer Seite und damit in eine einzige Dachrinne. Bei geringer Neigung kommt das Pultdach dem Flachdach nahe und teilt dessen Probleme.

Häufige Probleme: Undichtheit am Anschluss des Firsts an eine aufgehende Wand (beim angelehnten Pultdach); überlaufende Dachrinne, weil sie für die gesamte Dachfläche zu klein bemessen ist; bei flacher Neigung eine Deckung, die für diese Neigung nicht zugelassen ist.

Siehe auch: Satteldach, Walmdach, Krüppelwalmdach, Mansardendach, Flachdach, Regenfallrohr, Dachstuhl.

PUR#

Abkürzung für Polyurethan-Hartschaum, einen geschlossenzelligen Kunststoffschaum. Seine Zellen sind mit einem Treibgas gefüllt, das die Wärme schlechter leitet als Luft; PUR erreicht daher dieselbe Dämmwirkung wie EPS mit rund einem Drittel weniger Dicke und wird dort eingesetzt, wo der Platz knapp ist. Im Brand entwickelt er dichten, giftigen Rauch; als Dämmplatte ist an seine Stelle großteils der PIR getreten.

Auf jeder Baustelle begegnet PUR als Montageschaum aus der Dose, mit dem Fenster und Türen in der Maueröffnung befestigt und die Fugen gefüllt werden. Der Schaum dämmt die Fuge, dichtet sie aber nicht: Luft- und schlagregendicht wird der Anschluss erst durch Dichtbänder oder Folien innen und außen. Montageschaum hält beinahe alles — und beinahe alles, was er hält, hätte man anders befestigen sollen.

Häufige Probleme: Fensteranschluss bloß ausgeschäumt, ohne Dichtbänder, in der Folge Zugluft und Feuchte in der Fuge (nachweisbar mit dem Blower-Door-Test); ungeschützter Schaum, der unter Sonnenlicht spröde wird und zerbröselt.

Siehe auch: PIR, Dichtung, Blower-Door-Test, Baustoffkennwerte › Wärmeleitfähigkeit gängiger Schichten.

Q#

Quellfugenband#

Fugenband aus einem Material, das bei Kontakt mit Wasser aufquillt — Bentonit1 oder quellfähiger Kunststoff. Es wird vor dem zweiten Betonierabschnitt auf den ersten aufgeklebt oder genagelt, statt wie ein gewöhnliches Fugenband mittig einbetoniert. Dringt später Wasser in die Fuge, quillt das Band auf und presst sich an den Beton.

Quellfugenbänder sind einfach zu verlegen, eignen sich aber nur für Arbeitsfugen, nicht für Bewegungsfugen. Sie brauchen eine ausreichende Betonüberdeckung nach beiden Seiten, sonst sprengt der Quelldruck den Beton ab.

Häufige Probleme: Band vor dem Betonieren durch Regen oder stehendes Wasser vorgequollen und damit wirkungslos; Band liegt nicht satt auf, in der Folge Wasser, das unter ihm durchläuft; zu nahe am Rand, in der Folge Abplatzungen; Stöße nicht überlappt.

Siehe auch: Fugenband, Arbeitsfuge, Weiße Wanne.

  1. Ein Tonmineral, das Wasser zwischen seine Schichten einlagert und dabei auf ein Vielfaches seines Volumens anschwillt. ↩

R#

Regenfallrohr#

Senkrechtes Rohr, das das Niederschlagswasser von der Dachrinne zum Boden ableitet — in die Grundleitung (KG-Rohr) und weiter zum Kanal oder zu einem Sickerschacht. Rinne und Fallrohr bestehen meist aus Titanzink, Kupfer, verzinktem Stahlblech oder Kunststoff; am Fuß sitzt oft ein Standrohr aus Guss oder Stahl, das Stöße aushält und eine Reinigungsöffnung oder einen Laubfang hat.

Häufige Probleme: verstopftes Rohr (Laub, Nester, im Winter Eis), in der Folge überlaufende Dachrinne und durchfeuchtete Fassade und Sockel; verstopftes Rohr, das bei Frost aufplatzt; undichter Anschluss an die Grundleitung, in der Folge Wasser, das an der Kelleraußenwand ansteht; Rohr, das frei am Gelände neben der Hausmauer endet, in der Folge ein nasser Keller; abgerissene Rohrschellen.

Siehe auch: Gully, Rigol, Sickergrube, Flachdach, Lebensdauer von Bauteilen.

Rigol#

In Österreich gebräuchlich für eine Entwässerungsrinne, die Oberflächenwasser sammelt und ableitet — meist als Kasten- oder Schlitzrinne mit Gitterrost vor Garagentoren, Hofeinfahrten und Terrassen- oder Balkontüren, daneben als flache, gepflasterte Mulde. Das Wasser fließt im Rinnenkörper mit Gefälle zu einem Einlaufkasten mit Sandfang und von dort in die Grundleitung, in einen Sickerschacht oder einen Gully.

Vor schwellenlosen Türen ist die Rinne Teil des Abdichtungskonzepts: Sie fängt das Wasser ab, das sonst über den niedrigen Anschluss in den Fußbodenaufbau liefe.

Nicht zu verwechseln mit der Rigole (bundesdeutsch), einem mit Kies oder Kunststoffkörpern gefüllten Graben, in dem Wasser versickert.

Häufige Probleme: verstopfte Rinne oder voller Sandfang — der Rigol ist wie der Gully zu warten —; zu geringes oder verkehrtes Gefälle; Rinne liegt zu hoch, sodass das Wasser an ihr vorbei zur Tür läuft; Rinne ohne Anschluss, die das Wasser bloß sammelt und vor Ort versickern lässt; Rost und Rinnenkörper unter Fahrzeuglast gebrochen (falsche Belastungsklasse).

Siehe auch: Gully, Regenfallrohr, Sickergrube, KG-Rohr.

Rollierung#

Kapillarbrechende Schicht aus grobem Kies oder Schotter ohne Feinanteil, meist 15 bis 30 cm stark, üblicherweise in der Körnung 16/321. Sie liegt unter einer Bodenplatte auf dem verdichteten Boden, unterbricht dort den Aufstieg der Bodenfeuchte und führt Sickerwasser ab; lagenweise verdichtet, dient sie zugleich als Tragschicht. Ihre Wirkung beruht auf dem, was ihr fehlt: dem Feinanteil. Den Namen hat sie von den früher händisch gesetzten Rollsteinen.

Darunter trennt meist ein Vlies (Geotextil) die Rollierung vom Boden, damit dieser nicht in die Hohlräume eingespült wird; darüber folgt eine Sauberkeitsschicht oder eine Folie, damit der frische Beton nicht in sie hineinläuft.

Häufige Probleme: Material mit zu viel Feinanteil oder nachträglich verschmutzt, in der Folge keine kapillarbrechende Wirkung und aufsteigende Feuchtigkeit; ungenügend verdichtet, in der Folge Setzungen und Risse in der Platte; mit einer Abdichtung verwechselt, deren Aufgabe sie nicht übernimmt — gegen drückendes Wasser hilft sie nicht.

Siehe auch: Bodenplatte, Sauberkeitsschicht, Schotter, Frosttiefe.

  1. Die Angabe nennt den kleinsten und den größten Korndurchmesser in Millimetern: 16/32 enthält nur Körner zwischen 16 und 32 mm. Weil die kleineren fehlen, bleiben zwischen den Körnern weite Hohlräume, in denen Wasser nicht kapillar aufsteigt. ↩

Rückstauebene#

Die Höhe, bis zu der das Wasser im öffentlichen Kanal bei Überlastung — vor allem bei Starkregen — ansteigen kann. Sofern die Gemeinde nichts anderes festlegt, ist das die Straßenoberkante an der Anschlussstelle. Jeder Ablauf, der tiefer liegt — Bodenablauf, Waschbecken, Dusche oder WC im Keller, Gully in einem Kellerabgang —, läuft bei Rückstau rückwärts: Das Kanalwasser drückt durch ihn ins Haus.

Davor schützen

  • ein Rückstauverschluss, eine Klappe, die sich gegen den Kanal schließt; solange sie geschlossen ist, kann aus dem Haus auch nichts abfließen, und sie muss gewartet werden;
  • eine Hebeanlage, die das Abwasser über eine Schleife oberhalb der Rückstauebene in den Kanal pumpt; sie wirkt auch, während der Kanal voll ist.

Häufige Probleme: Abläufe unter der Rückstauebene ohne Sicherung; nicht gewarteter, verklemmter Rückstauverschluss; Niederschlagswasser von Flächen unter der Rückstauebene (Kellerabgang, Garagenrampe), das ungesichert in den Kanal geleitet wird; Fußboden des Erdgeschoßes zu tief gelegt (Fußbodenoberkante).

Siehe auch: Anschlussplan, Hebeanlage, Gully, KG-Rohr.

S#

Sand#

Gesteinskörnung mit Korngrößen von 0,063 bis 2 mm; feiner ist Schluff, gröber Kies (Bodenart). Am Bau ist er Bestandteil von Beton, Mörtel, Putz und Estrich: Gemeinsam mit dem Kies bildet er das Gerüst, das der Zement verklebt. Daneben dient er als Bettung für Leitungen, Rohre und Pflaster.

Bausand muss sauber sein, also frei von Lehm, Humus und Salzen, die das Erhärten stören oder später an der Oberfläche ausblühen. Wüstensand taugt dagegen nicht: Der Wind hat seine Körner zu rund und zu gleich groß geschliffen, sie verzahnen sich nicht. Dass ausgerechnet Wüstenstaaten Bausand einführen, hat hier seinen Grund.

Als Baugrund trägt Sand gut, setzt sich rasch (siehe Setzung) und gilt ohne Lehmanteil als frostsicher (siehe Frosttiefe).

Häufigstes Problem: verunreinigter oder falsch gekörnter Sand, in der Folge mürber Mörtel oder Putz.

Siehe auch: Schotter, Zement, Stahlbeton, Ausgewählte Dichtewerte.

Satteldach#

Dachform aus zwei geneigten Dachflächen, die sich oben im First treffen. Die unteren, waagrechten Ränder heißen Traufe, die schrägen Ränder an den Stirnseiten Ortgang; darunter steht die dreieckige Giebelwand. Das Satteldach ist in Österreich die häufigste Dachform und jene, die Kinder zeichnen, wenn man sie um ein Haus bittet.

Satteldach: zwei Dachflächen, die sich im First treffen; an den Stirnseiten der Giebel.Satteldach: zwei Dachflächen, die sich im First treffen; an den Stirnseiten der Giebel.

Es ist einfach zu bauen, leitet Wasser und Schnee zuverlässig ab und lässt im Dachraum Platz für einen Ausbau, der durch Giebelfenster belichtet werden kann.

Häufige Probleme: Undichtheit an Anschlüssen (Kamin, Dachflächenfenster, Gaupen); Sturmschäden am Ortgang, wo der Wind die Deckung am leichtesten abhebt.

Siehe auch: Dachstuhl, Walmdach, Krüppelwalmdach, Mansardendach, Pultdach, Flachdach, Firsthöhe, Traufenhöhe.

Sauberkeitsschicht#

Dünne Schicht aus Magerbeton, meist 5 bis 10 cm stark, die vor dem Betonieren einer Bodenplatte oder eines Fundaments auf den ausgehobenen Boden aufgebracht wird. Sie trägt nichts und dichtet nichts; sie sorgt lediglich dafür, dass die Bewehrung auf einer ebenen Fläche liegt und nicht im Gatsch. Damit stehen die Abstandhalter sicher, die Betondeckung des Armierungsstahls bleibt auch an der Unterseite gewahrt, und der frische Beton vermischt sich nicht mit Erde. Üblich ist die Festigkeitsklasse C12/15 (Baustoffkennwerte › Beton, Festigkeitsklassen).

Häufige Probleme: weggelassen, in der Folge zu geringe Betondeckung an der Unterseite; mit einer Tragschicht oder Abdichtung verwechselt, deren Aufgaben sie nicht übernimmt.

Siehe auch: Bodenplatte, Fundament, Stahlbeton, Magerbeton.

Schalung#

Die Form, in die frischer Beton gegossen wird und die ihn hält, bis er selbst trägt. Sie besteht aus Brettern oder Schaltafeln aus Holz, im Hochbau meist aus wiederverwendbaren Systemen mit Rahmen aus Stahl oder Aluminium. Deckenschalungen stehen auf Stützen, in Österreich auch Pölzung genannt. Bleibt die Schalung im Bauwerk — etwa Schalsteine, Hohlwände oder Trapezbleche —, spricht man von verlorener Schalung.

Die Schalung muss dicht sein, damit kein Zementleim ausläuft, maßhaltig und vor allem standfest: Frischer Beton drückt wie eine schwere Flüssigkeit gegen die Wände1. Entfernt werden darf sie erst, wenn der Beton fest genug ist; wie lange das dauert, hängt von Zement, Bauteil und Temperatur ab — bei Kälte deutlich länger. Bei Sichtbeton bleibt der Abdruck der Schalung als Oberfläche sichtbar, weshalb dort Stöße, Ankerlöcher und Plattenbild eigens geplant werden.

Die Schalung ist damit ein Bauteil, das mit großer Sorgfalt errichtet wird, um es danach wieder abzutragen.

Häufige Probleme: zu frühes Ausschalen oder Entfernen der Stützen, in der Folge Durchbiegung und Risse; Ausbauchen oder Bersten der Schalung beim Betonieren; undichte Stöße, in der Folge Kiesnester und Fehlstellen; Maßabweichungen, die sich nach dem Ausschalen nicht mehr korrigieren lassen.

Siehe auch: Ortbeton, Stahlbeton, KVH.

  1. Solange er flüssig ist, übt Beton einen Druck aus wie Wasser, nur mit dem 2,4-fachen Gewicht. Am Fuß einer 3 m hohen Wand, die in einem Zug gefüllt wird, sind das rund 70 kN/m², also etwa sieben Tonnen je Quadratmeter Schalfläche. Deshalb wird hoch hinauf langsam oder in Lagen betoniert. ↩

Schotter#

Gebrochenes Gestein mit kantigen Körnern aus dem Steinbruch; feinere Körnungen heißen Splitt. Anders als der vom Wasser rund geschliffene Kies verzahnen sich die kantigen Körner beim Verdichten ineinander. Schotter dient deshalb als tragfähige Unterlage, als Tragschicht, unter Straßen, Pflaster, Bodenplatten und Gleisen.

Vorsicht bei der Wortwahl: In der Geologie und im österreichischen Sprachgebrauch heißen auch die rundkörnigen Ablagerungen der Flüsse Schotter (Donauschotter, Schottergrube). Was in Gutachten oder Lieferscheinen gemeint ist, ergibt sich daher erst aus dem Zusammenhang oder der Körnungsangabe.

Häufige Probleme: nicht ausreichend verdichtet, in der Folge Setzungen von Pflaster und Platten; zu viel Feinanteil, wodurch die Schicht frostempfindlich wird und nicht mehr kapillarbrechend wirkt.

Siehe auch: Macadam, Sand, Bodenplatte, Frosttiefe, Ausgewählte Dichtewerte.

Schwarzdeckung#

Abdichtung des Daches durch die Verwendung von Teerpappe und Teer oder eines dem entsprechenden modernen Materials. Hat den Namen von der Farbe des Teers. Bei Flachdächern wird das Kunststoffmaterial oft durch eine Kiesschüttung durch Witterungseinflüsse, hauptsächlich UV-Strahlung geschützt.

Häufigstes Problem: Undichtheit.

Schwarze Wanne#

Ausführungsart von unter dem Bodenniveau gelegenen Gebäudeteilen (Keller), bei der auf der Bodenplatte das aufgehende Mauerwerk konventionell errichtet wird (Ziegelmauerwerk, Ortbeton) und danach die Außenseite mittels Teerpappe und Teer (oder einem modernen Kunststoffäquivalent) gegen das Eindringen von Wasser abgedichtet wird. Es handelt sich um eine alte und verhältnismäßig günstige Ausführungsart.

Häufigstes Problem: Undichtheit.

Siehe auch: Weiße Wanne, Schwarzdeckung, Braune Wanne.

Schwarzschimmel#

Umgangssprachlich für dunkel gefärbten Schimmel in Wohnräumen, meist in Raumecken, an Fensterlaibungen, hinter Kästen und an Silikonfugen im Bad. Eine bestimmte Art ist damit nicht gemeint. Die dunklen Flecken stammen meist von Pilzen der Gattungen Cladosporium, Alternaria oder Aspergillus, an dauerhaft nassem Gipskarton oder Tapeten auch von Stachybotrys, der Giftstoffe bildet. Die Farbe sagt über die Gefährlichkeit wenig; die Art bestimmt erst das Labor an einer Probe.

Ursache ist fast immer Feuchte an der Bauteiloberfläche: an einer Wärmebrücke oder einer schlecht gedämmten Außenwand, durch zu hohe Raumluftfeuchte oder eingedrungenes Wasser. Schimmel wächst schon ab etwa 80 % relativer Feuchte an der Oberfläche, also lange bevor sich Tauwasser zeigt (Feuchte, Taupunkt und Schimmel › Die beiden Grenzen).

Abwischen oder Überstreichen beseitigt nur den sichtbaren Teil; das Geflecht sitzt im Putz oder in der Tapete. Befallene Schichten sind zu entfernen und die Ursache zu beheben, sonst kehrt der Schimmel wieder.

Häufigster Streitpunkt: Baumangel oder Wohnverhalten, also Wärmebrücke, Undichtheit oder Baufeuchte1 gegen zu wenig Lüften und Heizen oder Möbel an der Außenwand. Den Ausschlag geben Oberflächentemperatur und Raumklima; Rechner unter Feuchte, Taupunkt und Schimmel › Behelf: Oberflächentemperatur und Schimmelrisiko.

Siehe auch: Taupunkt, Wärmebrücke, Dampfbremse, Kellerkatze, Hausschwamm, Feuchte, Taupunkt und Schimmel.

  1. Ein Neubau gibt in den ersten ein bis zwei Heizperioden noch Wasser aus Beton, Mauerwerk, Putz und Estrich ab. In dieser Zeit ist die Raumluft feuchter, und es muss mehr gelüftet werden als später. ↩

Schwinden#

Verkürzung eines Baustoffs, der Wasser abgibt. Beton, Mörtel und Estrich verlieren beim Erhärten und Austrocknen Wasser und ziehen sich dabei um einige Zehntel Millimeter je Meter zusammen. Kann der Bauteil das nicht ungehindert, weil er am Untergrund haftet oder an Wände anschließt, reißt er (Schwindriss). Solche Risse sind meist fein, über ihre Länge annähernd gleich breit und für die Standsicherheit ohne Belang; sie zeigen sich in den ersten Wochen bis Monaten (Rissbilder).

Begrenzt wird das Schwinden durch Nachbehandlung, also den frischen Beton einige Tage feucht halten, durch Fugen, die eine Fläche in Felder teilen (Bewegungsfuge), und durch Bewehrung, die viele feine statt weniger breiter Risse erzwingt.

Auch Holz schwindet, solange es Wasser abgibt, bis es sich der Raumluft angeglichen hat (Holzfeuchte, siehe KVH), und zwar quer zur Faser weit stärker als längs. Anders als die Längenänderung durch Wärme (Dehnungsfuge) kehrt sich das Schwinden nicht um.

Häufige Probleme: zu große Felder, fehlende oder nicht durch alle Schichten geführte Fugen; unterlassene Nachbehandlung, besonders bei Hitze und Wind; Streit, ob ein Riss bloß vom Schwinden oder von einer Setzung herrührt.

Siehe auch: Bewegungsfuge, Estrich, Bodenplatte, Terrazzo, Rissbilder.

sd-Wert#

Der sd-Wert steht für die "wasserdampf-diffusionsäquivalente Luftschichtdicke" und wird in Meter angegeben. Er ist das Maß für den Widerstand, den eine Bauteilschicht wie die Dampfbremsfolie dem Durchgang von Wasserdampf entgegensetzt. Ein Wert von 1 m bedeutet daher, dass ein Bauteil denselben Widerstand wie eine 1 m dicke Luftschicht hat. Der Wert ist im Zusammenhang mit der Auslegung und dem Nachweis von Bauteilen relevant, die empfindlich auf Feuchtigkeit reagieren (etwa Holzdecken und -wände).

Siehe auch: Dampfbremse, Dampfdruck.

Senkgrube#

Flüssigkeitsdichter Behälter ohne Abfluss im Erdreich, der das häusliche Abwasser eines Gebäudes ohne Kanalanschluss sammelt. Ein Entsorgungsunternehmen pumpt ihn regelmäßig aus und bringt den Inhalt in eine Kläranlage. Anders als aus der Sickergrube darf aus einer Senkgrube nichts ins Erdreich gelangen1. Gebaut wird sie aus Stahlbeton, aus Betonfertigteilen oder als Kunststoffbehälter, mit Einstiegs- und Absaugöffnung und einer Entlüftung, die über Dach geführt wird.

Auf Dichtheit lässt schon die Abfuhr schließen: Eine Grube, die auffallend selten geleert werden muss, verliert ihren Inhalt ins Erdreich; eine, die zu rasch voll ist, nimmt Grund- oder Regenwasser auf.

Häufige Probleme: Undichtheit an Rissen, Rohrdurchführungen oder den Fugen zwischen Fertigteilringen; mürber Beton über dem Wasserspiegel durch Schwefelwasserstoff2; Aufschwimmen der geleerten Grube bei hohem Grundwasser; fehlende oder verstopfte Entlüftung, in der Folge Geruch; ein verbotener Überlauf in einen Sickerschacht.

Siehe auch: Sickergrube/Sickerschacht, KG-Rohr, Lebensdauer von Bauteilen.

  1. Davon zu unterscheiden ist die Kleinkläranlage. Sie sieht von außen ähnlich aus, reinigt das Abwasser aber biologisch und leitet es gereinigt in ein Gewässer oder in den Untergrund ab. Ausgepumpt wird bei ihr nur der Schlamm, und sie muss regelmäßig gewartet werden. ↩

  2. Faulendes Abwasser setzt Schwefelwasserstoff frei, erkennbar am Geruch nach faulen Eiern. An der feuchten Betonwand über dem Wasserspiegel wandeln Bakterien ihn in Schwefelsäure um, die den Zementstein zersetzt: Der Beton wird mürbe und sandet ab, bis die Bewehrung frei liegt. Unter dem Wasserspiegel tritt das nicht auf. ↩

Setzung#

Absinken eines Bauwerks, weil der Baugrund unter der Last zusammengedrückt wird. Jede Gründung setzt sich: Bei Sand und Kies tritt der größte Teil schon während des Bauens ein, bei Ton und Schluff zieht sich die Setzung über Jahre hin1.

Eine gleichmäßige Setzung ist unschädlich. Schäden entstehen aus Setzungsunterschieden2; maßgeblich ist die Winkelverdrehung. Typische Ursachen sind wechselnder Baugrund unter einem Gebäude, unterschiedliche Gründungsarten oder -tiefen unter einem Bauwerk, der Anbau an einen Altbau ohne durchgehende Trennfuge, eine Grundwasserabsenkung und das Austrocknen bindiger Böden, etwa durch Bäume in Hausnähe.

Häufigstes Problem: Setzungsrisse, siehe Rissbilder.

Siehe auch: Gründung, Baugrundgutachten, Unterfangung.

  1. Ton und Schluff haben winzige Poren. Unter Last muss das Porenwasser erst herausgepresst werden, ehe die Körner zusammenrücken können, und das dauert (Konsolidierung). Trocknen diese bindigen Böden aus, schrumpfen sie — daher die Setzungen durch Bäume in Hausnähe. ↩

  2. Das bekannteste Beispiel ist der Schiefe Turm von Pisa: Er neigt sich seit seiner Errichtung im 12. Jahrhundert, weil der weiche Untergrund auf einer Seite stärker nachgab. Zwischen 1990 und 2001 wurde die Neigung durch behutsames Entnehmen von Boden unter der Gegenseite verringert. Dass ein Setzungsschaden zur Sehenswürdigkeit wird, lässt sich auf ein Einfamilienhaus erfahrungsgemäß nicht übertragen. ↩

Sickergrube#

Schacht im Erdreich, aus dem Wasser in den Untergrund versickert. Er besteht meist aus übereinandergesetzten, gelochten Betonringen mit offener Sohle, umgeben und unterlegt von einer Kiespackung; daneben gibt es Schächte aus Kunststoff. Heute nimmt er nur Niederschlagswasser von Dach und befestigten Flächen auf (Bemessung nach ÖNORM B 2506-1). Früher wurde auch häusliches Abwasser in Sickergruben geleitet, oft als Überlauf einer Senkgrube. Das verunreinigt das Grundwasser und ist nicht mehr zulässig.

Ob der Schacht funktioniert, hängt vom Boden ab: Kies und Sand nehmen Wasser rasch auf, Lehm und Ton kaum1. Er braucht Abstand zum Gebäude, damit das versickernde Wasser nicht am Keller ansteht, und Abstand zum Grundwasser, damit das Wasser auf dem Weg dorthin gefiltert wird.

Häufige Probleme: Verschlammung, weil Feinteile aus Dachrinne und Hof Sohle und Kies zusetzen, bis der Schacht bei Starkregen überläuft (ein vorgeschalteter Absetzschacht und regelmäßiges Räumen verzögern das); zu klein bemessen; zu nahe am Gebäude, in der Folge ein nasser Keller; wirkungslos in undurchlässigem Boden.

Siehe auch: Senkgrube, Baugrundgutachten, Lebensdauer von Bauteilen.

  1. Gemessen wird das mit dem Durchlässigkeitsbeiwert kfk_f in m/s, der angibt, wie schnell Wasser durch den Boden sickert. Kies liegt bei etwa 10−210^{-2} bis 10−310^{-3}, Sand bei 10−310^{-3} bis 10−510^{-5}, Lehm und Ton bei 10−810^{-8} und darunter. Für eine Versickerung eignen sich Böden zwischen etwa 10−310^{-3} und 10−610^{-6} m/s; ist der Boden durchlässiger, erreicht das Wasser das Grundwasser ungefiltert. Ermittelt wird der Wert mit einem Sickerversuch vor Ort oder im Baugrundgutachten. ↩

Silikatputz#

Oberflächenputz, dessen Bindemittel Kaliwasserglas ist. Er geht mit dem mineralischen Untergrund eine chemische Verbindung ein (Verkieselung) und haftet dadurch nicht nur mechanisch — das setzt aber einen mineralischen, saugfähigen Untergrund voraus (Kalk-, Kalkzementputz, Beton). Auf Dispersions- oder Kunstharzputz haftet er nicht. Silikatputz ist stark alkalisch und dadurch von Haus aus wenig anfällig für Algen und Pilze, sehr diffusionsoffen und praktisch unbrennbar. Der Preis dafür ist geringe Elastizität: Er nimmt Bewegungen des Untergrundes kaum auf und reißt eher. Handelsüblich ist meist der Dispersionssilikatputz mit einem organischen Anteil bis 5 %, der die Verarbeitung erleichtert.

Häufige Probleme: Risse über Bewegungen im Untergrund; mangelnde Haftung auf organisch gebundenen Altbeschichtungen; Überstreichen mit Dispersionsfarbe, was den Diffusionsvorteil zunichte macht.

Siehe auch: Silikonharzputz, WDVS, sd-Wert, Baustoffkennwerte › Aufbau eines WDVS.

Silikon#

Dichtstoff aus Silikonkautschuk, der aus der Kartusche in die Fuge gespritzt wird und mit der Luftfeuchtigkeit zu einem dauerelastischen Gummi aushärtet. Er schließt Wartungs- und Dehnungsfugen im Sanitärbereich, an Fenstern und Anschlüssen. Essigvernetzendes Silikon riecht beim Aushärten nach Essig und greift manche Metalle und Natursteine an; für diese gibt es neutralvernetzende Sorten, für Naturstein solche, die keine Randflecken hinterlassen. Sanitärsilikon enthält Fungizide gegen Schimmel, die mit der Zeit ausgewaschen werden.

Silikon ist nicht überstreichbar und haftet nicht auf altem Silikon. Damit die Fuge sich dehnen kann, darf es nur an den beiden Fugenflanken haften1. Als Abdichtung eines Nassraums taugt es nicht, auch wenn es oft so eingesetzt wird; diese Aufgabe hat die Verbundabdichtung.

Häufige Probleme: Schimmel in der Fuge (siehe Schwarzschimmel); Abriss von einer Flanke; Dreiflankenhaftung, in der Folge Risse in der Fuge; Verfärbungen an Naturstein.

Nicht zu verwechseln mit dem Silikonharzputz.

Siehe auch: Wartungsfuge, Bewegungsfuge, Dichtung, Kunstharz.

  1. Haftet der Dichtstoff auch am Fugengrund (Dreiflankenhaftung), kann er sich bei einer Bewegung nicht frei dehnen und reißt. In tiefen Fugen verhindert das eine eingelegte Rundschnur aus Schaumstoff, in flachen ein Trennstreifen. ↩

Silikonharzputz#

Oberflächenputz mit Silikonharzemulsion als Bindemittel, meist in Kombination mit einer Kunstharzdispersion. Er verbindet zwei Eigenschaften, die sonst gegeneinander stehen: Die Oberfläche ist wasserabweisend, bleibt für Wasserdampf aber durchlässig. Fassadenwasser perlt ab und nimmt den Schmutz mit, während Feuchtigkeit aus dem Bauteil nach außen entweichen kann. Maßgeblich sind der Wasseraufnahmekoeffizient ww und die diffusionsäquivalente Luftschichtdicke sds_d; als schlagregendicht und zugleich diffusionsoffen gilt eine Beschichtung mit w≤0,5w \le 0{,}5 kg/(m²·h0,5), sd≤2s_d \le 2 m und w⋅sd<0,2w \cdot s_d \lt 0{,}2 kg/(m·h0,5). Er ist elastischer als Silikatputz und daher auf einem WDVS der Regelfall, aber teurer.

Häufige Probleme: Veralgung an nordseitigen und beschatteten Flächen — die dünne Dämmputzschicht kühlt nachts unter die Lufttemperatur ab und betaut, die eingebauten Biozide waschen sich binnen weniger Jahre aus; Vergrauung; unterschiedliche Struktur bei Ansätzen in mehreren Arbeitsgängen.

Siehe auch: Silikatputz, WDVS, Wärmebrücke, sd-Wert, Baustoffkennwerte › Aufbau eines WDVS.

Sohlbank#

Fachausdruck für Fensterbrett, darunter findet sich das Parapet.

Häufigstes Problem: Falsches Gefälle, dadurch Wassereintritt; Risse durch fehlende Dehnfugen zum WDVS.

Siehe auch: Parapet, Bautischler.

Sohldruck#

Die Pressung, die ein Fundament auf den Baugrund ausübt: Last durch Aufstandsfläche, σ=F/A\sigma = F / A, angegeben in kN/m². Er ist dem gegenüberzustellen, was der Boden aufnimmt, ohne seitlich auszuweichen (Grundbruch1) oder sich unverträglich zu setzen. Diesen Wert, früher zulässige Bodenpressung, nach Eurocode 7 Sohlwiderstand, gibt das Baugrundgutachten an.

Beispiel: Eine Wand, die je Laufmeter 150 kN abträgt, braucht auf einem Boden, der 200 kN/m² aufnimmt, ein Streifenfundament von mindestens 0,75 m Breite.

Häufigstes Problem: Der aufnehmbare Wert wurde ohne Baugrunderkundung angenommen, das Fundament ist zu schmal, in der Folge Setzungen.

Siehe auch: Fundament, Gründung.

  1. Beim Grundbruch weicht der Boden unter dem Fundament seitlich und nach oben aus, das Fundament sinkt ein und kippt. Anschauungsbeispiel ist das Getreidesilo von Transcona in Kanada, das sich 1913 bei der ersten Befüllung binnen eines Tages um rund 27° neigte; es wurde anschließend wieder aufgerichtet und weiter betrieben. ↩

Spannbetondecke#

Decke aus Spannbeton: Stahlbeton, dessen Stahleinlagen gespannt werden, bevor die Decke Last bekommt, und den Beton dadurch zusammendrücken1. Die Nutzlast baut zunächst nur diese Vorspannung ab, ehe im Beton Zug entsteht. Die Decke bleibt so weitgehend rissfrei, biegt sich weniger durch und überbrückt bei geringerer Stärke größere Spannweiten als eine gewöhnlich bewehrte.

Nach dem Ort der Vorspannung unterscheidet man:

  • Vorspannung im Werk: Die Spannstähle werden im Spannbett gespannt und einbetoniert; nach dem Erhärten löst man die Verankerung, und der Stahl gibt seine Spannung über die Haftung an den Beton ab. So entstehen Fertigteile, vor allem Spannbeton-Hohldielen mit durchlaufenden Hohlräumen, die Spannweiten von 15 m und mehr ohne Unterstellung überbrücken — in Hallen, Tiefgaragen und im Geschoßbau.
  • Vorspannung auf der Baustelle: Die Spannglieder liegen in Hüllrohren oder als gefettete Litzen in einer Kunststoffhülle im Ortbeton und werden gespannt, sobald dieser fest genug ist. Üblich bei weit gespannten Flachdecken ohne Unterzüge, bei Parkdecks und Tiefgaragen.

Häufige Probleme:

  • Bohrungen und Durchbrüche: Ein angebohrtes Spannglied lässt sich nicht wie ein Bewehrungsstab ersetzen und kann ein ganzes Deckenfeld schwächen. Vor jeder Kernbohrung sind die Spannglieder nach Plan und mit Ortungsgerät festzustellen; in Hohldielen darf nur nach Herstellerangabe gebohrt werden, meist im Bereich der Hohlräume.
  • Korrosion des Spannstahls, besonders durch Tausalz in Parkdecks; bei manchen älteren Spannstählen Spannungsrisskorrosion2, die ohne sichtbare Vorankündigung zum Bruch führen kann.
  • Ungleiche Überhöhung3 benachbarter Fertigteile, in der Folge Versätze an den Stößen, die Estrich oder Aufbeton ausgleichen müssen.

Siehe auch: Stahlbeton, Armierungsstahl, Fertigteil, Baustoffkennwerte › Beton, Festigkeitsklassen.

  1. Veranschaulichen lässt sich das Prinzip an einer Reihe Bücher: Presst man sie von beiden Enden fest zusammen, kann man sie waagrecht heben, ohne dass eines herausfällt. Der Druck hält zusammen, was für sich keinen Zug verträgt. Der Spannstahl ist dafür etwa dreimal so fest wie gewöhnlicher Bewehrungsstahl (Baustoffkennwerte › Bewehrungsstahl), der Beton meist von höherer Festigkeitsklasse. ↩

  2. Wasserstoff aus Korrosionsvorgängen dringt in den unter hoher Spannung stehenden Stahl ein und macht ihn spröde; im Inneren des Drahts wachsen Risse, bis er schlagartig bricht. Anfällig sind bestimmte Spannstähle aus den 1950er- bis 1970er-Jahren. Bekanntes Beispiel ist der Teileinsturz der Carolabrücke in Dresden im September 2024. ↩

  3. Die Vorspannung liegt im unteren Teil des Querschnitts und wölbt ein Fertigteil daher leicht nach oben. Wie stark, hängt von Alter und Lagerung des Teils ab; auch gleiche Teile fallen daher verschieden aus. ↩

Sparren#

Geneigter Balken des Dachstuhls, der von der Traufe zum First reicht und Lattung und Deckung trägt. Sparren liegen in Abständen von meist 70 bis 90 cm nebeneinander. Im Sparrendach tragen sie sich paarweise gegenseitig, ausgesteift durch den Kehlbalken; im Pfettendach liegen sie auf Pfetten auf, in die sie mit einer Kerbe, der Kerve, eingreifen. Über die Außenwand hinaus ragen sie als Dachvorsprung, der die Fassade vor Regen schützt1.

Zwischen den Sparren liegt im ausgebauten Dach die Wärmedämmung (Zwischensparrendämmung); auf der Raumseite braucht sie eine dichte Dampfbremse.

Häufige Probleme: Fäulnis am Sparrenkopf und am Sparrenfuß durch eine undichte Dachrinne oder Traufe; Sparren, die für ein Dachfenster oder einen Kamin ohne Auswechslung durchgeschnitten wurden; zu tiefe Kerven; Durchbiegung; Kondensat und Schimmel in der Zwischensparrendämmung bei undichter Dampfbremse.

Siehe auch: Dachstuhl, Pfette, Kehlbalken, Kerve, Wechsel, Hausschwamm, KVH, Statik.

  1. Statisch ist der Sparren mit Dachvorsprung ein Balken auf zwei Stützen mit überstehendem Ende, ein Kragarm; siehe Statik. ↩

Spengler#

Handwerker, der Bauteile aus Blech herstellt und einbaut — Titanzink, Kupfer, Aluminium, verzinkter und beschichteter Stahl. Bundesdeutsch heißt er meist Klempner; dort meint das Wort aber oft den Installateur, der in Österreich ein eigenes Gewerk ist.

Zum Spengler gehören vor allem die Dachentwässerung mit Dachrinne und Regenfallrohr, Blechdeckungen mit Stehfalz und Doppelstehfalz und die Verblechungen an allen Rändern und Anschlüssen: Traufblech an der Traufe, Ortgangblech am Ortgang, Kehlblech in der Kehle, die Abdeckung der Attika, Anschlüsse an Kamin, Dachflächenfenster und Gaupen, dazu Blechabdeckungen von Mauerkronen und Fensterbänken (Sohlbank).

Viele Streitfälle liegen an den Schnittstellen zu anderen Gewerken, weil der Spengler dort anschließt, wo Dachdecker, Zimmerer, Baumeister oder Fassadenbauer aufgehört haben. Wer den Fehler gemacht hat, ist am Wasserschaden selbst meist nicht abzulesen.

Häufige Probleme: undichte Anschlüsse an Kamin, Wand und Dachfenster; zu knapp bemessene Überdeckungen und Aufkantungen; Bleche ohne Spielraum für die Wärmedehnung, in der Folge Wellen, Risse und gelöste Lötnähte; Korrosion durch ungünstig kombinierte Metalle.1

Siehe auch: Stehfalz, Dachrinne, Kehle, Bautischler, Lebensdauer von Bauteilen.

  1. Wasser, das über Kupfer geronnen ist, führt gelöste Kupferteilchen mit und greift Zink, verzinkten Stahl und Aluminium darunter an (Kontaktkorrosion). Daher gilt die Fließregel: Das edlere Metall gehört in Fließrichtung des Wassers nach unten, nie nach oben. Eine Kupferrinne unter einem Zinkdach ist unbedenklich, die umgekehrte Anordnung eine Frage weniger Jahre. ↩

Spundwand#

Für Fälle, in denen Spundwände eine Rolle spielen, benötigt man meist einen Bodenmechaniker als Sachverständigen.

Häufige Probleme:

  • Beim Einrammen/-vibrieren/-pressen Rissbildung an Gebäuden auf Nachbargrundstücken;
  • Einbrechen der zu sichernden Baugrube, in der Folge Rissbildung an Gebäuden auf Nachbargrundstücken;
  • Änderungen des Grundwasserspiegels, in der Folge Rissbildung an Gebäuden auf Nachbargrundstücken;
  • Nachgeben des Erdreiches beim Ziehen, in der Folge Rissbildung an Gebäuden auf Nachbargrundstücken.

Siehe auch: Larssen, Unterfangung, Setzung.

Stahlbeton#

Verbundbaustoff aus Beton und eingelegtem Armierungsstahl. Beton — ein Gemisch aus Zement, Wasser, Sand und Kies — verträgt Druck gut, Zug aber nur etwa zu einem Zehntel. Wird ein Bauteil gebogen, etwa eine Decke unter Last, reißt er auf der gedehnten Seite. Dort liegt der Stahl und übernimmt den Zug. Dass beide zusammenarbeiten, verdankt sich zwei Umständen: Sie dehnen sich bei Wärme nahezu gleich stark aus (Werkstoffkennwerte Metall), und der Beton schützt den Stahl vor Rost.

Hergestellt wird Stahlbeton an Ort und Stelle in einer Schalung (Ortbeton) oder im Werk als Fertigteil. Decken, Stützen, Kellerwände, die Weiße Wanne und die meisten Fundamente sind aus Stahlbeton; Festigkeitsklassen unter Baustoffkennwerte › Beton, Festigkeitsklassen.

Feine Risse sind im Stahlbeton kein Mangel, sondern Teil der Bauweise: Der Stahl beginnt erst zu tragen, wenn der Beton um ihn herum gerissen ist. Beurteilt werden sie nach ihrer Breite, weil ein zu breiter Riss Wasser zum Stahl lässt (siehe Rissbilder).

Häufige Probleme: zu breite Risse; zu geringe Betondeckung, in der Folge Rost und Abplatzungen; Kiesnester durch mangelhaftes Verdichten; Bewehrung abweichend vom Plan.

Siehe auch: Armierungsstahl, Betondeckung, Zement, Ortbeton, Schalung, Fundament, Weiße Wanne.

Stahlprofil#

Gewalzter Träger aus Baustahl mit genormtem Querschnitt, umgangssprachlich Doppel-T-Träger. Die Bezeichnung besteht aus der Profilreihe und einer Zahl, die ungefähr die Höhe in Millimetern angibt:

  • IPE ist das schlanke I-Profil: doppelt so hoch wie breit, mit schmalen Flanschen. Es ist der typische Träger für Decken, Stürze und Unterzüge, weil es bei gleicher Tragkraft leichter ist als ein Breitflanschträger, dafür aber höher baut. Beim IPE 200 ist die Zahl die Höhe: 200 mm hoch, 100 mm breit.
  • HEA ist der Breitflanschträger: ungefähr so breit wie hoch. Er ist bei gleicher Höhe schwerer und tragfähiger und wird dort eingesetzt, wo wenig Bauhöhe zur Verfügung steht oder das Profil als Stütze auch seitlich steif sein muss. Beim HEA ist die Zahl nur die Reihe: Das HEA 200 ist 190 mm hoch und 200 mm breit. Neben der leichten Reihe A gibt es die schwerere Reihe HEB und die verstärkte HEM1.

IPE 200 und HEA 200 im selben Maßstab: Die waagrechten Teile heißen Flansche, das senkrechte Mittelstück Steg.IPE 200 und HEA 200 im selben Maßstab: Die waagrechten Teile heißen Flansche, das senkrechte Mittelstück Steg.

Die waagrechten Platten oben und unten heißen Flansche, das senkrechte Blech dazwischen Steg. Die Flansche tragen den Großteil der Biegung, der Steg hält sie auf Abstand. Das Profil wird daher stehend eingebaut, wie ein Buchstabe I; liegend, wie ein H, trägt es als Balken nur einen Bruchteil. Querschnittswerte und Rechner unter Statik › Querschnitt, Spannung und Verformung.

Häufige Probleme: Profil kleiner oder leichter als im Plan (Reihe A statt B ist von außen kaum zu erkennen, nur durch Messen von Flanschdicke und Höhe); fehlendes oder zu kurzes Auflager; Rost an eingemauerten Trägerenden.

Siehe auch: Baustahl, Statik, Werkstoffkennwerte Metall.

  1. In älteren Plänen stehen die deutschen Bezeichnungen nach DIN 1025: IPBl (I-Profil, breit, leicht) für HEA, IPB für HEB und IPBv (verstärkt) für HEM. In Altbauten findet sich zudem das I-Normalprofil (INP) mit innen geneigten Flanschen, das vor dem IPE üblich war. ↩

Stehfalz#

Längsnaht zwischen zwei Blechbahnen einer Dach- oder Fassadendeckung aus Metall. Die Ränder benachbarter Bahnen1 werden senkrecht aufgekantet, aneinandergelegt und gemeinsam umgebogen — gefalzt. Die Naht steht so einige Zentimeter über der Fläche, auf der das Wasser abläuft, und bildet die kennzeichnenden Längsrippen einer Blechdeckung. Ausgeführt wird sie vom Spengler, aus Titanzink, Kupfer, Aluminium, verzinktem oder beschichtetem Stahl.

Befestigt werden die Bahnen ohne Schrauben durch die Deckung: Kleine Blechlaschen, die Hafte, sind auf der Unterlage festgenagelt und werden in den Falz mit eingefalzt.2 Die Bahnen können sich darin bei Hitze und Kälte längen und kürzen.

Nach der Art des Umbiegens unterscheidet man den Winkelstehfalz, einmal um 90° umgelegt, für steile Dächer und Fassaden, und den dichteren Doppelstehfalz, der für die meisten Dächer die Regel ist.

Häufige Probleme: Wellen und ausgerissene Hafte, weil die Bahnen sich nicht frei längen können; Tauwasser an der Blechunterseite, wenn eine Trennlage oder die Hinterlüftung fehlt, in der Folge Fäulnis an der Holzschalung; beim Begehen eingedrückte Falze; Trommeln bei Regen und Hagel.3

Siehe auch: Doppelstehfalz, Kehle, Ortgang, Traufe, Kaltdach, Lebensdauer von Bauteilen.

  1. Fachsprachlich Scharen, meist um 50 cm breit. Sie werden heute in ganzer Länge von der Traufe bis zum First gefertigt, oft auf der Baustelle von der Rolle profiliert; wo sie gestoßen werden müssen, verbindet sie ein Querfalz. ↩

  2. Sogenannte Festhafte halten die Bahn in einem schmalen Bereich unverrückbar fest, die übrigen Schiebehafte lassen sie längs gleiten. Eine Bahn aus Titanzink von 10 m Länge ändert ihre Länge zwischen Winternacht und Sommernachmittag um rund zwei Zentimeter. ↩

  3. Eine Schalung unter dem Blech und eine strukturierte Trennlage dämpfen das Geräusch. Wer unter einem Blechdach schläft, erfährt vom Wetterumschwung jedenfalls vor dem Wetterbericht. ↩

Stuckaturschalung#

Untersicht der Holzdecken im Altbau. Unter die Träme oder Dippelbäume werden schmale Bretter mit Zwischenräumen genagelt, darauf Matten aus Schilfrohr (Rohrmatten) mit Draht befestigt. Am Rohr findet der Kalkputz Halt, der auf glatten Brettern allein nicht hielte. So entsteht eine ebene, verputzte Decke, die auch Stuck tragen kann. Holzwände wurden auf dieselbe Weise verputzt.

Ein Quadratmeter Deckenputz wiegt 30 bis 40 kg; eine großflächige Ablösung ist daher mehr als ein Schönheitsfehler.

Häufige Probleme: Der Putz löst sich in Flächen, weil Nägel rosten, Draht reißt oder das Rohr morsch wird, meist nach einem Wasserschaden, bei Erschütterungen durch Bauarbeiten in der Wohnung darüber oder schlicht mit dem Alter; hohler Klang beim Abklopfen zeigt die Ablösung an. Risse entlang der Brettstöße. Beim Bohren oder Stemmen für Leitungen bricht der Putz leicht großflächig aus. Saniert wird durch Abnehmen und Neuverputzen oder durch eine darunter abgehängte Decke aus Gipskarton.

Siehe auch: Dippelbaumdecke, Tramdecke.

Sturmklammer#

Metallklammer, die einen Dachziegel oder Dachstein an der Lattung festhält, damit ihn der Windsog nicht abhebt. Am stärksten saugt der Wind an Ortgang, First, Traufe und an den Ecken des Dachs; dort sind Klammern daher in der Regel nötig, bei hohen oder exponierten Gebäuden auch in der Fläche. Wie viele es braucht, ergibt sich aus der Windlast am Standort und den Verlegeregeln des Herstellers.

Häufigstes Problem: fehlende oder zu wenige Klammern, in der Folge eine nach Sturm teilweise abgedeckte Dachfläche. Ob der Sturm die Ziegel abheben konnte, hängt wesentlich davon ab, ob sie verklammert waren — eine Frage, die sich am abgedeckten Dach meist noch beantworten lässt.

Siehe auch: Ortgang, Traufe, Satteldach.

T#

Taupunkt#

Darunter versteht man jene Temperatur, bei der in der Luft enthaltener Wasserdampf beginnt zu kondensieren. Liegt der Taupunkt bei Außenwänden oder -decken innerhalb von porösen Bauteilen kann es in diesen zu einem Ansteigen der Bauteilfeuchte kommen, was je nach Material zu Feuchtigkeit und damit Pilz- oder Bakterienbefall führen kann. Die Lage des Taupunktes bei Konzeption eines WDVS sollte daher immer so gewählt werden, dass er innerhalb der Dämmschicht (etwa aus EPS) liegt.

Terrazzo#

Fußbodenbelag aus Zementmörtel mit eingestreutem Natursteinsplitt, meist Marmor, der nach dem Erhärten geschliffen und poliert wird; dabei treten die Körner als farbige Tupfen an die Oberfläche. Er wird an Ort und Stelle in Feldern gegossen, die Messing- oder Kunststoffstreifen gegen Schwindrisse trennen, oder als vorgefertigte Terrazzoplatten verlegt. Typisch für Stiegenhäuser, Gänge und Vorräume, in Österreich vor allem in Bauten der Zwischen- und Nachkriegszeit.

Er ist nahezu unverwüstlich; ein stumpfer Belag wird abgeschliffen und neu poliert statt ersetzt (Lebensdauer von Bauteilen: 50–80 Jahre).

Häufige Probleme: Risse, die der Bewegung des Untergrunds folgen, weil der starre Belag sie nicht aufnehmen kann; Ausbesserungen fallen auf, weil Körnung und Farbton des alten Belags kaum zu treffen sind.

Siehe auch: Estrich.

TGA#

Akronym für "Technische Gebäudeausstattung".

Siehe auch: Haustechnik.

Tonnengewölbe#

Die einfachste Form des Gewölbes: ein Bogen, der mit gleichbleibendem Querschnitt über die ganze Länge des Raumes fortgeführt wird, im Schnitt halbkreisförmig oder als flacherer Segmentbogen (Stichbogentonne). Es ruht auf zwei parallelen Mauern, den Widerlagern, und ist aus Ziegel oder Bruchstein gemauert, seit dem 20. Jahrhundert auch betoniert. Typisch ist es für Keller alter Häuser, die Presshäuser und Keller der Kellergassen im Weinviertel, Durchfahrten und Brücken.

Ein Gewölbe trägt allein durch Druck1. Es drückt dabei nicht nur nach unten, sondern auch seitlich nach außen (Gewölbeschub); je flacher der Bogen, desto stärker. Diesen Schub nehmen die Widerlager durch ihre Masse und die Auflast darüber auf, andernfalls Zuganker quer durch den Raum.

Häufige Probleme: Risse im Scheitel, der Länge nach, wenn ein Widerlager ausweicht — etwa durch Setzung, einen Durchbruch in der tragenden Mauer oder weil beim Umbau Auflast oder Anker entfernt wurden; einseitige oder punktförmige Lasten, etwa eine neue Stütze, die der Bogen nicht ohne Biegung aufnehmen kann; Durchfeuchtung und ausgewaschene Mörtelfugen im Keller.

Siehe auch: Widerlager, Kappendecke, Beschüttung, Dippelbaumdecke, Tramdecke, Unterfangung, Rissbilder.

  1. Stein, Ziegel und Mörtel vertragen Druck gut, Zug aber kaum; ein gerader Balken aus Mauerwerk risse unter Last an der Unterseite auf (Biegung). Der Bogen umgeht das: Seine Form lenkt die Last so, dass im ganzen Querschnitt Druck herrscht und jeder Stein den nächsten gegen das Widerlager presst. Deshalb kommt ein Gewölbe ohne Bewehrung aus, braucht aber Widerlager, die nicht ausweichen. ↩

Tramdecke#

Holzbalkendecke, deren Balken — in Österreich Träme, Einzahl der Tram — mit Abständen von etwa 70 bis 100 cm nebeneinander auf den Mauern aufliegen. Zwischen den Trämen liegt ein Sturzboden aus Brettern, der die Beschüttung trägt; darüber folgt auf Polsterhölzern der Fußboden, meist Schiffboden oder Parkett, darunter eine Stuckaturschalung mit Putz. Sie ist die übliche Geschoßdecke des Wiener Altbaus: darüber, unter dem Dachboden, häufig die Dippelbaumdecke, darunter im Keller ein Tonnengewölbe oder eine Kappendecke. Im heutigen Holzbau heißt die Bauweise schlicht Holzbalkendecke.

Als typisches Eigengewicht werden rund 150 kg/m² angesetzt, weniger als die Hälfte der Dippelbaumdecke. Sie spart also Holz und Gewicht, schwingt aber stärker und dämmt den Trittschall schlechter. Dass ein Altbauboden beim Gehen nachfedert, gilt Liebhabern als Charme und dem Statiker als Durchbiegung.

Häufige Probleme: Fäulnis und Hausschwamm an den Tramköpfen in der Außenmauer; Wasserschäden unter nachträglich eingebauten Bädern mit mangelhafter Abdichtung; Träme, die für Leitungen ausgeklinkt oder durchbohrt wurden; Befall durch Hausbock oder Nagekäfer; Durchbiegung, spürbare Schwingung und Trittschall. Morsche Tramköpfe werden meist mit Stahllaschen oder angeschraubten Holzprothesen ersetzt, statt den ganzen Tram zu tauschen.

Siehe auch: Dippelbaumdecke, Beschüttung, Stuckaturschalung, Kappendecke, Estrich, Lebensdauer von Bauteilen.

Traufe#

Unterer, waagrechter Rand der Dachfläche, an dem das Regenwasser in die Dachrinne abläuft. Die Seite eines Gebäudes, an der die Traufe liegt, heißt Traufseite, beim Satteldach die Längsseite. Gemessen an ihr wird die Traufenhöhe. Meist ragt die Traufe als Dachvorsprung über die Wand hinaus und schützt so die Fassade.

Häufige Probleme: undichter Anschluss von Deckung, Traufblech und Rinne, in der Folge Fäulnis an den Sparrenköpfen und der Fußpfette; Eisstau im Winter1; fehlendes Gitter gegen Vögel und Insekten unter der untersten Ziegelreihe.

Siehe auch: Ortgang, Dachrinne, Traufenhöhe, Traufgasse, Dachstuhl, Hinterlüftung.

  1. Wo das Dach schlecht gedämmt ist, schmilzt Schnee über dem warmen Dachraum, rinnt nach unten und gefriert an der kalten Traufe zu einem Eiswulst. Dahinter staut sich das Schmelzwasser und läuft unter die Deckung — ein Hinweis auf eine Wärmebrücke oder fehlende Dämmung. ↩

Traufenhöhe#

Höhe des tiefsten Punkt eines Daches über Bodenniveau.

Siehe auch: Traufe, Firsthöhe.

Traufgasse#

Schmaler, offener Zwischenraum zwischen zwei benachbarten Häusern, deren Satteldächer mit der Traufe zueinander stehen, regional auch Reihe oder Reiher, in Süddeutschland und der Schweiz Ehgraben. Die Dächer hatten keine Dachrinne: Das Regenwasser tropfte von beiden Traufen in die Gasse und lief dort am Boden ab, oft in einer gepflasterten Rinne zur Straße. Mancherorts nahm die Gasse auch Abwasser auf, und als Abstand zwischen den Häusern hemmte sie das Übergreifen eines Brandes.

Die Gasse ist meist gerade so breit, dass man sie zu Fuß begehen kann, häufig auch schmäler. Bei Neubauten gibt es sie praktisch nicht mehr: Die Dachrinne fängt das Wasser heute an der Traufe ab, und Häuser werden entweder aneinandergebaut oder halten einen Bauwich ein. In alten Ortskernen ist sie dagegen noch häufig, oft zugemauert, überdacht oder als Abstellfläche genützt.

Häufige Probleme: durchfeuchtete Wände und Fundamente zur Gasse hin, weil das Wasser nicht abläuft oder die Rinne am Boden verlegt ist; nachträglich überdachte oder verbaute Gassen ohne geordnete Entwässerung; kaum zugängliche Wandflächen, die über Jahrzehnte nicht instand gehalten wurden.

Siehe auch: Bauwich, Traufe, Dachrinne, Satteldach, Regenfallrohr.

Trennfuge#

Bewegungsfuge, die zwei Gebäude oder Gebäudeteile vollständig voneinander trennt, in der Regel einschließlich des Fundaments. Das Wort wird in zwei Zusammenhängen gebraucht:

  • statisch als Setzungsfuge zwischen Gebäudeteilen, die sich unterschiedlich setzen können — ein Anbau an einen Altbau, Teile mit verschiedener Gründung, Höhe oder Last. Jeder Teil darf sich dann für sich setzen, ohne den anderen mitzureißen;
  • akustisch als Gebäudetrennfuge zwischen Reihen- oder Doppelhäusern, deren Haustrennwand zweischalig ausgeführt ist. Die Fuge zwischen den Schalen unterbricht den Weg des Schalls.

Häufige Probleme: fehlende Trennfuge zwischen Alt- und Neubau, in der Folge Risse am Übergang (siehe Rissbilder); Fuge nicht durch das Fundament geführt; Mörtel- oder Betonreste in der Fuge, die eine Schallbrücke bilden und den Schallschutz zwischen Reihenhäusern zunichtemachen.

Siehe auch: Bewegungsfuge, Dehnungsfuge, Setzung, Unterfangung, Rissbilder.

Trittschall#

Schall, der beim Gehen, durch Stühlerücken oder fallende Gegenstände unmittelbar in eine Decke eingeleitet wird und sich als Körperschall durch das Bauwerk in die Räume darunter und daneben fortpflanzt. Anders als Luftschall, etwa Stimmen oder Musik, entsteht er im Bauteil selbst; eine dichtere Tür hilft gegen ihn daher nicht.

Gemindert wird er dort, wo er entsteht: durch einen schwimmenden Estrich auf einer Trittschalldämmung, der die Decke nicht berührt, und durch weiche Beläge wie Teppich. Gemessen wird der Schall, der im Raum darunter ankommt, als Standard-Trittschallpegel L'nT,w in Dezibel (Schall und Immissionen); anders als bei der Luftschalldämmung ist hier der kleinere Wert der bessere. Die Anforderungen zwischen Wohnungen legt die OIB-Richtlinie 5 fest.

Häufige Probleme: Schallbrücken, weil Estrich, Fliesensockel oder Leitungen Wand oder Rohdecke berühren; nachträglich verlegter harter Belag (Fliesen, Parkett statt Teppich) im Altbau; Holzbalkendecken wie die Tramdecke, die von Haus aus schlechter dämmen.

Siehe auch: Trittschalldämmung, Estrich, Tramdecke, Beschüttung.

Trittschalldämmung#

Weiche, federnde Dämmschicht unter einem schwimmenden Estrich, die verhindert, dass Schritte und Stöße als Körperschall (Trittschall) in die Rohdecke und von dort in die Räume darunter gelangen. Verwendet werden elastifizierte Platten aus EPS (Trittschallplatten, EPS-T), Mineralwolle oder Holzfaser, meist 2 bis 4 cm stark, dazu ein Randdämmstreifen an allen Wänden. Estrich und Dämmung wirken zusammen als Masse-Feder-System1; je weicher die Dämmung, desto besser die Wirkung2.

Häufige Probleme: Schallbrücken, weil der Estrich die Wand oder die Rohdecke doch berührt (siehe Estrich); gewöhnliche, zu steife Dämmplatten statt Trittschallplatten; Leitungen, die ohne Ausgleichsschicht auf der Rohdecke liegen und die Dämmung punktuell zusammendrücken, in der Folge Schallbrücken und Estrichrisse; zu weiche oder zu dicke Dämmung unter Fliesen, in der Folge Risse im Belag.

Siehe auch: Trittschall, Estrich, Fußbodenoberkante, Beschüttung, Tramdecke, EPS.

  1. Der schwere Estrich ist die Masse, die weiche Dämmung die Feder. Ein solches System gibt Schwingungen oberhalb seiner Eigenfrequenz nur stark abgeschwächt weiter — so wie ein gefedertes Auto die Stöße der Straße. ↩

  2. Gemessen wird das mit der dynamischen Steifigkeit s′s' in MN/m³: je kleiner, desto weicher und desto besser dämmt die Platte. Gewöhnliche EPS-Platten liegen weit über den Werten von Trittschallplatten. ↩

U#

U-Wert#

Der Wärmedurchgangskoeffizient gibt an, wie viel Wärme durch einen Quadratmeter eines Bauteils strömt, wenn innen und außen ein Grad Temperaturunterschied herrscht, in W/(m²K). Je kleiner der Wert, desto besser dämmt das Bauteil. Errechnet wird er aus Dicke und Wärmeleitfähigkeit der einzelnen Schichten (Baustoffkennwerte › Behelf: U-Wert aus dem Schichtaufbau); Werte typischer Bauteile unter Feuchte, Taupunkt und Schimmel › U-Werte typischer Bauteile.

Der U-Wert ist die Grundlage des Energieausweises und der Rechnung, was ein schlechter gedämmtes Bauteil an Heizkosten mehr verursacht (Baustoffkennwerte › Behelf: Wärmeverlust einer Fläche).

Häufigstes Problem: Der errechnete Wert gilt für die ungestörte Fläche; Wärmebrücken und Ausführungsmängel verschlechtern das tatsächliche Ergebnis.

Siehe auch: Dämmung, Energieausweis, Wärmebrücke.

Überlager#

In Österreich die übliche Bezeichnung für den Sturz: den waagrechten Bauteil über einer Fenster- oder Türöffnung, der das darüber liegende Mauerwerk samt anteiliger Deckenlast trägt und seitlich in die Wand ableitet. Statisch ist er meist ein Einfeldträger. Im Neubau üblich sind Ziegelüberlager, vorgefertigte Ziegelschalen mit bewehrtem Betonkern, und Überlager aus Stahlbeton, vorgefertigt oder mit der Decke betoniert; im Altbau finden sich Stahlträger, Holzbalken und gemauerte Bögen. Dem bundesdeutschen Namen Sturz soll er tunlichst nicht gerecht werden.

Flache Ziegelüberlager tragen für sich allein nur wenig. Erst mit dem darüber gemauerten Mauerwerk wirken sie als Träger: Der Überlager nimmt den Zug an der Unterseite auf, das Mauerwerk darüber den Druck (Biegung). Bis der Mörtel erhärtet ist, müssen sie daher unterstellt bleiben.

Häufige Probleme: zu kurzes Auflager, meist sind mindestens 12 cm je Seite gefordert, maßgeblich ist die Herstellerangabe; Unterstellung zu früh entfernt oder Übermauerung zu niedrig, in der Folge Durchbiegung und Risse über der Öffnung (Rissbilder); ungedämmter Stahlbetonüberlager in der Außenwand als Wärmebrücke, erkennbar an Schimmel in den oberen Ecken der Fensteröffnung.

Siehe auch: Parapet, Sohlbank, Stahlbeton, Wärmebrücke, Statik › Einfeldträger.

Umkehrdach#

Diese Form eines (meist) als Flachdach ausgeführten Warmdaches zeichnet sich dadurch aus, dass die Dichtebene nicht die oberste Dachschicht darstellt, die die darunter liegenden Bauteile vor Feuchtigkeit schützt, sondern die Dichtebene die unterste, auf der Tragkonstruktion angebrachte Schicht ist. Anders als bei einem konventionellen Dachaufbau, befindet sich die Dämmung in einem Bereich der nass oder feucht werden kann. Dadurch ergeben sich Vorteile bei der Errichtung und auch weniger thermische und mechanische Belastungen der Dichtebene, die unterhalb der Wärmedämmung und des darüber befindlichen Dachaufbaues liegt.

Häufigstes Problem: Undichtheit.

Siehe auch: Flachdach, Warmdach, XPS

Unterfangung#

Sicherung eines bestehenden Fundaments, wenn daneben tiefer ausgehoben wird, als dessen Gründung reicht. Das Fundament wird in kurzen, versetzt hergestellten Abschnitten bis unter die neue Aushubsohle verlängert, sodass nie eine längere Strecke ungestützt bleibt; alternativ wird der Boden darunter im Düsenstrahlverfahren1 verfestigt.

Häufige Probleme: fehlende Unterfangung oder zu lange Abschnitte bei Baugruben an der Grundgrenze, in der Folge Rissbildung an Gebäuden auf Nachbargrundstücken.

Siehe auch: Spundwand, Setzung, Gründung.

  1. Beim Düsenstrahlverfahren (in Österreich auch Hochdruckbodenvermörtelung, HDBV) schneidet ein Strahl aus Zementsuspension mit mehreren hundert bar den Boden rund um ein Bohrgestänge auf und vermischt ihn mit dem Zement. Beim langsamen Ziehen und Drehen entstehen im Boden Säulen aus einem betonähnlichen Gemisch, die sich auch unter bestehenden Fundamenten herstellen lassen. ↩

V#

Verbundabdichtung#

Abdichtung in Bädern und Duschen, die unmittelbar unter den Fliesen liegt und mit dem Fliesenkleber verbunden ist — daher im Verbund. Sie wird flüssig in mindestens zwei Lagen aufgestrichen (Dichtschlämme, Flüssigkunststoff) oder als Bahn verklebt. In Ecken, am Übergang von Wand zu Boden und an Wanne oder Duschtasse werden Dichtbänder eingelegt, an Rohrdurchführungen Manschetten; der Bodenablauf hat einen Flansch, an den die Abdichtung anschließt.

Die eigentliche Dichtebene des Nassraums ist sie, nicht die Fliese und nicht die Silikonfuge (Wartungsfuge); Fliesen und Fugenmörtel lassen Wasser durch.

Häufige Probleme: Abdichtung fehlt ganz oder nur im Duschbereich; zu dünn aufgetragen; Dichtbänder in Ecken und an der Wanne fehlen; undichter Anschluss an den Bodenablauf — in der Folge Wasser in Estrich und Wand, Schimmel und ein Wasserschaden in der Wohnung darunter, der sich oft erst Monate später zeigt. Ob der Estrich nass ist, lässt sich mit einer CM-Messung klären.

Siehe auch: Wartungsfuge, Silikon, Dichtung, Estrich, Gully.

W#

Walmdach#

Dachform, bei der auch die Stirnseiten geneigte Dachflächen haben, die Walme; das Dach fällt damit nach allen vier Seiten ab, und die Traufe läuft rundum in gleicher Höhe. Die schrägen Kanten zwischen Haupt- und Walmfläche heißen Grat. Bei quadratischem Grundriss schrumpft der First zu einem Punkt; das ist dann ein Zeltdach.

Walmdach: Dachflächen auf allen vier Seiten; die Stirnfläche heißt Walm, ihre Kanten Grat.Walmdach: Dachflächen auf allen vier Seiten; die Stirnfläche heißt Walm, ihre Kanten Grat.

Das Walmdach bietet dem Wind wenig Angriffsfläche und schützt alle Außenwände gleich. Dafür ist der Dachstuhl aufwendiger, der Dachraum kleiner, und Giebelfenster fehlen.

Häufigstes Problem: Undichtheit an den Graten.

Siehe auch: Satteldach, Krüppelwalmdach, Mansardwalmdach, Mansardendach, Pultdach, Flachdach, Dachstuhl, Kehle, Traufenhöhe.

Warmdach#

Unbelüftetes, einschaliges Dach: Die Schichten liegen ohne durchlüftete Luftschicht unmittelbar aufeinander. Beim Flachdach über einer Stahlbetondecke ist das die Regel — von unten nach oben Tragkonstruktion, Dampfbremse (hier meist eine dichte Dampfsperre), Dämmung und Abdichtung, etwa als Schwarzdeckung. Das Gegenstück ist das Kaltdach.

Weil keine Luft durchströmt, kann Feuchtigkeit, die in die Dämmung gelangt, kaum mehr entweichen. Das Warmdach verlangt daher eine lückenlose Dampfsperre auf der warmen und eine dichte Abdichtung auf der kalten Seite; beide schließen die Dämmung gleichsam ein. Eine Sonderform ist das Umkehrdach, bei dem die Abdichtung unter der Dämmung liegt.

Auch Steildächer werden heute oft als Warmdach gebaut: Die Dämmung füllt die Sparrenfelder ganz oder liegt über den Sparren, darüber folgt eine diffusionsoffene Unterdeckbahn.1

Häufige Probleme: kleine Undichtheiten der Abdichtung, durch die Wasser unbemerkt in die Dämmung gelangt und sich dort weit vom Leck entfernt ausbreitet2; undichte Dampfsperre an Durchdringungen und Anschlüssen, in der Folge Tauwasser in der Dämmung; durchnässte Dämmung, die kaum mehr dämmt.

Siehe auch: Kaltdach, Umkehrdach, Flachdach, Attika, Taupunkt, sd-Wert, Feuchte, Taupunkt und Schimmel.

  1. Die Ziegel oder Platten der Deckung liegen dann weiterhin auf Latten mit Hinterlüftung darunter. Belüftet wird aber nur die Deckung, nicht die Dämmung — deshalb zählt ein solches Dach zu den Warmdächern, auch wenn darin Luft strömt. Die Begriffe sind in diesem Punkt nicht ganz trennscharf. ↩

  2. Wo das Wasser von der Decke tropft, ist daher selten auch die Stelle, wo es eindringt. Die Suche nach dem Leck gehört zu den undankbareren Aufgaben des Bauwesens. ↩

Wärmebrücke#

Ziel bei der Auslegung und Ausführung einer Wärmedämmung an Gebäudeaußenwänden ist es nicht nur, den Energiedurchtritt möglichst gering zu halten, sondern auch den Taupunkt an eine Stelle der Wand zu verlegen, zu der entweder Wasserdampf keinen Zutritt hat, daher dort auch nicht kondensieren kann, oder allenfalls kondensierendes Wasser keinen Schaden anrichtet.

Eine Wärmebrücke ist eine Stelle im Dämmsystem, an der die Dämmung nicht oder nicht ausreichend wirksam ist, wodurch es zum unerwünschten Energiedurchtritt kommt. Gleichzeitig verschiebt sich dadurch auch der Taupunkt an Stellen des Gebäudes, an denen Wasserdampf kondensieren kann. Die Folge ist das Auftreten biogenen Befalles (vulgo Schimmelbildung).

Ursachen für Wärmebrücken können nicht sorgfältig ausgeführte WDVS sein (Hohlräume im Dämmmaterial, durchlaufende Befestigungsmittel), aber auch Auskragungen von Bauteilen, Eisenarmierungen in Bauteilen, Anschlussstellen von angrenzenden Bauelementen wie Fenstern und Türen.

Siehe auch: Dämmung, EPS, WDVS, U-Wert, Energieausweis, Blower-Door-Test, Schwarzschimmel, Baustoffkennwerte › Wärmeleitfähigkeit gängiger Schichten

Wartungsfuge#

Elastisch verfugte Fuge, deren Dichtstoff — meist Silikon — chemisch oder mechanisch beansprucht wird und deshalb regelmäßig zu prüfen und zu erneuern ist: die Fugen zwischen Wanne oder Duschtasse und Fliesen, in Raumecken, am Übergang vom Boden zur Wand, an Fensterbänken und Anschlüssen. Der Dichtstoff ist dort ein Verschleißteil wie ein Scheibenwischer. Wartungsfuge heißt sie, weil sie Wartung braucht, nicht weil sie welche bekommt.

In Nassräumen ist die Silikonfuge nicht die Abdichtung. Diese liegt als Verbundabdichtung unter den Fliesen und ist an Wanne und Ablauf mit Dichtbändern angeschlossen; die Fuge hält nur das Gröbste ab.

Häufige Probleme: abgerissene oder verschimmelte Fuge (siehe Schwarzschimmel), durch die Wasser in Wand und Estrich dringt; Fuge als einzige Abdichtung, in der Folge ein Wasserschaden in der Wohnung darunter; neues Silikon auf altes aufgetragen, auf dem es nicht haftet.

Siehe auch: Silikon, Bewegungsfuge, Dehnungsfuge, Verbundabdichtung, Dichtung.

Wasser#

Feind des Architekten, des Baumeisters und des Bauherren:

Bauen ist der Kampf gegen das Wasser.

Siehe auch: Dampfbremse, Flachdach, Braune Wanne, Schwarzdeckung, Schwarze Wanne, Weiße Wanne; Dichtung

WDVS#

Abkürzung für Wärmedämmverbundsystem. Die meist von einem Hersteller angebotenen Systeme umfassen Kleber und Befestigungsmittel zum Anbringen der eigentlichen Dämmung, allenfalls Zwischenschichten und Sperren, Armierungen (oft Glasfasernetze), Spachtelungen und einen Oberflächenputz. Während früher zur Dämmung hauptsächlich EPS zum Einsatz kam, werden heute verschiedene Materialen wie gepresste Holzwolle, Schafwolle, Kautschuk und Ähnliches eingesetzt, da diese nicht so leicht brennbar und besser löschbar sind.

Als Oberflächenputz werden häufig Silikatputze und Silikonharzputze verwendet, die zur Vermeidung von Rissbildung eine gewisse Elastizität aufweisen.

Häufige Probleme: Veralgung, uneinheitliche/unebene Oberfläche, Rissbildung, Wärmebrücken.

Siehe auch: Wärmebrücke, EPS, Baustoffkennwerte › Aufbau eines WDVS

Wechsel#

Querliegender Balken, der dort eingebaut wird, wo ein Sparren oder ein Deckenbalken (Tram) für eine Öffnung unterbrochen werden muss — für ein Dachfenster, eine Gaupe, einen Kamin oder eine Stiege. Der Wechsel nimmt die Last des abgeschnittenen Balkens auf und gibt sie an die beiden Nachbarbalken weiter, die dafür entsprechend stärker sein müssen. Der Einbau heißt Auswechslung. Am Kamin hält der Wechsel zugleich den vorgeschriebenen Abstand zwischen Holz und Rauchfang ein.

Häufige Probleme: Sparren oder Träme für eine nachträgliche Öffnung einfach durchgeschnitten, ohne Wechsel, in der Folge Durchbiegung und Risse; Nachbarbalken nicht verstärkt und damit überlastet; Wechsel bloß angenagelt statt mit Balkenschuhen oder Zapfen angeschlossen; zu geringer Abstand zum Kamin, in der Folge Brandgefahr.

Siehe auch: Sparren, Dachstuhl, Gaupe, Tramdecke.

Weiße Wanne#

Ausführungsart von unter den Bodenniveau liegenden Gebäudeteilen. Bei der weißen Wanne werden die Wände aus qualitativ hochwertigem, armierten Ortbeton mit einer Mindeststärke (WU1-Beton) hergestellt, der besonders sorgfältig verdichtet wird. Sowohl durch die Armierung als auch durch die Verdichtung des eingegossenen Betons wird die Rissbildung in der späteren Wand verringert oder vermieden. Auch die Anschlussstellen zwischen zwei Bauteilen (Bodenplatte oder aneinander grenzende Wände) müssen durch Fugenbänder abgedichtet werden. Bei der Weißen Wanne sind die tragenden Teile gleichzeitig auch die dichtenden. Je nach Ausführungsklasse und Nutzungsart des Gebäudes ist auch bei Weißen Wannen allenfalls der Durchtritt flüssigen Wassers in geringem Ausmaß zulässig.

Wird eine Weiße Wanne undicht, ist eine häufige Sanierungsart das Verpressen der Problemstellen mit Kunstharz. Gelegentlich ist dies bereits von Anfang an vorgesehen, um den Aufwand beim Betonieren geringer zu halten.

Bei Weißen Wannen handelt es sich um eine relativ teure Ausführungsart.

Häufigstes Problem: Undichtheit.

Siehe auch: Braune Wanne, Schwarze Wanne, Stahlbeton, Kiesnest, Baustoffkennwerte › Beton, Festigkeitsklassen

  1. Wasserundurchlässiger Beton. ↩

Widerlager#

Bauteil, gegen das sich ein Bogen, ein Gewölbe oder eine Brücke abstützt. Es nimmt nicht nur die senkrechte Last auf, sondern auch den seitlichen Schub, den jeder Bogen erzeugt. Beim Tonnengewölbe sind es die tragenden Mauern zu beiden Seiten, bei der Kappendecke die Randmauern, bei der Brücke die Endauflager am Ufer, die zugleich den Erddruck der Böschung aufnehmen.

Dem Schub hält es durch seine Masse stand (alte Gewölbemauern sind daher oft auffallend dick), durch die Auflast der Geschoße darüber, durch Strebepfeiler oder durch Zuganker, die zwei Widerlager miteinander verbinden.

Häufige Probleme: Weicht ein Widerlager aus, senkt sich das Gewölbe im Scheitel und reißt dort der Länge nach auf (Rissbilder). Ursachen sind Setzung, Durchbrüche in der Widerlagermauer, beim Umbau entfernte Auflast oder Zuganker und der Abbruch eines angrenzenden Bauteils, der bisher gegengehalten hat. Vor jedem Eingriff in eine Altbaumauer ist daher zu klären, ob sie ein Gewölbe hält.

Siehe auch: Tonnengewölbe, Kappendecke, Statik › Lager und Auflager, Unterfangung.

X#

XPS#

Abkürzung für extrudierten Polystyrol-Hartschaum, im Unterschied zum aufgeschäumten EPS in einem Strangpressverfahren hergestellt. Die Zellen sind geschlossen, das Material nimmt daher kaum Wasser auf und bleibt auch feucht oder unter Last dämmwirksam. Erkennbar meist an der durchgehenden Einfärbung der Platten.

Verwendet wird es dort, wo EPS wegen Nässe oder Druck ausscheidet: als Perimeterdämmung im Erdreich, unter der Bodenplatte und im Umkehrdach, wo die Dämmung oberhalb der Dichtebene liegt. Im Brandverhalten unterscheidet es sich von EPS nicht wesentlich — beide sind Polystyrol.

Siehe auch: EPS, Perimeterdämmung, Umkehrdach, Dämmung, Baustoffkennwerte › Wärmeleitfähigkeit gängiger Schichten

Z#

Zange#

Paar aus Brettern oder Bohlen, die ein anderes Bauteil von beiden Seiten umfassen und mit ihm verschraubt oder verbolzt sind. Im Pfettendach verläuft die Zange waagrecht von Sparren zu Sparren und fasst dabei die Stuhlsäulen ein (Skizze unter Dachstuhl). Sie steift den Dachstuhl in der Querrichtung aus und hält Sparren und Säulen in ihrer Lage — eine ähnliche Aufgabe wie der Kehlbalken im Sparrendach.

Häufige Probleme: beim Dachgeschoßausbau entfernt oder durchtrennt, weil sie quer durch den künftigen Raum läuft, in der Folge Verformungen des Dachstuhls; lockere Bolzen, weil das Holz beim Austrocknen schwindet — sie sind in den ersten Jahren nachzuziehen.

Siehe auch: Dachstuhl, Kehlbalken, Pfette, Sparren.

Zement#

Das Bindemittel von Beton, Mörtel und Zementestrich: ein fein gemahlenes, graues Pulver, das mit Wasser angerührt zu Stein erhärtet, und zwar auch unter Wasser. Er verklebt Sand und Kies zu Beton, macht mit rund 300 kg je Kubikmeter aber nur einen kleinen Teil davon aus.

Die Grundsorte ist der Portlandzement1: Kalkstein und Ton werden gemahlen und bei rund 1450 °C gebrannt; der dabei entstehende Klinker wird mit etwas Gips fein vermahlen. Heute überwiegen Mischsorten, in denen ein Teil des Klinkers durch Hüttensand, Flugasche oder Kalksteinmehl ersetzt ist — billiger und klimaschonender, weil gerade das Brennen des Klinkers viel CO₂ freisetzt. Die Norm (ÖNORM EN 197-1) bezeichnet Portlandzement als CEM I, die Mischsorten als CEM II bis CEM V.

Zement trocknet nicht bloß, er verbindet sich beim Erhärten chemisch mit dem Wasser (Hydratation). Frischer Beton muss daher einige Tage feucht gehalten werden und darf nicht austrocknen (Nachbehandlung). Umgekehrt schadet zu viel Wasser: Es macht den Beton zwar leichter verarbeitbar, hinterlässt beim Verdunsten aber Poren, die ihn schwächer und durchlässiger machen.

Häufige Probleme: Beton auf der Baustelle mit Wasser „verlängert“, in der Folge geringere Festigkeit und Dichtheit; fehlende Nachbehandlung bei Hitze oder Wind, in der Folge Risse und eine mürbe, sandende Oberfläche.

Siehe auch: Stahlbeton, Estrich, Sand, Baustoffkennwerte › Expositionsklassen.

  1. Den Namen gab ihm 1824 der Engländer Joseph Aspdin, der seinem Erzeugnis eine Ähnlichkeit mit dem geschätzten Kalkstein von der Insel Portland nachsagte. Die Ähnlichkeit war eher werblicher Natur; der Name hat sich trotzdem gehalten. ↩

EDV-Lexikon#

Alphabetisches Verzeichnis der Begriffe aus Informatik und Computertechnik, die im Verfahren wiederkehren — beim Gerätekauf und seinen Mängeln ebenso wie bei der Beurteilung digitaler Beweismittel. Wie das Baulexikon ist es auf den Streitpunkt hin geschrieben, nicht auf Vollständigkeit. Vertiefend: Digitale Spuren zur Beweisführung, Zahlensysteme und Binärcode zu Bit, Byte und den Zahlenbasen, Abkürzungen und Akronyme zur Schreibweise, ISO Vorsilben zu den Größenordnungen.

4K · ASCII · BIOS · Bit · Bluetooth · Byte · CPU · DP · Glasfaser · GPU · HD · HDD · HDMI · HDR · HID · HTTP · LAN · Lightning · Nibble · OS · PD · RAM · Server · SSD · TCP/IP · USB · UTF · VGA · VRAM · WAN · WLAN

Fachbegriffe#

4K#

Kein Akronym, sondern eine Mengenangabe: rund 4000 Bildpunkte in der Waagrechten. Dahinter stehen zwei verschiedene Auflösungen, die der Handel gleichermaßen als 4K anpreist — UHD mit 3840 × 2160 Punkten bei Fernsehgeräten und Bildschirmen und DCI 4K mit 4096 × 2160 Punkten in der Kinoprojektion. Gemeint ist im Regelfall UHD; es hat gegenüber Full HD die vierfache Fläche, nicht die doppelte, weil sich beide Kantenlängen verdoppeln.

Was eine höhere Auflösung tatsächlich einbringt, hängt vom Betrachtungsabstand ab. Bei einem Fernsehgerät mit 55 Zoll Bilddiagonale misst ein UHD-Bildpunkt 0,32 mm, ein Full-HD-Punkt 0,63 mm. Bei einer Sehschärfe von einer Bogenminute verschmelzen die UHD-Punkte ab rund 1,1 m, die von Full HD ab rund 2,2 m; wer weiter als gut zwei Meter entfernt sitzt, sieht zwischen beiden Auflösungen keinen Unterschied mehr. Die Auflösung ist damit ein schwächeres Verkaufsargument, als die Verpackung nahelegt — der Zugewinn liegt eher bei HDR.

Zur Übertragung: UHD mit 60 Bildern je Sekunde verlangt HDMI ab Version 2.0 oder DisplayPort ab 1.2. Über VGA ist es nicht sinnvoll darstellbar.

Siehe auch: HD, HDR, HDMI, DP

ASCII#

Abkürzung für American Standard Code for Information Interchange, die Zuordnung von Zeichen zu Zahlen aus dem Jahr 1963.1 ASCII umfasst 128 Zeichen und braucht dafür sieben Bit; das achte Bit eines Bytes blieb frei.

Bereich (dezimal) hex Inhalt
0 – 31 00 – 1F Steuerzeichen (Zeilenvorschub, Tabulator, Ende)
32 – 47 20 – 2F Leerzeichen und Satzzeichen
48 – 57 30 – 39 Ziffern 0 – 9
65 – 90 41 – 5A Großbuchstaben A – Z
97 – 122 61 – 7A Kleinbuchstaben a – z

Die Ordnung ist nicht zufällig: Die Ziffer 7 hat den Wert 55, also 0x37 — die letzten vier Bit sind die Ziffer selbst. Zwischen Groß- und Kleinbuchstaben liegen genau 32, das ist ein einziges Bit; die Umschaltung der Schreibweise ist deshalb eine Rechenoperation und kein Nachschlagen.

Was ASCII nicht enthält: Umlaute, ß, Akzente, das Eurozeichen. Dafür wurde das achte Bit herangezogen, und zwar von jedem Sprachraum anders — ISO 8859-1 (Latin-1) und Windows-1252 im Westen, ISO 8859-2 im Osten, CP437 auf der alten DOS-Konsole. Dieselbe Bytefolge bedeutet in jeder dieser Tabellen etwas anderes, und daher stammt der überwiegende Teil aller Zeichensalate. Abgelöst wird das alles durch UTF, das ASCII als Teilmenge enthält.

Zwei Erscheinungen, die im Verfahren stören: Die Zeilenenden sind unter Windows zwei Steuerzeichen (0D 0A), unter Unix und macOS eines (0A) — ein Wechsel des Systems ändert damit jede Zeile einer Datei und ihren Hashwert, ohne dass sich am Text etwas ändert. Und die Sortierung nach ASCII-Werten stellt alle Großbuchstaben vor alle kleinen; ein Verzeichnis, das „Zeder" vor „ahorn" reiht, ist nicht fehlerhaft, sondern maschinell sortiert.

Ausführlich zu Basen und Bitmustern: Zahlensysteme und Binärcode.

Siehe auch: UTF, Byte, Buchstabieralphabete

BIOS#

Abkürzung für Basic Input/Output System, deutsch etwa Firmware der Hauptplatine: jenes Programm, das beim Einschalten noch vor dem Betriebssystem läuft. Es prüft die Bauteile (POST, Power-On Self-Test), stellt Grundeinstellungen bereit und übergibt an den Startdatenträger.

Die heutige Ausführung heißt UEFI (Unified Extensible Firmware Interface) und hat das BIOS technisch abgelöst, auch wenn der alte Name geblieben ist. Der Unterschied ist praktisch spürbar:

Merkmal BIOS (bis etwa 2012) UEFI
Partitionsschema MBR, höchstens 2 TB GPT, praktisch unbegrenzt
Bedienung Textmaske, Tastatur grafisch, Maus, mehrsprachig
Startsicherung keine Secure Boot prüft Signaturen
Startdauer träge deutlich kürzer (Fast Boot)

Im Verfahren begegnet die Firmware dreifach. Erstens über die Systemzeit: Sie wird hier gehalten und von einer Knopfzelle gepuffert; ist die Zelle leer, springt die Uhr auf einen Grundwert zurück, und sämtliche Zeitstempel des Geräts werden unbrauchbar — siehe Digitale Spuren. Zweitens über das Kennwort: Ein BIOS-Kennwort sperrt den Start des Geräts und lässt sich bei Notebooks häufig nicht ohne Weiteres zurücksetzen, was bei der Verwertung sichergestellter oder übergebener Geräte praktische Folgen hat. Drittens über die Startreihenfolge, die bestimmt, ob ein Gerät von der eingebauten SSD oder von einem angesteckten USB-Datenträger startet — die Voraussetzung jeder forensischen Sicherung ohne Veränderung des Originals.

Siehe auch: OS, SSD, HDD

Bit#

Kurzwort aus binary digit, deutsch Binärziffer: die kleinste Informationseinheit, eine Stelle im Dualsystem, die Antwort auf genau eine Ja-Nein-Frage. nn Bit unterscheiden 2n2^n Zustände — acht Bit also 256, zweiunddreißig Bit rund 4,29 Milliarden.

Im Schriftbild ist das Bit mit kleinem b abzukürzen, das Byte mit großem B. Der Unterschied ist der Faktor acht und die häufigste Fehlerquelle bei Datenraten: Ein Anschluss mit 100 MBit/s liefert rund 12 MByte/s. Übertragungsraten werden in Bit je Sekunde angegeben, Dateigrößen in Byte — wer beides vergleicht, ohne umzurechnen, kommt auf falsche Ladezeiten.

Ausführlich, samt Umrechner: Zahlensysteme und Binärcode.

Siehe auch: Byte, Nibble, RAM

Bluetooth#

Keine Abkürzung, sondern ein Name: Harald Blauzahn (Harald Blåtand) einte im 10. Jahrhundert die dänischen Stämme, und der Funkstandard sollte die Anschlüsse der Endgeräte ebenso einen. Das Zeichen ist die Binderune seiner Initialen ᚼ und ᛒ.2 Die Sache selbst ist nüchterner: eine Funkverbindung geringer Reichweite im 2,4-GHz-Band nach IEEE 802.15.1, für Kopfhörer, Tastaturen, Freisprecheinrichtungen und Sensoren.

Merkmal Ausprägung
Band 2,4 GHz, gemeinsam mit dem WLAN
Reichweite Klasse 2 rund 10 m, Klasse 1 bis 100 m
Rate 1 bis 3 MBit/s (Classic), 2 MBit/s (LE)
Betriebsarten Classic für Ton und Datenströme, Low Energy (LE, ab Version 4.0) für Sensoren und Ortung

Die Version des Standards sagt wenig über die Tauglichkeit im Einzelfall; maßgeblich ist das Profil, das beide Seiten beherrschen müssen — A2DP für Musik, HFP für das Telefonat, HID für Tastatur und Maus, AVRCP für die Bedientasten. Ein Kopfhörer, der Musik überträgt, aber im Telefonat dumpf klingt, ist deshalb selten defekt: Er schaltet vom breitbandigen A2DP auf das schmale HFP um.

Im Verfahren begegnet Bluetooth zweifach. Erstens als Aufenthaltsindiz: Die Kopplungsliste eines Geräts hält fest, mit welchen Gegenstellen es verbunden war — der Freisprecheinrichtung eines bestimmten Fahrzeugs etwa. Zweitens als Verbindungsprotokoll mit Zeitstempel. Beides belegt die Nähe zweier Geräte, nicht die Anwesenheit ihrer Inhaber; siehe Digitale Spuren.

Siehe auch: WLAN, USB, HID

Byte#

Acht Bit, in Normen und im Telekommunikationsrecht genauer Oktett genannt, weil „Byte" historisch auch sechs oder neun Bit bedeuten konnte. Ein Byte fasst 256 Zustände: vorzeichenlos 0 bis 255, vorzeichenbehaftet −128 bis 127. Geschrieben wird es meist als zwei Hexziffern, etwa FF für 255.

Es ist die Einheit, in der Dateigrößen und Speicherplatz gemessen werden — und dabei in zwei Zählweisen: 1 kB sind dezimal 1000 Byte, 1 KiB binär 1024 Byte. Ein Datenträger mit „1 TB" trägt 101210^{12} Byte, das Betriebssystem meldet daraus 0,91 TiB. Das ist kein Mangel, sondern die Differenz zweier Zählweisen; siehe ISO Vorsilben und, zum Arbeitsspeicher, RAM.

Ausführlich, samt Umrechner: Zahlensysteme und Binärcode.

Siehe auch: Bit, Nibble, SSD

CPU#

Abkürzung für Central Processing Unit, deutsch Hauptprozessor oder Zentraleinheit. Sie führt die Befehle der Programme aus und steuert alle übrigen Bauteile. Ihre Kennwerte:

Größe Bedeutung typische Werte 2026
Kerne (Cores) voneinander unabhängige Rechenwerke 4 bis 16 im Endgerät
Threads vom Betriebssystem gesehene Arbeitsstränge; meist doppelt so viele wie Kerne 8 bis 32
Takt Arbeitsschritte je Sekunde, in GHz 2 bis 5,5 GHz
Cache prozessoreigener Zwischenspeicher 8 bis 64 MB

Zwei Architekturen teilen den Markt: x86-64 (Intel, AMD — Windows- und Linux-PCs) und ARM (Smartphones, Tablets, Apple-Rechner seit 2020). Programme sind an die Architektur gebunden; Software für die eine läuft auf der anderen nur über eine Übersetzungsschicht und dann langsamer. Für die Beurteilung eines zugesagten Funktionsumfangs ist das oft der entscheidende Punkt.

Häufigster Irrtum: Die Taktfrequenz allein sagt nichts über die Leistung. Zwei Prozessoren gleichen Takts können sich um den Faktor zwei unterscheiden, weil sie je Takt unterschiedlich viel erledigen. Dazu kommt die thermische Drosselung: Wird der Prozessor zu warm, senkt er den Takt selbständig. In flachen Notebooks liegt die Dauerleistung deshalb regelmäßig weit unter dem beworbenen Spitzenwert — ein Umstand, der im Gewährleistungsstreit als Mangel geltend gemacht wird, technisch aber Bauartmerkmal ist.

Siehe auch: GPU, RAM

DP#

Abkürzung für DisplayPort, den Bildschirmanschluss der VESA. Er ist das Gegenstück zu HDMI aus der Rechnerwelt: dieselbe Aufgabe, andere Herkunft, keine Lizenzgebühr je Gerät. Auf Grafikkarten und Bildschirmen ist er die Regel, auf Fernsehgeräten die Ausnahme.

Version Bandbreite reicht für
1.2 17,3 GBit/s 4K mit 60 Hz
1.4 25,9 GBit/s 4K mit 120 Hz, 8K mit Kompression
2.0 / 2.1 77,4 GBit/s 8K mit 60 Hz ohne Kompression

Zwei Eigenheiten unterscheiden ihn von HDMI. Er kann über MST (Multi-Stream Transport) mehrere Bildschirme an einem Anschluss betreiben, hintereinandergeschaltet oder über einen Verteiler. Und er wird im DP Alt Mode über eine USB-C-Buchse geführt, was den einen Anschluss erklärt, an dem Bildschirm, Datenträger und Ladegerät gleichermaßen hängen — siehe PD.

Häufigster Irrtum: Adapter sind nicht gleich Adapter. Von DisplayPort auf HDMI genügt ein passiver Adapter, weil die Quelle das HDMI-Signal selbst erzeugen kann; in der Gegenrichtung — HDMI auf DisplayPort — ist ein aktiver Adapter mit eigener Elektronik nötig. Der Satz „das Kabel funktioniert nicht" meint in der Praxis meist diese Richtung.

Siehe auch: HDMI, USB, VGA, 4K

Glasfaser#

Genauer Lichtwellenleiter (LWL): eine Faser aus hochreinem Quarzglas, in der Licht durch Totalreflexion geführt wird. Übertragen wird nicht Strom, sondern Licht — und daraus folgt der Großteil der Vorteile.

Bauart Kerndurchmesser Reichweite Einsatz
Singlemode (OS2) 9 µm mehrere Kilometer Anschlussnetz, Fernstrecken
Multimode (OM3 – OM5) 50 µm 100 bis 550 m Gebäude, Rechenzentrum
Kunststofffaser (POF) 1 mm einige Dutzend Meter Heimnetz, Industrie

Die Dämpfung liegt bei 0,2 bis 0,4 dB je Kilometer; eine Kupferleitung nach LAN ist dagegen nach 100 m am Ende. Weil kein Strom fließt, ist die Faser potentialfrei: kein Blitzeintrag über die Datenleitung, keine Störung durch Leuchtstofflampen, Motoren oder Starkstromleitungen, kein Übersprechen — die Gründe, aus denen sie im Gebäude auch dort verlegt wird, wo die Länge sie nicht verlangt.

Die Kehrseite ist die Empfindlichkeit bei der Verlegung. Der zulässige Biegeradius beträgt je nach Fasertyp das Zehn- bis Zwanzigfache des Kabeldurchmessers; wird er unterschritten, tritt Licht seitlich aus, und die Strecke dämpft, ohne sichtbaren Schaden. Ebenso empfindlich sind Zugbelastung beim Einziehen, Quetschung und Verschmutzung der Steckerstirnflächen — bei Streit über eine mangelhafte Verlegung ist die OTDR-Messung (Rückstreumessung) das Beweismittel: Sie weist Dämpfung und Fehlerort auf den Meter genau aus. Gebräuchliche Stecker sind LC (klein, im Rechenzentrum) und SC (Anschlussdose).

Zum Ausbaugrad ist die Bezeichnung zu beachten: FTTH führt die Faser bis in die Wohnung, FTTB bis in den Keller des Hauses, FTTC nur bis zum Verteiler an der Straße — dahinter läuft es über Kupfer weiter. Ein als „Glasfaseranschluss" beworbenes Produkt ist daher nicht notwendig ein Anschluss mit Glasfaser an der Dose; für die Beurteilung einer zugesagten Beschaffenheit ist das der entscheidende Punkt.

Siehe auch: LAN, WAN, TCP/IP

GPU#

Abkürzung für Graphics Processing Unit, deutsch Grafikprozessor. Sie enthält statt weniger universeller Rechenwerke sehr viele einfache, die dieselbe Rechenoperation gleichzeitig auf viele Daten anwenden. Ursprünglich für die Bildberechnung entwickelt, wird sie heute ebenso für Videobearbeitung, Simulation und maschinelles Lernen genutzt.

Zu unterscheiden sind die integrierte GPU, die im Prozessorgehäuse sitzt und sich den RAM mit der CPU teilt, und die dedizierte Grafikkarte mit eigenem Speicher (VRAM, 8 bis 32 GB). Der Unterschied in der Leistung beträgt eine Größenordnung, der Unterschied im Stromverbrauch ebenso.

Im Verfahren: Bei Spiele- und Arbeitsplatzrechnern macht die Grafikkarte häufig den größeren Teil des Gerätewerts aus — bei der Bewertung eines gebrauchten Rechners ist sie deshalb getrennt zu erfassen. Ein wiederkehrender Mangeleinwand ist die vorangegangene Verwendung einer Karte zum Mining von Kryptowährungen: Dauerlast über Monate verkürzt die Lebensdauer der Lüfter und der Lötstellen, ist aber am Gerät nicht ohne weiteres nachweisbar.

Siehe auch: CPU, RAM, VRAM, HDMI, DP

HD#

Abkürzung für High Definition, deutsch hochauflösend. Der Ausdruck bezeichnet keine bestimmte Auflösung, sondern alles oberhalb des alten Fernsehbildes, und ist genau deshalb im Verkaufsgespräch beliebt. Die geläufigen Stufen:

Bezeichnung Punkte Seitenverhältnis Anmerkung
SD (PAL) 720 × 576 4 : 3 analoges Fernsehen bis 2011
HD ready 1280 × 720 16 : 9 auch 720p
Full HD 1920 × 1080 16 : 9 auch 1080p, seit rund 2010 der Regelfall
WQHD 2560 × 1440 16 : 9 Bildschirme, auch 1440p
UHD 3840 × 2160 16 : 9 siehe 4K
8K UHD 7680 × 4320 16 : 9 im Handel, kaum mit Inhalt versorgt

Das angehängte p steht für progressiv — jedes Bild wird vollständig übertragen —, das ältere i für interlaced, das Halbbildverfahren des Röhrenfernsehens. Ein mit 1080i zugespieltes Bild hat dieselbe Punktzahl, aber die halbe zeitliche Auflösung; bei Bewegung ist der Unterschied deutlich zu sehen.

Zwei wiederkehrende Missverständnisse: HD ready ist die kleinere, nicht die größere Stufe — die Bezeichnung sagt, dass das Gerät ein HD-Signal annimmt, nicht, dass es ihm gewachsen ist. Und die Auflösung des Bildschirms nützt nur so weit, wie das Zuspielgerät und die Leitung mitkommen: An einem VGA-Kabel bleibt der beste Bildschirm ein analoges Gerät.

Siehe auch: 4K, HDR, HDMI

HDD#

Abkürzung für Hard Disk Drive, die Festplatte im ursprünglichen Sinn: rotierende Magnetscheiben, über denen ein Schreib-Lese-Kopf auf einem Luftpolster schwebt. Der Gegenbegriff ist die SSD ohne bewegte Teile.

Merkmal HDD SSD
Zugriffszeit 5 – 15 ms unter 0,1 ms
Übertragungsrate 100 – 250 MB/s 500 – 7 000 MB/s
Erschütterung im Betrieb heikel unempfindlich
Geräusch hörbar lautlos
Preis je TB niedrig ein Mehrfaches

Ihre Berechtigung hat die HDD deshalb dort behalten, wo es auf Menge und nicht auf Geschwindigkeit ankommt: Archiv, Sicherung, Überwachungsaufzeichnung. Ein Klackern oder Schleifen ist kein Bedienfehler, sondern regelmäßig der Beginn eines mechanischen Schadens; das Gerät gehört dann sofort abgeschaltet, weil jeder weitere Betriebsversuch die Oberfläche zerstört und die Datenrettung verteuert oder vereitelt.

Der forensisch bedeutsame Unterschied zur SSD liegt beim Löschen. Wird eine Datei gelöscht, entfernt das Betriebssystem nur den Verzeichniseintrag; die Daten bleiben bis zur Überschreibung liegen und sind wiederherstellbar. Bei der SSD räumt der TRIM-Befehl die Blöcke im Hintergrund tatsächlich frei, weshalb dort oft nichts mehr zu holen ist. Sicheres Löschen einer HDD verlangt daher das Überschreiben der gesamten Oberfläche — einmal genügt nach heutigem Stand; die früher empfohlenen sieben oder fünfunddreißig Durchgänge sind Folklore aus der Zeit der Längsaufzeichnung. Zur Bedeutung im Beweisverfahren siehe Digitale Spuren.

Zur Zustandsbeurteilung dienen die SMART-Werte, die das Laufwerk selbst führt: Betriebsstunden, Einschaltvorgänge, verlagerte Sektoren. Sie sind bei Streit über das Alter oder die Vorbenutzung eines Gerätes das erste, was auszulesen ist — eine als neu verkaufte Platte mit 14 000 Betriebsstunden ist damit belegt.

Siehe auch: SSD, BIOS, ISO Vorsilben

HDMI#

Abkürzung für High-Definition Multimedia Interface, die im Wohnzimmer vorherrschende Bild- und Tonschnittstelle. Sie führt beides über eine Leitung, dazu Steuerbefehle (CEC, wodurch der Fernseher die Zuspielgeräte mitschaltet), einen Rückkanal für den Ton zur Anlage (ARC, erweitert eARC) und den Kopierschutz HDCP.

Version Bandbreite reicht für
1.4 10,2 GBit/s 4K mit 30 Hz, Full HD mit 120 Hz
2.0 18,0 GBit/s 4K mit 60 Hz, HDR
2.1 48,0 GBit/s 4K mit 120 Hz, 8K mit 60 Hz, eARC

Die Kabel sind nach Bandbreite eingeteilt — Standard, High Speed, Premium High Speed, Ultra High Speed —, und nur die letzte Klasse trägt die 48 GBit/s der Version 2.1. Ein „4K-Kabel" ist gleichwohl keine eigene Kategorie, sondern Werbung; maßgeblich ist die Klasse und, bei größeren Längen, die tatsächliche Ausführung. Über etwa fünf Meter hinaus wird die Sache heikel, jenseits von fünfzehn Metern braucht es ein aktives Kabel mit Lichtwellenleiter.

Für die Fehlersuche ist HDCP der erste Verdächtige: Stimmt die Kopierschutzstufe zwischen Quelle, allfälligem Zwischengerät und Bildschirm nicht überein, bleibt das Bild schwarz oder wird auf Full HD heruntergerechnet — ohne jede Meldung, die den Grund nennt. Ein alter Verstärker in der Kette genügt. Wer einen Mangel am Bildschirm behauptet, hat daher zuerst die ganze Kette zu prüfen.

Siehe auch: DP, 4K, HDR, VGA

HDR#

Abkürzung für High Dynamic Range, deutsch hoher Dynamikumfang. Anders als 4K verspricht HDR nicht mehr Bildpunkte, sondern bessere: einen größeren Abstand zwischen dem dunkelsten und dem hellsten darstellbaren Wert, einen erweiterten Farbraum (BT.2020 statt BT.709) und zehn statt acht Bit je Grundfarbe. Der sichtbare Gewinn ist deutlich größer als der Sprung von Full HD auf 4K — vorausgesetzt, das Gerät kann, was auf der Verpackung steht.

Verfahren Metadaten Verbreitung
HDR10 statisch, für den ganzen Film offener Standard, Mindestausstattung
HDR10+ dynamisch, je Szene Samsung, lizenzfrei
Dolby Vision dynamisch, je Szene, 12 Bit lizenzpflichtig, Kino und Streaming
HLG ohne, im Signal enthalten Rundfunk, abwärtskompatibel

Hier liegt der häufigste Irrtum des Gerätekaufs: HDR-fähig heißt nur, dass das Gerät ein HDR-Signal annimmt und nicht verweigert. Ob es den Dynamikumfang auch darstellt, entscheidet die Spitzenhelligkeit in cd/m² (Nit) und die Fähigkeit, einzelne Bildbereiche gesondert abzudunkeln. Unter etwa 400 cd/m² und ohne örtliche Dimmung bleibt vom Effekt wenig übrig; die Zertifizierung DisplayHDR 400 ist deshalb im Wesentlichen ein Aufkleber. Zugesagte Eigenschaft und tatsächliche Leistung fallen bei diesem Merkmal weiter auseinander als bei jedem anderen der Bildtechnik.

Zur Übertragung: HDR verlangt HDMI ab 2.0 oder DP ab 1.4.

Siehe auch: 4K, HD, HDMI

HID#

Abkürzung für Human Interface Device, deutsch Eingabegerät. Gemeint ist eine Geräteklasse mit einheitlicher Beschreibung ihrer Bedienelemente — Tastatur, Maus, Zeigestift, Spielsteuerung, Bedienpult. Der entscheidende Umstand: Das Betriebssystem bringt den Treiber dafür mit. Ein HID-Gerät läuft ohne Installation, an jedem Rechner, unter jedem System, über USB ebenso wie über Bluetooth.

Diese Bequemlichkeit hat eine Kehrseite, die im Verfahren wiederkehrt. Da jede Tastatur ohne Rückfrage angenommen wird, lässt sich ein Speicherstab bauen, der sich als Tastatur ausgibt und nach dem Anstecken selbsttätig Befehle „tippt" — die als BadUSB oder Rubber Ducky bekannte Bauart. Das Gerät ist äußerlich nicht von einem gewöhnlichen Datenträger zu unterscheiden, und die Protokolle des Rechners zeigen die Eingaben als solche des angemeldeten Benutzers. Wer aus einem Protokoll auf eine Person schließt, hat diesen Einwand mitzubedenken; siehe Digitale Spuren.

Siehe auch: USB, Bluetooth

HTTP#

Abkürzung für Hypertext Transfer Protocol, die Sprache, in der ein Webbrowser mit einem Server spricht. Der Ablauf ist stets derselbe: Der Browser stellt eine Anfrage (meist GET zum Abholen, POST zum Absenden eines Formulars), der Server antwortet mit einem Statuscode und dem Inhalt.

Code Bedeutung im Klartext
200 OK vorhanden, wird geliefert
301 Moved Permanently dauerhaft umgezogen
403 Forbidden vorhanden, aber gesperrt
404 Not Found unter dieser Adresse nichts vorhanden
500 Internal Server Error Fehler beim Server, nicht beim Aufrufenden

HTTPS ist dasselbe Protokoll durch eine TLS-Verschlüsselung hindurch; das Schlosssymbol des Browsers steht dafür. Was es besagt und was nicht, wird regelmäßig verwechselt: Verschlüsselt sind der Inhalt der Seite, der aufgerufene Pfad und die übermittelten Formulardaten. Nicht verborgen bleibt, mit welchem Rechner überhaupt gesprochen wird — die Zieladresse und meist auch der Domainname sind für den Zugangsanbieter sichtbar. Und das Zertifikat bestätigt bloß, dass der Server zu dieser Domain gehört; über die Redlichkeit des Betreibers sagt es nichts. Eine Betrugsseite mit gültigem Zertifikat und Schlosssymbol ist der Regelfall, nicht die Ausnahme.

Im Verfahren begegnet HTTP vor allem beim Nachweis eines Seiteninhalts. Ein Bildschirmfoto belegt, was jemand gesehen hat, nicht, was der Server ausgeliefert hat; es trägt weder Zeitstempel noch Herkunft und ist ohne Weiteres herstellbar. Tragfähiger sind die vollständige Seitenablage samt Hashwert, eine notarielle oder gerichtliche Aufnahme oder der Eintrag eines unabhängigen Archivdienstes. Zu beachten bleibt, dass derselbe Aufruf verschiedenen Abrufenden verschiedene Inhalte liefern kann — nach Ort, Gerät, Anmeldung oder schlicht nach Zufall. Siehe Digitale Spuren.

Siehe auch: TCP/IP, Server, WAN

LAN#

Abkürzung für Local Area Network, deutsch lokales Netz. Es umfasst die Geräte eines räumlich begrenzten Bereichs — einer Wohnung, eines Bürogeschoßes, eines Betriebsgeländes.

Die kabelgebundene Ausführung ist Ethernet (IEEE 802.3) über Twisted-Pair-Leitungen mit RJ45-Steckern. Die Kategorie der Leitung bestimmt die Geschwindigkeit: Cat 5e trägt 1 GBit/s, Cat 6 und höher 10 GBit/s. Die zulässige Segmentlänge beträgt in allen Fällen 100 m; darüber hinaus ist ein aktives Gerät nötig. Für längere Strecken oder Umgebungen mit starken elektrischen Störungen tritt Lichtwellenleiter an die Stelle des Kupfers.

Innerhalb des LAN werden private Adressen vergeben (192.168.x.x, 10.x.x.x, 172.16–31.x.x). Sie sind im WAN nicht gültig; der Router setzt sie mittels NAT auf seine eine öffentliche Adresse um. Daraus folgt der für das Verfahren wichtigste Satz zu diesem Begriff: Alle Geräte eines Anschlusses treten nach außen unter derselben IP-Adresse auf. Aus einer IP-Adresse ergibt sich der Anschluss, nicht das Gerät und erst recht nicht die Person. Zur Belastbarkeit solcher Zuordnungen siehe Digitale Spuren.

Siehe auch: WLAN, WAN

Lightning#

Keine Abkürzung, sondern ein Markenname: der 2012 eingeführte, achtpolige Anschluss von Apple. Er löste den älteren 30-poligen Dock-Anschluss ab und war der erste verdrehsichere Stecker am Mobiltelefon — beide Lagen passen, weil die Kontakte auf beiden Seiten liegen. Übertragen wird er allerdings nur mit USB 2.0, also mit 480 MBit/s; wer größere Videodateien von einem älteren Gerät holt, wartet entsprechend.

Jedes Kabel enthält einen Authentifizierungsbaustein (MFi). Fehlt er oder wird er nicht erkannt, verweigert das Gerät die Verbindung mit einer entsprechenden Meldung — ein Umstand, der beim Streit über Zubehör regelmäßig für den Mangeleinwand herhalten muss und tatsächlich Bauartmerkmal ist.

Seit 2023 rüstet Apple auf USB-C um; Grundlage ist die unionsrechtliche Vorgabe eines einheitlichen Ladeanschlusses, die für neu in Verkehr gebrachte Geräte ab 28. Dezember 2024 gilt. Lightning bleibt daher noch lange im Bestand, im Handel aber nicht mehr lange.

Siehe auch: USB, PD

Nibble#

Vier Bit, also ein halbes Byte — der Name ist das englische Wort für einen kleinen Bissen und das Wortspiel zu bite. Ein Nibble fasst 16 Zustände und entspricht damit genau einer Hexadezimalziffer; das ist der Grund, warum Speicherinhalte, Hashwerte und Farbcodes hexadezimal geschrieben werden und nicht dezimal: Jede Ziffer bleibt in vier Bit rückübersetzbar, die Bytegrenze fällt auf jedes zweite Zeichen.

Gebräuchlich ist der Begriff bei der Beschreibung von Datenformaten (das obere und das untere Nibble eines Bytes) und in der Zeichendarstellung. Als Größenangabe begegnet er nicht.

Ausführlich: Zahlensysteme und Binärcode.

Siehe auch: Bit, Byte

OS#

Abkürzung für Operating System, das Betriebssystem: jene Schicht zwischen der Maschine und den Anwendungsprogrammen. Sie verwaltet Prozessorzeit, Arbeitsspeicher und Datenträger, hält das Dateisystem, spricht über Treiber die Geräte an und setzt die Rechte durch, welcher Benutzer was darf.

Familie Verbreitung Dateisystem
Windows Arbeitsplatz, Verwaltung NTFS
macOS Arbeitsplatz, Grafik APFS
Linux Server, eingebettete Geräte ext4, XFS, Btrfs
Android Mobiltelefon, Tablet ext4, F2FS
iOS und iPadOS Mobiltelefon, Tablet APFS

Zwei Punkte sind im Streitfall regelmäßig erheblich. Der erste ist das Ende der Unterstützung: Ein Betriebssystem, für das keine Sicherheitsaktualisierungen mehr erscheinen, ist nicht kaputt, aber für den Betrieb in einem Netz nicht mehr geeignet. Wer ein Gerät verkauft, dessen System kurz vor dem Auslaufen steht, oder dessen Hardware die nächste Version nicht mehr trägt, schuldet darüber Aufklärung; die Frage taucht auch dort auf, wo ein Gerät nur deshalb unbrauchbar wird, weil der Hersteller die Versorgung einstellt.

Der zweite ist die Bindung an die Architektur und an das Programm: Software für Windows läuft nicht auf macOS, Software für x86 nicht ohne Übersetzungsschicht auf ARM (siehe CPU). Eine Zusage über den Funktionsumfang eines Programms ist deshalb ohne Angabe des Systems nichts wert.

Für die Beweisführung hält das Betriebssystem die Zeitstempel der Dateien (angelegt, geändert, zuletzt geöffnet) und die Protokolle über An- und Abmeldungen. Deren Aussagekraft hängt am Dateisystem und daran, ob die Systemuhr richtig ging — siehe BIOS und Digitale Spuren.

Siehe auch: BIOS, CPU, Server

PD#

Abkürzung für Power Delivery, das Ladeprotokoll des USB-C-Anschlusses. Ohne es liefert eine USB-Buchse 5 V bei 0,5 bis 3 A, also höchstens 15 W. Mit ihm handeln Netzteil und Gerät über eine eigene Signalleitung (CC) eine höhere Spannung aus.

Ausbaustufe Spannungen Leistung
USB PD 2.0 / 3.0 5, 9, 15, 20 V bis 100 W
USB PD 3.1 (EPR) zusätzlich 28, 36, 48 V bis 240 W
PPS (in 3.0 enthalten) stufenlos 3,3 bis 21 V akkuschonendes Laden

Für die Beurteilung von Ladeproblemen ist ein Satz zu merken: Drei Teile müssen zusammenpassen — Netzteil, Kabel und Gerät. Die ausgehandelte Leistung ist die kleinste der drei. Am häufigsten scheitert es am Kabel: Für mehr als 3 A braucht es einen darin verbauten Kennungsbaustein (E-Marker), für die 240 W der Stufe 3.1 überdies ein eigens dafür ausgewiesenes Kabel. Ein billiges Ladekabel an einem 100-W-Netzteil lädt daher mit 15 W, und niemand meldet, warum.

Zweiter regelmäßiger Einwand: Ein Notebook, das mit 65 W geliefert wird, lädt an einem 30-W-Netzteil zwar, aber unter Last langsamer als es sich entleert. Das ist kein Mangel des Geräts, sondern eine Leistungsbilanz.

Siehe auch: USB, Lightning

RAM#

Abkürzung für Random Access Memory, deutsch Arbeitsspeicher. Er hält, was der Rechner gerade bearbeitet: das Betriebssystem, die offenen Programme, die geöffneten Dateien. Random Access heißt „wahlfreier Zugriff" — jede Speicherstelle ist gleich schnell erreichbar —, nicht „zufällig".3

Entscheidend ist die Flüchtigkeit: Der Inhalt geht verloren, sobald die Stromversorgung endet. Daraus folgen zwei Dinge. Erstens ist der Arbeitsspeicher kein Massenspeicher; die im Alltag übliche Rede vom „Speicher" meint meist die SSD, und die Verwechslung zieht sich durch Kaufverträge und Gerätebeschreibungen. Zweitens — forensisch bedeutsam — stehen im Arbeitsspeicher Daten, die es sonst nirgends gibt: Entschlüsselungsschlüssel, entschlüsselte Dateiinhalte, Klartext von Nachrichten laufender Sitzungen. Wer ein laufendes Gerät abschaltet, bevor der Arbeitsspeicher gesichert ist, vernichtet diese Spur endgültig. Siehe Digitale Spuren.

Übliche Ausstattung 2026: 16 GB im Büro- und 32 GB im Arbeitsplatzgerät, Bauart DDR5. Zur Größenangabe ist zu beachten, dass Arbeitsspeicher in Binärvielfachen ausgeliefert wird — 16 GB sind hier 16 · 10243 Byte, während Massenspeicher in Dezimalvielfachen (109) ausgewiesen wird. Zu den Präfixen siehe ISO Vorsilben, zur Einheit selbst Byte.

Siehe auch: SSD, CPU, GPU, VRAM

Server#

Kein Gerätetyp, sondern eine Rolle: das Programm — oder der Rechner, auf dem es läuft —, das einen Dienst bereitstellt und Anfragen anderer beantwortet. Die Gegenseite heißt Client. Ein Server kann ein Schrank im Rechenzentrum sein, ein Gerät im Nebenraum oder ein Programm auf demselben Rechner, an dem gearbeitet wird; das Wort allein sagt darüber nichts.

Bauformen sind der Rackserver (in einem Schrank mit 19 Zoll Breite, die Bauhöhe in Höheneinheiten zu 44,45 mm — „1 HE", „2 HE"), der Towerserver im Gehäuse eines Standrechners und der Blade in einem gemeinsamen Rahmen. Auf Dauerbetrieb ausgelegte Bauteile, doppelte Netzteile und Fehler korrigierender Arbeitsspeicher (ECC) unterscheiden ihn vom Arbeitsplatzgerät — nicht die Rechenleistung, die oft geringer ist.

Zwei Verwechslungen sind hartnäckig. Die erste: RAID ist keine Sicherung. Ein Plattenverbund fängt den Ausfall eines Laufwerks auf, nicht das versehentliche Löschen, nicht die Verschlüsselung durch Schadsoftware und nicht den Brand im selben Raum. Eine Sicherung verlangt eine räumlich getrennte, vom laufenden Betrieb abgekoppelte Kopie; die geläufige Regel dazu lautet 3-2-1: drei Kopien, auf zwei verschiedenen Medien, eine davon außer Haus. Die zweite: „Der Server" ist im Streit selten ein Gerät. Gemietete Rechenleistung bei einem Anbieter, verteilt über mehrere Standorte, ist die Regel — für die Frage, wo Daten liegen und wer Zugriff darauf hat, ist deshalb nicht das Blech maßgeblich, sondern der Vertrag samt Leistungsbeschreibung und der tatsächliche Betriebsort.

Im Verfahren ist der Server vor allem Quelle von Protokolldateien: Zugriffe mit Zeitstempel und IP-Adresse, Anmeldungen, Änderungen. Ihre Aufbewahrungsdauer ist regelmäßig kurz und die Löschung automatisch — wer sie braucht, muss früh danach fragen. Siehe Digitale Spuren und HTTP.

Siehe auch: HTTP, TCP/IP, OS, HDD

SSD#

Abkürzung für Solid State Drive, deutsch Halbleiterlaufwerk. Es speichert dauerhaft in Flash-Bausteinen und hat, anders als die ältere Festplatte (HDD, Hard Disk Drive), keine beweglichen Teile: kein Anlaufen, kein Geräusch, keine Empfindlichkeit gegen Erschütterung, Zugriffszeiten um drei Größenordnungen kürzer.

Merkmal HDD SSD
Bauart rotierende Magnetscheibe Flash-Halbleiter
Anschluss SATA SATA oder M.2
Protokoll AHCI AHCI oder NVMe
Leserate 100–200 MB/s 500 MB/s (SATA), 3 000–12 000 MB/s (NVMe)
Verschleiß Mechanik, Lager begrenzte Schreibzyklen, Angabe als TBW

Für das Verfahren ist ein einziger Unterschied maßgeblich, und er wird regelmäßig übersehen: Auf einer SSD sind gelöschte Dateien in aller Regel nicht wiederherstellbar. Die Ursache ist der Befehl TRIM: Das Betriebssystem meldet dem Laufwerkscontroller die freigegebenen Blöcke, und dieser löscht sie im Hintergrund selbsttätig — auch dann, wenn das Gerät forensisch schreibgeschützt angeschlossen ist, weil der Vorgang im Laufwerk selbst abläuft. Auf der Festplatte bleibt der Inhalt bis zum Überschreiben lesbar, auf der SSD nicht. Umgekehrt legt das Wear Leveling — die gleichmäßige Verteilung der Schreibvorgänge über alle Zellen — Kopien in Bereichen ab, die über die normale Schnittstelle nicht adressierbar sind. Beide Eigenschaften sind bei der Formulierung eines Beweisantrags und bei der Beurteilung eines Gutachtens zu bedenken; siehe Digitale Spuren.

Häufigster Mangeleinwand: Nachlassende Schreibgeschwindigkeit. Sie ist bei den meisten Geräten bauartbedingt — ein schneller Pufferbereich fällt nach einigen zehn Gigabyte weg, danach schreibt das Laufwerk mit einem Bruchteil der beworbenen Rate.

Siehe auch: RAM, USB

TCP/IP#

Die Protokollfamilie, auf der das Internet und praktisch jedes Firmennetz beruhen. Die Arbeitsteilung der beiden namengebenden Teile lohnt sich zu merken:

Teil Aufgabe
IP adressiert und findet den Weg; liefert einzelne Pakete ohne jede Zusage
TCP stellt Verbindung her, ordnet die Pakete, fordert Fehlendes nach
UDP verzichtet auf all das zugunsten der Geschwindigkeit (Sprache, Video, Spiel)

IP allein ist unzuverlässig: Pakete dürfen verlorengehen, sich überholen, doppelt ankommen. TCP macht daraus einen verlässlichen Datenstrom, indem es zählt, bestätigt und nachfordert — der Grund, warum eine schlechte Verbindung nicht zu falschen Dateien führt, sondern zu langsamen.

Der Dienst auf der Gegenseite wird über den Port angesprochen, eine Zahl von 0 bis 65 535: 80 für HTTP, 443 für HTTPS, 22 für SSH, 25 für den Mailversand. Adresse und Port zusammen bezeichnen den Endpunkt einer Verbindung.

Für die Zurechnung im Verfahren ist die Adressknappheit entscheidend. IPv4 hat 32 Bit, also rund 4,29 Milliarden Adressen — zu wenige. Deshalb teilen sich hinter einem Router alle Geräte eines Haushalts eine öffentliche Adresse (NAT), und viele Anbieter lassen darüber hinaus mehrere hundert Anschlüsse gemeinsam über dieselbe Adresse laufen (CGNAT, verbreitet im Mobilfunk). Von einer IP-Adresse auf einen Anschluss zu schließen setzt daher voraus, dass Zeitpunkt und Quellport bekannt sind und der Anbieter die Zuordnung noch führt; ohne beides trägt der Schluss nicht. Dass auch die Zuordnung zum Anschluss noch nichts über die handelnde Person besagt, ist die weitere, davon zu trennende Frage — siehe WLAN und Digitale Spuren.

Zum Aufbau der Adressen selbst, zur Netzmaske und zur Schreibweise von IPv6: Zahlensysteme und Binärcode.

Siehe auch: HTTP, LAN, WAN, Server

USB#

Abkürzung für Universal Serial Bus, deutsch universeller serieller Bus — die Schnittstelle, die seit 1996 sämtliche Sonderanschlüsse des Rechners abgelöst hat. Universell ist sie geblieben, übersichtlich war sie nie: Das Gremium hat die Bezeichnungen dreimal rückwirkend geändert, sodass dieselbe Geschwindigkeit unter drei Namen im Umlauf ist.4

Fassung heutige Bezeichnung Rate
USB 2.0 High Speed 480 MBit/s
USB 3.0 / 3.1 Gen 1 / 3.2 Gen 1 USB 5Gbps 5 GBit/s
USB 3.1 Gen 2 / 3.2 Gen 2 USB 10Gbps 10 GBit/s
USB 3.2 Gen 2×2 USB 20Gbps 20 GBit/s
USB4 USB 40Gbps 40 GBit/s

Die Steckerform sagt nichts über die Geschwindigkeit: Ein C-Stecker kann 480 MBit/s führen, ein A-Stecker 10 GBit/s. Maßgeblich ist, was Buchse, Kabel und Gerät jeweils beherrschen — auch hier gilt der kleinste der drei Werte. Zur Stromversorgung siehe PD, zu Tastatur und Maus HID, zur Bildübertragung über denselben Anschluss DP.

Die Lage des USB-A-Steckers#

Der rechteckige A-Stecker passt bekanntlich erst im dritten Versuch. Das ist kein Naturgesetz, sondern eine Frage des Hinsehens: Die Seite mit dem aufgeprägten Logo — dem Dreizack mit Kreis, Dreieck und Quadrat — ist die Oberseite. Die vier Kontakte liegen auf der Gegenseite, auf der Zunge im Inneren des Steckers.

Daraus folgt die verlässliche Regel: In der Buchse sitzt eine gleichartige Kunststoffzunge mit den Gegenkontakten. Der Stecker gehört so hinein, dass das Logo von dieser Zunge wegzeigt, die Kontakte einander also gegenüberstehen. Bei waagrecht eingebauter Buchse liegt die Zunge oben, das Logo zeigt daher nach oben; das ist der Regelfall an Rechnern, Netzteilen und Fernsehgeräten. Bei senkrechtem Einbau ist keine Richtung genormt — dort hilft nur der Blick in die Buchse, welche Seite die Zunge trägt.

Micro-B ist trapezförmig und daher von selbst eindeutig, C und Lightning passen in beiden Lagen. Der Dreizack bleibt trotzdem nützlich: Er kennzeichnet auch am C-Kabel und am Netzteil die Norm, und die Beschriftung neben dem Symbol (SS, SS10, ein Blitz, das Kürzel DP) sagt, was das Teil kann.

Siehe auch: PD, HID, DP, Bluetooth, Lightning

UTF#

Abkürzung für Unicode Transformation Format. Zu trennen sind zwei Dinge: Unicode ist der Zeichenvorrat — rund 150 000 Zeichen aller lebenden und vieler toter Schriften, jedes mit einer Nummer, dem Codepoint, geschrieben als U+20AC für das Eurozeichen. UTF ist die Vorschrift, wie diese Nummer in Bytes abgelegt wird.

Kodierung Länge je Zeichen Eigenschaft
UTF-8 1 – 4 Byte ASCII-kompatibel; heute die Norm im Netz
UTF-16 2 oder 4 Byte intern bei Windows und Java
UTF-32 stets 4 Byte einfach, aber verschwenderisch

UTF-8 hat sich durchgesetzt, weil die ersten 128 Zeichen byteweise mit ASCII übereinstimmen: Ein reiner ASCII-Text ist bereits gültiges UTF-8. Alles darüber belegt mehrere Bytes — ein Umlaut zwei, das Eurozeichen drei, ein Emoji vier. Daraus folgt der häufigste Irrtum bei Feldlängen: Zeichen sind nicht Bytes. „Müller" hat sechs Zeichen und sieben Bytes; ein auf 30 Bytes begrenztes Feld fasst je nach Namen 30 oder auch nur 15 Zeichen, und die Abschneidung mitten in einem Zeichen erzeugt Datenmüll.

Wird UTF-8 als Latin-1 gelesen, entsteht der bekannte Zeichensalat — aus „für" wird „für". Das ist kein Datenverlust, sondern eine Fehldeutung, und mit Kenntnis der beiden Kodierungen umkehrbar. Das Gegenstück, ein als UTF-8 gelesener Latin-1-Text, endet dagegen meist im Fragezeichen oder Ersatzzeichen � und ist dann verloren.

Zwei Feinheiten mit Beweisrelevanz. Erstens die Normalisierung: „ä" lässt sich als ein Codepoint ablegen (NFC) oder als „a" samt kombinierendem Trema (NFD, unter macOS die Regel). Beides sieht gleich aus, besteht aber aus verschiedenen Bytes — und hat damit verschiedene Hashwerte. Ein Dateiname oder Textvergleich, der darüber stolpert, meldet einen Unterschied, wo für das Auge keiner ist; siehe Digitale Spuren. Zweitens die Homoglyphen: Das kyrillische „а" (U+0430) ist vom lateinischen „a" (U+0061) nicht zu unterscheiden. Domainnamen und Absenderadressen lassen sich damit täuschend nachbilden — der technische Kern vieler Betrugsfälle mit vermeintlich bekannten Absendern.

Ausführlich zur Bytedarstellung: Zahlensysteme und Binärcode.

Siehe auch: ASCII, Byte, HTTP

VGA#

Abkürzung für Video Graphics Array, den Grafikstandard, den IBM 1987 einführte. Ursprünglich bezeichnete er eine Auflösung von 640 × 480 Punkten; heute meint das Wort im Sprachgebrauch nur noch den fünfzehnpoligen blauen Anschluss (D-Sub, HD-15), der in Besprechungszimmern und an Beamern noch immer anzutreffen ist.

Er ist analog. Daraus folgt alles Übrige: Das Signal wird im Gerät aus digitalen Daten erzeugt, über das Kabel als Spannungsverlauf geführt und im Bildschirm wieder digitalisiert. Jede dieser Wandlungen kostet Schärfe, und die Verluste wachsen mit der Kabellänge — jenseits von zehn Metern ist die Darstellung sichtbar weich, Farbsäume und Bildzittern kommen dazu. Ton überträgt VGA nicht, einen Kopierschutz kennt es nicht, und die Punktzahl ist ihm gleichgültig: Es kommt an, was ankommt.

Praktisch ist bis 1920 × 1080 brauchbare Qualität zu erreichen, darüber hinaus nicht mehr zuverlässig. Für 4K scheidet der Anschluss aus. Ein Adapter von HDMI oder DP auf VGA muss das Signal wandeln und enthält daher Elektronik; er ist nie bloß ein Kabel, und in der Gegenrichtung — von VGA auf einen digitalen Anschluss — braucht es einen Bildwandler, der mehr kostet als der Bildschirm wert ist.

Siehe auch: HDMI, DP, HD

VRAM#

Abkürzung für Video Random Access Memory, deutsch Grafikspeicher: der eigene Arbeitsspeicher einer dedizierten Grafikkarte, unmittelbar neben der GPU aufgelötet. Er hält, was die GPU gerade berechnet — das Bild, das als Nächstes ausgegeben wird, die Oberflächen und Texturen eines Spiels, bei künstlicher Intelligenz das ganze Modell. Wie der RAM ist er flüchtig, aber deutlich schneller angebunden; heutige Karten haben 8 bis 32 GB.

Die Größe ist eine harte Grenze: Was nicht hineinpasst, muss über den vergleichsweise langsamen Weg aus dem Arbeitsspeicher nachgeladen werden, und die Leistung bricht ein. Aufrüsten lässt sich VRAM nicht; wer mehr braucht, braucht eine andere Karte. Ob etwa ein KI-Modell auf einem Rechner überhaupt läuft, entscheidet meist nicht die GPU, sondern ihr Speicher.

Im Verfahren: Eine integrierte GPU hat keinen eigenen Grafikspeicher, sondern zweigt sich einen Teil des Arbeitsspeichers ab. Angaben wie „bis zu 8 GB Grafikspeicher" in Gerätebeschreibungen meinen dann diesen geborgten Anteil — der beim Arbeitsspeicher wieder fehlt — und nicht den eigenen Speicher einer Grafikkarte.

Siehe auch: GPU, RAM

WAN#

Abkürzung für Wide Area Network, deutsch Weitverkehrsnetz. Es verbindet über Orts- und Ländergrenzen hinweg; das Internet ist das größte. Der WAN-Anschluss des Routers ist die Grenze zwischen dem LAN des Anschlussinhabers und dem Netz des Anbieters — und damit die Grenze, an der die Verantwortungsbereiche auseinanderfallen.

Zugangstechnik Medium übliche Rate 2026
xDSL Telefon-Kupferdoppelader 30–250 MBit/s
Kabel (DOCSIS) Koaxialkabel des Kabelnetzes 100–1 000 MBit/s
FTTH Lichtwellenleiter bis in die Wohnung 100–10 000 MBit/s
Mobilfunk (LTE, 5G) Funk 20–1 000 MBit/s, stark schwankend

Die beworbene Rate ist bei allen außer FTTH ein geteiltes Maximum: Kabel- und Mobilfunkanschlüsse teilen sich die Kapazität eines Segments oder einer Funkzelle, weshalb die Abendleistung deutlich unter der Tagesleistung liegt. Vertraglich wird dem mit der Angabe „bis zu" begegnet.

Für die Zuordnung eines Vorgangs zu einem Anschluss gilt eine zweite Einschränkung neben der aus dem LAN: Bei Mobilfunk und teils auch im Kabelnetz liegt CGNAT vor — mehrere hundert Anschlüsse teilen sich eine öffentliche IP-Adresse. Die Zuordnung gelingt dann nur, wenn neben der Adresse auch die Portnummer und ein sekundengenauer Zeitstempel vorliegen. Fehlt eines davon, ist die Auskunft wertlos. Siehe Digitale Spuren.

Siehe auch: LAN, WLAN

WLAN#

Abkürzung für Wireless Local Area Network, deutsch Funknetz; international und auf Geräten meist als Wi-Fi bezeichnet. Es ersetzt die Leitung des LAN durch eine Funkstrecke nach IEEE 802.11.

Standard Marktname Band Bruttorate
802.11n Wi-Fi 4 2,4 und 5 GHz 600 MBit/s
802.11ac Wi-Fi 5 5 GHz 3,5 GBit/s
802.11ax Wi-Fi 6 / 6E 2,4; 5 und 6 GHz 9,6 GBit/s

Das 2,4-GHz-Band reicht weiter und durchdringt Wände besser, ist aber schmal und wird von Mikrowellenherden, Funkkopfhörern und den Netzen der Nachbarn mitbenutzt. Das 5-GHz-Band ist breiter und störungsärmer, endet aber praktisch an der zweiten Massivwand. Die auf der Verpackung genannte Bruttorate wird nie erreicht; real bleiben je nach Entfernung ein Drittel bis ein Zehntel.

Zur Verschlüsselung: WEP ist seit 2001 gebrochen und binnen Minuten zu überwinden, WPA2 gilt bei ausreichend langem Kennwort als tragfähig, WPA3 ist der aktuelle Stand. Ein offenes oder mit WEP gesichertes Netz kann von außerhalb der Wohnung mitbenutzt werden — der regelmäßige Einwand in Verfahren, in denen aus einer IP-Adresse auf den Anschlussinhaber geschlossen wird.

Im Verfahren begegnet das WLAN außerdem als Aufenthaltsindiz: Verbindungsprotokolle des Routers zeigen, welches Gerät wann im Netz war, identifiziert über die MAC-Adresse der Funkschnittstelle. Seit etwa 2020 vergeben Mobilgeräte je Netz eine zufällige MAC-Adresse und wechseln sie regelmäßig,5 was die Zuordnung über längere Zeiträume entwertet. Und selbst eine zutreffende Zuordnung belegt die Anwesenheit des Geräts, nicht die seines Inhabers; siehe Digitale Spuren.

Siehe auch: LAN, WAN, TCP/IP, Bluetooth

  1. Die erste Fassung von 1963 kannte die Kleinbuchstaben noch nicht; sie kamen 1967 dazu. Die Steuerzeichen der Bereiche 0 bis 31 stammen aus der Fernschreibtechnik — Carriage Return und Line Feed sind der Wagenrücklauf und der Zeilenvorschub der Schreibmaschine. ↩

  2. Das Zeichen ist keine Erfindung, sondern ein Kürzel: ᚼ (Hagall) und ᛒ (Bjarkan) übereinandergelegt. ↩

  3. Der Gegenbegriff ist der sequentielle Zugriff des Magnetbands, bei dem die Stelle erst angefahren werden muss. Die Bezeichnung stammt aus einer Zeit, in der das noch die Alternative war. ↩

  4. Aus USB 3.0 wurde rückwirkend USB 3.1 Gen 1, daraus USB 3.2 Gen 1, daraus USB 5Gbps. Die Geschwindigkeit ist dieselbe geblieben. ↩

  5. MAC-Randomisierung, herstellerseitig voreingestellt bei iOS ab Version 14 und Android ab Version 10. ↩

Techniklexikon#

Verzeichnis technischer Begriffe, die in Gutachten über Maschinen-, Fahrzeug- und Metallschäden wiederkehren. Wie das Baulexikon und das EDV-Lexikon ist es auf den Streitpunkt hin geschrieben, nicht auf Vollständigkeit. Vertiefend: Werkstoffkennwerte Metall, Gewinde und Schraubenverbindungen, Passungen und Toleranzen, Statik.

Achse · Beschichtung · Duktilität/Sprödigkeit · Ermüdungsbruch · Flugrost · Kontaktkorrosion · Rost/Korrosion · Überlastungsbruch · Welle

Fachbegriffe#

Achse#

Bauteil, das drehende Teile — Räder, Rollen, Hebel — trägt und lagert, selbst aber kein Drehmoment überträgt. Sie kann stillstehen, während sich die Räder auf ihr drehen, wie beim Anhänger, oder sich mitdrehen. Beansprucht ist sie vor allem auf Biegung. Treibt ein drehendes Teil zugleich an, ist es eine Welle.

Die Umgangssprache hält den Unterschied nicht ein: Die „Antriebsachse“ eines Autos enthält in Wahrheit Wellen. Die Kfz-Technik selbst spricht so; ein Gutachten sollte genauer sein.

Häufige Probleme: Ermüdungsbruch, meist ausgehend von einer Kerbe oder einem Querschnittssprung; Lagerschaden durch fehlende Schmierung.

Beschichtung#

Schicht, die auf die Oberfläche eines Bauteils aufgebracht wird, um es zu schützen oder zu gestalten: Anstrich, Lack, Pulverbeschichtung, Kunststoff, im weiteren Sinn auch metallische Überzüge wie die Verzinkung1. Bei Stahl dient sie vor allem dem Schutz vor Korrosion.

Wirksam ist sie nur, wenn der Untergrund richtig vorbereitet (entrostet, gestrahlt, entfettet, trocken) und die vorgeschriebene Schichtdicke erreicht ist; beides entscheidet mehr über die Haltbarkeit als der Lack selbst. Die Schichtdicke wird in Mikrometern (µm) angegeben und lässt sich zerstörungsfrei mit einem Schichtdickenmessgerät prüfen.

Häufige Probleme: Abblättern wegen mangelhafter Untergrundvorbereitung, etwa Anstrich auf Flugrost, Fett oder feuchtem Grund; zu geringe Schichtdicke; Beschädigung bei Transport und Montage, an der der Rost ansetzt und unter die Beschichtung wandert (Unterrostung).

Siehe auch: Baustahl, Lebensdauer von Bauteilen.

Duktilität/Sprödigkeit#

Duktilität ist das Vermögen eines Werkstoffs, sich vor dem Bruch bleibend zu verformen; das Gegenstück ist die Sprödigkeit. Ein duktiles, zähes Bauteil kündigt sein Versagen durch Verformung, Risse und Durchbiegung an, ein sprödes bricht ohne Vorwarnung (Überlastungsbruch). Kennzahlen sind die Dehnung bei Höchstlast und das Verhältnis von Zugfestigkeit zu Streckgrenze: Bewehrungsstahl B550A erreicht bei Höchstlast rund 2,5 % Dehnung, B550B rund 5 % (Baustoffkennwerte › Bewehrungsstahl). Spröde sind von Haus aus Grauguss, gehärteter Stahl, Glas, Keramik und unbewehrter Beton.

Ob ein Werkstoff zäh oder spröde bricht, hängt nicht allein von ihm ab. Auch Baustahl wird bei tiefer Kälte, schlagartiger Last und in dicken, geschweißten Teilen spröde, hochfester Stahl zudem durch eingedrungenen Wasserstoff (Spannbetondecke). Wie sehr, misst die Kerbschlagarbeit; die Kennbuchstaben JR und J2 der Stahlsorten (Werkstoffkennwerte Metall › Stähle) besagen, dass 27 Joule bei +20 °C bzw. bei −20 °C erreicht werden.

Häufige Probleme: Bewehrung geringer Duktilität (B550A) dort eingebaut, wo B550B verlangt ist; Stahlteile im Freien aus einer Sorte, die für tiefe Temperaturen nicht ausgelegt ist; Streit, ob ein Bruch sich hätte ankündigen müssen.

Siehe auch: Überlastungsbruch, Werkstoffkennwerte Metall, Baustahl.

Ermüdungsbruch#

Bruch eines Bauteils unter einer oft wiederholten Belastung, die für sich allein weit unter der Festigkeit des Werkstoffs liegt. Jeder Lastwechsel — jede Umdrehung einer Welle, jedes Schlagloch unter einer Achse — lässt einen feinen Riss ein Stück weiter wachsen, bis der verbliebene Querschnitt die Last nicht mehr trägt und schlagartig reißt. Ausgang ist fast immer eine Stelle erhöhter Spannung: Kerbe, Querschnittssprung, Gewindegrund, Schweißnaht, Rostnarbe2.

Die Bruchfläche verrät ihn3: ein glatter, oft von bogenförmigen Rastlinien gezeichneter Bereich, in dem der Riss langsam wuchs, daneben ein rauer, zerklüfteter Restbruch. Je kleiner der Restbruch, desto geringer war die Last, die zuletzt genügte.

Für das Verfahren bedeutsam: Ein Ermüdungsbruch hat eine Vorgeschichte von Wochen bis Jahren. Der Bruch im Augenblick des Unfalls ist nur ihr letztes Glied; zu fragen ist, woher der Anriss kam und ob er bei einer Wartung hätte auffallen müssen. Auch Schrauben brechen auf diese Weise, wenn sie zu locker angezogen sind (Gewinde und Schraubenverbindungen › Vorspannkraft und Anzugsmoment).

Siehe auch: Überlastungsbruch.

Flugrost#

Dünner, rotbrauner Rostanflug auf blankem Stahl, der sich an feuchter Luft binnen Stunden bis Tagen bildet — etwa auf gestrahlten Flächen, die nicht rasch genug beschichtet werden, oder auf Bewehrungsstahl, der auf der Baustelle lagert. Auf Edelstahl stammt er meist von fremden Eisenteilchen (Schleifstaub, Werkzeug aus gewöhnlichem Stahl), nicht vom Edelstahl selbst4.

Er ist oberflächlich und schwächt das Bauteil nicht. Unter einer Beschichtung ist er dennoch ein Mangel: Der Anstrich haftet dann auf dem Rost statt auf dem Stahl und blättert früher ab. Auf Armierungsstahl ist leichter Flugrost unbedenklich; loser, abblätternder Rost ist vor dem Betonieren zu entfernen.

Siehe auch: Rost/Korrosion.

Kontaktkorrosion#

Auch galvanische Korrosion: Korrosion, die entsteht, wenn zwei verschiedene Metalle unter Feuchtigkeit miteinander in Verbindung stehen. Metalle lassen sich nach ihrer Neigung, sich aufzulösen, in eine Reihe ordnen, die Spannungsreihe: edel sind Gold, Kupfer und Edelstahl, unedel Zink, Aluminium und Magnesium; gewöhnlicher Stahl steht dazwischen. Berühren sich zwei davon unter einem Wasserfilm, entsteht ein kleines galvanisches Element — eine Batterie im Kurzschluss —, und das unedlere Metall löst sich auf, während das edlere verschont bleibt. Unmittelbare Berührung ist dafür nicht nötig: Wasser, das über Kupfer rinnt, trägt gelöste Kupferteilchen mit und greift Zink oder Aluminium weiter unten an (Spengler).

Der Korrosionsschutz nützt dasselbe Prinzip bewusst: Ein unedleres Metall wird geopfert, damit der Stahl erhalten bleibt (kathodischer Schutz). So schützt die Verzinkung den Stahl auch an einer verletzten Stelle (Beschichtung), so die Opferanode aus Magnesium den Warmwasserspeicher (Lebensdauer von Bauteilen).

Häufige Probleme: Edelstahl- oder Kupferteile ohne trennende Kunststoffscheiben oder -hülsen mit verzinktem Stahl oder Aluminium verschraubt; Kupferrinne oberhalb einer Zink- oder Aluminiumdeckung; verbrauchte Opferanode nicht getauscht.

Siehe auch: Rost/Korrosion, Beschichtung.

Rost/Korrosion#

Korrosion ist die schleichende Zerstörung eines Werkstoffs durch chemische Reaktion mit seiner Umgebung; Rost heißt das Korrosionsprodukt von Eisen und Stahl. Stahl rostet, wenn Wasser und Sauerstoff zugleich an ihn gelangen5; Salze aus Streusalz oder Meeresluft beschleunigen das erheblich.

Rost nimmt ein Mehrfaches des Raums ein, den der Stahl vorher hatte. Wo er eingeschlossen ist, sprengt er deshalb, was ihn umgibt: den Beton über der Bewehrung (Betondeckung), das Mauerwerk um einen Stahlträger, die Beschichtung.

Sonderformen:

  • Kontaktkorrosion: Liegen zwei verschiedene Metalle unter Feuchtigkeit aneinander, löst sich das unedlere auf, etwa verzinkter Stahl neben Kupfer.
  • Lochfraß: Die Korrosion beschränkt sich auf kleine, tiefe Stellen; das Bauteil wirkt von außen kaum geschwächt.
  • Spannungsrisskorrosion: siehe Spannbetondecke.

Häufige Probleme: Querschnittsverlust tragender Teile, verborgen unter Beschichtung oder Verkleidung; Rostnarben als Ausgang eines Ermüdungsbruchs; Streit darüber, ob der Korrosionsschutz für die Umgebung ausreichend bemessen war6.

Siehe auch: Flugrost, Baustahl.

Überlastungsbruch#

Auch Gewaltbruch: Bruch durch eine einmalige Belastung, die die Festigkeit des Bauteils übersteigt — Aufprall, Verklemmen, Überladung. Anders als der Ermüdungsbruch hat er keine Vorgeschichte; die Bruchfläche ist über den ganzen Querschnitt gleichartig rau.

Zähe Werkstoffe wie Baustahl verformen sich vor dem Bruch deutlich, biegen sich und schnüren sich ein (Verformungsbruch); spröde wie Grauguss oder gehärteter Stahl brechen ohne Vorwarnung glatt ab (Sprödbruch, siehe Duktilität/Sprödigkeit). Die Verformung zeigt oft auch, aus welcher Richtung die Kraft kam.

Für das Verfahren bedeutsam: Ein Überlastungsbruch weist auf ein Ereignis hin — Unfall, Fehlbedienung, Überladung —, ein Ermüdungsbruch auf einen Zustand. Nicht selten findet sich beides an derselben Bruchfläche: eine Ermüdungszone und ein Gewaltrestbruch.

Siehe auch: Werkstoffkennwerte Metall › Stähle, Statik › Sicherheitskonzept.

Welle#

Drehendes Maschinenteil, das ein Drehmoment überträgt und damit Leistung weiterleitet: vom Motor zum Getriebe, vom Getriebe zum Rad. Beansprucht ist sie auf Verdrehung (Torsion) und meist zugleich auf Biegung. Die übertragene Leistung ist das Produkt aus Drehmoment und Drehzahl7.

Zu unterscheiden von der Achse, die nur trägt. In der Passungslehre heißt überdies jedes Außenmaß Welle, auch ein Bolzen (Passungen und Toleranzen).

Häufige Probleme: Ermüdungsbruch an Absätzen, Nuten und Querbohrungen; Verschleiß an Lagersitzen und Dichtungen; Unwucht nach einer Beschädigung.

  1. Beim Feuerverzinken wird der Stahl in flüssiges Zink getaucht. Das Zink schützt doppelt: als Schicht und als unedleres Metall, das an einer verletzten Stelle selbst korrodiert und den Stahl daneben verschont (Kontaktkorrosion). Mit einem Anstrich darüber (Duplexsystem) hält der Schutz deutlich länger als jede der beiden Schichten allein. ↩

  2. An Kerben, Löchern und scharfen Übergängen drängt sich der Kraftfluss zusammen wie Wasser an einer Engstelle, und die örtliche Spannung steigt auf ein Vielfaches des Durchschnitts. Deshalb sind Absätze an Wellen ausgerundet und nicht scharfkantig. ↩

  3. Die Untersuchung von Bruchflächen heißt Fraktographie, im Zweifel unter dem Rasterelektronenmikroskop. Die Rastlinien entstehen, wenn der Riss in Schüben wächst, etwa zwischen Betrieb und Stillstand; sie liegen wie Jahresringe um den Ausgangspunkt und weisen auf ihn. ↩

  4. Nichtrostender Stahl schützt sich durch eine hauchdünne, unsichtbare Schicht aus Chromoxid, die sich an der Luft von selbst immer wieder schließt. Eingeschleppte Eisenteilchen rosten darauf trotzdem. Der Anflug lässt sich meist abwischen oder beizen; bleibt er, kann er die Schutzschicht darunter angreifen. ↩

  5. Korrosion braucht einen Wasserfilm auf der Oberfläche. Unter etwa 60 % relativer Luftfeuchte bildet er sich auf sauberem Stahl nicht; deshalb rostet Stahl im beheizten Innenraum kaum, im feuchten Keller oder dort, wo sich Tauwasser niederschlägt, aber sehr wohl (Feuchte, Taupunkt und Schimmel). ↩

  6. Die Norm EN ISO 12944 teilt die Umgebung in Korrosivitätskategorien von C1 (beheizte Innenräume) bis C5 (Industrie, Küste) und CX (extrem) ein. Ein Beschichtungssystem wird für eine Kategorie und eine Schutzdauer ausgelegt; ein für C2 gedachter Anstrich auf einer Stahlkonstruktion neben der gesalzenen Straße hält entsprechend kürzer. ↩

  7. P=2π⋅n⋅MP = 2\pi \cdot n \cdot M mit PP in Watt, MM in Nm und nn in Umdrehungen je Sekunde. Mit der Drehzahl in U/min: P [kW]=M [Nm]⋅n [min−1]/9550P\,[\text{kW}] = M\,[\text{Nm}] \cdot n\,[\text{min}^{-1}] / 9550. Ein Motor mit 200 Nm bei 3000 U/min leistet also rund 63 kW. Grundlagen unter Kraft, Arbeit, Leistung und Energie. ↩